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Kein Schweiza Toahüta

Guido Tognoni am Donnerstag den 27. April 2017

Erfrischend echt: Yann Sommer redet wie ein Schweizer. (Bild: Reuters/Ints Kalnins)

Borussia Mönchengladbachs Torhüter Yann Sommer gehört, wie etwa Roger Federer, zu jenen Schweizer Sportlern, die bei ihren öffentlichen Auftritten nichts falsch machen können. Beide blieben im Laufe ihrer Karriere bisher skandalfrei. Sommer sieht wie Federer gut aus, er hält fast alle Bälle, und er kann bei seinen Interviews den Akkusativ vom Apéritif unterscheiden. Vor allem: Yann Sommer redet Deutsch wie ein Schweizer in Deutschland, wie zuletzt am späten Dienstagabend in der ARD nach dem verlorenen Elfmeterschiessen gegen Eintracht Frankfurt. Er lässt auch nach mehreren Jahren Bundesliga den meist völlig untauglichen Versuch bleiben, als Schweizer wie ein Deutscher zu sprechen.

Denn solche Versuche nerven. Ob am Radio, im Fernsehen oder bei irgendwelchen Interviews, ob hochdekorierte Sportler oder national bekannte Nachrichtensprecher: Schweizer, die statt zweiundzwanzig zweiundzwanzich und statt dreissig dreissich sagen, bemühen sich am falschen Ort. Altmeister Beni Thurnheer wäre es nie eingefallen, sprachlich einen Deutschen zu mimen, und dennoch fiel er keineswegs ab, als er etwa mit Günter Netzer, einem natürlich begabten Künstler der gepflegt gesprochenen hochdeutschen Sprache, über die Fussball-Nationalmannschaft berichtete.

Unnötige und misslungene Versuche

Die Sportmoderatoren und -reporter des Schweizer Fernsehens, um bei diesen zu bleiben, sind glücklicherweise nicht vom versuchten Bühnendeutsch infiziert. Bei der Konkurrenz von Teleclub tönt es hingegen extrem bemüht: Die Reporter reden beim Tor vom Toa, beim Torhüter vom Toahüta, der vielgepriesene Denker und Lenker im Mittelfeld wird zum Denka und Lenka, und unsere braven Müller, Meier, Keller und Widmer werden zu Mülla, Meia, Kella und Widma. Dabei tönt Yann Somma statt Yann Sommer aus einer Schweizer Kehle nicht nur gekünstelt, sondern genauso angestrengt wie die Bemühungen, das schweizerische rollende r aus den Tiefen der Kehle auszusprechen.

Wir amüsieren uns, wenn Deutsche in der Schweiz versuchen, unser Grüezi mit ihrem Grüzi zu imitieren, was ohnehin ein ebenso hoffnungsloser wie unnötiger Versuch ist, die Integration in unser Land über die Sprache zu beweisen. Genauso unnötig sind die Versuche von uns Tellensöhnen und -töchtern, krampfhaft jene sprachliche Tonalität und Finessen zu bemühen, die nun einmal nicht uns, sondern den Deutschen eigen sind. So versucht Yann Sommer nicht so zu klingen wie Manuel Neuer, sondern wie ein Schweizer, der in der Schule am Zürichsee Hochdeutsch gelernt hat. Er spricht nicht wie ein Schweiza Toahüta, sondern wie ein Schweizer Torhüter.

 

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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18 Kommentare zu “Kein Schweiza Toahüta”

  1. Bernhard Ecklin sagt:

    Danke, Herr Tognoni, wie recht Sie doch haben. Einer ist Ihnen aber durchgerutscht, Sascha Rufer. Fachlich auf der Höhe, ist seine penetrante Verweigerung des Umlautes “ä” kaum auszuhalten, sosehr, dass ich schon bei mancher Uebertragung entweder den Ton abgestellt, oder auf einen anderen Sender umgeschaltet habe. Irgendjemand muss Herrn Rufer, der mit überschaubarem Wortschatz und ziemlich durchschnittlicher Syntax seine Brötchen verdient, zugeflüstert haben, dass sich z.B. das Wort “Trainer” wie “Treeeneer”, dass besagter “Treeeneer” “weehrend” der Pause eine “Eeendeerung” in der Aufstellung vorgenommen habe. Schwer zu ertragen, wenn auch nicht so peinlich, wie es Ciriaco…

  2. Michael sagt:

    Also mir fällt da eher auf, das von den schweizer Kommenatoren keine deutschen sondern viel mehr englische Begriffe verwendet werden – Goali statt Torwart, Corner statt Ecke und Offside statt Abseits. Glücklicherweise hört man aber in der Schweiz viel weniger diese intelligenzfreien Kommentare der SKY / Teleclub Kommentatoren, das eine Spielsituation kein Abseits oder kein Foul gewesen ist. Oder wenn sie gönnerhaft der Entscheidung des Schiedsrichter zustimmen.

    • Bernhard Ecklin sagt:

      In der Schweiz hiess es schon immer “Goalie” und ganz bestimmt nicht das germanische “Torhüter”, es hiess natürlich “Corner” und ganz sicher nicht “Ecke” und selbstverständlich sprechen wir in der Deutschschweiz, wenn wir uns in Goethes Idiom verständigen, von “offside” und mitnichten von “Abseits”. Wo sind wir denn hier? Mit dem Nachäffen der Deutschen geht eben diese Teutonisierung von bisher englischen Begriffen, zur Abgrenzung vom grossen Bruder im Norden und Osten, leider einher. Ein Schiedsrichter der “Ecke” sagt, statt “Corner” sollte für ein bis zwei Wochenende gesperrt oder zum Pfeifen eines Spieles in der Bundesliga verdonnert werden:))

  3. Sandro Caflish sagt:

    Unsinnig ist es, dass im deuchtschschweizer Fernsehen dieses grässliche Tiefdeutsch gesprochen wird! Wenn jemand eine Sprache lernt, gehört die Aussprache nicht auch dazu? Deutsch ist eine schöne Sprache, und alles andere als einfach, warum soll jemand der Freude daran hat, sie nicht so korrekt wie möglich aussprechen dürfen? Peinlich wird es erst, wenn man ernsthaft versucht Dialekte zu immitieren.

  4. rindi sagt:

    Richtig wäre eigentlich “Gouli”, und nicht “Torhüter”. Wir haben auch “Helikopter”, und nicht “Schraubhuber”. Wir haben “Natel”, nicht “Handy” (was übrigens eher an ein Abwaschmittel der Migros erinnert). Ich weiss auch nicht was “Albtraum” bedeutet. Meiner Meinung nach gibt es dieses Wort gar nicht, obwohl es immer wieder vorkommt (auch im “Tagi”). Soviel Ich weiss ist immer noch “Alptraum” das einzig richtige Wort.

    • Hans sagt:

      Das Wort hiess ursprünglich Albtraum. Gemäss Duden sind heute beide Schreibweisen zulässig, wobei sich der “Alptraum” vermutlich bloss wegen massenweisen Irrtums etabliert hat…

    • hj.wathard sagt:

      Das sehen Sie vollkommen falsch.Natürlich existiert das Wort Albtraum.Alb sind mythische Wesen zwischen Menschen, Göttern und Zwergen.Wenn man Albträume hat sind es schlechte Träume, die aber mit Alpträumen rein gar nichts zu tun haben.

  5. Hans sagt:

    Es gibt schon Schweizer, die es können und zwar so, dass es nicht peinlich rüberkommt. Aber die sind äusserst selten. Ich schätze mal so 1-2 auf Tausend.

  6. Fürer Hans sagt:

    Wenn sich das nur auch diejenigen Sprecher und Sprecherinnen von Radio DRS (neu SFR) zu Herzen nehmen würden, die sich immer noch bemüssigt fühlen, die Endung -ig wie in Deutschland üblich als -ich oder gar -isch auszusprechen (sonnisch, einsachzisch etc.), und das, obwohl im Duden für Schweizer Hochdeutsch klar steht, diese deutsche Angewohnheit sei zu meiden. Mich nervt es so, dass ich bei DRS mehrmals um Besserung gebeten habe, genützt hat es nichts. Bleibt nur der Trost, dass es sich um eine unbelehrbare Minderheit handelt, die man besser im Hintergrund beschäftigen würde, bis sie das Schweizerische Hochdeutsch beherrschen.

  7. Jens-Dieter sagt:

    Lieber Herr Tognoni, sie sprechen mir aus dem Herzen! Vielen Dank für Ihren amüsanten Blog. Allen Schweizern im deutssprachigen Ausland möchte ich raten: sprecht, wie es bequem ist und bemüht euch nicht – man merkt sowieso, dass ihr keine Einheimischen seid!

  8. Martin sagt:

    Ganz besonders unnötig, wenn wir schon dabei sind, finde ich zweierlei: Durch die irrige Annahme, man müsse sich durch Sprache unbedingt abgrenzen anstatt möglichst zu verständigen, entsteht eine Verkrampfung, für die im Ausland niemand Verständnis hat. Die schweizer Sprache ist und bleibt ein Dialekt, mit dem alleine außerhalb dessen natürlicher Grenzen nichts anzufangen ist. Das Andere: Weder vor dem TV noch in der jeweiligen Mannschaft interessiert besonders, daß Sommer ein Schweizer ist, in DE wird nicht alles und jeder nach der Nationalität beurteilt und ohne Schweizer Spieler bräche auch keine BuLi zusammen. In dieser Form ist der Artikel nur ein weiterer Beweis für Komplexe.

    • Leo Tanner sagt:

      ” Das Andere: Weder vor dem TV noch in der jeweiligen Mannschaft interessiert besonders, daß Sommer ein Schweizer ist, in DE wird nicht alles und jeder nach der Nationalität beurteilt ”
      Ist doch gut Martin, dass sie das zu Wissen glauben, wo wir doch wissen, dass viele Deutsche die Multi-Kulti-Sache als gescheitert sehen. Aber nein, dort wird nicht nach Nationalität beurteilt.
      “und ohne Schweizer Spieler bräche auch keine BuLi zusammen”
      Und wo bitte finden sie hier in diesem Blogg einen Grund, hier solche Sachen zu konstruieren ? Hat irgend jemand behauptet, die BuLi würde ohne CH zusammenbrechen.
      “In dieser Form ist der Artikel nur ein weiterer Beweis für Komplexe.”
      Von wem ?…

  9. Oliver Brunner sagt:

    Ich wünsche mir wieder einen Fussballblog mit einem Fussballexperten. Die FCZ-gefärbten Texte über Hochdeutsch, Bärte und Trainingsgelände haben herzlich wenig mit meiner Leidenschaft für Fussball zu tun…

  10. Heinz Gfeller sagt:

    Verlangt denn der Herr Tognoni auch, dass sich Deutschweizer gefälligst auf französisch mit einem deutschweizer Akzent auszudrücken haben und auch bei Roger Federers Englisch der Basler Dialekt durchzuschimmern hat?

    • Leo Tanner sagt:

      verlangt Herr Tognoni irgend etwas ?
      Macht er nicht nur auf etwas aufmerksam ?
      Oder ist es zuviel verlangt, dass man diesen kurzen Text richtig interpretiert und versteht ?

  11. Bruno Froehlich sagt:

    Wer sich Teleclub antut, selber schuld. Ansonsten ein laecherliches Thema und entsprechend dargestellt. Sommer sieht gut aus, wie… Ansichtssache und, Bildung illustrieren mit Akkusativ von Apéritif unterscheiden zu koennen, kurz und schlecht, der Artikel ein Beispiel schweizerischer Noergelei und Spitzfindigkeit.

  12. A.Bürgis sagt:

    Das ist nicht nur Schweizern im Ausland so sondern auch bei Schweizern im Inland! Bestes Beispiel dafür ist M. Lamar vom DRS 1. wenn er die Verkehrdurchsagen macht hat Gefühl auf einer Autobahn in Hamburg zu sein. Eklig! Völlig daneben.

    • Bruno Froehlich sagt:

      Kritik sicher ja, aber dann bitte korrekt. Der angegriffene Herr heisst Mike La. Marr und DRS 1 gibt es seit einiger Zeit nicht mehr, das nennt sich heute SRF 1. Wenn mich bei La Marr sprachlich etwas stoert, dann die gestelzte, gedehnte Sprechweise, nun von Reto Scherrer noch extremer kopiert, sein Geschrei oft ein Grund den Sender zu wechseln. Seine Moderation von «Jukebox-Duell» nur peinlich, den Gespraechen mit den Wettbewerbskandidaten nicht gewachsen, unnoetiges Gequatsche Sehr treffend die Antwort von Herrn Heinz Gfeller !

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