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Beiträge mit dem Schlagwort ‘GC’

Ist Caio dumm oder superschlau?

Guido Tognoni am Donnerstag den 1. Juni 2017

Hier blieb Caio brav: 2016 war das Tor gegen Sion gefallen, aber das T-Shirt noch an. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Es gibt im Fussball Regeln, über deren Sinn oder Unsinn man lange diskutieren könnte. Beispielsweise über die Anweisung an die Schiedsrichter, eine Verwarnung auszusprechen, wenn ein Spieler – meist als Verstärkung des Torjubels – sich sein Leibchen vom Körper reisst. Das ist sportlich völlig bedeutungslos, jedenfalls hundertmal weniger schlimm, als einem Gegner in die Fussknöchel zu fahren. Aber die Regel ist nun mal seit vielen Jahren da, und den Schiedsrichtern bleibt nichts anderes übrig, als sie anzuwenden. Genauso gibt es eine Verwarnung, wenn ein Spieler – ebenfalls im Freudenrausch – die Umzäunung hochklettert, um sich von den Fans feiern zu lassen und sie abzuklatschen. Wer also Fussball spielt, der weiss, dass er in seiner Freude zwar Mitspieler, den Coach, die Eckfahne und vielleicht sogar den Schiedsrichter abknutschen darf, aber er darf nicht sein Leibchen ausziehen.

Erstaunlich nur, dass viele Spieler, die vom Fussball leben, das immer noch nicht wahrhaben wollen. Jedes Jahr, immer wieder, überall. Der vielfache GC-Torschütze Caio ist einer von ihnen. Er schaffte es, im zweitletzten Auftritt der Meisterschaft nach seinem Freistosstreffer zum vorübergehenden 1:1 gegen Meister Basel durch einen euphorischen Striptease sich jene Gelbe Karte einzuhandeln, die ihm zum Saisonende eine Spielsperre einbrachte. Caio fehlt somit im letzten Spiel. Ein Glück für die Grasshoppers und Caio selbst, dass sich der Rekordmeister bereits vor einiger Zeit vor dem Abstieg gerettet hat. Caio ist an seinen guten Tagen etwa 30 Prozent der Grasshoppers wert, und die Vorstellung, dass die Zürcher im letzten Saisonspiel in Sion ohne den Brasilianer um den Ligaerhalt hätten kämpfen sollen, müsste sowohl den Verantwortlichen als auch den Fans grosses Magenbrennen verursachen.

Verdächtige Todesfälle

Es gibt taktische Fouls, für die man Verständnis aufbringen kann. Und wenn ein Verteidiger mit der Hand auf der Linie für seinen geschlagenen Torhüter abwehrt, leistet er seinem Team unter Umständen trotz der folgenden Roten Karte und des unausweichlichen Elfmeters einen grossen Dienst. Wer aber durch das Ausziehen des Leibchens seine Mannschaft schwächt, muss sich die Frage gefallen lassen: Wie dumm darf ein Fussballer sein?

Oder war unser Caio nicht dumm, sondern superschlau? Von brasilianischen und afrikanischen Fussballern wissen wir, dass viele von ihnen wenn immer möglich ihre Aufenthalte in der Heimat verlängern. Die Häufung der fernen familiären Todesfälle zum Zeitpunkt, an dem die Trainingslager beginnen, ist längst auffällig. Und welcher Coach mag schon einem Spieler die «Ferien» verderben, wenn er wegen der Ehrung von Toten zu spät ins Trainingslager einrückt? Wie auch immer: Caio weilt längst in Südamerika. Die Gelbe Karte vom Sonntag hat ihm einen letzten Einsatz erspart. Ferien in Brasilien sind schöner als ein Pflichtspiel im Wallis.

Mit Nöggi auf FCB-Jagd

David Wiederkehr am Dienstag den 11. August 2015
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Nöggi alias Bruno Stöckli auf dem Cover seiner Single «Ich bin halt wie’n ich bin». Foto: PD.

Kennen Sie Nöggi? Diesen – doch, doch! – Sänger? Schmissige Songs mit Titeln wie «Ich bi verliebt in Züri» oder «Hörndli und Ghackets» sind sein Programm, und mit «I bin en Italiano» hat er sich sogar einmal in die Schweizer Hitparade verirrt. «Chum e bitzeli abe, oder söll i ufekho?» Italiano Nöggi heisst mit richtigem Namen Bruno Stöckli und wird bald 69. Einst war eine runde Postur sein Markenzeichen, heute grüsst er schlank von seiner Website.

Und Nöggi, deswegen stehen diese Zeilen an dieser Stelle, ist GC-Fan. Auf seinen Club hat er vor vielen Jahren eine Hymne geschrieben. «Nume GC» heisst sie, nur GC, die Rekordmeister-Optik dringt durch: «Nume GC günnt de Match.» Sie wird im Letzigrund nach jedem GC-Sieg gespielt, nach dem 6:1 seiner Lieblinge in Blau-Weiss am Samstag gegen Lugano natürlich erst recht. Und die euphorisierten Fans haben mitgeschunkelt. «Die andere bueched au emal es Fass – aber s’nützt ne nüüt


Nöggis GC-Lied in voller Länge. Quelle: Youtube.

«Nume GC» ist momentan auch das Motto der Super League. Denn «nume GC» vermag dem FC Basel wenigstens halbwegs zu folgen. Der Serienmeister hat in der Sommerpause fast das halbe Kader und den Trainer ausgetauscht, ist auf der Suche nach Krethi und Plethi in Holland, Italien, Dänemark und sogar Australien fündig geworden – und hat trotzdem so selbstverständlich einen makellosen Start hingelegt, wie wohl nur er das schaffen kann. Währenddessen die Konkurrenz, YB und der FCZ, als erste Amtshandlung in der neuen Saison den Trainer gewechselt hat. So viel Naivität zum Ende der vergangenen Saison musste schon sein. Jetzt haben immerhin die Interimsbesen gut gekehrt.

«Nume GC» aber hat nach vier Spielen mehr als halb so viele Punkte aufzuweisen wie der FCB. Und fast fünfmal so viele wie vor einem Jahr. Dass der Club ausgerechnet jetzt einen Höhenflug erlebt, ist doch bemerkenswert. Geschäftsführer Manuel Huber muss sparen und will das im Unterschied zu früheren Geschäftsführern tatsächlich auch tun. Weshalb auf der Bank fast ausnahmslos Spieler sitzen, die kaum die Autoprüfung bestanden haben. Gut, Kim Källström hat er sich geleistet, den 32-Jährigen, der mit nichts weniger als einem Dreijahresvertrag aus Moskau hergelockt werden konnte. Aber sonst?

Doch wenn nun auch noch Munas Dabbur geht und GC in Richtung Palermo verlässt – wer sorgt dann weiter für den Höhenflug? Nöggi hätte wenigstens auch für diesen Fall an die Adresse von Huber ein Lied parat: «Denn bruuchsch halt öpper …»