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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Mourinho’

Mourinho – Guardiola 1:0

Christian Andiel am Donnerstag den 11. August 2016
Real Madrid's coach Jose Mourinho (R) shakes hands with Barcelona's coach Pep Guardiola before their Champions League semi-final first leg soccer match at Santiago Bernabeu stadium in Madrid April 27, 2011. REUTERS/Sergio Perez (SPAIN - Tags: SPORT SOCCER) - RTR2LOFS

Dich ignorier ich nicht einmal! Pep Guardiola (links) und José Mourinho während ihrer gemeinsamen Zeit in Spanien. Foto: Reuters

Das muss Pep Guardiola fertigmachen. Gleich das erste Duell mit seinem Intimfeind José Mourinho verliert der stolze Katalane. Knapp, aber verloren ist verloren. Dabei sah Guardiola im ersten Moment wie der Sieger aus: 190,1 Millionen Euro warf sein Club Manchester City für neue Spieler auf den Markt, und damit 5,1 Millionen mehr als Lokalrivale Manchester United. Haben die Besitzer von ManU ihren neuen Coach Mourinho also weniger lieb, ist er ihnen weniger teuer? Falsch, wie der zweite Blick aufdeckt: ManU hat keinen Cent eingenommen, also eine Transferbilanz von eben diesen 185 Millionen Euro. Manchester City aber hat die Herren Dzeko, Rulli und Lejeune für insgesamt 19,5 Millionen verkauft, damit sinkt die Transferbilanz auf jämmerliche 170,6 Millionen Euro. Es ist eine Schande, wird sich Guardiola sagen, bereut er möglicherweise schon den Wechsel zu diesen Geizkragen?

Natürlich spinnt die Premier League. Und das Transferfenster schliesst erst Ende August, man darf noch einiges erwarten, wenn Mourinho und ManU schon bereit sind, für einen Paul Pogba 105 Millionen Euro zu bezahlen: In den Jahren 2014/15 (1,2 Milliarden) und 2015/16 (1,4 Milliarden) wurde die Milliarden-Grenze überschritten, da wird man doch noch jemanden finden, mit dem man sein Team aufpeppen kann? Einen mittelmässig begabten deutschen Linksverteidiger vielleicht oder einen vielfachen Internationalen, den man als dritten Goalie engagieren kann, zur Not einen schicken Greenkeeper? Guardiola kann also weiter hoffen, dass sein Club ihm noch den einen oder anderen überteuerten Wunsch von den Augen abliest.

Aber klar ist trotzdem: Die Vorfreude auf diese Saison inmitten des englischen Wahnsinns ist riesig. Allein was sich da an Coaches bei Titelanwärtern messen: Guardiola und Mourinho, Klopp (Liverpool), Conte (Chelsea) und Wenger (Arsenal). Oder können Ranieri (Leicester) und Pochettino (Tottenham) mit weniger Mitteln, aber mehr Ideen, besserer Taktik, grösserer Leidenschaft und Teamgeist die Grossen wieder ärgern, wie es Leicester als Meister vorbildlich gezeigt hat?

Der Zirkus startet am Sonntag mit Arsenal – Liverpool, und schon am 4. Spieltag (10. September) ist High Noon: Manchester United empfängt Manchester City. Der «Guardian» witzelte schon darüber, dass Spanien fast zu klein war für die Egos von Guardiola und Mourinho, als der eine bei Barcelona, der andere bei Real arbeitete. Und nun müssen sich beide das vergleichsweise kleine Manchester teilen, quasi Tür an Tür mit dem jeweiligen Grölef (grösster lebender Feind). Man stelle sich das vor, beide kaufen gleichzeitig im selben Biomarkt ein, und Mourinho schnappt sich die letzte reife Avocado, er knurrt: «In dieser Stadt ist kein Platz für uns beide», im Hintergrund erklingt die Mundharmonika, die Sporen klirren… ach, endlich wieder Fussball!

Mourinho, die schwäbische Hausfrau

Christian Andiel am Donnerstag den 23. Juli 2015

Verdächtig gut gelaunt: José Mourinho beim Tennisturnier in Wimbledon. (16. Juni 2015) Foto: Reuters

Es müssen glückliche Tage sein rund um die Stamford Bridge. Zumindest verströmt Chelsea-Chefcoach José Mourinho eine geradezu erstaunliche Zufriedenheit. Wo ist er geblieben, der Mann, der Trainerkollegen gerne mal den Finger ins Auge steckt? Der direkte Abgesandte aus der Psychohölle, als der ihn der spanische JournalistDiego Torres im Buch «The Special One» beschreibt? Der finstere Zeitgenosse, der hinter jedem Schiedsrichterpfiff die Weltverschwörung gegen sich persönlich sieht?


So kennen wir Mourinho, damals noch bei Real: Beim spanischen Supercup 2011 sticht er Barcelonas Assistenzcoach Tito Vilanova den Finger ins Auge. Quelle: Youtube

Im Gespräch mit dem englischen «Guardian» war von diesem José Mourinho jedenfalls nichts zu spüren. Entspannt plauderte der Portugiese über den Transferwahnsinn um ihn herum in der Premier League: «Ich kann die Vereine ja nicht davon abhalten, Anschläge auf Banken zu verüben, um dann Million um Million auszugeben.» Chelsea macht da nicht mit, Ausgaben von gut 15 Millionen Euro stehen Einnahmen von 29 Millionen gegenüber. Man sei schliesslich Meister, sagt Mourinho, da sei es also durchaus in Ordnung, dass Clubbesitzer Roman Abramowitsch eher knausrig sei. Und überhaupt sei es doch ein Wahnsinn, was sich im Fussball abspiele, sagt Mourinho und schaut in seine Heimat Portugal: Die Menschen seien im Elend, in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht herrsche das blanke Chaos, aber was tun die Fussballclubs: Sie werfen mit Millionen nur so um sich.

Hm. Ist Mourinho bei Angela Merkel in die Lehre zur schwäbischen Hausfrau gegangen? Hat er Wolfgang Schäuble bei den Verhandlungen mit Griechenland in taktischen Dingen beraten? Oder zieht er nur mal wieder eine Show ab, weil er genau weiss, dass Abramowitsch nach Meistertiteln nie sehr spendabel ist? Vielleicht ist es aber auch ganz einfach so: Mourinho schwärmt im «Guardian» derart von Juve-Spieler Paul Pogba («Er macht automatisch jede Mannschaft deutlich besser»), dass klar ist, wen er auf dem Radar hat. Und sollte sich da eine Gelegenheit ergeben, wird er zuschlagen. Ganz egal, was er zum Thema Sparsamkeit sagt, völlig wurscht, ob Pogba mit einem geschätzten Marktwert von 60 Millionen Euro dann die Bilanzen wieder auf den Kopf stellt.

Schliesslich hat Mourinho einen grossen Vorteil: Er muss dafür keinen Anschlag auf eine Bank verüben. Er muss nur nett zu Abramowitsch sein.