Nullzinsen trotz Boom

Trotz Wirtschaftsaufschwung keine Zinserhöhung: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. (Foto: Keystone/Martin Ruetschi)

Vor einem Jahr waren die Erwartungen klar: 2017 werden die Zinsen auf breiter Front steigen. Die neuste Publikation der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stellt klar, dass diese Erwartungen falsch waren (Quelle).

Der Grund für den Irrtum ist, dass der Inflationsdruck trotz Wirtschaftsaufschwung kaum zugenommen hat. Die BIZ stellt fest, dass in Japan der Arbeitsmarkt zurzeit angespannter ist als während des grossen Booms der 1980er-Jahre. Trotzdem sind die Löhne kaum gestiegen, und die Inflationsrate ist sogar etwas gesunken.

Hier sind die BIZ-Grafiken, die den Widerspruch zwischen Zinserwartungen und Wirtschaftslage auf den Punkt bringen.

  • Die linken beiden Grafiken zeigen die Verflachung der Zinskurve (Differenz zwischen einem einjährigen und einem einmonatigen Zinssatz) und die flachen Zinserwartungen der Marktteilnehmer (durchgezogene Linie). Bei früheren Erholungsphasen sind die Zinsen jeweils steil angestiegen (gepunktete Linie).
  • Die zweite Grafik von rechts zeigt den Purchasing Manager Index (PMI), der als guter Vorlaufindikator gilt, und die Gewinnmargen. In der Eurozone sind die Werte besonders hoch.
  • Die Grafik am rechten Rand gibt eine Erklärung für das Zögern des Fed, die Zinsen schneller zu erhöhen. Im zweiten und dritten Quartal 2017 enttäuschte die US-Wirtschaft. Einmal mehr entschied das Fed, abzuwarten.

Der BIZ-Bericht zeigt auch schön, wie die tiefen Zinsen die Immobilienpreise in den Boomländern anheizen. In Europa sind Deutschland, Schweden und die Schweiz gefährdet. In den übrigen OECD-Ländern ist der Immobilienboom in Kanada sehr weit fortgeschritten. Dies macht es für die Zentralbanken noch unattraktiver, die Zinsschraube allzu schnell anzuziehen.

Die Grafiken verdeutlichen im Übrigen auch, wie unterschiedlich die Krisenbekämpfung in Grossbritannien und Spanien verlief. Beide Staaten erlebten massive Immobilienkrisen, aber die britischen Behörden vermochten den Einbruch dank der eigenen Währung viel besser aufzufangen als die spanischen. In Spanien sind die Häuserpreise immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau.

Wie wird es weitergehen? In einem neuen BIZ-Arbeitspapier argumentieren Charles Goodhart und Manoj Pradhan, dass die Phase der sinkenden Reallöhne nur vorübergehend sein wird (Quelle). Sie sei mit dem Eintritt Chinas und der osteuropäischen Staaten in den Weltmarkt erklärbar. Der resultierende Arbeitsangebotsschock sei aber bald am Ende. Die weltweite Zahl der neu in den Arbeitsmarkt eintretenden Personen sei bereits am Abnehmen, wie die Grafik zeigt.

Werden die Zinsen normalisiert, sobald die Löhne wieder steigen? Eigentlich würde man dies erwarten. Aber angesichts der hohen Verschuldung der Staaten und der privaten Haushalte ist dies kaum denkbar. Inflation scheint dann unvermeidlich.

50 Kommentare zu «Nullzinsen trotz Boom»

  • Linus Huber sagt:

    In 100 Jahren wird man im Geschichtsunterricht lernen, dass die zentralplanerische Geldpolitik grandios scheiterte. Die einzige politische Partei in Europa, welche diesen Umstand in Europa fachgerecht thematisiert, wird ab Sonntag die Position der Opposition im deutschen Bundestag einnehmen.

  • Josef Marti sagt:

    Der Geldschöpfungsmultiplikator in der CH (=M2/M0) ist in 10 Jahren von ca. 10 auf ca. 2-3 abgesackt, M2 hat sich in dieser Zeit zwar verdoppelt, M0 resp. die ZB Bilanz hat sich aber versechsfacht. Da sich das nominelle BIP in dieser Zeit nicht verdoppelt hat ist logischerweise auch die Umlaufgeschwindigkeit eingebrochen.
    Wächst das Basisgeld resp. M0 viel schneller als das Publikumsgeld sind im Wesentlichen bereits bestehende Vermögenswerte vom Preisauftrieb betroffen da diese sich innerhalb des Finanzsystems vermehrt umschlagen. Um Inflation für Konsumgüter zu bekommen muss zwingend M0 massiv zurückgefahren werden wie das die Fed vorsieht, geht logischerweise nicht ohne Zinserhöhung, der Zeithorizont erscheint allerdings unendlich will man keinen massiven Bremsschaden erleiden.

    • Rolf Zach sagt:

      Natürlich haben Sie mit Ihren Zahlen recht, aber Sie müssen bedenken, dass wir in der Schweiz die berühmte Formel von Irving Fisher nicht 1:1 anwenden können. Die Verwendung des Schweizerfrankens als eine Art Schatz-Kästchen für finanzielle Institutionen, die keine Probleme mit ihrem einheimischen Steuer-Vögten haben, führt zu Verwerfungen, daraus eine Inflation sich nicht zwingend ergibt. Auch ist unsere Leistungsbilanz einer vielfältigsten weltweit mit unzähligen Teilnehmern aus einer Schweizer Volkswirtschaft, die eine der kompliziertesten der Welt ist. Die Inflation in der Schweiz wird entschieden durch den Euro und seinem Wechselkurs zum Schweizerfranken.

  • Rolf Zach sagt:

    1. Wir sprechen hier von den Inflationsraten der Reservewährungen und dies sind nun einmal $ und €. Es gibt eigentlich nur den CHF, den Yen und mit Einschränkung den Yuan, die eine geringere Inflationsrate haben als diese beiden Währungen. China will eigentlich nicht Mitglied im Club der Deflationisten sein, sie bevorzugt mehr die $ Inflation als die € Inflation. Der € ist eine Währung, die eigentlich nicht brav der Inflation des $ folgen will, vor allem dann nicht wenn die USA kriegerische und langjährige Abenteuer ohne Verstand wie den Vietnamkrieg und den Einmarsch in den Irak mit Schulden anstatt mit Steuern finanzieren.
    2. Ob Verschuldung von staatlicher Seite oder von privater sind, ist eigentlich für die Auszahlung von Zins gleichgültig. Der Anteil am Volkseinkommen ist wichtig.

    • Rolf Zach sagt:

      Solange innerhalb der €-Zone keine substanziellen politischen Unruhen geschehen und sich die europäischen Mächte auswärts von Europa nur dort einschreiten, wo eine politische Strategie rationell die Risiken abwägen kann, wird der € stabiler als der $ sein, aber deshalb geht er nicht auf den Pfad der Deflation wie der CHF dies 2015 getan hat und heute davon versucht wegzukommen, ohne die Banken zu ärgern, die ihrer ausländischen Kundschaft den CHF als Gold verkaufen, deshalb die starke Zunahme ausländischer institutioneller Anleger (Hedgefonds!).
      Was natürlich einen direkten Einfluss darauf hat, wer Negativzinsen zahlen muss.

      • Rolf Zach sagt:

        Die Frage ist auch, welche Kräfte außer dem Staat mit kriegerischen Verwicklungen oder einer außer Rand und Band entwickelten inneren Sozialstruktur, Inflation verursachen können. Sind es bei einer starken wirtschaftlichen Aktivität ihre privaten Exponenten selber? Die Konzerne mit Monopolcharakter oder auch starke Arbeitnehmervertretungen? Vor 40 Jahren war es die berühmte Auseinandersetzung zwischen Galbraith (Preiskontrolle) und Milton Friedman (Nur die Geldmenge zählt).
        In den meisten OECD Staaten haben sich die Gewerkschaften als eher schwächlich entpuppt, aber erstaunlicherweise können die super-potenten Konzerne mit Monopol-Charakter nicht einfach die Preise erhöhen, wie es ihnen beliebt.
        Warum? Die Globalisierung spielt eine Rolle, aber auch die Politik gegen den Mittelstand.

  • Josef Marti sagt:

    Echte Reallohnerhöhungen sind schon seit Jahrzehnten abgeschafft worden, eine Ausnahme war hier teilweise die CH. Ohne echte Reallohnerhöhung schafft man aber keine Lohn-Preisspirale, diese wäre unter den gegebenen Umständen aber notwendig um Inflation und längerfristig höhere Zinsen zustande zu bringen; die bisher den Löhnen verweigerten Produktivitätszuwächse müssten nämlich nachgeholt werden. Der hier herbeigeredete Boom zielt aber in Richtung immer mehr befristete Billigjobs auf Abruf von denen man mehrere gleichzeitig haben muss um zu überleben.

    • Rolf Zach sagt:

      Warum reden dann die Unternehmer immer vom Facharbeiter-Mangel, existiert dieser überhaupt nicht?
      Wie Sie richtig gesagt haben, sind Billig Jobs überhaupt keine Garantie für die Erhöhung der Reallöhne und für die Aufrechterhaltung eines langfristigen Booms.
      Was mich mehr beunruhigt ist unser Abseitsstehen von der EU, es führt nämlich dazu, dass eine Firma die hochstehende Produkte der Medizinal-Technik herstellt, ihre Fabrik in der Schweiz schließt und ihre Arbeit in ihre deutsche Fabrik auslagert, wie dies kürzlich bei einer ausländischen Konzerntochter im Kanton Luzern geschehen ist. Wir verlieren laufend wertvolle Arbeitsplätze, da wir wegen rein engstirnig, egoistischen Motiven gewisser Leute nicht in die EU wollen.

  • Marcel Senn sagt:

    Dass eigentlich noch nie jemandem aufgefallen ist, dass das mit den Zinsen weltweit nie aufgehen kann!
    Alleine in den USA werden gemäss US Debtclock aktuell rund 2.5 Bio $ Zinsen bezahlt, wenn man die globale Verschuldung inkl. finanz. Corps von aktuell 350% nimmt, dürften die weltweiten Zinszahlungen gut gegen 7-9 Bio $ sein, das globale Wirtschaftswachstum ist aber nur rund 2 bis 2.5 Bio $.
    Also ist die ewige Zinsknechtschaft am zunehmen Jahr für Jahr müssen immer mehr Menschen für die Bezahlung von Zinsen wirtschaftliche Leistungen erbringen.
    Und dann wird hier im Blog noch ernsthaft gefragt, wann die Zinsen endlich wieder steigen werden.
    PS Viele Zinsen sind schon hoch. zB. die 1.47 Bio $ Student Loans zahlen zw. 4-6%, Kreditkartenrückständige noch mehr

    • Anh Toàn sagt:

      Solange die Zinsen tiefer sind als die Inflation, geht es schon mit den Zinsen. Es geht wahrscheinlich auch noch, wenn diese leicht höher sind als die Inflation, solange die Zinsbelastung nur absolut aber nicht in BIP Prozenten wächst.

      Die Frage scheint mir eher, ob wir tatsächlich tiefe Zinsen haben, es wurde so oft wiederholt, dass niemand es mehr in Frage stellt, es wurde wahr. Aber die bei der Beurteilung relevante Zahl ist nicht der Nominalzins, sondern die Differenz zwischen Nominalzins und Inflation. So betrachtet, sind die Zinsen heute weder in USD noch EUR noch CHF besonders tief im historischen Vergleich.

      • Marcel Senn sagt:

        Anh: Matchentscheidend ist tatsächlich der Realzins, aber eben auch der Schuldenleverage, wenn der wie aktuell global um die 350% ist, dann zahlt man vom BIP jeden %Punkt Zinsen mal 3.5 resp. je nach Land und Verschuldung!
        Das UK hat ja nach 1945 seine Staatsschulden von 250% u.a. so abgetragen mit einer höheren Inflation als den Zinsen (dazu noch Kapitalrestriktionen, Schwundpfund und auch noch echtes Wachstum von 4% und mehr)!
        Bezahlt haben jene Rechnung vor allem die britischen Staatsbondholder.
        Die Rechnung kommt früher oder später so sicher wie das Amen in der Kirche – Griechenland hat sie schon im Haus, Italien und andere werden folgen.
        Denn das mit dem Umschulden und neu verschulden geht nicht ewig, das werden auch die USA und China eines Tages noch erfahren

        • Anh Toàn sagt:

          „….der Schuldenleverage, wenn der wie aktuell global um die 350% ist, dann zahlt man vom BIP jeden %Punkt Zinsen mal 3.5 resp. je nach Land und Verschuldung!“

          Irgendwann, bei noch mehr Leverage, hat dann eine Zinsanhebung von 1/512% den Effekt von heute 1/4%, lassen mich meine beschränkten Kenntnisse in Mathe vermuten. Ich erkenne darin keine offensichtliche Problematik.

    • Marcel Senn sagt:

      Vermutlich wird man dieses doch etwas gar rückständige Zinsknechtschaftssystem mal aufgeben müssen zugunsten partizipativer System, wo der Kreditgeber dann am Erfolg und Misserfolg des Kreditnehmers beteiligt ist wie das heute schon bei den Aktien der Fall ist oder im islamic banking.
      .
      Die ganze Pervertiertheit im Zinsknechtschaftswesen drückt sich bei den Derivaten am besten aus. Von den aktuell 483 Bio $ Derivate Notionals sind 368 Bio $ oder 76% reine Zinsderivate — der Grossteil der Derivatewelt zockt also auf Zinsen rum, um das Risiko und Rendite noch ein paar Basispünktli zu optimieren — ist doch nur noch pervers, wenn man das man mit gesundem Menschenverstand mal überdenkt!!

      http://www.bis.org/statistics/d5_1.pdf

    • Franz Gödl sagt:

      Doch, Herr Senn, es fällt einigen auf, was Sie beschreiben. Man weiss auch, dass es praktisch alle 70 Jahre zu einem Sysetemkollaps kommt wegen dem Zinseszinsmechanismus. Die Dauer von ca. 70 Jahren ist perfekt für das menschliche Dasein, weil es nur noch wenig Direktbetroffene gibt oder diese es nicht mehr mitkriegen. Genau deshalb muss man ja davon ausgehen, dass das auch bald wieder der Fall sein wird. Inflation hin oder her. Man bekommt ja sowieso die Inflation nicht in den Griff. Was soll übrigens der Unsinn mit 2% Inflationsziel. Genauso wie es das Ziel ist, die Erderwärmung auf 2% zu limitieren. Alles nur grössenwahnsinnige Vorhaben in einer Welt, die viel zu komplex ist, um sie an ein paar Zahlen festzumachen.

      • Marcel Senn sagt:

        Gödl: „Man weiss auch, dass es praktisch alle 70 Jahre zu einem Sysetemkollaps kommt wegen dem Zinseszinsmechanismus.“
        .
        Sorry aber das weiss man nicht, weil nicht die Nominalzinsen sonder die Realzinsen ausschlaggebend sind. Zudem wenn eine Gesellschaft Produktivitätsfortschritte hat inkl. höheren Gehältern, dann vermindert sich z.B. eine Kleinkreditschuld in Relation zum neuen Einkommen.
        .
        Das mit alle 70 Jahren kollabieren ist ein Gerücht, viel schlimmer sind Ereignisse wie die Finanzkrise 2008/09 wo vorher jeder Ninjna (no income, no job, no assets) noch Kredite für schon überteuerte Häuser bekam.
        Das aktuelle System kann man vermutlich noch mind. 1 bis 2 Jahrzehnte so weiterlaufen lassen bis es allenfalls mal kollabieren sollte.

        • Franz Gödl sagt:

          1 bis 2 Jahrzehnte so weiterlaufen lassen? Darauf würde ich nicht wetten und selbst wenn, so glaube ich kaum, dass Sie bis zum Tage X ihr normales Leben fortführen und dann schlagartig auf Krise umstellen. Lieber 10 Jahre zu früh als einen Tag zu spät lautet meine Devise. Ich bezweifle, dass es noch so lange dauern wird bis zum Reset, denn wieviel Umverteilung verträgt die Welt noch? Sie verläuft exponentiell und jeden Tag wird der Pain der Arbeiter und Mittelschicht grösser, während immer mehr Menschen checken, dass nur eine Handvoll davon profitiert. Ok, es dürfte noch etwas Zeit vergehen, bis es zu Aufständen kommt, weil die Leute einfach noch zuviel zu verlieren haben. Aber 10-20 Jahre? Da halte ich dagegen. Fragt sich nur, worum wir wetten, denn Ihre und meine Werte sind nicht gleich

          • Marcel Senn sagt:

            Herr Gödl: Jetzt wollen wir doch mal schauen wie sich dieses Wiederverkaufsprogramm von Yellen & Co so auf dem Markt ankommt.
            Rund 2.4 Bio in langfristigeren Bonds mit Yields zw. 1.9 bis 2.8% könnten die schon noch Käufer finden. Was mit den 1.8 Bio MBS passiert ist eine andere Frage
            Die FED Bilanz ist schon seit längerem stabil, mal schauen wie gut die jetzt deflationiert wird und der Markt neben den laufend zunehmenden US Schulden auch noch die Treasuries der FED absorbiert.
            Auch die Verschuldungen in Europa sind stabil geblieben, gut da ist Draghi noch die Positionen am aufbauen.
            Die Börsen könnten schon irgendwann mal etwas korrigieren, der Case Shiller PE hat gerade den Wert vom Black Tuesday 1929 erreicht, aber ob dies zum totalen Systemkollaps führt?

          • Franz Gödl sagt:

            @Senn: Interessant, das mit dem Case Shiller PE-Extrem. Ich denke dies ist einfach nur ein Ausdruck der Uebertreibung. Nicht deswegen dürfte der Markt einbrechen, aber es stellt die Voraussetzung dafür dar. Nicht nur dieses eine Ratio, auch sehr viele andere wie z.B. die Käufe von Wertschriften auf Kredit, welche historische Extreme erreichten oder die tiefe Cash-Quote von professionellen Anlegern oder die schon viel zu lange tief bleibende Volatilität, das aggresive Verhalten von Pensionskassen, die nicht genug ihre Aktienquote ausreizen können und schliesslich die Tatsache, dass die Aktie der SNB durch die Decke geht – alles Zeichen der Uebertreibung und die Basis für den Einbruch, der nicht zu verhindern ist.

        • Franz Gödl sagt:

          @Senn: Hier gibt es noch einen Verfechter Ihrer Theorie, dass es noch 10-20 Jahre dauert, um exakt zu sein bis 2032.
          https://www.armstrongeconomics.com/armstrongeconomics101/understanding-cycles/dark-age-v-renaissance/

          • Marcel Senn sagt:

            Gödl: Der Martin Armstrong hat damals den grossen Bond-Crash schon auf Oktober 2015 grossspurig angekündigt. Was ist passiert? Nichts!
            Dass er uns jetzt nochmals 15 Jahre Extratime gibt ist schon erstaunlich grosszügig, aber ehrlich gesagt, der Typ ist für mich ein Scharlatan. Er sass auch nicht umsonst ein paar Jahre im Gefängnis.
            Und diese Crash-Hochrechnereien mittels Zahlen früherer Jahrhunderte unter völlig anderen ceteris paribus Bedingungen scheint mir doch schon ziemlich in den Bereich der esoterischen Oekonomie zu gehen. Dass Untergangsaffine auf sowas anspringen ist mir allerdings verständlich. Ich war früher auch viel untergangsaffiner, aber seit die Zentralbanken mitmischeln, weiss ich, dass sehr vieles möglich ist.
            PS Der Shiller-PE war 2000 mit 46 rund 16 Punkte höher

          • Franz Gödl sagt:

            Einverstanden, ich habe Armstrong nur verlinkt, weil er ihre Theorie von 10-20 Jahren vertritt. Meine Meinung dazu kennen Sie ja. Der Bondmarkt hat während der gesamten QE-Phase nicht mehr richtig funktioniert. Will das FED nun den Bid mit ihrer im Oktober geplanten Bondauktion testen, dann könnte sie ein blaues Wunder erleben, weil man eben gar nicht mehr sagen kann, wo der Markt sich befindet. Es ist, als würden sie einen illiquiden Nebenwert selbst hochzahlen und versuchen die dadurch horrenden Kurssteigerungen für sich zu nutzen, um Gewinne einzufahren. Sie werden feststellen, dass keiner mehr kauft, denn sie waren ja der einzige Käufer. So ähnlich dürfte es im Bondbereich laufen. Ich setzte mal auf einen starken Zinsanstieg im Oktober an den Kapitalmärkten.

          • Marcel Senn sagt:

            Gödl: Die FED hat aber seit Mitte 2014 keine Bonds mehr gekauft und die US Schulden sind seither doch nochmals um ein paar Billionen gestiegen – also hat irgendwer diese Treasuries gekauft.
            Gut seit 2015 fliessen kaum noch Petrodollars in die USA, weil alle Produzentenländer unter den tiefen Oelpreisen leiden und keine Ueberschüsse mehr erzielen. Da wird es spannend, wer da in die Lücke einspringt. Gut in den USA selbst hat es auch noch einiges an Substanz und wenn die Aktienmärkte mal korrigieren, werden Treausuries wieder gefragter sein.
            Und mit 10 Mrd $ Anleihen pro Monat welche die FED abstossen will, das sind ja Peanuts und ein das wird ein Projekt von Jahrzehnten…. die paar Bonds pro Monat wird die FED wohl noch unter die Leute bringen können

          • Franz Gödl sagt:

            @Senn: da liefern Sie mir einen Steilpass für meine Erwartung sinkender Aktienkurse: könnte es nicht mehr als gewollt sein, dass die Kurse sinken, wenn die Treasuries keine Abnehmer zu finden scheinen?

  • Christian Hofstetter sagt:

    Es ist doch völlig klar, dass die Zinsen tief gehalten werden müssen, der Immobilienpreise wegen. Würden die Zinsen steigen, käme weltweit wieder eine Blase in Gang, die Verheerungen mit sich brächten. Die Verschuldung der öffentlichen wie auch privaten Haushalte ist gigantisch. Der Immoblienboom ist ein gnadenloser Wachstumsmotor. Damit das Kartenhaus nicht zusammenfällt, können die Zinsen nicht steigen. Ich vermute noch lange Zeit nicht.

  • K.A. Barett sagt:

    Als Nicht-Ökonom und Nicht-Finanzfachmann greift man gerne auf den ewig wirkungsvollen gesunden Menschenverstand zurück. Die Zinsen können (dürfen) in einer Phase wie der aktuellen schon allein deshalb nicht markant steigen, weil die Verschuldung der öffentlichen Haushalte, auch die verdeckten Schulden müssen berücksichtigt werden, und auch jene der privaten Haushalte viel zu hoch ist, um höhere Zinsen überhaupt bezahlen zu können. Das Kartenhaus würde in sich zusammenfallen. Der Kollaps wäre total, die „Stunde Null“ die logische Folge davon. Mit unabsehbaren Folgen für den Staat die Gesellschaft.
    Das Verschuldungsprinzip wurde auf staatlicher und privater Ebene exzessiv vorangetrieben. Die Träume harrten auf ihre Verwirklichung.

  • Franz Gödl sagt:

    Die BIZ-Studio ist das Papier nicht wert, denn den Verfassern fehlt jeglicher Bezug zum Markt und dessen Dynamik. Die Zinsen (nehme hier die 10-jährigen Treasury-Renditen) befanden sich seit mehr als 30 Jahre im Sinkflug. Mit den Tiefständen 2012 und 2016 wurde der Boden manifestiert und seit Mitte 2016 ist der Zins von 1.4% auf 2.6% gestiegen. Dass es nach so einem Anstieg auch mal eine Gegenbewegung gibt, ist ja klar. Diese reichte gerade mal bis 2% und nun steigt das Zinsbarometer (aktuell 2.24%) bereits wieder. Zu sagen, dass die Erwartungen an steigende Zinsen falsch sei, bezeugt lediglich, das eingangs erwähnte fehlende Marktverständnis. Zudem: ein Trend der nach über 30 Jahren umkehrt verläuft nicht linear und er braucht auch entsprechend Zeit.

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      Die BIZ spricht nicht von langfristig tiefen MARKTzinsen. Sie erwartet, dass trotz absehbarem Teuerungsdruck und Uebertreibungen bei den Sachwerten die LEITzinsen der Notenbanken tief bleiben (d.h. negative Realzinsen). Implizit wirbt die BIZ bei ihrem Publikum, den Notenbanken, für proaktive Zinserhöhungen.

      • Franz Gödl sagt:

        Ok, besten Dank. Aber ist es nicht so, dass die Notenbanken lediglich nachvollziehen, was am Kapitalmarkt vorgegeben wird? Prechter hat dies anhand einer Studie eindeutig bewiesen, dass es so ist. Mein Kommentar richtet sich nur auf das Timing der BIZ, wo sie feststellt, dass die Zinsprognosen falsch waren, denn sie erwischten just den Moment, wo sie wieder zu steigen beginnen.

  • Manfred Zwygart sagt:

    Der Leitzins in den USA hat vor knapp 2 Jahren den Tiefpunkt erreicht. Dies nach einer 35-jährigen Talfahrt. Eigentlich hätten die Zinsen dann wieder steigen müssen. Proforma ist dies mit 3 kleinen Steigerungen auch passiert. Entscheidend für FED und US-Staat ist aber die gesamte Zinskurve. Die Zinskurve wurde verflacht (Bonds werden durch gedrucktes Geld gekauft), so dass der effektive Schuldzinsbetrag in den 2 Jahren nochmals gesunken ist. Dieser Trick neigt sich jetzt aber dem Ende entgegen. Die Zinskurve kriegt man nicht mehr flacher. Jetzt sind wir am Wendepunkt angelangt, ausser die FED zaubert nochmals etwas aus dem Hut. Sobald die Zinsen steigen, ist es aus.

  • Hans Hasler sagt:

    Solange das Wirtschaftswachstum einkommensmässig nur bei Leuten ankommt, die sowieso zu viel haben und das Geld nicht für den Konsum ausgeben, solange werden weder Zinsen relevant ansteigen noch wird es zu einer Inflation kommen. Das einzige wo es zu inflationsähnlichen Bewegungen kommen kann ist die Börse.
    Und es gibt kein Anzeichen, dass es für den 0815 Arbeiter zu relevanten Lohnsteigerungen kommen kann.

    • Linus Huber sagt:

      Die weltweit angewandte Geldpolitik speziell der letzten 20 Jahre beinhaltet einen Umverteilungseffekt von „unten nach oben“. Allerdings müssen wir uns bewusst sein, dass der Durchschnittsschweizer aus globaler Sicht wohl irgendwo bei den 10% „obersten“ angesiedelt sein dürfte.

  • Anh Toàn sagt:

    Inflation gibt es bei steigenden Einkommen, wenn ein grosser Teil davon konsumiert wird. Einkommen gibt es aus Arbeit, aus Kapital und aus Transferleistungen. Insbesondere die untere Mittelklasse und die Unterschicht konsumieren zusätzliches Einkommen nahezu vollständig, die anderen Bevölkerungsschichten benutzen grosse Teile von zusätzlichem Einkommen zur Bildung von Ersparnissen (dazu gehört auch Schuldenamortisation).

    Damit es Inflation gibt, und die Kapitalbesitzer endlich mehr Zinsen bekommen, müssten die Einkommen der Armen und der unteren Mittelschicht steigen, also entweder die Löhne der wenig Gebildeten, oder die staatlichen Transferleistungen.

    • Anh Toàn sagt:

      Das aktuell vorherrschende Paradigma der Überlegenheit des freien Marktes über staatliche Regulierung, dazu die Verteufelung von Gewerkschaften als Kommunisten, lässt sowohl Wachstum der Löhne im untersten Bereich wie auch der Transferleistungen nicht zu.

      Zum wirtschaftlichen Paradigma kommt die fremdenfeindliche Stimmung: Die Unterschicht und die untere Mittelschicht haben den höchsten Ausländeranteil: Erhöht man Kinderzulagen, profitieren Ausländer vor allem. Macht man Mindestlöhne für einfache Arbeiten, profitieren Ausländer vor allem.

      • Stefan Wiesendanger sagt:

        Ich kann Ihnen nicht folgen. Der freie Markt ist zwar überlegen, aber wo ist das als Paradigma wirksam? Im Gegenteil: In der CH nimmt die Rolle von Staat und von Gewerkschaften zu. In bezug auf soziale Anliegen wie die Lohnhöhe ist das eher problematisch: Ihr Deal wird nicht besser, wenn Sie einen externen Broker einschalten. Im Privaten leuchtet das ein: bei der Versicherung, Mietwohnung, Immobilie.

      • Anh Toàn sagt:

        „Der freie Markt ist zwar überlegen, aber wo ist das als Paradigma wirksam? “

        Bei Ihnen?

  • Alain Surlemur sagt:

    Achwas, die Immobilienpreise in der Schweiz sind „gefährdet“? Dazu braucht man keine grosse Studie, da reicht der gesunde Menschenverstand. Meine persönliche Faustregel lautet: Nettoeinkommen einer Durchschnittsfamilie mal fünf ist der maximale Preis für eine durchschnittliche Familienwohnung.

    Sind die Preise, wie im Moment, deutlich höher ist das langfristig nicht nachhaltig. Eine solche Faustregel mag in den Ohren einer Oekonomen wie Woodoo klingen, ist aber deswegen nicht falsch.

    • Anh Toàn sagt:

      An vielen Orten dieser Welt, kann man mit Erwerbseinkommen aus einfacher Arbeit nicht mit Familie da wohnen, wo Erwerbseinkommen ist, eigentlich in fast keiner grossen Stadt der Welt: Da wo es Arbeit gibt, „wohnen“ nur die, welche arbeiten. Die Kinder sind bei den Grosseltern auf dem Land, wo es, weil es keine Arbeit gibt, billig ist, zu wohnen.

      • Anh Toàn sagt:

        Die von der Firma einem Freund gestellte 2Zimmer Wohnung, etwa 50m2 in Neuilly, Paris kostete schon in den 80ern mehr Miete, als seine Freundin als Coiffeuse verdiente.

    • Linus Huber sagt:

      „gesunde Menschenverstand“

      Alain, Sie liegen grundsätzlich richtig mit Ihrer Aussage. Das Problem liegt darin, dass durch die extremistische Geldpolitik, welche auf Geldentwertung und negativen Realzinsen (zunehmend auch nominalen Negativzinsen in Begleitung schrittweisen Bargeldverbotes) operiert, alle Assetpreise (inkl. Immobilien) in die Höhe getrieben werden. All das hat leider wenig bis gar nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun, sondern einzig mit der zeitlichen Verlängerung einer Ponzi-Scheme.

  • Thomas Hartl sagt:

    Inflation entsteht nur, wenn das Geld, welches ins System gepumpt wird, auch beim Konsumenten ankommt. Wo die Milliarden gelandet sind, sieht man an der Preisentwicklung von Immobilien an guter Lage, beim Kunstmarkt und natürlich beim Aktienmarkt.

  • Kurt Rieder sagt:

    Immer weniger Arbeitsuchende kommen in den Arbeitsmarkt sagt die Studie der BIZ.
    Vielleicht braucht es aber immer weniger wegen Robotereinsatz und Digitalisierung?
    Roboter und digitale Prizesse verlangen nicht mehr Lohn.
    Wie kann da je wieder Inflation entstehen?

  • Martin sagt:

    Draghi hat aber auf Oktober vertröstet. Es ist noch nicht Oktober. Inflation gibt es immer, die Frage ist nur, wie stark sie ist.

    • Manfred Zwygart sagt:

      Oktober ist kein Zufall. Zuerst muss Merkel gewählt werden. Danach werden wahrscheinlich so einige Dinge ins Rutschen kommen.

  • René Zeyer sagt:

    «Alle haben mit steigenden Zinsen gerechnet»? Mit Verlaub, ich nicht. Und ein paar andere auch nicht. Das ist die Gruppe von Leuten, die eingesehen hat, dass Ökonomie keine Wissenschaft ist. Und dass das meiste Quatsch ist, was weiterhin an der HSG und anderswo gelehrt wird. Neugeld wie Heu: Das gibt Inflation, sorgt für Investitionen und wirft den Konjunkturmotor an. Öhm. Negativzinsen? Das ist die Aufhebung der Schwerkraft im Geldkreislauf, alles schwebt. Die einzig sichere Prognose ist: bis es kracht, wenn sie wieder eingeschaltet wird. Nur wann, das ist die grosse Preisfrage. Wie sagt Nobelpreisträger Krugman so richtig: Wir wissen zwar nicht, wieso es nicht kracht bei dem, was wir tun. Da es aber noch nicht gekracht hat, machen wir einfach so weiter, bleibt ja nichts anderes übrig.

  • Robert sagt:

    Ein Grund ist wohl auch, dass die Banken auf Bergen von Geld sitzen, dass sich kaum jemand leihen will. Es lässt sich ausser spekulativ nirgends anlegen. Und die Zentralbanken pumpen immer noch mehr Geld in das System.

    • Rock sagt:

      Teils richtig und doch nicht: Da Banken Kredite auf der Basis des Risikos vergeben, ist der Zins bei der Ausleihung nicht immer tief oder nahe Null. D.h. die Ausleihung wird an gute Unternehmen gewährt. Schlechte Bonitäten dagegen finden weniger Möglichkeiten der Finanzierung und Expansion. Schade, denn es hat sicherlich Perlen darunter, nur wie findet man die. Auf gut Glück geht nicht, wäre eine Gefährdung der Kundengelder

      • Rock sagt:

        Noch eine Ergänzung: Die Qualität entscheidet u.a. über die Zinshöhe, da der Zins auch das Risiko abbildet. D.h. schlechtes Risiko – hoher Zins (schlimmstenfalls KEIN Kredit), gutes/tiefes Risko – tieferer Zins. Basis ist natürlich immer die im Markt gehandelten Zinssätze (LIBOR etc.).

  • Chwerry sagt:

    Guten Tag
    Das ist jetzt wohl die Bestätigung dass die Finanzexperten soviel know how zum Thema und Prognosen haben wie ich: gar keine.

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