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Nur zwei haben einen Stammplatz

Guido Tognoni am Donnerstag den 6. Juli 2017

Wer wird dieses Jahr sitzen bleiben? Ein Blick auf die Ersatzbank beim Spiel gegen Frankreich 2014. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Die Fussballer legen wieder los. In der Schweiz beginnen Training und Meisterschaft wie üblich früher als in den anderen Ländern, was nachweislich den Vorteil hat, dass unsere Mannschaften für die Qualifikationsspiele der europäischen Wettbewerbe besser gerüstet sind als die ruhende Konkurrenz, etwa die Italiener mit ihrem späten Meisterschaftsbeginn. In der Politik hätte der Bundesrat wegen dieses Vorteils längst ein schlechtes Gewissen und würde sich in Brüssel für die unbotmässigen Fussballer entschuldigen, und einige SP-Politiker und Journalisten würden den Zeigefinger erheben und schreiben, die Schweizer seien wieder einmal Rosinenpicker.

Den Fussballern ist die Politik egal. Sie bereiten sich auf dem Land oder auf Nebenplätzen gegen unterklassige Gegner auf die Meisterschaft vor – Testspiele eben. Aber diese Testspiele machen viele Spieler unglücklich, anstatt dass sie sich über die Trainingsunterbrüche freuen. Es sind vor allem jene Spieler, die sich in einem neuen Verein jene Hoffnungen machen, die sich im bisherigen Verein nicht erfüllt haben. Sie trainieren eifriger denn je, sie glauben und hoffen, nun jenen Trainer gefunden zu haben, der ihr Talent erkennt und an sie glaubt. Sie hoffen auf ein Aufgebot für die erste Halbzeit und nicht auf jenes für die zweite, in welcher der Coach die halbe Mannschaft austauscht. Und sie leiden, wenn es selbst in der zweiten Halbzeit nur zu einem Teileinsatz reicht.

Sie denken nur an sich

In solchen Momenten denken die Spieler nur an sich. Sie verdrängen, dass ein Testspiel eben ein Testspiel ist, dass der Trainer um diese Zeit ein viel zu grosses Kader hat, dass er nicht nur das Können, sondern auch das Verhalten seiner Spieler beobachten will, dass ein Testspiel auf das andere folgt. Und wenn vermeintlich oder tatsächlich schlechtere Spieler eingesetzt werden, wird vom übergangenen und enttäuschten Konkurrenten nicht beachtet, dass der Trainer auch das Recht hat, im Testwettkampf den Aufschluss darüber zu erhalten, wer den Anforderungen nicht genügt. Um seine Idealformation zu finden, muss der Trainer nicht mit den Besten üben, er muss vielmehr herausfinden, wer die Schlechtesten sind.

Zudem darf nicht vergessen werden: Im heutigen Fussball mit der ständig zunehmenden Anzahl Einsätze und den immer höheren körperlichen Anforderungen sitzt an jedem Wettkampftag regelmässig mehr als eine Weltauswahl auf der Bank. Es gibt zwischen Nord- und Südpol nur zwei Spieler mit einer unbestrittenen Stammplatzgarantie: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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3 Kommentare zu “Nur zwei haben einen Stammplatz”

  1. Röschu sagt:

    In der Schweiz beginnt die Meisterschaft tatsächlich früher als in fast allen Ligen Europas. Dennoch dauert bei uns die Meisterschaft im Frühling rund einen Monat länger als z.B. in der Bundesliga. Und das bei ungefähr gleicher Anzahl Spiele. Solle verstehen wer will…

    • Ralf Bosshard sagt:

      könnte damit zu tun haben, dass wir eine ausgedehnte Winterpause haben…
      Wer will schon im Winter auf den Acker vom Tourbillion, oder auf die verschneite Pontaise?
      Nicht immer gleich alles kritisieren.
      Macht schon sinn so wie es ist.

      Dass einzige was nicht ideal ist, ist der Fakt, dass die Spieler direkt nach dem letzten Spiel ins WM Camp müssen. Dies betrifft aber eh nur ein paar wenige Basler.

  2. Leo Schmidli sagt:

    …Und Manuel Neuer!

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