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Beiträge mit dem Schlagwort ‘FC Basel’

Vom dem Schiedsrichter sind nicht alle gleich

Guido Tognoni am Donnerstag den 22. Februar 2018
Nachspielzeit

Jeder weiss, wie schnell Arjen Robben zu Boden geht: Der Bayern-Spieler wird am 17. Februar von Wolfsburg-Verteidiger Gian-Luca Itter am Ärmel gezupft. Foto: Swen Pförtner (Keystone)

«Too big to fail» – zu gross zum Scheitern. Dieser Begriff wurde in der Öffentlichkeit vor allem in der Zeit der Finanzkrise mit den wankenden Banken bekannt und sollte erklären, dass Grossbanken auch trotz des Versagens der hoch bezahlten Manager für das Wirtschaftssystem derart wichtig sind, dass man sie nicht in den Konkurs schlittern lassen darf. Hierzulande erinnern wir uns an die UBS, die mit einem kühnen staatlichen Eingriff gerettet worden ist.

Wer sich regelmässig Fussballspiele anschaut, kommt immer wieder nicht um den Eindruck herum, dass es das «Too big to fail» auch im Sport gibt. Zwei Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Im Champions-League-Spiel FC Basel – Manchester City wird der Basler Dimitri Oberlin mit dem Ball am Fuss vom Argentinier Nicolàs Otamendi im Strafraum der Engländer rüde gerammt. Im Mittelfeld wäre dieser Bodycheck zweifellos gepfiffen worden, und die Spekulation ist erlaubt, dass das gleiche Foul eines Baslers mit einem Elfmeter bestraft worden wäre. Aber der Pfiff gegen Manchester blieb aus. Statt Elfmeter für Basel, der das Spiel vielleicht in eine andere Richtung gelenkt hätte, folgt der Torreigen der Weltauswahl aus Manchester.

Oder am Wochenende bei Wolfsburg – Bayern München: In der letzten Spielminute dringt der renommierte Bayern-Spieler Arjen Robben in den Strafraum der Wolfsburger ein und wird dort vom unbekannten Verteidiger Gian-Luca Itter am Arm gezupft. Im Mittelfeld hätte Robben diese Berührung kaum gespürt und wäre mit dem Ball am Fuss weitergelaufen. Im Strafraum hingegen bricht der Holländer gleich zusammen, und der Schiedsrichter fällt darauf rein. Nicht zum ersten Mal hat auch der renommierte Franck Ribéry einem Gegner einen Schlag ins Gesicht versetzt, diesmal traf es den wenig bekannten Renato Steffen. Und nicht zum ersten Mal kam Ribéry vom renommierten FC Bayern mit einer Gelben Karte davon.

Der Videobeweis hat nichts geändert

Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich Strafraumszenen von den Schiedsrichtern nach wie vor bewertet werden. Das Hilfsmittel Video hat da nicht viel verändert. Und es ist ebenso erstaunlich, wie unterschiedlich die Schiedsrichter einzelne Spieler behandeln. Jeder weiss, wie leicht Arjen Robben in den Strafräumen zu Boden geht, und jeder kennt mittlerweile die unbeherrschten Reaktionen Franck Ribérys. Da wird ein Bodycheck durchgelassen und ein Schlag ins Gesicht ebenso, dort ein Zupfer mit Elfmeter bestraft. Aber Basel ist eben nicht Manchester City, und Wolfsburg ist auch nicht Bayern.

«Too big to fail» gibt es – leider – auch im Fussball. Man könnte darüber Bücher schreiben.

New York drückt YB die Daumen

Guido Tognoni am Montag den 12. Februar 2018

Der FC Basel hat die Meisterschaft noch nicht erstickt: YBs Assale nimmt im St.-Jakob-Park den Ball an, 5. November 2017. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

YB-Sportchef Christoph Spycher wurde während seiner Laufbahn als Fussballer sicher nie von der «New York Times» beachtet. Doch dieser Tage war das der Fall. Die Young Boys werden von der prominentesten Zeitung Nordamerikas als Hoffnungsträger einer neuen Entwicklung beschrieben, nachdem selbst dem Korrespondenten der NYT nicht entgangen ist, dass die Berner vor dem FC Basel liegen.

Denn dem amerikanischen Sportpublikum graut es vor den Zuständen, wie sie in Europas Fussball herrschen: Dominanz der immer gleichen Clubs und deshalb fehlende Spannung. Aus diesem Grund sorgen die nordamerikanischen Profiligen seit je durch reglementarische Eingriffe für möglichst grosse Ausgeglichenheit. Beispiele sind das Draft-System, wonach die schlechtesten Clubs den ersten Zugriff auf die besten Nachwuchsspieler erhalten (wie die New Jersey Devils auf Nico Hischier), oder die Lohnbegrenzung für das gesamte Kader.

Bemerkenswert ist, dass die «New York Times» nicht nur die Dominanz der ewig gleichen Champions-League Favoriten beklagt und sich auch nicht an der Langeweile beispielsweise der Bundesliga aufhält, wo an der Spitze allenfalls die Frage interessiert, ob Bayern München jeweils mit 15 oder 20 Punkten Vorsprung gewinnt. Analysiert wird die Überlegenheit im Unterbau der Champions League: die 8 Titel hintereinander des FC Basel, die Serie von 12 Titeln des weissrussischen Meisters Bate Borisow, die Überlegenheit von Teams wie Celtic Glasgow (6 Titel in Serie), Dinamo Zagreb (gewann in den vergangenen Jahren 11 von 12 Meisterschaften), von Ludogorets Razgrad aus Bulgarien (6 Titel in Folge) und von Olympiakos Piräus, das in jüngster Vergangenheit 19 von 21 Titeln abholte. Die Meisterschaften dieser Länder seien zu reinen Prozessionen verkommen, wird festgehalten.

Der Fehler im europäischen Fussball

Entsprechend hat die B-Prominenz des europäischen Fussballs recht mühelos auch gut verdient: Für 50 Millionen Dollar verstärken Bayern München und Liverpool inzwischen nur die Ersatzbank, aber für Bate Borisov sind diese über die letzten fünf Jahre erzielten Einnahmen als Vorzimmerteilnehmer der Champions League noch mehr wert als die 68 Millionen Dollar, die der Analyst dem FC Basel anrechnet. Olympiakos Piräus hat in der gleichen Zeit sogar 125 Millionen Dollar an Uefa-Prämien verdient.

All diese Mannschaften finden ihr sportliches Glück in der Qualifikation für die Gruppenspiele, wie das dem FC Basel erneut gelungen ist. Dazu kommt der Verkauf der besten Spieler, die im Königswettbewerb ausgestellt werden können und allen schon deshalb mehr Transfergeld einbringen als manche gleichwertigen Kandidaten der nationalen Konkurrenz.

Hält YB diesmal durch? Sportchef Christoph Spycher. Foto: Thomas Delley (Keystone)

Allein die Tatsache, dass der FC Basel ausnahmsweise seiner nationalen Konkurrenz noch nicht enteilt ist, findet also bereits über die Grenzen hinaus Beachtung. Das deckt den Webfehler des europäischen Fussballsystems auf: Wer nicht an die Honigtöpfe der Uefa herankommt, kann von Erfolgen nur träumen. Als kommerziell benachteiligter Aussenseiter hat man nicht einmal mehr in den eigenen Ligen eine Chance, von der Champions League nicht zu reden.

Die Young Boys haben es in den vergangenen Jahren immer wieder irgendwie geschafft, letztlich als Verlierer dazustehen. Nichts gegen den FC Basel, aber drücken wir nun den Bernern die Daumen. Diesmal hat der FC Basel die Meisterschaft noch nicht erstickt, die Prozession ist ins Stocken geraten. Vielleicht halten die Berner für einmal durch, vielleicht führen sie dem Schweizer Fussball endlich neuen Sauerstoff zu.

Der Berner Endgegner ist zurück

Florian Raz am Donnerstag den 11. Januar 2018

Der ewige Albtraum der Berner: Valentin Stocker erzielt für die Basler das 0:1 gegen YBs Torhüter Marco Wölfli, 2010. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Schnell nochmals auf die Tabelle geschaut. Doch, doch, die Young Boys liegen laut der offiziellen Website der Liga noch immer zwei Punkte vor dem FC Basel. Aber fühlt es sich nicht an, als hätten die Berner plötzlich drei Punkte Rückstand?

Ein paar Tage bloss sind vergangen, seit sich die Basler Führungscrew aus ihren diversen Walliser Ferienorten zurückgemeldet hat am Arbeitsplatz. Doch in der kurzen Zeit hat der Serienmeister schnell mal seine Muskeln spielen lassen. Fabian Frei zurück, Valentin Stocker zurück. Das Signal nach Bern könnte klarer nicht sein. Die Berner werden richtig beissen müssen, wollen sie Meister werden.

Vor allem Stockers Rückkehr hat mehr als eine sportliche Bedeutung. Möglich, dass er nach einem halben Jahr ohne Spielpraxis nicht sofort eine Verstärkung sein wird. Und seine Nähe zu Sportchef Marco Streller könnte gar zum Problem werden. Viel wichtiger aber: Seine Verpflichtung trifft die Nerven in Basel und Bern.

Der schnüsige Vali

Im St.-Jakob-Park wird Stocker wohl immer der schnüsige Vali sein. Als unbekümmerter Teenager hat er die Leute im Sturm erobert – und sie danach nie mehr losgelassen. Dieser Einsatz, dieser Hundeblick, dieser unschuldige Sex-Appeal! Und natürlich: die Treffer, die Assists, diese Momente, in denen er den Ball schon verloren zu haben scheint – und ihn dann doch irgendwie ins Tor stockert.

Haben Sie dagegen schon mal gehört, was die Menschen im Stade de Suisse so zu erzählen (oder zu brüllen) haben, wenn Stocker zu Besuch ist? Im Vergleich dazu wirkt die Verabschiedung von Haris Seferovic bei seiner Auswechslung gegen Nordirland wie eine Liebesbekundung des Publikums. Sagen wir, die Berner Einschätzungen zu Stocker pendeln sich im Normalfall im Raum zwischen Gürtellinie und Kniehöhe ein. Dieser Giftzwerg, dieser scheinheilige Milchbubi mit seinen fies gestreckten Beinen, der seinerseits bei der geringsten Berührung wie vom Blitz getroffen zusammensackt! Und natürlich: die Treffer, die Assists – alle immer irgendwie gegen YB gerichtet.

Und Basel ist Meister

Nun mag die Ausdrucksweise diskutabel sein. Aber grundsätzlich beweist das Berner Publikum einen feinen Sinn für die drohende Gefahr, die von Stocker ausgeht. Er ist so etwas wie der Endgegner, an dem die Berner bislang immer gescheitert sind. Stocker, die YB-Nemesis, der ultimative Gegenspieler, der Erzrivale, der Todesengel aller Berner Meisterträume.

Mai 2008, erste Finalissima zwischen Basel und Bern. 38’000 Zuschauer im Joggeli. Stocker ist vor kurzem 19 geworden, als ihm in der 13. Minute der Ball im Strafraum vor die Füsse springt. Eine Drehung, ein Schuss zwischen Marco Wölflis Beinen hindurch – 1:0. Zehn Minuten später schüttelt er Hakan Yakin ab, ein Pass auf Streller – 2:0. Basel ist Meister.

Mai 2010, zweite Finalissima zwischen Bern und Basel. 31’210 Zuschauer im Wankdorf. Stocker ist längst Stammspieler, als ihm ein Ball eigentlich schon weggespritzt zu sein scheint. Eine Berührung mit dem Aussenrist, der Ball fliegt über Goalie Wölfli – 0:1. 20 Minuten später flankt Stocker von links, Scott Chipperfield trifft per Kopf – 0:2. Basel ist Meister.

Kein Wunder, schwelgten die Basler gleich nach Stockers Verpflichtung in ersten Fantasien.

Wenigstens davor muss YB keine Angst haben: Die Liga hat den Spielplan bereits am Saisonstart bekannt gegeben. Bern und Basel treffen in dieser Saison nicht am letzten Spieltag aufeinander.

Andererseits: Kaum ist Stocker zurück, heisst der YB-Goalie wieder … Wölfli.

Fischer, ein Gewinner in Basels Krise

Thomas Schifferle am Donnerstag den 21. September 2017

Urs Fischer verabschiedet sich von den Fans (2. Juni 2017). Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Bernhard Heusler sass diesen Sommer in einem Restaurant am Barfüsserplatz. Genau an dem Ort, an dem er in den letzten Jahren so viel zu feiern hatte – als er noch Präsident des FC Basel war. An diesem Abend im Juni war er nur noch der Ex-Präsident, entspannt und in kurzen Hosen sass er da, als ein Fan auf ihn zukam und sagte: «Du bist nicht blabla! Du bist Bravo!».

Heusler nahm das Lob, er sei kein Schwätzer, sondern ein Grosser, dankend entgegen. Ob er dabei aus Verlegenheit leicht rot wurde, war nicht zu erkennen. Dafür war er zu sonnengebräunt.

Drei Monate sind seither vergangen, Heusler hat jetzt, zusammen mit seinen alten Basler Mitstreitern Georg Heitz und Stephan Werthmüller, eine Beratungsagentur gegründet. Er hilft zudem den Volleyballerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen als Verwaltungsrat und Aktionär.

Der Erfolg sei keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer, hatte Heusler stets betont, als er noch den FCB von Titel zu Titel leitete. Seine Nachfolger haben in wenigen Wochen schon den Beweis angetreten, wie recht Heusler hatte. Sie haben den FCB direkt in die Krise geführt.

Alles sollte besser werden

Dabei sollte alles wieder besser werden beim FCB, versprachen die Neuen, angeführt von Bernhard Burgener als Präsident und Marco Streller als Sportchef. Besser im Sinn von: Der FCB sollte nicht mehr nur einfach gewinnen, er sollte auch wieder Spektakel bieten für ein zunehmend verwöhntes Publikum. Der Präsident verkündete, sich an Bayern München zu orientieren. Der Sportchef, ein Lehrling im Amt wie sein Präsident, redete von einem jüngeren Basel mit mehr Baslern. Zusammen plauderten sie von ganz viel Rot-Blau.

Zuerst wurde darum der alte Trainer weggeschickt. Der Zürcher Urs Fischer war ihnen zu wenig unterhaltend, zu nüchtern in seiner Arbeit. Fischer hatte mit der Mannschaft in seinen zwei Basler Jahren während 71 von 72 Runden die Rangliste angeführt.

Und jetzt? Steht sein Nachfolger Raphael Wicky hilflos an der Linie und ist schon zufrieden, wenn sein FCB in der Champions League bei Manchester United nicht auseinanderfällt und nur 0:3 verliert. Fischer wäre im gleichen Fall heftigst kritisiert worden. Der frühere Trainer und heutige Teleclub-Experte Rolf Fringer sagt, Wicky habe die mit Abstand schlechteste Mannschaft zur Verfügung, die der FCB seit Jahren gehabt habe. Fischer hatte auch keine überragende Auswahl an Spielern zur Hand. Er führte sie trotzdem einmal mit 14 und dann mit 17 Punkten Vorsprung zum Titel. Fischer ist ein Gewinner in der Krise. Vielleicht lernen sie in Basel mit Abstand schätzen, was er geleistet hat.

Die Tore fehlen

Marc Janko und Seydou Doumbia sind andere Gewinner, beide im Sommer vom Hof gejagt, weil zu alt und zu teuer. Die Jungen sollten es fortan im Sturm richten. Streller erklärte Dimitri Oberlin gleich zum Juwel europäischen Ranges. Als Anfänger unterlaufen einem solche Fehler gern einmal. Die vielen Tore von Janko und Doumbia fehlen spürbar.

Matias Delgado wird als Captain vermisst, seit er, quasi über Nacht, den Verein informierte, er habe die Kraft nicht mehr, um Fussball zu spielen. Wenige Wochen vorher hatte er noch gesagt, wie ihm jeder Tag im Fussball Freude bereite. Hat er gespürt, dass es mit diesem neuen FCB nicht gut kommt, und ist darum gegangen?

Heusler war als Präsident zu spüren, Burgener ist es nicht. Dafür hat er mit Jean-Paul Brigger einen CEO geholt, von dem man nicht weiss, ob er schon angefangen hat oder schon wieder weg ist. Im Überschwang seiner Verpflichtung war ganz viel die Rede von seiner Arbeit bei der Fifa. Aber kein Wort verlor der Verein über Briggers zwölf Monate bei GC bis Ende 2004. Falls es Burgener nicht weiss: In Zürich war Brigger als Sportchef komplett durchgefallen.

Konstruktiv zu vielen Chischten

Christian Zürcher am Donnerstag den 29. September 2016
Marco Schneuwly of Lucerne reacts after he scored the first goal for 1-0, during the UEFA Europa League third qualifying round first leg soccer match between Swiss Club FC Luzern and Italian Club US Sassuolo, in Lucerne, Switzerland, Thursday, 28 July 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Spiele 8, Tore 7, Quote 0,88: Marco Schneuwly (Luzern) hat am tatkräftigsten an der hohen Trefferquote der Super League mitgewirkt. Foto: Keystone

Schon einmal die Super-League-Tabelle etwas näher betrachtet? Klar, man sollte Vaclik an den Pfosten fesseln, dem Balanta Betonschuhe anziehen und beim Doumbia Eisenplatten in die Hosen einnähen. Basel ist etwas gar überlegen, das stimmt.

Doch das ist hier für einmal nicht das Thema. Denn ein zweiter Blick offenbart, in der Super League werden Tore geschossen, was das Zeug hält. 3,42 Treffer sind es bisher pro Partie, und damit über eine halbe Chischte (nicht zu verwechseln mit den Chischten von Andy R. aus H. mit Ableger bei YB und Weingut in F.) mehr pro Spiel als in europäischen Ligen wie der Premier League, Bundesliga, Primera División et al.

Aber nun fertig mit dem Geschwätz, her mit den Zahlen.

Weil sich die verschiedenen Ligen an unterschiedlichen Zeitpunkten der Meisterschaft befinden, sei hier die Anzahl Spielrunden zum Messzeitpunkt erwähnt.

Bereits vergangenes Jahr schwang die Super League obenaus, wenn auch damals die Differenz noch etwas kleiner war.

Das bringt uns zur Frage: Warum ist das so? Es lassen sich dafür verschiedene Anhaltspunkte finden, aber keine Argumentation, die diese Torhohheit vollends erklärt.

  • In der Super League spielen zurzeit praktisch alle Mannschaften einen konstruktiven Fussball – Toreschiessen, und nicht -verhindern, ist das Ziel. Das beginnt bei Aufsteiger Lausanne. Dessen Trainer Fabio Celestini sagte der NZZ, entweder würden seine Spieler seine Ideen begreifen, oder eben nicht. Das ist mal eine Haltung. Sie führt zu 2:7-Niederlagen wie gegen YB, zu 4:4-Unentschieden wie gegen Thun, aber auch zu 5:0-Siegen wie gegen Vaduz. Weil andere Aussenseitermannschaften wie Lugano, Vaduz oder Thun ebenfalls eine spielbejahende Philosophie pflegen (sie spielen teilweise gar mit Gegenpressing), fallen auch in ihren Spielen zahlreiche Treffer. In anderen Ligen mag das anders sein: Da mauert ein HSV gegen den FC Bayern ein Spiel lang, da setzen finanziell schlechtere Mannschaften den Fokus auf die Defensive und eine gute Organisation.
  • Gute Verteidiger finden ist schwierig und vor allem teuer, das sagen Schweizer Sportchefs immer wieder. Also schauen sie sich im eigenen Nachwuchs oder in der Challenge League um. Das kann gut gehen wie bei einem Fabian Schär oder einem … ja, man tut sich gerade schwer, andere Beispiele zu finden. Vielleicht gilt es noch bei Michael Lang oder Jan Bamert, doch diese Strategie führt zumeist eben doch dazu, dass letztlich die Qualität fehlt. Kommt dazu, dass das Geld tendenziell eher für Stürmer und Mittelfeldspieler investiert wird als für Verteidiger. Die Konsequenz: Die Abwehr ist Mal für Mal überfordert.
  • Eine Kombination aus den beiden oben genannten Punkten ist folgende: Trainer wie Celestini, Tami, Manzo oder mit Abstrichen auch Zinnbauer (halt sehr erfolglos) verfolgen ein offensives Spielsystem, das anspruchsvoll zugleich ist. Weil also die Qualität fehlt, zeigen sich die Abwehrreihen oftmals entblösst, was folgt, sind Fehler und Tore.
  • Wo sind sie nur geblieben? Da wären wir wieder bei Vaclik – die guten Torhüter fehlen: Früher gab es Yann Sommer, Roman Bürki und Beat Mutter. Heute stehen Daniel Lopar, Guillaume Faivre oder Peter Jehle zwischen den Pfosten. Es fehlt ihnen an Liebe zum Arbeitsgerät, immer wieder lassen sie es fallen. Das war nun zynisch. Item. Ich bleibe dabei, früher war alles besser, nur dass heute mehr Tore passieren. Das ist doch auch was.

Psst … der FC Basel ist gar nicht gut

Florian Raz am Dienstag den 3. November 2015
Meister der Täuschung: Der FC Basel mag die Tabelle mit grossem Vorsprung anführen. Experten sind sich aber einig: Die Basler sind diese Saison gar nicht gut.

Meister der Täuschung: Der FC Basel mag die Tabelle mit grossem Vorsprung anführen. Experten sind sich aber einig: Gut sind diese Basler wirklich nicht.

Irgendeiner muss diese unangenehme Wahrheit mal an die Öffentlichkeit bringen. Bislang ist sie nur gewispert worden – in den Presseräumen und in den Interviewzonen der Schweizer Stadien. Fussballreporter, da nehme ich mich auf keinen Fall aus, sind so etwas wie die moderne Version der vielzitierten Waschweiber. Wer rechtzeitig vor dem Spiel da ist, um die vom Heimclub gesponserte Pasta zu futtern, erfährt so manches, was es danach nicht unbedingt bis in die Zeitungsspalten schafft.


Fussballreporter am Pasta-Büffet (Abbildung ähnlich).

Wer all die Informationen, Gerüchte und Meinungen gewissenhaft sammelt, der kann zu Erkenntnissen kommen, die anderen verborgen bleiben. Und dies hier ist so eine: Der FC Basel ist in dieser Saison gar nicht gut. Doch, doch, glauben Sie mir. Basel in Vaduz? Nicht gut. Basel gegen die Young Boys? Gar nicht gut. Basel in Zürich? Nicht so gut. Basel in Bern? Vielleicht halb gut, aber doch Verlierer.

So wird das geraunt vor den etwas angetrockneten Tortellini al pomodoro oder den leicht lampigen Spaghetti bolognese, beim Gang zu den Spielerinterviews und vor den Pressekonferenzen mit den Trainern. Und weil so viele Fachleute unmöglich falsch liegen können, hier der Blick auf eine durchschnittliche Super-League-Tabelle einer Saison, in der der FC Basel nicht gut spielt:

Tab SL

Was zur Frage führt: Wenn ein nicht gut spielender FCB vier Runden vor der Winterpause bereits weiss, dass er das neue Jahr als Leader beginnen wird, was sagt das dann über die Konkurrenz aus?

Wir könnten jetzt das lustige Lied von der Schweizer, Zitat Murat Yakin, «Gurkenliga» anstimmen. Aber wenn der aktuell Fünfte der Super League im Europacup gegen Rubin Kasan, Bordeaux und den grossartigen FC Liverpool (okay, jenen der Vor-Klopp-Ära) bestehen kann, darf das schon als Indiz für die eigentlich vorhandene Qualität in der Schweizer Liga gelten.

Wenn derselbe FC Sion danach aber spielt, als sei er ein komplett anderer und in Lugano 0:3 untergeht, dann sind wir aber schon mittendrin in der Antwort darauf, warum der FCB die Liga derart dominiert: Er ist ein Meister der Konstanz. Die Konkurrenz mag mal hier ganz grundsätzlich ein gutes Spiel zeigen und dort sogar eine starke Halbzeit gegen die Basler. Basel aber unterschreitet praktisch nie ein gewisses Niveau. Brillant mag das Team von Trainer Urs Fischer derzeit vielleicht nicht auftreten. Aber wer den FCB in einem Spiel schlagen will, der muss 90, 93 oder halt 95 Minuten lang besser sein. Und wer tatsächlich auch mal Meister werden möchte, muss 36 Runden lang durchhalten.

Diesen langen Atem hat in dieser Saison offenbar niemand. Die Grasshoppers können ihn gar nicht haben, so dünn ist ihr Kader aus finanziellen Gründen. Und jene Gegner, die sich vor der Saison als Herausforderer gebärdet haben? Kaum hatte die Saison begonnen, waren auch schon ihre Trainer entlassen. Und jetzt sind beim FC Zürich und den Young Boys Männer am Ruder, die für sich in Anspruch nehmen, mindestens bis zur Winterpause einfach mal eine Bestandesaufnahme zu machen und nebenbei noch etwas Aufbauarbeit für künftige Grosstaten zu leisten.

YB und der FCZ haben die Meisterschaft verloren, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Weil sie Ende letzter Saison nicht den Mut hatten, reinen Tisch zu machen und einen Neuanfang zu wagen. Stattdessen hofften sie nach durchzogenen Saisons darauf, dass sich alles irgendwie einrenken würde. Tat es aber nicht. Und mit dem Trainerwechsel warfen die beiden Clubs zugleich ihre ganze Sommervorbereitung auf den Misthaufen der Fussballgeschichte.


Ein hoffnungsfroher FCB-Konkurrent peilt hohe Ziele an (Abbildung sehr ähnlich).

Was jetzt noch bleibt im laaaangen Warten bis zum Saisonende, ist einerseits die Hoffnung auf einen plötzlichen, monatelangen Systemausfall in Basel, der noch etwas Spannung zurückbringen könnte. Und andererseits darauf, dass wenigstens die Young Boys die schon wieder eingeläutete Zwischensaison so nutzen, dass sie wenigstens 2016/17 endlich bereit sind, die Basler anzugreifen. Allen anderen Clubs traut man den Part des ernsthaften FCB-Konkurrenten ja schon gar nicht mehr zu.

Der Bus ist parkiert

Florian Raz am Mittwoch den 30. September 2015

Es gehört zu den beliebtesten Hobbys nicht sonderlich talentierter Mannschaften (oder von jenen, die von José Mourinho trainiert werden): das Parkieren des Busses vor dem eigenen Tor. Auf der bei Taktikanalysten immer beliebter werdenden Heatmap sieht das dann so aus:

bus-parking

Der FC Zürich und der FC Basel gehören nun zu jenen Mannschaften in der Schweiz, die die Kunst des parkierten Busses noch nicht für sich entdeckt haben. Der FCZ hat die statistisch schlechteste Abwehr der Liga. Und dem FCB gelingt es sogar gegen den FC Lugano regelmässig, ein Gegentor zu kassieren.

Kein Wunder, haben die Clubverantwortlichen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesem Problem entgegenzuwirken. Und tatsächlich: Am selben Tag präsentieren die beiden Erzrivalen ihren Bus. Dabei lassen sie es sich nicht nehmen, etwas Humor einzubauen (und nein, wir lassen hier alle blöden Witze mit Abgaswerten und Ähnlichem): Das Fahrzeug der Zürcher heisst offensichtlich «Eurobus». Und das, obwohl Reisen nach Liechtenstein das grösste der grenzüberschreitenden Erlebnisse im Zürcher Fussballkalender sind. Beim FCB hat es dafür ein Ausdruck auf den Bus geschafft, den eigentlich nur ausserkantonale Boulevardjournalisten auf der Suche nach einem Synonym für das Wort Serienmeister verwenden. Die Begeisterung ist fast ebenso gross wie die Häme:

Und jetzt, das spüre ich, möchten Sie noch die drei Unterschiede herausfinden zwischen einem Busfoto beim FCZ und einem beim FCB:

fczbus1

 

Bleibt wie immer noch eine Frage offen:

Und da sind nun Zürcher klar im Vorteil. Sie wissen schon seit 14 Jahren:

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Ein Zürcher! In Basel!

Blog-Redaktion am Samstag den 27. Juni 2015
Urs Fischer und Rotblau: Der Mann wird in Basel nicht an seinem Dialekt scheitern.

Urs Fischer und Rot-Blau: Der Mann wird in Basel nicht an seinem Dialekt scheitern. Foto: Keystone

Ich habe es versucht, ganz ehrlich. Schon vor einer Woche hätte dieser Beitrag online stehen sollen – und ich war auf gutem Wege. Doch dann wurde Urs Fischer Trainer des FC Basel. Und was das bedeutet, können Sie sich vielleicht vorstellen. Ein Zürcher! In Basel! Und erst noch einer, der offen dazu steht, lieber in kleinen Seen, denn in offen fliessenden Gewässern zu fischen! Wenn da mal nicht mindestens die Welt untergeht.

Bislang bin ich ja davon ausgegangen, dass dieses ganze Basel-Zürich-Gedöns mehr so ein Ding von uns Baslern sei. Der Kleine mit seinen Minderwertigkeitskomplexen bellt den Grossen an, der davon gar nichts bemerkt, weil er gerade das Geld für seine Dreizimmerwohnung im Seefeld verdienen muss (2678 Franken = «cheap!»). Aber wenn es um den FCB geht, scheint der Reflex irgendwie umgekehrt zu funktionieren. Also hätte die Redaktion des «Tages-Anzeigers», nachdem ich schon keine prominenten Basler gefunden habe, die sich über die sechs Titel in Serie langweilen, gerne gelesen, was die prominenten Basler zu Urs Fischer meinen. Aber gibt es überhaupt einen Zürcher, der auf Anhieb drei prominente Basler aufzählen kann, jetzt da Christian Gross schon etwas länger weggezogen ist?

Glauben Sie mir: Urs Fischer wird in Basel nicht an seiner Herkunft scheitern – höchstens an den Resultaten seiner Mannschaft. Und damit zum Thema dieses Blogs: Vor zwanzig Tagen gab es hier ein Rätsel, bei dem eine FCB-Meisterzigarre Ausgabe 2015 zu gewinnen war. Mit Blick auf die laufende Transferperiode scheint diese noch an Wert gewonnen zu haben; wer weiss schon, ob es nächstes Jahr noch einmal rot-blauen Meisterrauch geben wird?

Unser Sieger kommt aus Basel, und eigentlich hätte ich mit Herrn Farronato gerne ein Sieger-Interview geführt, in dem ich ihn gefragt hätte, wie er sich nun fühlt. Und wann er geglaubt hat, auf dem Weg zum richtigen Lösungswort zu sein. Was er mit seiner Bemerkung gemeint hat, er brauche noch meine IBAN. Und warum seine Zahlung bislang noch nicht eingegangen ist. Aber Sieger sind eben auch immer schwer beschäftigt – und so müssen wir all die Fragen im Raum stehen lassen.

Das Lösungswort übrigens lautete «Zigarre», was immerhin die Hälfte der Einsender richtig erkannt hat. Die andere Hälfte kam auf «Meister», beziehungsweise «Maister». Dreimal wurde ich gescholten, das Rätsel sei zu einfach. Einer der Kritiker schickte die falsche Antwort. Ein Leser aus Winterthur machte sich gar die Mühe, das Wort via Matrix herzuleiten, und befand danach, es sei «extrem einfach» gewesen. Niemand hat das ebenfalls zu bildende Wort «saudoof» eingesandt.

Da die Auslosung zu 50 Prozent den Richtlinien der Fifa-Ethikkommission entsprach, wäre eigentlich Grande Walter als Glücksfee eingeplant gewesen. Doch der ist inzwischen leider bloss noch als Privatier unterwegs, sodass wir auf eine interne Lösung zurückgegriffen haben. Hier der Beweis, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Und nächstes Jahr verlosen wir dann eine YB-Meisterwurst!

Wir verlosen eine Meisterzigarre gegen die heimliche Langeweile

Florian Raz am Samstag den 6. Juni 2015

Vor etwas mehr als zwei Wochen habe ich an dieser Stelle einen Aufruf gestartet, in dem ich Baslerinnen und Basler gesucht habe, die davon gelangweilt sind, dass der FC Basel ständig Schweizer Meister wird. Ich muss sagen: Der Rücklauf hielt sich in Grenzen. Es haben sich zwar ein paar gemeldet. Aber mit Namen und Gesicht hinstehen? Das dann lieber doch nicht. Zu gross ist die Angst vor der Omerta in der Nordwestschweiz.

Interessant ist, dass sich vor allem Leute meines Berufsstandes zu langweilen scheinen. Andererseits habe ich gleich viele Reaktionen anderer Berufsgattungen erhalten, in denen mir mitgeteilt wurde, wie extrem unlangweilig, also nachgeradezu unterhaltsam zum Beispiel ein siebter Meistertitel in Serie sein könnte.

Also gut, ich frage dann in einem Jahr nochmals nach.

IMG_5232Bis dahin, spüre ich, würden Sie gerne noch einmal die unverwechselbaren Jubelbilder vom Seibi, Schriftdeutsch «Barfüsserplatz», der letzten sechs Jahre sehen. Und damit Sie sich dabei nicht langweilen, verlose ich eine original FCB-Meisterzigarre 2015 der Marke Davidoff Special R, von Hand gerollt auf der Dominikanischen Republik und ebenso von Hand eingesackt ein paar Meter hinter dem Basler Meisterfeierbalkon.

Schicken Sie das Lösungswort bis am 15. Juni 2015 auf florian.raz@tamedia.ch, Betreffzeile «Meisterrauch». Die Verlosung findet ohne jede juristische Überwachung statt und entspricht zu fünfzig Prozent den Richtlinien der Fifa-Ethikkommission.

FC Basel's fans gather on the Barfuesserplatz expecting their team for the celebration of the Swiss Super League soccer championship in the city center of Basel, Switzerland, Sunday, May 16, 2010. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Z) FCB-Meisterfeier 2010, wunderbar.
M) FCB-Meisterfeier 2015, klare Sache.
S) Halt, das ist doch der ZSC 2014!


 

Many fans and supporters of Switzerland's soccer club FC Basel waiting for the team to celebrate their soccer team championship title on the balcony of the Casino at the Barfuesser Square in Basel, Switzerland, on Saturday, June 1, 2013. Basel won the 16th Swiss soccer championship title. (KEYSTONE/Patrick Straub)

E) Hmm, ist das nicht der ZSC 2014?
I) FCB-Meisterfeier 2013, scheen wars.
A) FCB-Meisterfeier 2014, Jahrgang Yakin.


 

Die Fans besammeln sich zur Meisterfeier des FC Basel auf dem Barfuesserplatz in Basel in der Nacht vom Mittwoch, 25. Mai 2011. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

G) Meisterfeier 2011, unverkennbar.
U) FCB-Meisterfeier 2013.
I) FCB-Meisterfeier 2012!


 

Fans of FC Basel cheer on the "Barfuesser-Platz" square in Basel, Switzerland, after the Super League championship match FC Basel against BSC Young Boys and after winning the championship, Sunday, May 17, 2015. FC Basel won the sixth time in series the Swiss Championships. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

S) FCB-Meisterfeier 2013, wer könnte sie vergessen?
D) FCB-Meisterfeier 2010, Après-Finalissima-Bier …
A) FCB-Meisterfeier 2015, frische Erinnerungen!


 

Die Spieler des FC Basel feiern den Meistertitel mit ihren Fans auf dem Barfuesserplatz in Basel, am Sonntag, 18. Mai 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

T) FCB-Meisterfeier 2011, grosse Gefühle.
O) FCB-Meisterfeier 2012, Hattrick!
R) FCB-Meisterfeier 2014, praktisch schon Post-Murat.


 

Die Fans der ZSC Lions begruessen ihr Team mit Pyros zur Meisterfeier im Hallenstadion in Zuerich am Sonntag, 20. April 2014. Die ZSC Lions gewinnen die Schweizermeisterschaft nach  ihrem Sieg im vierte Playoff Eishockey Finalspiel der National League A gegen die Kloten Flyers am Samstag, 19. April 2014, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

E) FCB-Meisterfeier 2014, armer Muri.
R) Jetzt ist es aber wirklich der ZSC 2014!
O) FCB-Meisterfeier 2015, die Sechste.


 

Die Spieler des FC Basel feiern den Meistertitel mit ihren Fans traditionellerweise auf dem Balkon des Casinos auf dem Barfuesserplatz in Basel am Sonntag, 29. April 2012. Der FC Basel gewann vorzeitig mit einem Titel-Hattrick seinen 15. Meisterschaftstitel der Clubgeschichte. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

E) FCB-Meisterfeier 2012, mitten in der Serie.
F) FCB-Meisterfeier 2011, Fink und Vogel.
R) FCB-Meisterfeier 2010, wie alles begann.

Serienmeister FC Basel: Es ist wie mit der Sonne

Florian Raz am Donnerstag den 21. Mai 2015
FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2014/15,  FCB, FC BASEL, FC BASEL 1893, BSC YOUNG BOYS, YB,

Barfüsserplatz, 17. Mai 2015. Das Bild könnte natürlich auch aus dem Mai 2014, 2013, 2012, 2011 oder 2010 stammen.

Der FC Basel stand rein rechnerisch noch gar nicht als Meister 2015 fest, als mir, sozusagen als Basler Vertreter auf einer Zürcher Redaktion, eine Idee für einen Artikel angetragen wurde. Es wäre doch schön, wenn prominente Baslerinnen und Basler im «Tages-Anzeiger» erzählen würden, wie langweilig es sei, dass der FCB die Liga schon wieder gewinne. Ja, musste ich zugeben, das wäre in der Tat schön. Also, für den Tagi. Für die bekannten (und auch für weniger bekannte) Basler wohl eher weniger, ausser sie wollten die Anzahl ihrer Facebook-Freunde sowieso markant reduzieren.

Ausserdem verkennt der Wunsch nach gelangweilten Baslerinnen die Realität. Es entspricht schlicht dem Basler Selbstverständnis, Meister zu werden. Es ist wie mit der Sonne: Mal geht sie etwas früher auf, mal etwas später. Im Schnitt aber erscheint sie jeden Tag – ohne dass das jemand langweilig fände. So ist es in Basel mit dem Fussball: Der FCB wird mal etwas früher Meister, mal etwas später, im Schnitt aber wird er Meister.

Das mag den Geruch von Routine haben. Aber Langeweile? Das ist etwas für die Menschen in der restlichen Schweiz. In Basel hält man seit fünf Jahren einen Zuschauerschnitt von 29’000 und führt Diskussionen darüber, welche Meisterfeier die bessere sei: die spontane nach jenem Spiel, in dem der Titel gesichert wird – oder doch die offizielle nach der Pokalübergabe? Ganz unter uns: Die spontane Meisterfeier ist natürlich weitaus lustiger.

Es war übrigens nicht immer so, dass der Basler unabhängig von der sportlichen Spannung ins Stadion gepilgert ist. 1973 gewann der Club zwar seinen fünften Meistertitel in sieben Jahren, trotzdem kamen 35 Prozent weniger Fans als 1972 ins Joggeli. Die «Basler Nachrichten» berichteten von einer «gewissen Sattheit».

Der Unterschied zu damals: Heute schreibt der FCB seine eigenen Geschichten, die die Fans unterhalten. Ganz unabhängig davon, welche anderen neun Clubs gerade die Liga füllen, um ihm den nächsten Titelgewinn zu ermöglichen: Siege über englische Top-Clubs (Liverpool), Ikonen, die ein Jahr vor Vertragsende zurücktreten (Streller), Trainerentlassungen nach Meistertiteln (Yakin), japanische Nationalspieler, die höchstens auf der Tribüne Platz nehmen dürfen (Kakitani), Millionentransfers zu Weltclubs (Salah), ehemalige Champions-League-Sieger, die in erster Linie im Cup gegen Erstligisten eingesetzt werden (Samuel), argentinische Fussballromantiker, die um der alten Liebe willen verpflichtet werden (Delgado), Nachwuchsspieler, die man gesehen haben muss, ehe sie später mit Bayern (Shaqiri) oder Barcelona (Rakitic) um den Gewinn der Champions League spielen.

So dreht sich der FCB fröhlich um sich selbst. Und passt damit ganz gut zur Stadt, die sich sowieso gerne mit sich selber beschäftigt, ohne sich dabei im Geringsten langweilig vorzukommen.

P.S. Sollten Sie Baslerin oder Basler sein (gerne prominent) und sich über die vielen Meistertitel des FCB langweilen: Ich freue mich über ihre Zuschrift auf florian.raz@tamedia.ch