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Von Kopf bis Fuss auf Profit eingestellt

Guido Tognoni am Dienstag den 28. November 2017
Nachspielzeit

Sensible Füsse: Marouane Fellaini von Manchester United. Foto: Getty Images

Marouane Fellaini, der Mittelfeldspieler von Manchester United, fällt äusserlich vor allem durch seine Schaf-Frisur auf. Aber seine Probleme liegen offensichtlich am anderen Ende des Körpers. Der 30-jährige Belgier hat sensible Füsse. Diese Füsse sind offenbar derart empfindlich, dass er in England seinen früheren Ausrüster New Balance auf die Schadenersatzsumme von zwei Millionen Pfund (2,6 Millionen Schweizer Franken) einklagt, wie die Zeitung «The Guardian» berichtet. Fellaini beklagt sich darüber, dass die Schuhe seine Füsse beschädigt hätten, dass er deswegen schlecht geschlafen habe, und dass er unter anderem zur Pediküre musste. Der Ausrüster seinerseits hält dagegen, dass Fellaini die Schuhe ohne das Firmenlogo benutzte, was der Fussballer wiederum mit der Behauptung beantwortete, die Schuhe seien vor derart schlechter Qualität, dass das Logo abgefallen sei.

Der Schuhmarkt gehört zu den Auswüchsen des Milliardengeschäfts Fussball. Während ein Junior der gehobenen Klasse schon zufrieden ist, wenn er pro Saison zwei paar Schuhe kostenlos erhält, liefern sich vor allem Adidas und Nike gnadenlose Anbieterschlachten, um die Werbegunst der prominenten Spieler zu gewinnen. Der Bestbezahlte dürfte Superstar Ronaldo sein, der von Nike für einen lebenslangen Vertrag über eine Milliarde Schweizer Franken kassieren soll. Die Jagd nach den Stars ist derart teuer und aufwendig geworden, dass sich der japanische Hersteller Asics vom Fussball völlig zurückgezogen hat und sich auf die Leichtathletik konzentriert. Auch dort erhalten die besten Läufer und Springer von den Ausrüstern Geld, aber nicht jeder ist ein Usain Bolt, und die Beträge, die die Ausrüster den besten Leichtathleten zahlen, wären für die Ronaldos, Messis – und Fellainis – nicht mehr als Trinkgelder.

Eskalation ist absehbar

Ein Prozess wie Fellaini gegen New Balance würde eigentlich eher in die USA als nach Europa passen. Dort kann man auch die absurdesten Schadenersatzklagen mit einigen Erfolgsaussichten anbringen. In den USA gibt es sogar jährlich einen Preis für die unverschämteste erfolgreiche Schadenersatzforderung. Der Stella-Liebeck-Preis wurde nach jener Frau benannt, die erfolgreich gegen McDonald’s klagte und 2,7 Millionen Dollar kassierte, weil sie sich an ausgeschüttetem Kaffee verbrannte und McDonald’s sie nicht in aller Form darauf hingewiesen hatte, dass heisser Kaffee heiss ist.

Warten wir ab, ob Marouane Fellaini mit seiner Fussklage Erfolg haben wird. Eine Eskalation solcher Forderungen ist abzusehen: Bis ein Fussballer klagt, weil er wegen allzu vieler Kopfbälle einen Hirnschaden erlitten hat, ist es nur eine Frage der Zeit. Medizinisch sind solche Sachverhalte bereits erwiesen. Unklar ist bisher einzig, gegen wen zu klagen wäre.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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2 Kommentare zu “Von Kopf bis Fuss auf Profit eingestellt”

  1. Ralf Wesendrup sagt:

    Das klingt tatsächlich nach übertriebener Geldschneiderei: PEDIKÜRE musste der Ärmste über sich ergehen lassen.

    Die erwähnte Stella Liebeck dagegen lag tagelang mit Verbrühungen dritten Grades im Spital, bekam mehrfach Haut transplantiert und dafür 2,7 Millionen Dollar in erster Instanz zugesprochen. Der tatsächlich gezahlte Betrag ist nicht bekannt.

    Bitte erst einmal recherchieren und dann spotten.

  2. Raylan Givens sagt:

    Nur war die Klage gegen McDonals nicht so frivol, wie es gerne in den Medien berichtet wird. Die Filiale in Albuquerque wurde mehrfach gewarnt, dass der Kaffee ueberhitzt am Siedepunkt gehalten wurde und das dies zu Verbrennungen im Mund fuehren kann. Trotz meherfacher Warnung intern und von Kontrolbehoerden wurde nichts unternommen. Klar kann man der Frau vorwerfen das sie den Kaffee haette besser fixieren sollen, aber Verbrenungen des 2-ten Grades in Genitalbereich sind schmerzhaft und waeren nicht vorgekommen haette McDonalds den Kaffee auf richtiger Temperatur aufbewahrt.

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