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Beiträge mit dem Schlagwort ‘FC Zürich’

Die ständigen Hoffnungen aus der Ferne

Guido Tognoni am Donnerstag den 31. Januar 2019

Es ist noch kein Meister auf den Rasen gefallen: Letzikids-Camp des FC Blue Stars und des FC Zürich. (Foto: Keystone/Gaetan Bally)

Das Zürcher Fussballpublikum sollte sich – so ist zu hoffen – in der Rückrunde an neue und junge Spieler gewöhnen: Aly Mallé (Grasshopper), Salah Aziz Binous, Leven Kharaladze und Nicolàs Andereggen (alle FCZ) heissen die Hoffnungsträger, von denen nur Nicolás Andereggen vom Namen her an Nachfahren der Schlacht am Morgarten erinnert. Aber auch er kommt aus fernen Landen, nämlich aus Argentinien. Alle diese Spieler sind 18, 19 oder 20 Jahre alt. Die beiden Zürcher Clubs machen nur das, was von Bayern München bis Liverpool alle Vereine tun: Sie schürfen im Ausland nach Rohdiamanten. Solche sind bekanntlich selten, und ob ein Spieler vom Rohzustand zum Schmuckstück geschliffen werden kann, bleibt offen. Die Ausfallquote, gleichbedeutend mit zerstörten Hoffnungen von jugendlichen Spielern, die Nachfolge Messis und Ronaldos antreten zu können, ist sehr gross.

Wenn man sich die Namen der neuen Spieler von GC und des FCZ vor Augen hält, drängen sich zwei Fragen auf: Ist das Reservoir an förderungswürdigen Nachwuchstalenten, die aus dem Balkan stammen, in der Schweiz zu Fussballern ausgebildet worden sind und unseren Fussball immer noch prägen, am Versiegen? Wenn ja, würde das heissen, dass der Heisshunger auf Fussball bei der neuen, in der Schweiz aufgewachsenen Generation bereits gestillt ist? Anders gefragt: Hat unser Wohlstand die jungen Sportler aus dem Balkan bereits ebenso geprägt wie die ursprünglichen Schweizer?

Zu wenig Geduld mit dem eigenen Nachwuchs?

Es ist ein seltsames und bemerkenswertes Phänomen, wie sehr im Clubfussball die Mannschaften von ausländischen Spielern geprägt werden. Wenn etwa die Grasshopper keinen Schweizer Namen in der Startelf aufführen, stehen sie und andere Schweizer Clubs beileibe nicht allein da. Legendär sind die Aufstellungen von Arsène Wenger bei Arsenal, in denen sich oft kein britischer Spieler befand. Aber auch etwa bei Borussia Dortmund sind die Schulzes und Kunzes mittlerweile fast seltener als die Schweizer Namen. Und wie viele eigene Spieler bringt Bayern München aus der aufwendigen und als vorbildlich bezeichneten Nachwuchsbewegung in die erste Mannschaft hervor? Sie sind über Jahre hinweg an einer Hand abzuzählen. Stattdessen kaufen auch die Bayern für Millionen Jugendliche aus dem Ausland.

Die Debatte, ob sich eine Nachwuchsabteilung lohnt (sie lohnt sich rein kaufmännisch nicht), ist nutzlos. Allein als Fabrik der Träume für die Jugend hat die Nachwuchsarbeit eines jeden noch so kleinen Clubs eine wichtige soziale Aufgabe, ganz abgesehen von den sportlichen Ergebnissen. Der Unterschied zwischen Nachwuchsspielern aus den eigenen Reihen und zugekauften vermeintlichen oder echten Talenten besteht vor allem in der Geduld. Wenn die Jungen aus dem eigenen Nachwuchs auf gleich viel Geduld und Nachsicht zählen könnten, wie die Clubs mit eingekauften Spielern üben, wäre die Erfolgsquote grösser. Nicolás Andereggen ist Mittelstürmer, 19 Jahre alt und bringt statistische Werte mit vielen Nullen in die Schweiz mit. In einigen Monaten werden wir die Frage beantworten können, ob Willi Huber aus Schwamendingen, Benjamin Meier aus Wiedikon oder Peter Rüdisühli aus Affoltern die gleiche Chance wie der zugekaufte Hoffnungsträger aus San Jeronimo Norte verdient hätten.

Magnins Dilemma mit dem Alphatier Frey

Guido Tognoni am Freitag den 24. August 2018

Differenzen trotz Erfolg: Michael Frey jubelt neben Ludovic Magnin nach dem Cupfinalspiel in Bern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Eine der wichtigsten Aufgaben – vielleicht die wichtigste – eines Fussballcoaches besteht darin, dass er sich mit 20 Spielern versteht. Wenn es der Mannschaft gut läuft, reicht bereits ein friedlicher Umgang mit den Schlüsselspielern, denn bei gutem Formstand hat es der Trainer ohnehin leichter. Je besser ein Spieler ist, umso wichtiger ist das Verständnis seines Coaches mit ihm. Ein Trainer, der sich mit Diego Maradona oder Johan Cruyff angelegt hätte, wäre zum Misserfolg verurteilt gewesen, und wer immer beim FC Barcelona die Aufstellung macht, muss sich in erster Linie mit Lionel Messi verstehen.

Ob solche Spieler pflegeleicht sind oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Die Spekulation ist erlaubt, dass Deutschland an der WM-Endrunde nicht zuletzt deshalb ein sportliches Fiasko erlebte, weil der Coach Joachim Löw auf den hochtalentierten Offensivspieler Leroy Sané verzichtete. Sané, bei Manchester City brillant, passte aus der Sicht Löws nicht ins Kader, er war nicht stromlinienförmig auf Löws Linie. Aber irgendein Törchen hätte Sané wohl noch hingekriegt oder zumindest den schlaffen deutschen Angriff ausreichend belebt. Löw und der deutsche Fussball zahlten einen hohen Preis dafür, dass Sané in den Ferien statt an der WM war.

Magnin konnte sich Kompromisslosigkeit leisten

Der FCZ-Stürmer Michael Frey ist lange nicht so gut wie Sané, er ist bei weitem weder Cruyff noch Messi und schon gar nicht ein Maradona. Aber er ist ein Stürmer, der zumindest auf Schweizer Fussballplätzen Spiele entscheiden kann. Er ist unberechenbar, kampfstark, schonungslos, er fährt die Ellenbogen aus, er holt sich die Bälle, wenn er sie nicht bekommt, und er nützt jede Gelegenheit, diesen Ball Richtung Tor zu knallen. Frey ist auf dem Rasen eine Kampfsau, die man lieber in der eigenen Mannschaft hat als beim Gegner.

Aber der eigensinnige Michael Frey hatte seit einiger Zeit Probleme mit dem Trainer Ludovic Magnin. Und weil Frey eben kein Leroy Sané und schon gar kein Messi ist, konnte es sich Magnin leisten, gegenüber Frey kompromisslos aufzutreten und ihn aus dem Kader zu streichen. Sportpädagogisch ist das sicher richtig, und der FCZ durfte es sich von der Tabellenlage her in den vergangenen Wochen erlauben, gegenüber einem Spieler solche Zeichen zu setzen. Magnin konnte sich und der Mannschaft einreden, dass der Verzicht auf Frey angesichts seines sprunghaften Verhaltens die einzig richtige Massnahme war.

Ist Fenerbahce die richtige Adresse?

Der junge, unerfahrene Coach Magnin stand vor einem typischen Trainerdilemma: Was ist richtig, Disziplin oder ein Kompromiss, wie er im Teamsport immer wieder geschlossen werden muss? Dieses Dilemma ist nun für den Fall Frey gelöst, da der Spieler nach Istanbul zieht. Dennoch wäre es interessant gewesen, Ludovic Magnin nach zehn weiteren Jahren Trainererfahrung fragen zu können, wie er den Fall Frey rückblickend lösen würde.

Die kommenden Spiele werden zeigen, wie wichtig Frey für den FCZ gewesen wäre. Immerhin muss sich Ludovic Magnin nun nur noch mit den Gegnern und nicht mehr mit Michael Frey auseinandersetzen. Und Frey muss nicht mehr hoffen, dass der FC Zürich ohne ihn verliert. Stattdessen stellt sich ihm bald einmal die bange Frage, ob das viele Geld, das ihm versprochen worden ist, auch wirklich fliesst. Fenerbahce ist in astronomischen Höhen verschuldet, und die türkischen Vereine brillieren seit Jahren nicht mit sonderlich guter Zahlungsmoral. Beim FCZ hätte Frey sein Geld bekommen. Regelmässig, pünktlich, und sogar ohne zu spielen.

Rodriguez fliegt: Der Betrug als Option

David Wiederkehr am Mittwoch den 7. Februar 2018

Roberto Rodriguez vom FCZ (Mitte) versuchte es am Sonntag gegen den FC Thun mit einer Schwalbe (siehe Video unten) – und reklamierte sogar noch, als ihn der Schiedsrichter dafür bestrafte. Foto: Keystone, Walter Bieri

Was ist schlimmer als eine Schwalbe? Ein Fussballer, der nach einer Schwalbe auch noch reklamiert.

Zum Beispiel: Roberto Rodriguez. Der Mittelfeldspieler des FC Zürich legte sich im Heimspiel am letzten Sonntag gegen den FC Thun auf besonders perfide Art und Weise hin, ohne jede gegnerische Berührung, einfach so – statt ein Tor zu erzielen, wollte er den Penalty schinden. Ging zum Glück schief: Schiedsrichter Urs Schnyder bestrafte ihn mit einer Verwarnung. Noch unverständlicher, dass Rodriguez diesen Entscheid kaum begreifen mochte.


Die Schwalbe von Roberto Rodriguez im Heimspiel gegen Thun. Video: SRF

Nicht immer sind die Unparteiischen so aufmerksam wie der junge Schnyder. Am gleichen Wochenende spürte in der Premier League Tottenhams Starstürmer Harry Kane in der Schlussphase der Partie gegen Liverpool das Flugwetter – und wurde mit einem Penaltypfiff belohnt. Die Quittung für das unsportliche Verhalten stellte sich Kane dann jedoch gleich selbst aus: Er verschoss den Elfmeter (okay, später avancierte er mit einem zum 2:2 verwandelten weiteren Penalty doch noch zum späten Tottenham-Helden). Liverpools Verteidiger Virgil Van Dijk schäumte nach dem Spiel: «Er ist ein Schwalbenkönig.»

Schwalben entscheiden Spiele

Schwalben sind ein Übel im Fussball und ein Phänomen, das es in dieser Häufigkeit in keiner anderen Sportart gibt. Warum sie nicht auszurotten sind? Weil Schwalben noch immer als Kavaliersdelikt gelten. Eine Gelbe Karte, maximal – mehr haben die Sünder nicht zu befürchten –, und das auch erst seit 1999. Zu gewinnen dafür umso mehr: einen Penalty, vielleicht sogar eine Rote Karte für den Gegner, Schwalben entscheiden Spiele. «Ich habe mich für die Schwalbe entschieden», sagte einst Albion Avdijaj, der GC-Stürmer, nachdem ihn 2015 als Spieler des FC Vaduz die Fernsehbilder enttarnt hatten. Betrug ist unter Fussballern eine Option.


Als sich Albion Avdijaj für eine Schwalbe entschied. Video: SRF

Schwalbenkönige müssen also mehr geächtet werden. Und genau darauf arbeitet die Fan-Initiative «Stop Diving» hin. Das Projekt aus England hat ein Manifest erstellt und will damit nicht nur Fans erreichen, sondern auch aktive Spieler. Die Kernbotschaft: «Wie Athleten in jeder anderen Sportart gehen Fussballer an ihre Leistungsgrenze, um erfolgreich zu sein. Sie trainieren, sie opfern sich auf. Aber nur im Fussball wird auch unehrlich gespielt. Fussball ist der einzige Sport, in dem Unehrlichkeit akzeptiert ist, manchmal sogar belohnt wird.»

Mit ihrer Petition hat sich «Stop Diving» zum Ziel gesetzt, dass schon «die WM 2018 in Russland ganz ohne Schwalben auskommt». Ganz im Gegensatz zur Endrunde 2014 in Brasilien, bei der Arjen Robben im Achtelfinal der Holländer gegen Mexiko eine der spektakulärsten Schwalben in jüngerer Vergangenheit aufführte. Ach, überhaupt: Robben.

Auf der Webseite von «Stop Diving» kann jeder unterschreiben, der solche Unsportlichkeiten vom Fussballplatz verbannt sehen will. Ausserdem werden Interessierte animiert, ihre Lieblingsfussballer mit dem Ansinnen in den sozialen Medien zu kontaktieren und ebenfalls mitzumachen. Der Hashtag: #stopdiving.


Die unsportliche Aktion von Harry Kane gegen Liverpool. Video: Youtube

Längerfristig regt «Stop Diving» an, eine Datenbank mit Schwalben zu initiieren. So liesse sich dokumentieren, welche Ligen besonders anfällig sind, welche Nationalitäten, welche Spieler auf welchen Positionen. Ist dieser Datensatz erst gross genug, sei die Fussballgemeinde sensibilisiert – und sind es auch die Schiedsrichter. «Und dann können die Verantwortlichen konkrete Massnahmen einleiten», hofft die Fan-Initiative.

Bereits aktiv geworden ist die Premier League: Seit dieser Saison können Schwalben nachträglich mit Spielsperren sanktioniert werden, wenn sie einen Penalty oder Platzverweis zur Folge hatten. Müssen aber nicht: Der englische Fussballverband FA sah davon ab, gegen den Nationalspieler ein Verfahren einzuleiten.

Noch schlimmer: Kanes Trainer bei Tottenham, Mauricio Pochettino, rechtfertigte die Schwalbe seines Torjägers auch noch. Der Argentinier sagte, dem Vernehmen nach bei vollem Bewusstsein: «Im Fussball geht es nun einmal darum, den Gegner auszutricksen. Vor 20 oder 30 Jahren hätten wir alle einem Spieler gratuliert, wenn er den Schiedsrichter so übertölpelt.»

Achtung, Fremdprämienverbot!

Florian Raz am Montag den 23. Mai 2016
Uli Forte verspricht St. Gallen einen Lastwagen Bier. (Keystone)

Uli Forte verspricht St. Gallen einen Lastwagen Bier. (Keystone)

Liebe Fans des FC Zürich, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Wahrscheinlich kann euch der Uli Forte im letzten Spiel gegen den FC Vaduz nicht mehr helfen. Und das, nachdem er die Mannschaft im nur vielleicht zu spätesten Moment so richtig aufgeweckt hat. 2:2 in Sitten und so.

Aber dann  hat der Uli einen entscheidenden Fehler gemacht: Er hat dem FC St. Gallen Bier versprochen für den Fall, dass sich der tatsächlich noch einmal dazu aufraffen sollte, in Lugano eine vernünftige Leistung abzurufen. Und nein, er hat nicht ein oder zwei Bierchen versprochen. Sondern gleich «einen Lastwagen» voll davon.

Homer Simpsons Bier-Tagtraum. (via GIPHY)

Klingt harmlos? Ist es keineswegs. Wir haben da mal nachrecherchiert. Zum Beispiel: Wie viel Bier passt in einen Lastwagen? Die sympathische Familienbrauerei Feldschlösschen hat kürzlich den Auftrag erhalten, 30’000 Hektoliter Bier nach Frankreich zu verschicken. Dazu benötigt sie 300 Lastwagen, macht also 100 Hektoliter Bier pro LKW.

Wir nehmen jetzt mal an, der Herr Forte erhält das Bier zum Einkaufspreis, den Gastronomen bezahlen. Das kommt offenbar auf rund 300 Franken pro Hektoliter. Macht summa summarum 30’000 Franken, die der FCZ-Temporär-Trainer aus seinem Portokässeli bezahlen müsste. Die Lieferung lassen wir mal aufs Haus der Brauerei gehen.

30’000 Franken also. Das sind immerhin 10’000 Franken mehr, als die Luganesi Igor Djuric und Patrick Rossini 2015 den Spielern des FC Schaffhausen in einem Couvert zukommen liessen. Damals ging es um den Aufstieg in die Super League, und die Schaffhauser siegten gegen Servette, den einzigen verbliebenen Konkurrenten Luganos, 2:1.

Djuric und Rossini wurden damals von der Liga erst für zwölf Spiele gesperrt. Das wurde danach zwar auf zwei Spiele reduziert, aber da war es für Rossini bereits zu spät: Er war von FCZ-Präsident-Eigentümer-Sportchef Ancillo Canepa fristlos entlassen worden. Die zwei werden das Ganze irgendwann vor Gericht miteinander aufarbeiten.

Wir halten also fest:

  1. Demnächst wird Uli Forte von der Liga für zwölf Spiele gesperrt.
  2. Ancillo Canepa löst seinen Vertrag zwei Spiele vor dessen Beendigung auf.
  3. Danach senkt die Liga die Sperre auf zwei Partien.
  4. Forte verklagt den FCZ auf die Cupfinalprämie.
  5. Cupsieger wird entweder Canepa oder Djuric.
  6. Absteiger auch.

Der Bus ist parkiert

Florian Raz am Mittwoch den 30. September 2015

Es gehört zu den beliebtesten Hobbys nicht sonderlich talentierter Mannschaften (oder von jenen, die von José Mourinho trainiert werden): das Parkieren des Busses vor dem eigenen Tor. Auf der bei Taktikanalysten immer beliebter werdenden Heatmap sieht das dann so aus:

bus-parking

Der FC Zürich und der FC Basel gehören nun zu jenen Mannschaften in der Schweiz, die die Kunst des parkierten Busses noch nicht für sich entdeckt haben. Der FCZ hat die statistisch schlechteste Abwehr der Liga. Und dem FCB gelingt es sogar gegen den FC Lugano regelmässig, ein Gegentor zu kassieren.

Kein Wunder, haben die Clubverantwortlichen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesem Problem entgegenzuwirken. Und tatsächlich: Am selben Tag präsentieren die beiden Erzrivalen ihren Bus. Dabei lassen sie es sich nicht nehmen, etwas Humor einzubauen (und nein, wir lassen hier alle blöden Witze mit Abgaswerten und Ähnlichem): Das Fahrzeug der Zürcher heisst offensichtlich «Eurobus». Und das, obwohl Reisen nach Liechtenstein das grösste der grenzüberschreitenden Erlebnisse im Zürcher Fussballkalender sind. Beim FCB hat es dafür ein Ausdruck auf den Bus geschafft, den eigentlich nur ausserkantonale Boulevardjournalisten auf der Suche nach einem Synonym für das Wort Serienmeister verwenden. Die Begeisterung ist fast ebenso gross wie die Häme:

Und jetzt, das spüre ich, möchten Sie noch die drei Unterschiede herausfinden zwischen einem Busfoto beim FCZ und einem beim FCB:

fczbus1

 

Bleibt wie immer noch eine Frage offen:

Und da sind nun Zürcher klar im Vorteil. Sie wissen schon seit 14 Jahren:

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Der schönste Tag der neuen Saison

Florian Raz am Freitag den 17. Juli 2015
Glauben Sie mir - so schön wie vor dem Anpfiff wird die Saison nie mehr. YB-Spieler präsentieren ihr neues Trikot.

Glauben Sie mir – so schön wie vor dem Anpfiff wird die Saison nie mehr. YB-Spieler präsentieren ihr neues Trikot.

Heute Freitag ist ein besonderer Moment. Es ist der schönste Tag der Super League, Ausgabe 2015/16. Und zwar mit Abstand. Geniessen Sie, liebe Fussballanhängerin, kosten Sie den Moment aus, lieber Fan! Nie mehr wird die Liga so perfekt sein wie heute.

Zu keinem Zeitpunkt wird das Raum-Zeit-Kontinuum derart grandios ausser Kraft gesetzt wie in der Sommerpause des Fussballs. Alle Teams dürfen gleichzeitig an der gleichen Stelle stehen, ohne dass die Logik dagegen aufbegehren kann. Ein Drittel der Liga wird Meister, der Rest kommt mindestens in den Europacup oder hat zumindest absolut nichts mit dem Abstieg zu tun. Es ist pure Magie.

Die Young Boys? Transfersieger! Die «Berner Zeitung» befindet gewohnt zurückhaltend, YB habe «prächtige Aussichten, den ersten Meistertitel seit 1986 zu gewinnen». Und plötzlich wird in Bern sogar ganz offiziell das sonst so gescheute «T»-Wort in den Mund genommen. YB will einen T I T E L gewinnen. Und, da schmunzelt der YB-Präsident Werner Müller, «in Europa ist das Ziel kaum zu erreichen». Gut, hat sich die Schweiz unter SVP-Anleitung schon längst aus Europa in die innere Migration verabschiedet, da wird das schon klappen mit dem aussereuropäischen Titel. «Das Timing wäre perfekt», findet die «BZ». Und okay, das klingt dann schon ein wenig danach, als wolle man sich 30 Jahre Wartezeit ein wenig schön saufen. Aber lassen wir das.

Ancillo Canepa Praesident des FC Zuerich freut sich ueber den Sieg beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem Grasshopper Club Zuerich im Stadion Letzigrund in Zuerich, am Freitag, 29. Mai 2015. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico) .....

Setzt auf die Kondition seiner Spieler: FCZ-Präsident Ancillo Canepa.

Der FC Zürich? Hatte schon letzte Saison eine eigentlich total erfolgreiche Mannschaft, der nur leider jeweils etwas früh der Schnauf ausgegangen ist. 20 Punkte habe das Team in den letzten Minuten verloren, rechnet FCZ-Präsident Ancillo Canepa der «NZZ am Sonntag» vor. Aber darum ist jetzt ja Konditionstrainer Alex Kern da. Und schon ist die körperliche Konstitution so fantastisch, dass Yassine Chikhaoui die letzte Woche vor dem Saisonstart freibekommt. Wäre ja auch schlecht, so eine übertrainierte Nummer 10.

Der FC Sion? Hat spielerisch «die grösste Substanz der Liga», wie Verteidiger Reto Ziegler äusserst bescheiden befindet. Der FC Basel? Wird sowieso die nächsten 100 Jahre Meister. Weil: Geld schiesst eben doch Tore.

Nur das Tattoo fehlt noch: FCL-Trainer Markus Babbel.

Der FC Luzern? War in der letzten Rückrunde natürlich nicht das am wenigsten schwache Team einer merkwürdig wankelmütigen Liga – sondern das fast beste. Wenn das so weitergeht und sich Trainer Markus Babbel endlich das FCL-Logo tätowieren lässt, wo soll das noch enden?

In St. Gallen freuen sie sich auf Tranquillo Barnetta, sagt Präsident Dölf Früh. Und weil Vorfreude die schönste Freude ist, warten sie noch heute. Der FC Vaduz stellte letzte Saison mit 28 Treffern die schwächste Offensive der Liga. Jetzt schiesst er vor dem Saisonstart 42 Tore in 5 Spielen. Zweiundvierzig! Und das gegen Teams mit klingenden Namen wie SP La Fiorita oder Werdenberg Auswahl.

Die Grasshoppers schliesslich stehen kurz davor, den Wirtschaftsnobelpreis zu gewinnen. Denn wer einen radikalen Sparkurs fahren kann und gleichzeitig einen Kim Källström aus dem nicht als Billigmetropole verschrienen Moskau verpflichtet, der macht auch aus griechischer Ödnis wieder blühende Landschaften. Mit links.

Und dann erst der FC Lugano! Entlässt seinen Aufstiegstrainer, unter dem die Tessiner die beste Abwehr der Challenge League stellten. Und holt Zdenek Zeman, der bedingungslose Offensive predigt. Vermutlich, weil Angriff schon immer das beste Rezept eines Aufsteigers war, der sein Kader kaum verstärkt hat.

Ciriaco Sforza, Trainer des FC Thun, mit der ersten Niederlage waehrend dem Burkhalter-Cup zwischen dem FC Thun und dem FC Wohlen am Freitag, 26. Juni 2015, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Sowieso 5 Plätze besser als sein Ruf: FC Thun-Trainer Ciriaco Sforza. Bilder: Keystone

Bleibt der FC Thun. Dort ist jetzt Ciriaco Sforza – und wo Sforza ist, kann es nur gut kommen. Ausserdem landen die Oberländer sowieso immer rund fünf Plätze weiter oben, als sie die vermeintlichen Experten sehen.

Keine Frage: Wäre Faust ein Fan eines Clubs aus der Super League gewesen, Mephisto hätte leichtes Spiel gehabt. Zwei Sätze bloss braucht es, um seine Seele zu verwirken: «Verweile doch! Du bist so schön!» Jetzt ist der Moment, sie auszurufen.

Denn ab morgen Samstag spielen sie schon. Dann sitzen wir wieder in den Stadien. Und unten spielt zum Beispiel Thun gegen GC.