Axel Weber und die griechische Schuldenkrise

, Februar 2011.

Hat in Bezug auf griechische Staatsanleihen eine Kehrtwende gemacht: Axel Weber während einer Versammlung der Deutschen Handelskammer in Wien, Februar 2011.

Die Nominierung Axel Webers für das Verwaltungsratspräsidium der UBS ist von den Medien mit Beifall vermeldet worden. Nicht nur in der Schweiz, auch in London lobte die Wirtschaftspresse Webers ökonomischen Sachverstand und seine Tätigkeit als Bundesbankpräsident.

Ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind, wird sich weisen. Bei der Analyse der UBS-Krise bin ich zum Schluss gekommen, dass es nicht an Intelligenz fehlte, sondern am Führungswillen und Risikogespür. Man verliess sich zu stark auf die eingespielten Abläufe und glaubte, mit einem umfassenden Reporting stets den Überblick zu haben. Die UBS-Spitze versäumte es, genauer nachzufragen und nachzuprüfen, was die Investmentbanker und US-Kundenberater eigentlich taten. Wird der unerfahrene Weber das nötige Gespür für die verborgenen Risiken einer Grossbank entwickeln? Wird er sich gegen die angelsächsichen Investmentbanker durchsetzen können?

Vielleicht kann Axel Weber die mangelnde Erfahrung im Bankengeschäft mit seinem analytischem Talent kompensieren. Es ist jedenfalls ungewöhnlich, dass ein ehemaliger Professor und Notenbankchef eine schweizerische Grossbank führt. Wenn das Modell funktioniert, dürfte es Schule machen – wie bei den Zentralbanken, wo seit einigen Jahren akademische Ökonomen den Ton angeben (z. B. Bernanke).

Gelobt wurde auch Webers Gradlinigkeit bei der Bewältigung der Euro-Krise. Während andere allzu schnell bereit gewesen seien, bewährte Prinzipien der Geldpolitik über Bord zu werfen, habe er stets Kurs gehalten, ohne auf seine Popularität zu achten. Das ist wahr – aber nur bis zum 27. Juni 2011. Wenige Wochen nachdem Weber von seinem Amt als Präsident der Bundesbank und dem EZB-Rat zurückgetreten war, gab er dem «Wall Street Journal» ein Interview, in dem er eine Kehrtwende vollzog. Hatte er vor dem Interview stets die Meinung vertreten, der Euro-Stabilitätsfonds (EFSF) dürfe nicht Anleihen von Problemländern kaufen (hier), empfahl er nun eine staatliche Garantie für alle griechischen Altschulden.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), die Webers geldpolitischen Mahnungen stets freundlich kommentiert hatte, war irritiert. Denn Weber ging mit seiner neuen Meinung weit über alle bisherigen Forderungen hinaus. Die «FAZ» schrieb ungläubig:

Mit der Garantie bringt Weber eine Lösung ins Gespräch, die seinem früheren Standpunkt entgegenstehen würde und weitaus grössere Folgen hätte als ein Anleihekauf. Denn eine Garantie würde bewirken, dass die privaten Gläubiger Griechenlands sofort und vollständig ihre Risiken los wären, wobei die Zinsen unverändert hoch blieben.