Warum Ost und West so unterschiedlich sind

A homeless woman warms herself at the fire on the street in Tbilisi, Saturday, 3 January 2004. The presidential elections are scheduled in Georgia on January 04 and the main candidate Mikhail Saakashvili, one of the leaders of the 'velvet revolution' in Georgia, is expected to win. (KEYSTONE/EPA/SERGEI CHIRIKOV)

Eine obdachlose Frau in Tiflis, Georgien. Foto: Sergei Chirikov (Keystone, EPA)

Wenn man das Pro-Kopf-Einkommen der europäischen Länder vergleicht, zeigen sich markante Unterschiede. In Bulgarien zum Beispiel betrug 2015 das jährliche Pro-Kopf-Einkommen 8130 Dollar, in Portugal 22’687 Dollar und in Norwegen 101’022 Dollar.

Ein Unterschied ist besonders frappant, nämlich derjenige zwischen Ost- und Westeuropa. Im Osten ist das Pro-Kopf-Einkommen in keinem Land über 20’000 Dollar, im Westen hingegen überall. Die Karte zeigt diesen Umstand auf einen Blick: Im Osten ist alles gelb, im Westen fast alles rot.

(Quelle: Die Daten stammen vom IWF. Sie sind auf Dollar umgerechnet, um sie international vergleichbar zu machen. Sie berücksichtigen nicht nur den Wechselkurs, sondern auch die Kaufkraft in den einzelnen Ländern.)

http://67.media.tumblr.com/eaba930300a3c58aece41c0a1de62243/tumblr_ncgfyvL12i1rasnq9o1_1280.jpg

Wie lässt sich das frappante Ost-West-Gefälle erklären? Die Frage ist nicht nur von akademischem Interesse. Es geht auch darum, eine realistische Prognose zu entwickeln. Wird der Osten seinen Abstand zum Westen bald verkürzen können oder wird sich am Gefälle in absehbarer Zukunft kaum etwas verändern?

Aufschwung der Städte

Wenn man das Alter des Gefälles zum Massstab nimmt, ist die zweite Ansicht plausibler. Bereits im Hochmittelalter war der Unterschied zwischen Ost- und Westeuropa sehr deutlich. Der Westen befand sich damals inmitten einer wirtschaftlichen Blüte, was sich insbesondere im Aufschwung der Städte niederschlug. Im Osten tat sich verhältnismässig wenig. Die Wirtschaft blieb agrarisch geprägt. Es gab nur wenige Handelszentren.

Die Karte zeigt die Intensität der westeuropäischen Handelsnetze und die relative Leere im Osten.

http://mapshop.com/media/classroom/hist/medieval-trade-em.w41.medtrd.gif

In Westeuropa hatte der Aufschwung des Handels auch vorteilhafte institutionelle Folgen. Im Westen verhalfen die Städte zu neuen Formen der politischen Selbstorganisation, im Osten blieb der Grossgrundbesitz dominierend. Im Westen kam es bereits im Spätmittelalter zu einer ersten Welle der Bauernbefreiung, weil die Städte als Zufluchtsort dienten («Stadtluft macht frei»), während im Osten die Leibeigenschaft verschärft wurde. Russland zum Beispiel hob sie erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf.

Die sowjetische Dominanz

Auch im 20. Jahrhundert waren die Unterschiede frappant. In der Zwischenkriegszeit verwandelten sich alle osteuropäischen Länder innert weniger Jahre von Demokratien in autoritäre Regimes, mit Ausnahme der Tschechoslowakei. Der Zweite Weltkrieg war im Osten viel verheerender als im Westen. Danach folgte die Zeit der sowjetischen Dominanz bis 1989. Kein Wunder, ist die demokratische Tradition bis heute relativ schwach und gefährdet.

Osteuropa hat seit Jahrhunderten eine fundamental andere Geschichte. Deshalb ist es wohl realistischer zu hoffen, dass sich das Gefälle nicht vergrössert, als eine baldige Konvergenz mit Westeuropa zu erwarten.

53 Kommentare zu «Warum Ost und West so unterschiedlich sind»

  • Rolf Zach sagt:

    Was ist der Grund, warum die EU ein Erfolg wurde und der Comecon nicht, obwohl er die Weltmacht Sowjetunion hinter sich hatte? Warum hat dies mit dem fortgeschrittenen Industrieland Tschechoslowakei in Kontinental-Europa und dem Panslavismus nicht im Comecon geklappt. Auf dem Kontinent haben nur die Schweiz und Tschechoslowakei 1945 mit einer intakten Industriestruktur überlebt. Alle Alliierten, mit Ausnahme der USA, haben Industrieanlagen in Deutschland nach ihren Heimatländern als Beutegut abtransportiert. Scheint mir eine grundlegende Frage zu sein, vielleicht gibt es geneigte Leser, die dies beantworten. Wie steht es mit der Eurasischen Zollunion, das Lieblings-Projekt von Putin?

    • Jan Svoboda sagt:

      EU ein Erfolg? Ich weiss nicht was Sie rauchen aber es muss ein Hammer sein. Entgegen der Propaganda nach dem Krieg wurden die Industrieanlegen in DE bei weitem nicht so zerstört und auch nicht so viel abtransportiert, wei behauptet, gerade letzte Woche lief ein Dokument in DE Fernsehen, so ein Wirtschaftswunder war es also nicht, hauptsächlich nur Überhang der Nafrage.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Svoboda: „EU ein Erfolg? Ich weiss nicht was Sie rauchen aber es muss ein Hammer sein.“

        Was haben denn Ihre Ostblock-Freunde geraucht, wenn sie freiwillig der EU beigetreten sind, freiwillig vom Regen in die Traufe? Müssen ja alles Idioten sein.

        • Jan Svoboda sagt:

          „Was haben denn Ihre Ostblock-Freunde geraucht“
          na ja, es lässt sich einfach beantworten, es gibt dort etwa gleich viele Idioten wie im Westen, entscheidend aber waren zwei Aspekte.
          1. zur Zeit der Abstimmunen waren die mainstream Medien bereit fest in der Hand der westlichen Lügenpresse. für den Beitritt hat man Millionen in Propaganda investiert.
          2. seit Jahrzenten hat die Mehrheit gewusst, dass das kommunistische Regime korrupt und verlogen ist, blauäugig haben sie deshalb angenomen, dass die andere Seite gut mus sein, zumal Viele seit Jahren die Propaganda der verbotenen westlichen Radiosendern verfolgt haben.
          Inzwischen sind aber viele aufgewacht und heute würden die Abstimmungen anders aussehen, bestimmt in Tschechien, Slowakei und Ungarn, die Anderen brauchen noch Zeit.

          • Anh Toàn sagt:

            „Inzwischen sind aber viele aufgewacht und heute würden die Abstimmungen anders aussehen, bestimmt in Tschechien, Slowakei und Ungarn,..“

            Sollen doch den Brexit kopieren, jeder ist frei, sich ins Knie zu schiessen.

          • Jan Svoboda sagt:

            @Anh Toàn
            es wird nicht mehr nötig sein, ins Knie haben sie sich beim Beitritt geschossen, sie können jetzt ruhig abwarten bis die Eurozone den Bach ab geht, nur Frage der Zeit, und dann wird auch der Zerfall der EU einsetzen. Die Migration zusammen mit der weltweiten Rezession wird dann diesem Pleitierverein den Rest geben.

    • Anh Toàn sagt:

      Der Erfolg der EU basiert auf den gleichen Grundlagen wie der Erfolg der Schweiz:

      Nachdem man sich hunderte von Jahren die Köpfe gegenseitig eingeschlagen hatte, erkannte man, dass damit die fremden doofen Nachbarn auch nicht weggingen. Und wenn man die ohnehin nicht loswerden kann. ist es schlauer, statt sich die Köpfe einzuschlagen, mit den Nachbarn Geschäfte zu machen, dazu muss man die ja nicht mögen.

      • Jan Svoboda sagt:

        „Nachdem man sich hunderte von Jahren die Köpfe gegenseitig eingeschlagen hatte, erkannte man, dass damit die fremden doofen Nachbarn auch nicht weggingen“
        na ja, träumen ist erlaubt, aus Einsicht ist es nicht passiert, sondern aus Angst vom Atomkrieg und das ist kein Verdienst der EU, dafür hat man die Kriege nach Ausland getragen, die Zerschlagung von Jugoslavien und Zerstörung von Libyen hat vor allem die EU verschuldet, andere Kriege auch unterstüzt.

        • Anh Toàn sagt:

          Weil alle Teilstaaten des ehemaligen Jugoslawien in die EU wollten, mussten alle Teilstaaten den Krieg beenden.

          Einen ganz schlimmen Beitrag hat „die EU“ in Srebrenica geliefert, ich meine, es waren Blauhelmsoldaten, also UN Friedenstruppen, , welche die Muslime dem Genozid (UN Gerichte) auslieferten. Die Blauhelmsoldaten waren glaub vor allem Holländer, insofern könnte man es der EU vorwerfen, wenn man schön böses sucht in der EU, aber Muslime abschlachten finden die meisten EU Gegner (PEGIDA, AfD, FN, Orban) gar nicht böse, höchstens ein wenig excessif.

    • hagen meyer sagt:

      Nun ja intakte Industriestruktur ist nicht alles, es gab selbst im verkleinerten Deutschland von 45 mehr Industrieanlagevermögen als 39! Weil bis 1944 der NS-Staat massiv investierte, dank Ressourcen aus ganz Europa. Natürlich auch in den „luftsicheren“ Ostgebieten, die dann zu Polen, CSSR, Österreich gehörten.

  • Jan Svoboda sagt:

    na ja, relevant sind einzig die Folgen der Weltkriege und die Entwicklung nach 1989,von demokratischer Tradition kann sogar in den USA keine Rede sein, sie waren von Anfang an nur Republik der Eliten und ihre Geschichte ist eine einzige Lüge. Sogar die Gründe für den Sezessionskrieg sind gelogen,die Begründung mit der Befreiung der Sklaverei wurde erst nachgeschoben als der Sieg unsicher wurde.Der Lincon selber war ein waschechter Rassist.
    Osteuropa konnte keinen Anschluss schaffen, weil es keine Revolution war, sondern (meistens) schmerzlose vorbereitete Transformation der kommunistischen Apparatchicks in reiche „Unternehmer“,alles was Wert hatte wurde von der Nomenklatura gestohlen oder dank Korruption an Westen billig verscherbelt.

    • Jan Svoboda sagt:

      II.
      die Firmen wurden meistens unter Wert an den Westen verkauft und zu Billiglohnzweigstellen gemacht oder geschlossen um die Konkurenz zu eliminieren, die Gewinne fliessen natürlich in den Westen und und es bleibt natürlich kaum was für Inwestitionen. So würden z.B. neuerbaute Zuckerfabriken geschlossen und heute zahlt man dort mehr für Zucker als auf dem Weltmarkt, die Landwirtschaft wurde ebenfalls kaputt gemacht um den Import der subventionierten Agrarprodukte aus dem Westen zu ermöglichen, heute schufften dort gut qualifizierte Kräfte für einen Hungerlohn,aber ihre Lebensmittelpreise sind zum Teil die gleichen wie in DE, Summa sumarum, eine Neuauflage des Kolonialismus mit anderen Mitteln.

      • Rolf Zach sagt:

        Sie kennen ja den Spruch der Arbeiter in den schönen Jahren der Breschnew Ära „Sie tun so, als ob sie uns bezahlen und wir tun so, als ob wir arbeiten“. Die industrielle Infrastruktur von Osteuropa war eine zum Verschrotten. Die ganze Planung wurde rein unter den Aspekten der militärischen und politischen Gegebenheiten vollzogen, verbunden mit Tonnen-Ideologie. Das Marketing spielte praktisch keine Rolle und die Konsumgüter-Versorgung war ein Vabanque Spiel für ihre Abnehmer. Paul Theroux hat in den 80er Jahren seine Reise auf der Transib beschrieben. Die Leute wollten seine Unterhosen kaufen gegen irgendwelche überflüssigen Sachen, die sie ekelte. Man muss sich dies vorstellen, getragene Unterhosen, das passiert nicht mal in Bangladesch.

        • Rolf Zach sagt:

          Oder ein anderes Beispiel, da wurde mit irrsinnig teuren $-Krediten durch die Polen in den 70er Jahren von Massey-Ferguson eine Traktoren-Fabrik eingekauft. Schön, nur waren diese Traktoren für die polnischen Landwirtschaft nicht geeignet, da Polen als einziges Land in Osteuropa eine sehr kleinteilige private Landwirtschaft hatte. MF ist ein kanadisches Produkt und für Kanada geeignet. Übrigens die Firma besteht nicht mehr, nur noch als Marke eines grösseren Landmaschinen-Konzern, sie wurde nämlich miserabel geführt.
          Ihr Zucker Beispiel ist erhellend, sie machen die EU für die Misere verantwortlich, vergessen aber dass die EU, wie die Schweiz, was den Zucker betrifft üble Protektionisten sind. Soll die EU noch mehr die Zuckerrüben-Produktion noch mehr gegen die Welt abschotten?

          • Jan Svoboda sagt:

            @Zach
            klar waren die meisten Ostblock Länder Dank dem Regime verkommen, das ist aber nicht der Punkt, mit der starken DM war es für die DE und andere ein Leichtes die neue (alte) Nomenklatura unter Kontrolle zu bringen, korrupt war sie schon im alten Regime. Die Zuckerrübenproduktion war in Tschechien viel billiger und auf dem Weltmarkt kokurrenzfähig und die Zuckefabriken waren Ende der 80 neu gebaut, kein Schrott, es ging in erste Linie darum, unliebsame Konkurrenten zu liquidieren. Es gab noch viele ähliche Beispiele, die Poldi Spezialtahl war besser als die deutsche und schon lange vor 1989 !! 80% der Produktion nach Deutschland exportiert, Glass, Porzellan, Bier, alles billig verscherbelt.

    • Rolf Zach sagt:

      Lincoln war bestimmt kein Rassist, aber die Einheit der Union war sein erstes Ziel und diesem Ziel unterordnete er alles. Dafür war Ronnie der schlimmste Rassist aller US-Präsidenten seit 1921 und dies mit dem Herzen. Nixon und Coolidge waren unbedeutende Klein-Rassisten dagegen.

      • Linus Huber sagt:

        “I am not, nor ever have been in favor of bringing about in any way the social and political equality of the white and black races. I am not nor ever have been in favor of making voters or jurors of Negroes, nor qualifying them to hold office, nor to intermarry with white people. And I will say in addition to this that there is a physical difference between the white and black races which I believe will ever forbid the two races living together on terms of social and political equality. 15-10-1858 the election debate transcript.

    • Rugier sagt:

      Ich bitte Sie, von woher glauben Sie zu Wissen, oder besser gesagt von woher nehmen Sie sich das Recht über die USA und deren Geschichte zu urteilen und einfaches oberflächliches Geschichtswissen denen nur Halbwahrheiten entsprechen zum besten zu geben. Wie ich vernommen habe triefen Ihre Nachfolgenden Kommentare leider auch von, wenn ich nach Ihren Worten schreiben darf Lügen, oder warum meinen Sie muss man etwas von dem man wenig Ahnung hat mit voller Inbrunst in die Welt posaunen?

  • Max Bader sagt:

    Wenn man die Regionen (nicht nur die Länder) anschaut und ihr wirtschaftliches Ungleichgewicht, so haben die Unterschiede ihre Ursache in zwei entscheidenden Katastrophen für Europa. Das eine war der Sozialismus und das andere der Islam. Man sieht auf solchen Karten genau, dass dort wo die Sozialisten oder die Muslime regierten, heute das BIP pro Kopf bedeutend tiefer ist, als dort, wo das nicht so war. Die Karte mit den Handelsrouten ist zwar interessant, aber die Schweiz war zu dieser Zeit arm, aber um 1900 eines der reichsten Länder der Erde. Das Byzantinische Reich war zudem reicher als Westrom.

  • Dave Hill sagt:

    Hervorragender Artikel – vielen Dank!

  • Elmar Knoll sagt:

    Wenn man wie in Rumänien Arbeitslose exportiert, statt die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und korrupte Politiker die Hilfsgelder der EU in die eigene Tasche stecken, statt sie zweckgebunden zu verwenden, ist und bleibt es so wie es war. Das es auch anders geht, kann man zum Beispiel in Russland, Ungarn, Polen, Tschechien oder der Slowakei sehen, wo es langsam aber sicher bergauf geht. In einem von der Politik zum Selbstbedienungsladen umfunktionierten korrupten Pleitestaat wie auch zum Beispiel in der Ukraine geht definitiv nichts voran.

    • Rolf Zach sagt:

      Soso, es geht aufwärts in Russland mit Hilfe der Strelizen Kumpane von Putin. Zugegeben sein Kapitalismus ist immer noch besser als der frühere Sowjet-Kommunismus, der überspitz gesagt den Bauern noch die Kaninchen vorschrieb, die einzelner halten durfte. Unlogischer konnte es gar nicht zugehen. Sicher lebt heute die große Masse in Russland besser als zu Breschnew’s Zeiten, aber kein Vergleich zu West-Europa und Russland hat eine geringe Fertigungstiefe im Gegensatz zu China, dass aber immer noch Staatsbetriebe hat, die sich durch Politik auf dem Markt behaupten, wie die Stahlindustrie und die Aluminiumhütten.

      • Maiko Laugun sagt:

        Ohne Putin ginge es den Russen heute schlechter als zu „Breschnew’s Zeiten“.

        Mit ihm, sogar trotz US-diktierten EU-Sanktionen, besser.

  • Charles sagt:

    Die Basis des gewaltigen westlichen Kapitalstock, von der aus die weiteren Steigerungen erfolgen, kann innerhalb der Warenlogik in den anderen Weltteilen insgesamt nie mehr erreicht werden. Es ist der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel, der nur mit dem Tod des Hasen enden kann.
    Je höher das Weltniveau der Produktivität, desto höher die Kapitalintensität der Produktion, desto höher und für die meisten armen Länder unerschwinglicher die Investitionskosten, die oft schon in demselben Moment wieder entwertet sind, in dem sie marktfähige Produktionen induzieren sollen. Und je höher die Messlatte der Technisierung und Automatisierung gelegt wird, desto grösser wird auch der Bedarf an Investitionen in Logistik, Infrastruktur, Ausbildung, Verwaltung, Dienstleistung u.s.w.

    • Rolf Zach sagt:

      Nach meiner Logik, kommt die menschliche Intelligenz vor dem Kapitalstock. Natürlich wird es für die Dritte Welt schwierig, aber niemand kann behaupten, das Gehirn eines Afrikaners ist kleiner als die eines Schweizers, was nachgewiesenermaßen falsch ist.
      Der Unterschied ist die Kultur. Die politisch Korrekten schützen die Zivilisation und sagen dort müsse man tolerant sein. Sie interessiert es sehr wenig wie es dem einzelnen Menschen in dieser Zivilisation ergeht und wie er damit zurecht kommt.

      • Charles sagt:

        Ihr „Kultur-Argument“ müsste als Naturgesetz ja zu jeder Zeit gelten. Wieso war aber gerade die Schweiz über jahrhunderte ein bitterarmes Land, indem sich die jungen Bauernsöhne, in ihrer blanken Verzweiflung, als billiges Kanonenfutter verdingten?

      • Maiko Laugun sagt:

        „.. die Dritte Welt ..“ Mit diesem Begriff wurden alle Länder bezeichnet, welche nicht an WWII beteiligt waren. Das hat nichts mit armen oder Schwellenländern zu tun und schon gar nicht mit der Grösse des .. „Gehirn eines Afrikaners“.

        • J. Kuehni sagt:

          Ha! Wusste gar nicht, dass die Schweiz in dem Fall zur dritten Welt gehört! Von „Bananenrepublik“ wird allerdings schon länger gemunkelt. 😉

      • Charles sagt:

        @Rolf Zach
        Geben Sie mal bei Wikipedia den Begriff „Ursprüngliche Akkumulation“ ein. Falls für Sie „Kultur“ gleichzusetzen ist mit Ausbeutung, Unterdrückung, Vertragsbruch, Lüge, Krieg, Sklaverei, Raubzug, Plünderung – kann man ihr Argument freilich gelten lassen.

      • Charles sagt:

        Als Buch zum Thema empfehle ich „Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano.
        Nach dieser Lektüre verstehen Sie auch besser wieso nicht die Spanier und Portugiesen (mit ihrer formidablen Ausgangslage) das Rennen machten, sondern solche Länder wie England, Holland, Belgien, Frankreich und später Deutschland, die Schweiz, USA und Japan.

      • Charles sagt:

        @Rolf Zach
        Die Tragödie des Ostens Europas und vor allem von Russland war gerade, dass man nicht wirklich Teilhaben konnte an dieser „ursprünglichen Akkumulation“. Diese wurde dann unter schlechtesten Bedingungen (Weltkriege, Unterentwicklung, mittelalterlich-feudale Strukturen im 20. Jahrhundert, massives Gefälle zwischen Stadt und Land u.s.w.) durch blanken Terror von Stalin und seinen Nachfolgern in die Wege geleitet. Freilich konnte diese nachholende Entwicklung unter Weltmarktbedingungen des 20. Jahrhunderts nur in einer furchtbaren Katastrophe für die Bevölkerung enden. Man lese dazu „Helden der Schauffel“ oder „Archipelag Gulag“.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Zach: „Die politisch Korrekten schützen …“

        z.B. die der Zivilisation übergeordneten Menschenrechte und das scheint Ihnen ein Dorn im Auge zu sein. Sie selber bevorzugen Korrektheit ausschliesslich für die Heidiländer.

  • Josef Marti sagt:

    Wenn man in der Presse liest wie H.W. Sinn und Stiglitz über das unfähige Italien lästern, dann muss man wohl auch den rückständigen Süden mit in Betracht ziehen, welcher nur dank dem Euro und riesigen Schuldenbergen besser da steht.

  • Josef Marti sagt:

    Trotz Ausdehnung der PFZ auf Rumänien und Bulgarien im 2009 ist das Pro Kopf Einkommen dieser Länder kaum gestiegen. Am 1.6.2016 sind jetzt auch die Übergangsbestimmungen abgelaufen. Bis jetzt sind aber in den CH Städten wider Erwarten keine Tanzbären anzutreffen.

    • Josef Marti sagt:

      Wenn man heute liest wie H.W. Sinn und Stiglitz über das unfähige Italien lästern, dann muss man wohl auch den rückständigen Süden mit in Betracht ziehen, welcher nur dank dem Euro und riesigen Schuldenbergen besser da steht.

      • Charles sagt:

        Der rückständige Süden / Osten Europas verhalf durch seine Importüberschüsse und dem massiven Rückgriff auf Kredit der internationalen Finanzmärkte den übriggebliebenen Weltmarktgewinnern namens „Deutschland und seinen nicht mehr vorhandenen Konkurrenten“ überhaupt dazu seine Exportindustrie so anzukurbeln.
        Vor lauter Defizitkreisläufen scheinen Sie mir nicht mehr den „deutschen Wald“ zu sehen.

    • Josef Marti sagt:

      BIP Staatschuldenquote Bulgarien 30%, Italien 130%; Haushaltsdefizitquote Bulgarien -2%. Bulgarien ist eins der wenigen Ausnahmeländer welche die Maastricht Kriterien erfüllen.

    • Josef Marti sagt:

      Süditalien hatte bereits vor dem Euro ein BIP pro Kopf von lediglich 60% im Vergleich zum Norden; mit dem Euro wird das nicht besser. Alles südlich von Bologna und Florenz sollte an Afrika abgetreten werden, das würde zu den rückständigen korrupten süditalienischen Sippen- und Clanstrukturen, vergleichbar mit dem Kaukasus, besser passen.

    • Peter Müller sagt:

      Die Idee von der PFZ ist das sich unsere Löhne sich an dem EU Niveau angleichen und nicht umgekehrt.

    • Maiko Laugun sagt:

      „keine Tanzbären“, nur Sinti und Roma, weil die auch im Osten niemand haben will.

  • Rolf Zach sagt:

    Entscheidend ist nach Gunnar Heinsohn die Unterscheidung von Besitz und Eigentum und damit die Möglichkeit Besitz zu kreditieren. Das war die Erfindung von Westeuropa seit dem Mittelalter. Verstärkt wurde dies infolge der großen Pest des 14. Jahrhundert, wo die Feudalherren für ihre Lehen an ihre Bauern nicht mehr Frondienste verlangten, sondern den Hörigen- oder sogar Leibeigenen-Status abschafften und den durch Pachtzahlung in Geld ersetzten. Europa hatte ein Drittel seiner Bevölkerung verloren und Menschen wurden rar, da war Bargeld besser. England hatte seine Revolution bereits um 1640, 150 Jahre vor Frankreich, deshalb wurde dort die Zentralbank entwickelt und ging mit der entsprechenden Technologie in die industrielle Revolution über, dass Westeuropa folgte erst so richtig nach 1800.

    • Rolf Zach sagt:

      In Braudel gut nachzulesen ist wie die Leibeigenschaft in Westeuropa abgeschafft wurde und in Osteuropa nach 1500 eingeführt. Die riesigen Latifundien der osteuropäischen Hocharistokratie waren eigene kleine Staaten für sich, dies gilt vor allem für Polen mit seiner Adelsrepublik und dem berüchtigten Liberum votum, der Grund des Zerfall des Königreich Polen. Diese Herren war nicht Millionäre, diese Gnaden besaßen Seelen. Bargeld verschafften sie sich durch ihre Getreideexporte Richtung Westeuropa und einheimische Städte benötigten sie nicht so sehr, ihre Gutswirtschaft lieferte praktisch alles, außer französischen Luxusgütern.

      • Rolf Zach sagt:

        Auch das Habsburgerreich verwandelte sich im 19. Jahrhundert in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und die hatte durchaus ihre Modernität. Die fand in Wien und in Böhmen und Mähren statt, wo eine erfolgreiche Industrialisierung geschah und auch im ungarischen Teil war die Entwicklung beachtlich. Budapest war der grösste Bauplatz von Europa um 1900. Das riesige Russland führte den Kapitalismus ein nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1861, wenn auch die Entwicklung erratisch war und erst nach 1906 mit Stolypin so richtig Fahrt aufnahm. Die rückständigsten Gebiete von Europa um 1900 waren die ehemaligen Gebiete des Osmanischen Reiches in Europa wie Rumänien, Bulgairen und Serbien. Rumänien war am schlimmsten mit ihren geknechteten Bauern und ihren Bojaren. Ihre Bauern waren ihre Sklaven

        • Rolf Zach sagt:

          Immerhin, langsam aber sicher wurde der Unterschied in den Ländern Ostmittel-Europas gegenüber Westeuropa bezüglich Pro-Kopf Einkommen zwischen 1850 und 1940 langsam, aber stetig etwas verkleinert. Die Tschechoslowakei war so industrialisiert wie die Schweiz. Die modernsten Fabriken waren dort wie z.B. Skoda oder Bata, die Vorzeige-Fabrik per Excellence. Die Sowjetunion ging seit 1917 ihren eigenen Weg und gut dabei war nur die Rüstungsindustrie.

          • Rolf Zach sagt:

            Natürlich war die Herrschaft der Sowjets nach 1945 trotz Comecon als gemeinsamer Markt eine Katastrophe. Dieser Comecon war alles, was einem gemeinsamen Binnenmarkt zum nachhaltigen Wohle aller entgegenwirkte. Trotzdem war der Zusammenbruch dieses Marktes für die Industrieländer des Comecon, sei es nun die DDR, Tschechien oder sogar Polen ein gewaltiger Rückschlag, was sogar die Finnen mit ihrer kompetitiven Industrie merkten. All diese Länder mussten eine Industrie aufbauen, die mit ihren Fertigwaren den westeuropäischen Märkten und damit dem Weltmarkt Paroli bieten konnten, dies ging nicht von heute auf morgen. Trotz allem was hier über die fiesen Kapitalisten und ihre ausführenden EU-Knechten in Brüssel gesagt wird, erleichterte ihnen der EU Beitritt diesen Anpassungsprozess.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Vorzeige-Fabrik“

            Wenn auch unpatentiert, etwas vom wenigen was sich aus dem Ostblock bis heute erfolgreich erhalten hat, ist die Kalashnikov.

          • Rolf Zach sagt:

            Ein heikles Thema ist die soziale Zusammensetzung des Mittelstandes und der Geschäftsleute in Ostmittel-Europa. Es waren Deutsche und Juden, die Deutsch sprachen. Vor 1945 war die Lingua Franca in Osteuropa Deutsch und nicht Englisch. Französisch nur in den osmanischen Gebieten. Der letzte Zar sprach kein Französisch, aber Deutsch und Englisch fließend. Mit der Vernichtung der Juden und der Vertreibung der Deutschen ging dieser Mittelstand unter. Dies ist fühlbar
            bis heute. Die Tschechoslowakei und Polen sind ein Beispiel dafür. Vergessen wir nicht die Polen erhielten mit Schlesien eines der reichsten deutschen Gebiete, konnten es aber nicht dementsprechend zum blühen bringen. Die Völker sind immer noch in der Mehrheit der Meinung, Vernichtung und Vertreibung sei ein Profit für das Land

          • Maiko Laugun sagt:

            Die Grundfabrikationen der meisten westlichen Ski-Marken stammten alle aus der DDR. Der dumme westliche Skifahrer bezahlte für den aufgeklebten Markennamen unterschiedlich hohe Preise für die gleichen Bretter, in der CH am günstigsten bei der Migros.

  • Robert Schumann sagt:

    Die Analyse ist schon falsch, da bspw. Slowenien und Estland über 20’000 Euro liegen und ein Grossteil der osteuropäischen Länder (Tschechien, Slowakei, Lettland, Litauen etc. ) bei über 19’000 liegen. Die Grenze von 20’000 wirkt er willkürlich.

    Viel auffälliger ist aber, dass die Länder die früh nach dem Ende Sowjetunion in Europa integriert wurden, bereits stark aufgeschlossen haben. Bspw. Polen, Tschechien, Slowakei die baltischen Tigerstaaten etc.

    Als Begründung das Mittelalter heranzuziehen ist reichlich abwegig. Damit könnte man auch beweisen, dass China niemals eine Supermacht werden kann. Der Zusammenhang zwischen Handelswegen im Mittelalter und heutigem BIP ist kein Argument gegen Konvergenz der Einkommen.

  • J. Kuehni sagt:

    Geografie ist Schicksal. Drum wähnen sich die Schweizer in ihrer Alpenburg mit Wegzollrecht auf einer Insel, drum machen die Briten einen Brexit weil Sie freie Sicht über den Atlantik haben und drum wollen die Polen und Ungarn auch als „illiberale Demokratien“ schön in der EU bleiben, weil stets der riesige, wilde Osten droht.

    • Maiko Laugun sagt:

      Die wollen auch bleiben, weil die Elite plus die Bürger bis und mit heute ihre Selbstbedienungsladen-Mentalität nicht ablegen konnten.

  • Josef Marti sagt:

    Kontinentaleuropa war im Feudalsystem viel länger damit beschäftigt in unzähligen Kleinkriegen sich gegenseitig Territorien abzujagen. Wirtschaftliche Entwicklung erschöpfte sich lokal mit Raub von zusätzlichem Grund und Boden. Anders in England, dort fand im 17. Jh. die Umkehr von Produktionsprozess und Verteilung des Agrarüberschusses sowie die Erfindung des Papierschuldgeldes viel früher statt. Da die Insel zu klein ist konnten die Feudalherrn nicht mit endlosen Kriegen neues Territorium rauben, deshalb haben sie die Bauern vom Land vertrieben und zu Pächtern und Fabrikarbeiterproletariat umfunktioniert.

    • Ben sagt:

      …und das wurde speziell auch in den neuen EU Ländern des Ostens getan. Perfekter Gesellschaftlicher Umbau nach neoliberalen Vorstellungen mit dem üblichen Unsinn von der Lüge das liberalisierung ein mehr an bürgerlichen Freibeiten und Rechten bedeutet… die Gebiete wurden mit typischer effizienz und rücksichtslosigkeit Untertan gemacht in dem alles profitable an Investoren verhöckert wurde und der Rest dem Zerfall überlassen wurde… demokratische Willensäusserungen bringen keinesfalls mehr Rechte der Mitbestimmung und Lebensqualität mit sich und das die Sovjetische Zeit noch als Regime bezeichnet wird zeigt die Enge aktueller Vorstellungen von Sozialwissenschaften wovon die Ökonomie lediglich ein kleiner Teil ist…

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.