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Beiträge mit dem Schlagwort ‘Gianni Infantino’

Ramon Vega hat null Chancen

Guido Tognoni am Dienstag den 5. Februar 2019

Fifa-Präsident sein ist nicht schwer, Fifa-Präsident werden hingegen sehr: Ramon Vega Ende 2016 in Manchester. Foto: Barrington Coombs (Getty Images)

Der frühere GC-Fussballer Ramon Vega hat nach seinem Wegzug aus Zürich in Italien, England und Schottland eine ansehnliche Karriere als Fussballer hingelegt. Nun will der 47-jährige ehemalige Verteidiger, Nicht-Walliser, sondern Solothurner aus Olten, Fifa-Präsident werden.

Kann er das? Gewiss, er könnte das. Fifa-Präsident sein ist keine Hexerei. Fifa-Präsident werden hingegen ist einiges schwieriger. Seit 1974 der Brasilianer João Havelange beim Fifa-Kongress in Frankfurt die afrikanischen Delegierten mit besonderer Sorgfalt behandeln liess und den Engländer Stanley Rous ablöste, wurde nie mehr ein amtierender Präsident, dessen Amtszeit faktisch aus vier Jahren Wahlkampagne besteht, abgewählt. Ramon Vega hat null Chancen.

Schwierig, sehr schwierig, extrem schwierig

Abgesehen davon drängt sich die Frage auf, ob der wagemutige Oltner die Fifa-Statuten gelesen hat. Darin steht nämlich, dass ein Kandidat für das Amt des Präsidenten in den letzten fünf Jahren vor der Kandidatur zwei Jahre in irgendeiner Form dem Fussball gedient haben muss. Um dieses Kriterium zu erfüllen, brauchte Vega, so sympathisch eine Jux-Kandidatur für die Belebung des Fifa-Kongresses vom 5. und 6. Juni in Paris sein mag, ausserordentlich viel Fantasie.

Zudem muss Vega fünf Verbände finden, die in schriftlicher Form seine Kandidatur unterstützen. Fünf Verbände also, die für einen nur in der Schweiz bekannten Kandidaten den Zorn des amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino auf sich ziehen sollen. Schwierig, sehr schwierig, extrem schwierig.

Wenn die 211 Verbände der Fifa nicht selber auf die Idee kommen, einen Gegenkandidaten zu suchen, heisst das nichts anderes, als dass diese Verbände entweder mit Infantino einigermassen zufrieden sind oder schlicht nicht den Mut haben, sich gegen den Walliser zu stellen. Zudem ist es dem grössten Teil der Verbandsdelegierten völlig egal, wer am Kongress die übliche Sonntagspredigt über den Wert des Fussballs, Harmonie, Transparenz und Demokratie in der Fifa hält, solange die Kasse stimmt.

Mit leeren Taschen gegen Infantino

Der Verbandspräsident von Burkina Faso, der Cayman-Inseln oder des amerikanischen Militärstützpunkts Guam hat zwar das gleiche Stimmrecht wie der Vorsitzende des Deutschen Fussball-Bunds, setzt aber andere Prioritäten, als sich um die Qualität seines Sports Sorgen zu machen. Gianni Infantino hat zudem seine Wahlversprechen erfüllt: Es gibt für die Verbände mehr Geld und spätestens bei der Endrunde 2026 in Nordamerika 50 Prozent mehr Startplätze. Anderes zählt nicht.

Woher soll der Anreiz kommen, einen mit leeren Taschen kandidierenden Ramon Vega an Gianni Infantinos statt zu wählen? Zumindest für das Weltparlament des Fussballs gibt es keinen.

Maurer und Infantino: Verliebt in Saudiarabien

Guido Tognoni am Donnerstag den 24. Januar 2019

Ueli Maurer begrüsst Saudiarabiens Botschafter Hisham Alqahtani beim Neujahrsempfang. (Foto: Keystone/Alessandro della Valle)

Weiss unser Bundespräsident Ueli Maurer eigentlich, was in Saudiarabien abgeht? Ist ihm bewusst, dass im November 2017 ein wichtiger Teil der saudischen Wirtschaftselite im Hotel Ritz in Riad eingesperrt wurde, dass es in diesem vornehmen Hotel Folterungen gab und dass den Eingesperrten die Freiheit mit Enteignungen und Geldzahlungen abgepresst wurde? Will Ueli Maurer das alles überhaupt wissen? Für den Auftragsmord am oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi in der saudischen Botschaft in Ankara hat Maurer, prominentes Mitglied der SVP, die sonst ihre freiheitlichen Werte überall und lautstark propagiert, jedenfalls die Absolution erteilt. Und für die Unterzeichnung des Vertrags über den gegenseitigen Informationsaustausch in Steuerfragen konnte es Ueli Maurer nicht schnell genug gehen, um nach Riad zu pilgern, obwohl der Austausch nicht gegenseitig, sondern nur einseitig vonstattengehen wird – von Bern nach Riad.

Fussballpiraterie mit lahmen Konsequenzen

Infantino und Saudiarabiens Kronprinz Muhammad an der WM 2018. (Fotos: Keystone)

Aber lassen wir die hohe Politik. Saudiarabien gebärdet sich nicht nur gegenüber Oppositionellen höchst unkonventionell. Seit Monaten stiehlt der TV-Sender mit dem demonstrativ provokativen Namen beoutQ (halte dich von Qatar fern) der Konkurrenz aus Katar, BeIn (sei dabei), das elektronische Satellitensignal und sendet Fussball (und auch Unterhaltungssendungen von anderen Rechtehaltern), ohne dafür zu bezahlen. Die Fifa hat untätig zugeschaut, wie die Saudis den von Saudiarabien neidvoll gehassten Katarern die hoch bezahlten Rechte für die WM-Endrunde in Moskau gestohlen haben.

Hat die Piraterie lange geduldet: Fifa-Präsident Infantino.

Erst dieser Tage konnte sich die Fifa dazu aufraffen, zusammen mit der Uefa, der englischen Premier League und der Bundesliga offen gegen diese Piraterie Stellung zu beziehen. Ob das damit zusammenhängt, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino – zurzeit genauso verliebt in die Saudis wie Ueli Maurer – seinen kühnen Plan des Rechteverkaufs der Fifa an eine Investorengruppe mit saudischer Beteiligung ohne Kollateralschaden nicht realisieren können wird, bleibe dahingestellt.

Wo bleibt die Macht des Fussballs?

Die rein verbalen Verurteilungen dürften die Saudis nicht beeindrucken. Sie fühlen sich stark und sicher. Dabei hätte es die Fifa längst in der Hand gehabt, dem Rechtediebstahl ein Ende zu setzen. Eine simple Massnahme, die bei weniger einflussreichen Verbänden reichlich angewandt wird, hätte ausgereicht: die Androhung eines Ausschlusses aus der Fifa.

Dieser Schritt wäre einfach und für alle ohne juristische Akrobatik verständlich. Und er wäre wirksam. Das wäre ein sinnvoller Einsatz der viel zitierten Macht des Fussballs. Bis heute sind Faszination und Einfluss des saudischen Geldes wichtiger als der Schutz der Rechteerwerber, welche die Fussballfunktionäre reich machen.

25 Milliarden für Anlässe, die niemand will

Guido Tognoni am Mittwoch den 18. April 2018
Nachspielzeit

Die Club-WM war bisher eher Pflicht als Kür: Cristiano Rolando hat den Wettbewerb 2016 mit Real Madrid gewonnen. Foto: Yuya Shino (Keystone)

Tollhaus Fussball: Ein internationales Konsortium hat gemäss Enthüllungen der «New York Times» der Fifa den Betrag von 25 Milliarden Dollar – 25 Milliarden! – geboten, um im Gegenzug alle vier Jahre eine Clubweltmeisterschaft durchzuführen und dazu die Rechte an einem globalen Wettbewerb für Nationalmannschaften zu erhalten. Die Club-WM soll 24 Vereine, darunter 12 aus Europa, umfassen, das Format des interkontinentalen Wettbewerbs für Nationalmannschaften wird nicht näher beschrieben.

Zurzeit vermisst kein Fussballfan irgendwelche zusätzlichen Wettbewerbe, aber 25 Milliarden Dollar sind nun einmal auf den Rasen geworfen worden, und wenn Geld im Spiel ist, machen am Ende alle mit. Auch bei der wahnwitzigen Summe von 25 Milliarden werden zuerst die üblichen Einwände – keine Termine, überlastete Spieler – vorgebracht, aber das sind nur symbolische Reflexe, die sich spätestens dann legen, wenn die Verteilung des Geldes zur Sprache kommt. Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde von seinem Council vorderhand einzig im Vorgehen gebremst. Angeblich soll die Offerte nur eine Bedenkzeit von zwei Monaten haben, und ein solcher Schnellschuss wurde Infantino nicht zugestanden.

Neid unter Nachbarn

Allein das geforderte Tempo müsste zu denken geben. Wenn zur Eile gerufen wird, ist immer Vorsicht geboten. Zumal der in der Offerte genannte Betrag Fragen aufwirft. Offensichtlich sind da keine Fussballkenner am Werk, denn die Club-WM, bisher mit acht Mannschaften eine wenig beachtete und mehr lästige Pflicht als fussballerische Kür, ist auch mit 24 Mannschaften niemals Milliarden wert. Zudem müssten die Milliarden von den gleichen Fernsehunternehmen wieder eingefordert werden, welche die bereits jetzt bestehenden Wettbewerbe nicht refinanzieren können, nicht zu reden von der immer schwierigeren Suche nach globalen Sponsoren. Und nicht zuletzt wird das beste Fussballprodukt unserer Tage, die Uefa Champions League, durch die Teilnahme von Mannschaften aus Afrika, Asien und Nordamerika keineswegs verbessert, sondern höchstens verwässert.

Was soll das Ganze also? Stecken politische Absichten hinter diesem Projekt? Mit Geld konnte im Fussball schon immer Politik betrieben werden. Man muss daran erinnern, dass die Fussball-WM 2022 in Katar bei den neidischen Nachbarn am Golf nach wie vor wie ein brennender Stachel im Fleisch steckt. Wenn nun gleichzeitig mit der Wahnsinnsofferte für eine erweiterte Club-WM aus dem arabisch-asiatischen Raum die Idee inszeniert wird, dass das Teilnehmerfeld der Endrunde bereits 2022 von 32 auf 48 Mannschaften aufgeblasen werden soll, kann das kein Zufall sein. An Katar 2022 wird hinter den Kulissen seit der Vergabe herumgesägt. Mit der Aufstockung auf 48 Mannschaften könnte das kleine Emirat gezwungen werden, einige Spiele in der Nachbarschaft bei den verfeindeten Brüdern auszutragen – es wäre eine Demütigung für Katar und ein Triumph für Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Früher herrschte das eiserne Prinzip, während des Spiels nicht die Regeln zu ändern. Die Geldsucht hat auch dieses Prinzip aufgeweicht. Man darf gespannt sein, was in Kürze noch alles auf den Fussball zukommt.