Die Tücken des Casual Dating

So leidenschaftlich entwickelt sich ein Date leider praktisch nie. Foto: iStock

Okay, ich höre schon das dreckige Lachen: «Ha! Von wegen gute Bekannte! Das ist die doch selber!» Nein. Bin ich nicht. Ich wäre für so was gänzlich ungeeignet. Aber wenn man schon mal pikante Informationen aus erster Hand hat …

Die gute Bekannte ist übrigens einverstanden, dass ich hier aus dem Nähkästchen plaudere. Nennen wir sie Samantha. Das ist unverfänglich, da ich niemanden dieses Namens persönlich kenne.

Samantha  ist auf C-Date. Das aus der Werbung, «Casual Dating mit Niveau». Also Sex. Online macht sie Bekanntschaft mit willigen Herren, die das Gleiche wollen wie sie: nur das eine. Irgendwie scheint das aber nicht ganz reibungslos zu laufen.

Stefan etwa sah auf den Fotos super sympathisch aus. «Aber», sagt Samantha, «sein Text war etwas einfältig.» Was solls, dachte sie, sie sucht ja keinen Mister Right, sondern einen Mister Right Now. Stefan entpuppte sich dann als etwas verschupfter, gesetzterer Herr. Er plauderte angenehm, sie zeigte ihm die Stadt und dann ging man essen. Kaum fertig, verabschiedete er sich abrupt. Am nächsten Tag kam eine SMS: Er habe Bauchweh gehabt.

Witzfiguren und Lügner

Samantha ist Mitte Fünfzig, unkompliziert und ziemlich sexy, soweit ich das beurteilen kann. Sie war jahrelang in festen Händen und will sich nun ein bisschen ausleben: «Seien wir ehrlich, auf den anderen Datingportalen geht es schlussendlich auch um Sex. Da finde ich C-Date ehrlicher.» Für Frauen ist das gratis, Männer zahlen um die 600 Franken.

Zu etwas Sexähnlichem brachte es Samantha mit «einem leidlich gut aussehenden Typen», der bei der ersten Verabredung vor lauter Nervosität sechs Gin Tonics kippte, aber immer noch problemlos geradeaus gehen konnte. «Ich hätte merken müssen, dass er betrunken war», klagt sie, «auf der Treppe stiess er mit seinen Schuhspitzen gegen die Stufen.» Trotzdem nahm sie ihn mit. «Aus Mitleid. Und ich hatte auch ordentlich getrunken.»

Resultat: Der Typ verbrauchte ihren ganzen Vorrat an Kondomen, behauptete bei jedem, es rolle nicht richtig ab und schlief schliesslich ein. Samantha blieb hellwach, denn der Herr hatte erwähnt, er leide an Schlafapnoe, und sie fürchtete, neben einer Leiche aufzuwachen.

Er überlebte, und sie tat das einzig Vernünftige: Sie kaufte einen Vibrator.

Ihr dritter Fang hiess Juan, war ultrasympathisch und charmant. Samantha sah ihn und wusste: im Leben nie. Überfreundlich, das Hemd zu eng und null Sexappeal. Eine Stunde später sass sie wieder im Zug nach Hause.

Auch Begegnung Nummer vier endete kurios: Ein 28-jähriger Orientale schaffte es irgendwie an Samanthas Abwehrhürden vorbei – sie will keinen viel Jüngeren. Nach einem längeren E-Mail-Verkehr liess sie sich auf ein Date ein. Treffpunkt: am Bahnhof beim Gleis 13, um 14 Uhr. «Ich sah einen auf mich zukommen, der es hätte sein können. Er trug einen Trainer und starrte mich an, ging aber vorbei.» Schliesslich schickte sie eine SMS: Verspätung?

Vier Stunden später die Antwort: Ein Foto, auf dem Monsieur mit einer Infusion im Arm in einem Spitalbett liegt. Er habe einen Schub Morbus Crohn erlitten. Die Sache verlief im Sand und Samantha weiss bis heute nicht, ob sie veräppelt wurde.

Wunschvorstellung und Realität liegen weit auseinander

Das, sagt sie, wäre nicht mehr als recht, schliesslich habe sie aus lauter Übermut auch einmal ein Date versetzt, sei gemütlich in einer Bar gesessen und habe zugeschaut, wie er draussen immer nervöser wurde.

Trotz magerer Ausbeute datet sie weiter. «Die Männer sind mehrheitlich kultiviert und recht lustig.» Nur zwei hat sie blockiert. Einer schrieb: «Höpperli gefällig?» Der andere nur: «Ficken?»

Falls sich etwas Gescheites ergibt, rapportiere ich es natürlich. Aber ich wette hundert Franken dagegen. Meiner küchenpsychologisch kompetenten Meinung nach ist die Kluft zu gross zwischen Wunschvorstellung (ich bin der geilste Stecher/die grösste Sexbombe) und der Realität: Männer sind auch nur Menschen. Und Frauen auch.