Muss ich mein Leben verändern?

M&W

Ich bin dann mal weg: Julia Roberts findet und erfindet sich neu im Spielfilm «Eat Pray Love». Foto: PD

Eine Freundin von mir in Berlin war grade länger krank, und ich fragte sie gestern, ob es wieder besser ginge. Ja, danke, antwortete sie, «es geht wieder ganz gut, und ab Montag denke ich mir mein neues Leben aus.» Eine sehr schöne Antwort, fand ich. Sie denkt sich ihr neues Leben aus, sie wartet nicht, bis etwas passiert oder jemand kommt und sie rettet, sie überlegt sich, was sie braucht, um glücklich zu sein, und in welche Richtung es gehen soll. Sie ist auch Autorin und Journalistin und ungebunden, was natürlich bei solchen Dingen hilft.

Ich kenne das sehr gut, ich stecke auch mittendrin, allerdings schon zum dritten Mal in diesem Leben. Deswegen bin ich aber noch kein Profi darin, denn das erste Mal war superleicht. Anfang Zwanzig, das Studium hinschmeissen, nach München gehen, sich dort dem Hedonismus hingeben und das leichte Leben auskosten. Das zweite Mal war schon viel schwieriger – der Schritt von der Modestylistin zur Schriftstellerin hat alles verändert, ging aber auch fliessend. Und das dritte Mal liegt seit 2013 vor mir.

Es muss sich alles ändern, eine Phase war klar beendet, und alles in mir schrie: weiter, weiter! Aber dieses Mal war es am schwersten, ich erspare Ihnen die Details. Es musste viel getan werden, und die Frage nach dem Wohin ist immer noch nicht ganz klar beantwortet – im Gegensatz zu den Malen davor, wo ich es genau wusste –, aber die Veränderungen gehen jetzt erst los. Es mussten fast vier Jahre dafür vorgearbeitet werden. Ein Riesenstress, kann ich nur sagen.

Das Leben ist keine Strafexpedition

Aber warum dieses Bedürfnis nach Veränderung? Millionen Menschen leben einfach ihr Leben und nerven sich nicht damit, sich immer wieder neu zu erfinden. Das Bedürfnis, weiterzukommen, ist in fast allen Menschen drin, aber die meisten sitzen in ihren selbst gebauten Gefängnissen und können sich keinen Ausbruch vorstellen. Selbst wenn die Gefängnistür offensteht: Sie bleiben lieber in ihrem sicheren Käfig sitzen.

Die Fragen, die man sich stellen muss, um zu wissen, ob man eine Veränderung braucht:

  1. Bin ich das geworden, was ich mir mit 20 vorgestellt habe?
  2. Freue ich mich auf die Zukunft?
  3. Liebe ich meinen Job und mein Privatleben?
  4. Sehe ich das Leben der anderen meistens neidlos?

Wer eine der vier Fragen mit Nein beantwortet, muss sich leider etwas überlegen. Das Leben ist nun mal keine Strafexpedition, wir haben die Aufgabe, uns selbst glücklich zu machen.