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New York drückt YB die Daumen

Guido Tognoni am Montag den 12. Februar 2018

Der FC Basel hat die Meisterschaft noch nicht erstickt: YBs Assale nimmt im St.-Jakob-Park den Ball an, 5. November 2017. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

YB-Sportchef Christoph Spycher wurde während seiner Laufbahn als Fussballer sicher nie von der «New York Times» beachtet. Doch dieser Tage war das der Fall. Die Young Boys werden von der prominentesten Zeitung Nordamerikas als Hoffnungsträger einer neuen Entwicklung beschrieben, nachdem selbst dem Korrespondenten der NYT nicht entgangen ist, dass die Berner vor dem FC Basel liegen.

Denn dem amerikanischen Sportpublikum graut es vor den Zuständen, wie sie in Europas Fussball herrschen: Dominanz der immer gleichen Clubs und deshalb fehlende Spannung. Aus diesem Grund sorgen die nordamerikanischen Profiligen seit je durch reglementarische Eingriffe für möglichst grosse Ausgeglichenheit. Beispiele sind das Draft-System, wonach die schlechtesten Clubs den ersten Zugriff auf die besten Nachwuchsspieler erhalten (wie die New Jersey Devils auf Nico Hischier), oder die Lohnbegrenzung für das gesamte Kader.

Bemerkenswert ist, dass die «New York Times» nicht nur die Dominanz der ewig gleichen Champions-League Favoriten beklagt und sich auch nicht an der Langeweile beispielsweise der Bundesliga aufhält, wo an der Spitze allenfalls die Frage interessiert, ob Bayern München jeweils mit 15 oder 20 Punkten Vorsprung gewinnt. Analysiert wird die Überlegenheit im Unterbau der Champions League: die 8 Titel hintereinander des FC Basel, die Serie von 12 Titeln des weissrussischen Meisters Bate Borisow, die Überlegenheit von Teams wie Celtic Glasgow (6 Titel in Serie), Dinamo Zagreb (gewann in den vergangenen Jahren 11 von 12 Meisterschaften), von Ludogorets Razgrad aus Bulgarien (6 Titel in Folge) und von Olympiakos Piräus, das in jüngster Vergangenheit 19 von 21 Titeln abholte. Die Meisterschaften dieser Länder seien zu reinen Prozessionen verkommen, wird festgehalten.

Der Fehler im europäischen Fussball

Entsprechend hat die B-Prominenz des europäischen Fussballs recht mühelos auch gut verdient: Für 50 Millionen Dollar verstärken Bayern München und Liverpool inzwischen nur die Ersatzbank, aber für Bate Borisov sind diese über die letzten fünf Jahre erzielten Einnahmen als Vorzimmerteilnehmer der Champions League noch mehr wert als die 68 Millionen Dollar, die der Analyst dem FC Basel anrechnet. Olympiakos Piräus hat in der gleichen Zeit sogar 125 Millionen Dollar an Uefa-Prämien verdient.

All diese Mannschaften finden ihr sportliches Glück in der Qualifikation für die Gruppenspiele, wie das dem FC Basel erneut gelungen ist. Dazu kommt der Verkauf der besten Spieler, die im Königswettbewerb ausgestellt werden können und allen schon deshalb mehr Transfergeld einbringen als manche gleichwertigen Kandidaten der nationalen Konkurrenz.

Hält YB diesmal durch? Sportchef Christoph Spycher. Foto: Thomas Delley (Keystone)

Allein die Tatsache, dass der FC Basel ausnahmsweise seiner nationalen Konkurrenz noch nicht enteilt ist, findet also bereits über die Grenzen hinaus Beachtung. Das deckt den Webfehler des europäischen Fussballsystems auf: Wer nicht an die Honigtöpfe der Uefa herankommt, kann von Erfolgen nur träumen. Als kommerziell benachteiligter Aussenseiter hat man nicht einmal mehr in den eigenen Ligen eine Chance, von der Champions League nicht zu reden.

Die Young Boys haben es in den vergangenen Jahren immer wieder irgendwie geschafft, letztlich als Verlierer dazustehen. Nichts gegen den FC Basel, aber drücken wir nun den Bernern die Daumen. Diesmal hat der FC Basel die Meisterschaft noch nicht erstickt, die Prozession ist ins Stocken geraten. Vielleicht halten die Berner für einmal durch, vielleicht führen sie dem Schweizer Fussball endlich neuen Sauerstoff zu.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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13 Kommentare zu “New York drückt YB die Daumen”

  1. Kari "Schärlu"l Berger sagt:

    Als kleiner Bub pilgerte ich jeden zweiten Sonntag mit meinem Vater ins frühere Wankdorf-Stadion um Geni Meier, Heinz Schneiter, Toni Allemann, Richard Dürr, den Goalie Eich, Schnyder, Schneider, Casali zu zusehen. Die anderen Spieler habe ich leider vergessen. Hopp YB geschrien, egal gegen wen, YB gewann damals vor 55 Jahren oder so, eh fast alle Spiele. Mein Idol Geni Meier hämmerte damals norichtiger Mittelstürmer Goal um Goal in gegnerischen Maschen!- Natürlich fiebere ich dieses Jahr mit YB, dass ich nach so vielen, vielen Jahren wieder im “Ringgenberg” am Kornhausplatz mit meiner gelb/schwarzen Schärpe um den Hals den Titel feiern kann und nicht die Bebbis.

  2. René sagt:

    Ja, Ja die bösen Basler und Bayern und so weiter… es vielleicht ist es ja einfach so dass es Leute gibt die einfach besser sind als andere. YB hat seit Jahren die Sponsoren Ries die Kohle buttern, Zürich die Caneppa’s GCZ die die Spross’s um nur die grossen zu nennen.GCZ Zürich und Thun waren im übrigen auch schon an den Honigtöpfen, und was haben sie daraus gemacht? Dürfen wir also davon ausgehen, dass alle richtig gut wären wenn Sie nur Geld hätten? Hmm na ja es war schon immer einfacher die eigene Leistung nicht zu hinterfragen, sondern den Rahmenbedingungen die Schuld zu zuweisen. Es ist ja auch voll unfair wenn man durch ein regulären Penalty ein Speil verlier!

    • Danny Kind sagt:

      Ich denke es lässt sich nicht von der Hand weisen dass die üblichen Verdächtigen nun mal am meisten Geld aus UEFA und Marken sowie TV Geldern bekommen. Ergo können sie auch horrende Preise für Spieler zahlen und noch fast wichtiger: Die Ausbildungsplätze. Ein FCB hat modernste Trainingsumgebungen, Schulen, Betreuung, Social Media Leute +++
      Damals waren die Honigtöpfe auch noch nicht so üppig! Ries hat Geld bezahlt, stimmt schon aber nie in so einem Ausmass wie es Basel konnte. Klar ist Basel nicht aus dem nichts dort hin gekommen. Eine Treue Mäzenin, eine intelligente Strategie (da gehört auch das Stadion dazu) und sicher auch etwas Glück. Das braucht es.

  3. TG sagt:

    Die Lösung wäre einfach. 2/3 derInternationalen Prämien (Antritt und Punkte Prämien) aller Vereine der Schweiz werden gleichmässig an alle 10 Vereine verteilt. 10 – 20% davon noch an die 10 NLB Teams.
    Den Clubs wie Basel blieben immer noch die Mehreinnahmen von Ticketing und Catering sowie TV Einnahmen sowie 1/3 (plus die 10% aus dem Topf). Das würde einiges verbessern über winige Jahre.
    Nur wird sich das nicht durchsetzen weil die Clubs zu gierig sind…

    • Claudio sagt:

      Dass dann dabei aber nur noch sozialistisches Mittelmass rauskommen wird, das ist Ihnen bewusst? Und dann werden die internationalen Gelder auch immer spärlicher fliessen…

    • Hans Glatt sagt:

      Alle Einnahme aller Clubs aus CL und EL müssten nach einem Schlüssel an die Klubs aus NLA und NLB verteilt werden. So wäre es möglich wieder eine spannende Liga zu schaffen.
      So wie es jetzt ist wird die Schere immer grösser.
      Die grossen erhalten Jahr für Jahr ohne grosses zutun Millionen und die kleinen kämpfen Jahr für Jahr mehr ums Sportliche überleben. Es besteht leider keine Chancengleichheit mehr. Die hohen Geldsummen und die ungleiche Verteilung auf die Topclubs machen den Fussball kaputt

  4. Markus Sutter sagt:

    Diese Einseitigkeit ist erst in den letzen Jahren aufgekommen. In den 50ern bis 90ern gab es das nicht. Der Grund ist für mich klar – die Champions League. Wer dort teilnimmt, wird mit Geld überschüttet. Und in kleineren Ländern ist man mit diesem Geld der Konkurrenz schon entflohen – bevor die Saison gestartet ist. Basle war zur richtigen Zeit top und kam in die ChL. Da gibt es dann als Startgeld so viel, wie andere Clubs (notabene die Besseren) in der heimischen Liga ein Gesamtbudget haben! Man sieht es auch dieses Jahr wieder. Basel verliert das erste Spiel gegen YB und kauft dann kontinuierlich neue Spieler (bei 2 Stammspieler-Abgängen): Ajeti, Oberlin, Frei, Stocker, Campo, Lacroix..

    • CT sagt:

      die allgemeine kommerzialisierung des fussballs, die die grössenunterschiede nationaler ligen zunehmend akzentuiert hat, sowie das bosman-urteil (beschränkung anzahl ausländischer spieler aus EU aufgehoben) dürften für die entwicklung ebenso wichtig gewesen sein, indem den kleineren clubs aus den kleineren ligen die besten spieler sehr rasch abgeworben werden, ohne dass sicher ist, dass sie dann als „ausländer“ in ihren neuen clubs in der grösseren liga zwingend zu schlüsselspielern werden – so wie das früher in den 70er und 80er noch eher der fall war.

  5. tom sagt:

    so zu sagen will die NYT sozialismus im fussball

  6. Claudio sagt:

    Zuerst muss Basel noch den Weltrekord von Rosenborg Trondheim mit 13 Titeln in Folge überholen – also nur noch sechs Titel und 2025 darf dann YB auch wieder mal Meister werden.

  7. Sali M. sagt:

    Spannender Beitrag!

  8. Roth sagt:

    Spannend, die NYT predigt Marktwirtschaft im Sport… da halte ich die Daumen das diese das auch für die Politik tun!

    • Heinz sagt:

      Hallo Roth
      Haben Sie den NYT Artikel gelesen? Er wird nicht Marktwirtschaft gepredigt, sondern aufgezeigt, wie im Sport einzelne Vereine zu soviel Macht und Geld kommen, dass kein echter Wettbewerb mehr stattfindet. Der Erfolg garantiert den weiteren Erfolg, das Geld fliesst zu den wenigen CL Dominatoren und für den Rest der Liga bleiben die Krümel übrig. YB wird als ein seltenes Beispiel genannt, das es dieses Jahr ev. schaffen könnte, diese Dominanz für einmal zu durchbrechen. Das ist aber die Ausnahme, und ob es gelingt und YB bis zum Ende durchhält ist alles andere als gewiss.

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