Liebe Leserinnen und Leser,
an dieser Stelle erscheinen keine weiteren Beiträge. Auf alle bereits erschienenen Artikel können Sie nach wie vor zugreifen.
Herzliche Grüsse, die Redaktion

Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jürgen Klopp’

Klopp kann das

Christian Andiel am Donnerstag den 8. Oktober 2015
Borussia Dortmund's coach Juergen Klopp celebrates with his supporters after their team's first division Bundesliga soccer match against Werder Bremen in Dortmund, Germany May 23, 2015. Dortmund won the match 3-2. REUTERS/Ina Fassbender. DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE DURING MATCH TIME TO 15 PICTURES PER GAME. IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO IS NOT ALLOWED AT ANY TIME. FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050 - RTX1E8P9

So kennt man Jürgen Klopp aus Dortmund, so möchten ihn nun die Liverpool-Fans erleben – nur in anderen Farben. Foto: Reuters

Geht jetzt alles ganz schnell? Für die englischen Medien ist nur noch die Frage offen, wann Jürgen Klopp als Trainer des FC Liverpool vorgestellt wird. Die Versuchung, an legendärer Stätte für Furore zu sorgen, ist für den 48-Jährigen offenbar doch zu gross. Das angestrebte Sabbatjahr nach grossen, aber auch aufreibenden Jahren in Dortmund findet schon nach drei Monaten ein Ende.

Laut «Mirror» sind die Gespräche mit Klopp bereits so weit fortgeschritten, dass er den Clubbossen signalisiert habe, er wolle im nächsten Transferfenster im Januar keine dramatischen Nachbesserungen im Kader. Die Rede ist von einem Dreijahresvertrag mit Option auf Verlängerung.

Klopp also mittendrin im Zirkus Premier League, ein neuer Gegenspieler für José Mourinho, ein weiterer Player im Milliardenspiel. Kann das gut gehen? Danny Murphy, langjähriger Spieler bei den Reds, hat starke Zweifel, er hätte dem routinierten Carlo Ancelotti den Vorzug gegeben, «Klopp hatte bislang nur bei einem Club Erfolg, und das über sehr kurze Zeit». Auch der «Mirror» empfiehlt Klopp schwer, einen Premier-League-erfahrenen Coach als Assistenten zu bestellen.

Klar, der Stil, den Klopp pflegt, wird in Liverpool ankommen. Dieses leicht Wahnsinnige, Schnelle, fast schon Anarchische, das den Fussball bei der Borussia in ihren besten Zeiten auszeichnete, wird die Zuschauer begeistern. Aber kann Klopp diesen Stil in der Premier League durchziehen, in der Liga, die im Winter keine Erholungspause kennt, die ihre Spieler derart auslaugt, dass sie regelmässig bei grossen Turnieren im Sommer kein Bein mehr vors andere bekommen? Dass die Mehrheit der Fans ihn gegenüber Ancelotti bevorzugt, muss nichts heissen. Sie sind in Liverpool nicht schlauer als anderswo: Wenn es gut geht, war ihnen das eh klar, wenn nicht, findet sich keiner, der einst wirklich für diesen «crazy German» war.

Ein anderer Punkt dürfte entscheidender sein: Im «Guardian» wird Klopps Wirkung auf Menschen fast schon wie die eines Sektenführers beschrieben, er kann andere mitreissen, überzeugen. Die englische Zeitung benutzte dafür den Begriff «Menschenfänger», und sie schrieben ihn auf Deutsch. Kann er diese Wirkung, die er ja auch auf die Spieler ausüben muss, um letztlich erfolgreich zu sein, auch in einer fremden Sprache erzielen?

Und schliesslich: Klopp ist es gewohnt, bei wichtigen Fragen rund um die Personalpolitik die letzte Entscheidung zu haben. In Liverpool wurde mit Einsetzung des nun entlassenen Brendan Rodgers eine fünfköpfige Transferkommission ins Leben gerufen, in der Rodgers nur eine Stimme war. Man kann davon ausgehen, dass sich Klopp dieses Gebilde genau anschauen wird. Es ist schwer vorstellbar, dass er dazu bereit ist, vier anderen die letzte Entscheidung über Neuverpflichtungen zu überlassen. Klopp selbst soll schon gesagt haben, er habe mit diesem Gremium kein Problem. Aber er hatte es in seiner Karriere auch noch nie mit derart reichen Clubbesitzern zu tun wie in Liverpool.

Rodgers hat nach seinem letzten Spiel und kurz vor seiner Entlassung gewarnt, um wieder Grosses erleben zu dürfen, müsse beim FC Liverpool erst etwas aufgebaut werden, das brauche Zeit, «egal, ob von mir oder einem anderen Trainer». Klopp kann das. Er muss nur die Zeit dafür erhalten.

Was macht eigentlich Klopp?

Christian Andiel am Mittwoch den 15. Juli 2015
Borussia Dortmund coach Juergen Klopp and his wife Ulla pose for a photo before the team's party at Britain's Natural History Museum in London May 26, 2013, following their Champions League defeat against Bayern Munich at Wembley stadium.   REUTERS/Federico Gambarini/Pool    (BRITAIN - Tags: SPORT SOCCER ENTERTAINMENT) - RTX101D8

Endlich mal Zeit für Gattin Ulla: Jürgen Klopp gibt momentan Ruhe. Foto: Keystone

Die Schweizer Liga geht schon wieder los, in den anderen Ländern haben die Fans ein wenig länger Verschnaufpause. In Deutschland wird wieder verzweifelt nach dem neuen Bayern-Jäger gefahndet. Dabei ist die Sache klar: Der VfL Wolfsburg muss es richten, mit seinen VW-Millionen im Rücken, mit dem unaufgeregten Dieter Hecking an der Seitenlinie, Manager Klaus Allofs dahinter und vor allem mit dem famosen Kevin De Bruyne auf dem Platz. Das sieht auch Dortmunds Boss Hans Joachim Watzke so, er hat seinem Club ganz andere Ziele gesteckt, nach dem Ende der Ära Jürgen Klopp gehe es um eine Art Neubesinnung beziehungsweise -orientierung.

Was aber muss Wolfsburg tun, um die Bayern hinter sich zu lassen? Gegen die Kleinen punkten. Denn nimmt man nur die vier Erstplatzierten der vergangenen Saison und schaut sich die Bilanz untereinander an, so ergibt sich ein überraschendes Bild:

  1. Wolfsburg, 12 Punkte, 15:9 Tore
  2. Gladbach, 11 Punkte, 7:2 Tore
  3. Bayern, 7 Punkte, 4:9 Tore
  4. Leverkusen, 4 Punkte, 8:14 Tore

Damit das auch gegen defensiver orientierte Mannschaften fortan besser wird, wurde vor allem Max Kruse für 12 Millionen Euro von Gladbach geholt. Dafür geht Josip Drmic (10 Millionen) von Leverkusen nach Gladbach, sein Landsmann Admir Mehmedi wiederum ersetzt ihn für 6 Millionen bei Bayer und entkommt so mit Freiburg dem Gang in die 2. Liga. Wie auch Roman Bürki, der künftig in Dortmund mit Roman Weidenfeller um die Position als Goalie Nummer 1 kämpft.

Das ganz grosse Transfertheater wars also nicht in der Bundesliga. Für den (doppelten) Knall waren wieder einmal die Bayern zuständig. Erst holten sie den Brasilianer Douglas Costa und sorgten für den Rekordtransfer des Sommers in der Bundesliga: 30 Millionen Euro war ihnen die Alternative zu Franck Ribéry wert. So viel haben einst auch Mario Gomez und Manuel Neuer gekostet, teurer waren beim FC Bayern bislang nur Javi Martinez (40 Millionen) und Mario Götze (37 Millionen).

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken! Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

Quelle: Facebook

Wesentlich mehr Gesprächsstoff gab es freilich um Bastian Schweinsteiger, der den Club nach 17 Jahren verlässt und für 18 Millionen Euro zu Manchester United geht – und zu Louis van Gaal, der Schweinsteiger noch richtig schätzt. Anders als Pep Guardiola, der dem körperlich doch einigermassen ramponierten Mittelfeldmotor nicht mehr richtig trauen mochte. Schweinsteiger ist aber tatsächlich nicht der Zauberer, der das Spiel so schnell macht, wie von Guardiola verlangt. Wie sehr aber wird Schweinsteiger als Identifikationsfigur fehlen? Es gab Unmutsäusserungen der Bayern-Fans, aber das stecken die Bosse an der Säbenerstrasse so was von locker weg, im Vergleich zu den Kämpfen rund um die Neuer-Verpflichtung ist das Ponyhof.

Die Bayern haben sich also weiter nach den Wünschen Guardiolas gerichtet, sie rücken immer weiter von ihrer Philosophie ab, dass der Trainer nicht zu viel Macht haben darf im Club. Das bringt zumindest so lange wieder lustige Diskussionen, bis der Vertrag des Katalanen nicht über 2016 hinaus verlängert ist.

Aber apropos Trainervertrag. Was macht eigentlich Jürgen Klopp? Bei ihm hatte man ja das Gefühl, dass er nach dem Rücktritt in Dortmund zwischen den weltbesten Clubs aussuchen könnte: Real oder Barça, City oder Manchester United, Arsenal oder Liverpool – was hättens denn gerne? Doch um Klopp ist es ruhiger als früher zu nachtschlafender Zeit. Hat sich da einer überschätzt? Eher nicht. Eher waren es die deutschen Medien, die sich mit Möglichkeiten und Gerüchten überboten haben. Klopp hat es wohl tatsächlich ernst gemeint mit der Auszeit, die er sich nach sieben Jahren beim BVB nehmen wollte, obwohl der ein oder andere interessierte Club angefragt habe. Oder wie sein Berater Marc Kosicke (wenn der Meister schweigt, muss der Adlatus sprechen) gegenüber Spox.com sagt: «Jürgen will jetzt mit seiner Frau Sachen erleben, zu denen er lange nicht gekommen ist.»

Das klingt herzig. Aber irgendwann wird Klopp genug Museen besucht, Opern gehört und Wanderungen in abgelegenen, TV-freien Zonen gemacht haben. Und dann sei die Premier League gemäss Kosicke «sehr spannend», dabei müsste es nicht zwingend einer der vier Topclubs sein. Klopp tut also momentan nichts, aber er ist bereit. Und er wird jedes Mal genannt werden, wenn irgendwo ein Trainer wackelt – oder wenn Bayern mal nicht mit drei Toren Differenz gewinnt.