Warnlichter an der Börse

Wie lange hält die Champagnerlaune noch an? Börsenhändler in Frankfurt. Foto: Reuters

Wie lange hält die Champagnerlaune noch an? Börsenhändler in Frankfurt. Foto: Reuters

Am 6. März feierte der gegenwärtig laufende Börsenboom seinen fünften Geburtstag. Seit fünf Jahren haben die namhaften westlichen Aktienmärkte keinen Rückschlag von 20 Prozent oder mehr erlebt.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir massen uns nicht an, zu prognostizieren, in welche Richtung sich die Aktienkurse in den nächsten drei, sechs oder zwölf Monaten entwickeln. Allmählich beginnen allerdings einige Warnlampen zu blinken.

So ist beispielsweise der Preis für Kupfer am Weltmarkt in den vergangenen Tagen um mehr als 10 Prozent eingebrochen (hier mehr Details zur Besorgnis erregenden Divergenz zwischen dem Kupferpreis und den Aktienmärkten).

Die plausibelste Erklärung dafür sind die wachsenden Sorgen um die Stabilität der chinesischen Wirtschaft (hier und hier mehr Details dazu). Auf jeden Fall geht es schlecht mit der These einer erstarkenden und gesundenden Weltwirtschaft einher, wenn die Preise für Industriemetalle deutlich sinken.

Im Folgenden zeigen wir vier Grafiken, die – bei weitem nicht abschliessend – den Verdacht erhärten, dass die Stimmung an den Börsen, vor allem in den USA, allmählich gefährlich überschwänglich wird.

Hier die erste Grafik (Quelle: Doug Short):

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Die blaue Kurve zeigt den amerikanischen Leitindex, den S&P-500 (rechte Skala). Die rote Kurve zeigt die ausstehende „Margin Debt“, also Lombardkredite, für die Investoren ihre Wertpapiere als Sicherheit hinterlegt haben (linke Skala).

Das Volumen der Lombardkredite steht mit 451 Milliarden Dollar (per Ende Januar) auf einem Rekordhoch. Die letzten Höhepunkte waren Anfang 2000 und Mitte 2007 zu verzeichnen. Jeweils kurz danach kam es zu einem Einsturz an den Börsen.

Die Präsenz eines grossen Volumens an Lombardkrediten allein gibt freilich kein Signal eines baldigen Einbruchs an den Börsen. Potenziell gefährlich ist viel eher, dass die Abwärtsbewegung dereinst viel heftiger ausfällt, wenn Investoren in grosser Zahl von ihren Banken einen «Margin Call» erhalten und gezwungen werden, ihre Wertpapiere auf den Markt zu werfen.

Hier die zweite Grafik (Quelle: Zero Hedge):

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Die obere Kurve in der Grafik zeigt den S&P-500. Die untere Kurve zeigt den prozentualen Anteil an Unternehmen, die sich über einen Börsengang dem Publikum öffnen (Initial Public Offering, IPO), obwohl sie immer noch Verlust schreiben.

Erinnern Sie sich an die New-Economy-Blase Ende der Neunzigerjahre? Damals kamen reihenweise Jungunternehmen an die Börse, die aus nicht viel mehr als einem Businessplan bestanden. Viele von ihnen schafften es nie in die Gewinnzone.

Wie die Grafik zeigt, ist es schon bald wieder soweit. Demnach waren 74% aller Börsengänge in den USA in den vergangenen sechs Monaten von Unternehmen, die Verlust schreiben. Das ist der höchste Stand seit Februar 2000, als die «New Economy»-Euphorie ihren Höhepunkt erreichte. Einen Monat später platzte damals die Technologieblase.

Hier die dritte Grafik (Quelle: Zero Hedge):

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Das Bild hier ist recht simpel. Die Balken zeigen den durchschnittlichen Jahresbonus von Angestellten in der Wertpapierbranche in New York. Mit 165’000 Dollar (Durchschnitt) erreichten die Boni im Jahr 2013 den höchsten Stand seit 2007.

Party like 2007, heisst also die Devise. Auch hier: Das Jahr 2007 war das letzte Boomjahr vor dem grossen Einbruch an den Börsen.

Hier das vierte Stück, eine etwas komplexere Grafik (Quelle: Acting Man)

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Die schwarze Kurve zeigt den S&P-500 (rechte Skala). Die blaue Kurve zeigt die Emission von „Leveraged Loans“, jeweils kumuliert über drei Monate, in Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich um Kredite, normalerweise syndiziert von mehreren Banken, die an Unternehmen mit mangelhafter Bonität vergeben werden und die das Unternehmen in der Regel mit Vermögenswerten besichern muss. Leveraged Loans werden oft für fremdfinanzierte Übernahmen (Leveraged Buyout, LBO) eingesetzt und in verbriefter Form an Investoren verkauft.

Wie die Grafik eindrücklich zeigt, ist das Volumen der emittierten Leveraged Loans in den vergangenen Monaten in die Höhe geschossen und liegt mit 450 Milliarden Dollar auf einem Rekordniveau.

Verbriefte Kredite niedriger Qualität werden den Banken wieder aus den Händen gerissen. Das ist ein Zeichen, dass die Marktteilnehmer extrem risikofreudig – und möglicherweise bereits leichtsinnig – geworden sind.

Die Party rauscht also.

Und der Kater kommt bestimmt.

Die Frage ist bloss wann.

Anmerkung: Wer an einer vertieften Analyse des Bewertungsniveaus des amerikanischen und europäischen Aktienmarktes interessiert ist, findet sie in diesem und diesem Beitrag, den mein Kollege Frank Heiniger und ich in der FuW publiziert haben.