Der Dollar bleibt Sieger

Kampf der Währungen: Dollar-, Renminbi- und Euronoten. (Bild: Keystone)

Kampf der Währungen: Dollar-, Renminbi- und Euronoten. (Bild: Keystone)

Ein Grund für die Gründung der Währungsunion war einst die Verdrängung des US-Dollar als führende Weltwährung. Der Versuch ist gescheitert, der Dollar verbleibt auf dem Podest, und auch Chinas Währung übertrumpft den Euro.

Am Montag hat ein Euro rund 1.35 Dollar gekostet. Dieser Preis war zwar schon deutlich höher, dennoch ist das für den Euro mit Blick auf seine Geschichte ein hoher Preis, wie die folgende Grafik zeigt (Quelle: Fred-Datenbank):

Fred Kursentwicklung

Es ist ein zu hoher Preis: Denn die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar ist alles andere als ein Grund zum Feiern. Der Euro ist vor allem für die Eurozone zu stark.

Angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche lahmt in den Euroländern die Nachfrage – auch nach Importen. In Ländern des Nordens wie Deutschland ist die Binnenwirtschaft weniger wegen einer Konjunkturkrise, sondern vielmehr aus strukturellen Gründen schwach. Der Wirtschaftsmotor brummt dort zwar, aber das liegt vor allem an den Exporten. Die Eurozone insgesamt ist daher auf Exporte als aktuellen Wachstumstreiber angewiesen. Ein zu teurer Euro ist daher das Letzte, was die Europäer jetzt brauchen können.

Damit ist auch klar, dass die Stärke des Euro nicht der Stärke der europäischen Wirtschaft zu verdanken sein kann. Die Ursache liegt vielmehr in der Schwäche des Dollar. Gerade umgekehrt zur Lage in Europa ist die Dollarschwäche kein Grund für die Amerikaner zur Sorge. Auch für die nach wie vor geschwächte US-Wirtschaft gilt: Eine zu starke Währung ist das Letzte, was das Land brauchen kann.

Die Amerikaner waren lange (bis zur Krise) die Konsumenten der letzten Instanz für die Weltwirtschaft, was sie zwar insgesamt befeuert hat, weniger aber die US-Eigenproduktion. Das war auch deshalb der Fall, weil zum Beispiel China alles unternommen hat, um die Landeswährung Renminbi gegenüber dem Dollar zu schwächen und so die Exporte in die USA zu verbilligen. Ohne Vermögensblasen wie auf den Immobilienmärkten wäre die Arbeitslosigkeit in den USA daher schon in den Jahren vor der Finanzkrise deutlich höher gewesen – das war Thema des Beitrags über die Summers-Rede.

Die Schwäche des Dollar ist kein Misserfolg für die amerikanische Wirtschaftspolitik im Vergleich zu jener der Europäer. Im Gegenteil: Die US-Notenbank gibt sich alle Mühe, den Märkten zu versichern, dass sie die Geldschleusen noch lange ganz offen halten will. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass an eine Erhöhung des Leitzinses von praktisch null erst gedacht werden kann, wenn die Arbeitslosigkeit auf 6,5 Prozent oder noch tiefer gefallen ist. Die EZB dagegen bleibt hier sehr viel zurückhaltender und kann sich angesichts der divergierenden Interessen in der Eurozone auch nicht stärker aus dem Fenster lehnen. Die Erwartung einer im Vergleich zu den USA restriktiveren Geldpolitik in Europa führt zur Stärkung des Euro gegenüber der US-Währung.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Eine starke Währung ist nicht immer ein Nachteil (wie gegenwärtig für die Eurozone) und eine schwache nicht immer ein Vorteil (wie gegenwärtig für die USA). In Zeiten mit einer ausgelasteten Volkswirtschaft und Vollbeschäftigung ist es umgekehrt: Dann überwiegt der Umstand, dass eine stärkere Währung eine höhere Kaufkraft bedeutet und daher die Inhaber dieser Währung wohlhabender macht. Bei starker Unterauslastung und hoher Arbeitslosigkeit ist es aber die Nachfrage, die vor allem fehlt, und eine teure Währung mindert sie weiter.

Bezogen auf unser Thema Weltwährung lässt sich sagen: Die Schwäche des Dollar ist nicht Zeugnis eines grundlegenden Vertrauensverlusts in die US-Währung, sondern Folge einer gezielten Politik der US-Notenbank. Und es ist zum Vorteil der USA – auch wenn das Fed die Folgen seiner Entscheidungen auf die Währung nur als Nebeneffekt abtut.

Das alles bedeutet natürlich nicht, dass mit den USA alles in Ordnung ist und der Dollar aus diesem Grund seine Führungsrolle behält. Tatsächlich behält er sie vor allem deshalb, weil Alternativen fehlen und die Amerikaner im Verhältnis zu potenziellen Konkurrenzwährungen nach wie vor über deutlich bessere Rahmenbedingungen verfügen:

  • Die Grösse und die Macht der US-Wirtschaft übertrumpfen nach wie vor jene der möglichen Konkurrenten – des Euroraums (EZ) oder Chinas (CH), wie die Grafik der Ökonomen von Bank of America (Bofa) zeigt:
Grösse BIP USA-EZ-China
  • Der US-Dollar ist noch immer die mit Abstand dominierende Reservewährung: Ihr Anteil liegt über 60 Prozent, seit 1999 ist dieser nur leicht von 70 Prozent zurückgegangen.
  • Auch beim Anteil an den Währungsumsätzen dominiert der US-Dollar alle anderen Währungen noch immer haushoch. Auch dazu eine Grafik von Bofa. Die Anteile summieren sich auf 200 Prozent, weil jeder Währungsumsatz zwei Währungen betrifft. Die Grafik zeigt, dass an fast 90 Prozent aller Währungsumsätze der Dollar beteiligt ist. Der chinesische Renminbi erscheint in dieser Aufstellung erst an neunter Stelle (unter dem Symbol CNY), der Schweizer Franken nimmt den sechsten Platz ein.
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  • Wie am Dienstag verschiedene Nachrichtenagenturen (zum Beispiel hier) vermeldet haben, legt der chinesische Renminbi immerhin als Vertragswährung in der Handelsfinanzierung deutlich zu und nimmt nach dem Dollar mittlerweile bereits den zweiten Platz ein, dort verdrängt er den Euro.
  • Der Dollarmarkt ist um ein Vielfaches grösser, liquider und tiefer als jeder andere Währungsmarkt. So existieren auch keine «sicheren», auf Euro lautenden bzw. auf chinesische Renminbi lautenden Wertpapiere, die auch nur im Entferntesten die Rolle der amerikanischen Staatspapiere (Treasuries) einnehmen könnten.
  • Wie die Geschichte Grossbritanniens mit dem Pfund zeigt, kann auch eine dominante Position bei einer Folge von politischen Fehlern und historischen Fehlentwicklungen verloren gehen. Doch zeichnet sich bei keiner anderen Währung eine Entwicklung ab, die den Dollar zumindest in absehbarer Zeit in seiner Führungsrolle ablösen könnte.
  • In der Eurozone zeichnet sich nach wie vor nicht ab, wie die Krise definitiv überwunden werden kann und in welcher Form die Währungsunion am Ende überhaupt noch Bestand haben wird. Das ist nicht die Grundlage einer dominierenden Weltwährung.
  • China wiederum schränkt den Kapitalverkehr mit seinem Renminbi noch immer stark ein, und die Bedeutung seiner Währung ist weltweit noch immer sehr gering. Kommt dazu, dass auch noch nicht klar ist, ob es dem Land gelingt, in geordneter Weise zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung zu finden, die sich nicht auf Exportüberschüsse, regulierte Zinsen, wenig produktive Investitionen, politisch gewollten Konsumverzicht der Bevölkerung und Missachtung der Umwelt stützt. Immerhin versucht aber die chinesische Führung alles, um die bestehenden Nachteile der eigenen Währung zu  beseitigen. Wenn aus heutiger Sicht eine Währung in ferner Zukunft die Dominanz des Dollar brechen könnte, dann ist es eher der Renminbi als der Euro.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Dollardominanz – man spricht vom «exorbitanten Privileg» der USA – für die Welt von Vorteil ist. Anders als alle anderen müssen sich die Amerikaner keine Sorgen um eine steigende Aussenverschuldung durch einen sinkenden Währungswert machen, da sie sich in der eigenen Währung verschulden können. Umso grössere Sorgen müssen sich aber alle anderen machen.

Dieser Umstand des exorbitanten Privilegs hat aber auch für die USA selbst negative Konsequenzen. Er fördert ein internationales Ungleichgewicht mit Leistungsbilanzdefiziten in den USA und entsprechenden Überschüssen anderer Länder. Und er führt zur Instabilität in den weltweiten Wirtschaftsbeziehungen, Überhitzungen in den USA und spradisch auftretenden internationalen Krisen. Der Ökonom Lorenzo Bini Smaghi spricht hier von einer modernen Form des so genannten Triffin-Dilemmas.

Das Fazit bleibt: Der Dollar wird seine Führungsrolle in absehbarer Zeit nicht verlieren.