Chill the fuck out!

Wird wegen seines Facebook-Eintrags stark kritisiert: SVP-Nationalrat Andreas Glarner. (Foto: Keystone)

Natur ist geduldig, denke ich, wenn ich im Haus am See bin. Und eifrig ist sie auch, jeder Gärtner kennt den Kampf gegen das wuchernde Grün, weshalb ich immer als Erstes den Rasenmäher aus dem Bootshaus schleppe und hinter dem lärmenden Gefährt hertrotte, bis der Rasen wieder sauber gemäht ist.

Rasenmähen ist wie staubsaugen oder putzen eine der Tätigkeiten, deren Sinn sich mir als Teenager nicht erschloss. Dieses Gesauge, die ganze Zeit, das WC-Gespüle oder eben Rasenmähergelärme – warum können Erwachsene denn nicht einmal «chill the fuck out»? 

Mittlerweile habe ich selbst zwei Teenager im Haus, und das ist anstrengend, auch wenn es nette Teenager sind. Sie sind irrational und unberechenbar, und ihre Stimmungen schwanken zwischen Euphorie und Depression, und was man auch tut, wie man auch reagiert, es ist falsch.

Ein Raum voller Teenager

So sind sie eben, und irgendwann sollten sie erwachsen sein und sich dann auch wie Erwachsene aufführen. Aber mittlerweile zweifle ich manchmal, ob Erwachsene wirklich so anders sind, vor allem, wenn ich mir die sozialen Medien anschaue. Wenn ich heute Twitter und Facebook öffne, kriege ich den Eindruck, die Tür zu einem Raum voller Teenager zu öffnen – die lauthals über vermeintlich weltbewegende Dinge streiten, wie etwa welcher der beste Rapper der Welt ist. Und das mit einer Ernsthaftigkeit, als hinge das Schicksal der Menschheit davon ab. Dabei fliegen die Fetzen, es wird geflucht, und es stinkt nach Teenagerschweiss. Im übertragenen Sinn.

Ein irrationales, unberechenbares und kontraproduktives Theater, euphorisch und depressiv zugleich. Jeder hält sich für den Mittelpunkt der Welt, jeder glaubt für eine bessere Welt zu kämpfen und sieht dabei nicht, was für den Aussenstehenden offensichtlich ist: dass ihr Geschrei ein Teil des Problems und nicht der Lösung ist.

Es war einmal ein politischer Idiot…

Nehmen wir den Cervelat-Streit: Ein politischer Idiot wittert in der Empfehlung einer Primarschullehrerin den Kniefall seines Heimatlandes vor einer fremden Kultur. Das postet er auf Facebook. Ein paar seiner politischen Gegner finden das schrecklich und bekunden das auch. Der Streit führt dazu, dass die klassischen Medien das Thema aufgreifen und den Streit in die breite Öffentlichkeit bringen.

Und jetzt geht es los: Sie plärren und keifen sich in den sozialen Medien gegenseitig an wie Teenager. Jeder im Furor des Glaubens, als Einziger recht zu haben und das Abendland vor dem Untergang zu retten. Aber die Selbstgefälligkeit von Andreas Glarners Gegnern, die ihn nur als Folie benutzen, um ihre eigene Rechtschaffenheit zu beweisen, ist fast genauso abstossend wie Glarners xenophober Facebook-Eintrag.

Wer den Part der Erwachsenen spielen sollte

Was den Erwachsenen vom Teenager unterscheidet, ist nicht die Intelligenz, sondern der durch Erfahrung gewonnene Überblick. Wer nicht putzt, lebt bald in einem Schweinestall. Wer den Rasen nicht mäht, findet irgendwann den Zugang zu seinem Haus nicht mehr. Der Medienphilosoph Boris Groys wusste schon vor zehn Jahren, dass die klassische Kritik in der Postmoderne keinen Sinn mehr macht, denn in einer von Aufmerksamkeitsökonomie gesteuerten Welt, verschafft auch negative Kritik dem Kritisierten Aufmerksamkeit, befördert ihn also.

Es mag falsch scheinen, jemandem wie Glarner nicht zu widersprechen. Mit etwas Überblick muss man jedoch fordern: «Chill the fuck out.» Und das gilt insbesondere für klassische Medien, denn die sollten hier den Part der Erwachsenen spielen. Denn die Leidtragenden sind am Ende die betroffenen Schüler.

68 Kommentare zu «Chill the fuck out!»

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Es mag falsch scheinen, jemandem wie Glarner nicht zu widersprechen.‘

    Aber Sie tun es ja und sind Teil der Empörungskultur.

    • trödler sagt:

      Die Glarner Cervelatgeschichte wird hier nur als ein Beispiel erwähnt, wie der ganze Wahnsinn funktioniert. Dies heisst noch lange nicht, man ist ein Befürworter oder Mitläufer, nur weil ein Beispiel nötig ist, so dass auch ein Jederman begreift, um was es geht…
      Texte nicht nur lesen und verdrehen je nach Tagesform sondern auch verstehen wäre ein Anfang…

    • Mike Helbling sagt:

      Lieber Herr Schrader, wenn Sie die Kollumne nochmal durchlesen, merken Sie vielleicht, dass deren Inhalt und Aussage nicht darin besteht, Glarner zu widersprechen.

  • Martin Frey sagt:

    Hervorragend auf den Punkt gebracht. In der Tat ist es Glarner nicht der Mühe wert, mehr als notwendig Zeit zu verschwenden. Mit jedem Missgriff und Fehltritt wird der Mann nur noch peinlicher, und stellt mittlerweile auch für seine abgebrühte Partei eine Belastung dar.
    Dito für seine Gegner die nachgerade lustvoll wie in einer neurotischen Paarbeziehung von Glarner und seiner Partei innig gebannt sind. Durch zuviel Aufmerksamkeit adelt man solche Leute nur noch. Was wiederum deren dissoziales Verhalten befeuern dürfte, weil es ihnen eine Wichtigkeit gibt die ihnen nicht zusteht.
    Glarner soll man vor Gericht zerren wenn er sich strafbar gemacht hat, wie möglicherweise in dem Fall. Ansonsten aber hilft nur Nichbeachtung. Das Leben ist zu kurz, um sich mit solchen Figuren abzugeben.

    • Willi sagt:

      Dies stand im Blick am 31.5.2018, also noch lange vor Herr Glarners „Cervelat“ Diskussion!

      «Zwei Grills sind offenbar zu viel verlangt»
      Der Leser ist trotz der Erklärung genervt, dass ihm die 7.50 Franken teure Wurst noch verpackt serviert wurde. «Zwei separate Grills sind im Kybunpark offenbar zu viel verlangt», schreibt er BLICK. Beschwert habe er sich aber nicht direkt am Stand. «Es haben noch viele andere Leute gewartet», erklärt er. Die habe er nicht unnötig aufhalten wollen.

  • Meinrad sagt:

    Danke! Es ärgert mich sehr, dass seine Provokationen Glarner immer wieder in die Medien bringen.

    Glarner ist intelligent und umgänglich, das sagen auch seine politischen Gegner. Man könne mit ihm gut zusammenarbeiten und er komme vorbereitet an Sitzungen.

    Was ihm zu fehlen scheint, ist ein Schamgefühl. Deshalb kann er regelmässig provozieren. Der Aufschrei ist jeweils gross, das Medienecho auch und so bringt er seine „man muss doch noch sagen dürfen!“-Botschaften kostenlos an jeden Stammtisch.

    Deswegen lässt ihm die Parteiführung auch freie Hand (oder die Provokationen sind sogar abgesprochen).

    Man stelle sich vor, er stelle einen „bösen“ Beitrag auf Facebook und ausser seiner Anhänger reagiere niemand. Es würde ihm wohl bald verleiden.

    • Markus Scherer sagt:

      Der allergrösste Teil der Bevölkerung würde die Twitter-Bemerkungen eines Herrn Glarner gar nie lesen!
      Nein, es ist der ‚Clickbait-Journalismus‘ (neudeutsch, kännsch?) der diese Aussagen ans Tageslicht zerrt.

      Warum kommen in den Medien heute überwiegend Herren wie Glarner oder Wermuth zu Wort? Weil sie wichtige Dinge sagen? Ihre Meinung zu irgend einem beliebigen Thema besonders Gewicht hätte?

      Ich denke nein. Aber sie polarisieren und sorgen so für zahlreiche Klicks und (empörte oder zustimmende) Einträge in den Kommentarspalten.

      Ueber Klicks wird die Werbung verkauft und kommt das Geld rein. Das ist alles was zählt im heutigen Journalismus.

  • Vinzenz Bieri sagt:

    Hört mal auf mit Anglizismen!

    • Anne sagt:

      Dann sags doch auf Deutsch? Oder? Wie würde das tönen?

    • lala sagt:

      Hängs mal!

      • Anne sagt:

        Das ist aber nicht die Übersetzung von Chill the fuck out. Das tönt auf Deutsch nämlich echt blöd. Wo es Anglizismen braucht, braucht es die eben.

        • Weitgereist sagt:

          Liebe Anne, dann übersetzen Sie diesen Titel. Wenn Sie dies nicht können, braucht es diesen Titel nicht. Oder eben, wird nur von oberflächlichen Menschen gebraucht, welche nicht wirklich wissen, was sie sagen, und glauben, global zu denken und zu reden. Also cool zu sein. Aexgüsi, ziemlich peinlich und nicht ernst zu nehmen.

    • Maike sagt:

      Chill the fuck out sagt man, wenn man teenagerisch sprechen möchte, es aber nicht ganz so richtig kann. Weder in der Wortwahl noch in der Bedeutung.

  • Thomas Kron sagt:

    Social Media hat dem Grundsatz «Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich lese, was ich schreibe» zu einem ganz neuen Sinn verholfen. Gedruckte Medien kannten einst die Halbwertszeiten unterschiedlicher journalistischer Darstellungsformen, in den sozialen Medien gibt es diese Halbwertszeiten schon gar nicht mehr, die Erwachsenenfähigkeit des Differenzierens bildet sich zurück auf die Stufe des spontanen, impulsiven, unüberlegten und nicht reflektierten infantilen sich Äusserns. Es ist kein Zufall, dass Social Media und Andreas Glarner im letzten Jahrzehnt zusammen gross geworden sind.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Volle Übereinstimmung: Social Media offenbart wirklich, dass die Erwachsenen kindische Teenager sind. Ein höheres Niveau als Pausenplatz findet man nicht. Am beliebtesten: andere auslachen (sie nennen das Humor) oder eben: hate post. Man wartet förmlich auf einen Glarner, um sich zu empören und die Glarners posten bewusst um zu empören.
    Wirklich beschämend ist eigentlich nur – sehr richtig bemerkt – dass die seriösen Medien auch noch auf diesen kindischen Zug aufspringen und diesem SM-Gedöns Relevanz attestieren. Neuer Höhepunkt: SRF widmete bei der Fussball WM diesen ewig Teenie-Schwätzern Sendezeit. Originalität oder Sachkenntnis bei den präsentierten Tweets suchte man vergebens.

  • Katharina Saluz sagt:

    Nichtbeachtung wäre gewiss die grösste Schmähung. Vielleicht hätte sie – sogar bei politischen Idioten – erzieherische Wirkung.

    • Maier Tom sagt:

      vielleicht – ob bei den Protagonisten dieses Theaters es allerdings was bringen würde bezweifle ich. Es geht aber auch eigentlich mehr um die Wähler die den Protagonisten ja erst die Möglichkeit geben sich so zu benehmen. Und hier habe ich noch Hoffnung dass wenigstens die 20% welche nicht unter die Hardcore-Rechten zählen sondern einfach mal aus Protest oder weil ihnen das Thema gefällt, erreichbar sind.

  • Nina sagt:

    Diese angezettelte Diskussion von einem politischen No-name ist lächerlich. Absolut ohne Worte. Dabei gehts mir auch nicht um kulturelle oder religiöse Ansichten, sondern darum, dass man in der heutigen Zeit essenstechnisch toleranter zu sein hat.

  • Hans Meier sagt:

    Ich würde beim Hausfrauen Blog bleiben und mich nicht mit Politik beschäftgen. Kommt nicht so gut wenn biedere Hausfrauen meinen, andere als Politidioten zu bezeichnen…

    • Robert F. Reichmuth sagt:

      Einspruch: Der Autorin gelingt es immer wieder in unnachahmlicher Art und Weise eine wunderbare Symbiose zwischen dem stinknormalen Haushaltleben im 21. Jahrhundert und der aktuellen Politik her- und darzustellen!

    • A.Leupin sagt:

      Kommt nicht so gut, wenn man(n) überholte Weltbilder zur Schau stellt, auch nicht als Herr „Hans Meier“. d
      Damit steht man sehr rasch völlig neben den Schuhen…

    • Karen sagt:

      MB ist eine ausgewiesene Journalistin und Autorin. Sind Sie einer dieser „Frauen zurück an den Herd“? Erzählen Sie am Stammtisch auch einer dieser Witze wie „Warum haben Frauen kleine Füsse? Damit sie näher am Herd stehen!“

    • Michèle Binswanger sagt:

      Lieber Herr Meier, ich bin keine Hausfrau, da müssen Sie mich verwechseln.

    • adam gretener sagt:

      Ich schätze mal, Sie sind ein ziemlich frustrierter Pensionär, der tief im letzten Jahrtausend hängengeblieben ist. Da ist eine Frau, welche sich um Kinder und Haushalt kümmert, für Sie kognitiv nicht erreichbar.

    • Claude Fontana sagt:

      SVProll Detektor: Hans Meier entdeckt: generischen Meier namen vormerken, Trollversuche als Dr.Eckig Mind wahrscheinlich.

  • adam gretener sagt:

    Für diesen Text liebe ich Sie, Frau Binswanger.

  • Bernhard Streu sagt:

    Glarner hat lediglich die lange Liste der kriminellen SVP Politiker um seine Person erweitert. Was er mit der Schülerliste getan hat ist schlichtweg kriminell und nur eine Frage der Zeit bis er durch ein Gericht verurteilt wird. Dafür kann er sich nicht hinter seiner parlamentarischen Immunität verstecken.

  • Henriette sagt:

    Leider bekommt nicht nur AG mehr Beachtung in den Medien, als er verdient. Auch seine Parteigenossen bis hin zu den obersten Chargen haben eine übergrosse Medienpräsenz. Der Tagi ist da leider keine Ausnahme und verhilft damit evt. ungewollt zur Verbreitung extremer Ansichten und Haltungen der Rechtspartei.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ist ja nicht so, dass Frau Binswanger so viel erwachsener ist. Wenn man dümmlich linke Gesinnung mit lebenserfahrener Überlegenheit und politische korrekte Realitätsverweigerung mit Besonnenheit verwechselt, dann ist man im besten Fall ein regredierender Erwachsener.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Wenn man dümmlich linke Gesinnung mit lebenserfahrener Überlegenheit und politische korrekte Realitätsverweigerung mit Besonnenheit verwechselt, dann ist man im besten Fall ein regredierender Erwachsener.

    • Michèle Binswanger sagt:

      Danke für ihre Einschätzung, Herr Brechbühl. Aber sie haben den Text offensichtlich nicht verstanden.

    • adam gretener sagt:

      Ach Herr Brechbühl, haben Sie mal wieder ihre Endlos-Platte aufgelegt?

    • Claude Fontana sagt:

      @ herr Brechbühl: Wahrscheinlich sitzen sie nach der rechtsdrehenden Hirnwäsche immer noch im Trockengang fest. Kudos, dass sie dabei noch die Tasten treffen. Realitätsverweigerung ist: Wenn man aus dem Fakt. dass man einen Adventskranz in einem öffentlichen Gebäude aus Feuerpolizeilichen Gründen nicht Anzünden sollte. Und man aus einer bemerkung daraus anti-Muslimische Hetze fabriziert. Wissen Sie, wie man das in Amtssprache nennt? „Unangemessener Aufwand“.Schon komisch,wie jeder in den „Richtigen“ Glauben hineingeboren wird.Egal ob er in Pakistan,Israel,England oder Indien lebt. (Gervais)

  • Dr. Eckig Mind sagt:

    Für diesen Text liebe ich Sie Frau Binswanger, sehr ausdauernd, leidenschaftlich und mit viel Gefühl!

  • Bourque sagt:

    Ich finde es ziemlich unverschämt, einen Nationalrat als Idioten zu bezeichnen. Man stelle vor, eine rechte Zeitung würde das bei einem linken Politiker tun. Viele hier tun so, als wäre Überfremdung in der Schweiz kein Problem oder die massenhafte Einwandungerung von Muslimen nach Westeuropa. Wenn es in ganzen Schulklassen kaum noch Kinder mit Schweizer Namen hat, sollte das einem schon zu denken geben.

  • Claude Fontana sagt:

    Bei vielen Themen gehe ich mit ihnen nicht parallel,Frau Binswanger, Hier jedoch schon. Ich finde, Glarner missbraucht jede Gelegenheit, um seinen latenten Rassismus zu rechtfertigen. und ich fände es schön, wenn jeder Doppelbürger oder Ausländer der hier Steuern zahlt, dagegen mal auf die Strasse demonstrieren ginge. Eine art #Metoo gegen konstruierten Fremdenhass, Vorurteile,und einfachem Opferbashing.

  • Thomas Mueller sagt:

    Sie beziehen Position, in dem sie über einen Politiker- Idioten schreiben. Nun, meines Erachtens hat zuerst einmal die Vertreterin der Schule diese Bezeichnung inne, die versucht hat einer Mehrheit die Spezialdiät einer Minderheit aufzuzwingen. Jemand mit mehr Verstand würde eher die Minderheit anfragen, ob sie möglicherweise einen den ihren Bedürfnissen genehmen Grill selber organisieren möchte, falls nötig. Denn jeder der es wissen möchte findet schnell heraus, dass auch in der Vergangenheit erfolgten Cervelat Grilladen für diese Bevölkerungsgruppe den Grill auf ewig kontaminieren und unbrauchbar machen – wie man es zum Beispiel in der DOK über Familiengarten bei Bern in der SRF sehen durfte. Aber es ist natürlich einfacher den Boten zu beschimpfen, nicht Wahr?

    • Michèle Binswanger sagt:

      Lieber Herr Müller, danke für Ihre Ausführungen, die ich bedenkenswert finde. Allerdings war mein Punkt ein anderer. Ich kritisiere die Medien, va die klassischen, aber auch die sozialen, dass sie diesen Diskussionen einen so grossen Raum geben.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        Vielleicht vernütigen Sie die Diskussion, weil Sie nicht verstanden haben, dass es echt ein Problem ist, wenn Schweizer Kinder keine Cervelat auf den Grill legen dürfen nur, weil eine religiöse Minderheit unsere politische korrekte Öffentlichkeit als Geisel nimmt.

        • Michèle Binswanger sagt:

          Nicht die religiöse Minderheit verbot in diesem Fall den Cervelat, sondern eine gut meinende Lehrerin. Dass die Sache nun so dargestellt wird, verdanken wir der Stupidität der Sozialen Medien, die das portieren und bei Leuten wie ihnen damit offensichtlich verfangen. Das ist genau mein Punkt.

          • Fritz Huber sagt:

            Wenn man den originalen Brief an die Eltern liest, dann
            • hat die Lehrerin nie etwas verboten
            • war nie von Cervelats die Rede
            • war auch nie von einem Grill die Rede, sondern (zwischen den Zeilen impliziert) von einem Beitrag an ein allgemeines Buffet.

          • Jürg Brechbühl sagt:

            @Fritz Huber
            Die Diskussion ging zurück auf den entsetzten Anruf einer anonym gebliebenen Mutter, die frühmorgens, vollkommen aufgelöst beim von ihr gewählten Volksvertreter Nationalrat Glarner anrief und beschrieb, dass ihr Kind beim Brätliabend eines Jugendvereins keine Cervelat mitbringen darf, weil sonst die Moslem gestört werden.
            In dem Fall kommt weder ein Brief vor, noch eine Lehrerin und es ging ausdrücklich um Cervelat.
            Alles andere kam danach. Der von Ihnen zitierte Brief hat der Blick ausgegraben, der einen öffentlichen Aufruf publizierte, solche Beispiele zu dokumentieren.
            P.S. @MB.
            Den Blick als „social“ zu qualifizieren oder auch als „media“ halte ich für reichlich verwegen. Blick ist Blick.

        • Felix Rothenbühler sagt:

          @Brechbühl: Wer den Cervelat auf den Grill legt, ist eh kein Schweizer oder keine Schweizerin.
          Der Cervelat kommt an den Stecken. Alles andere ist neudummes Zeug, importiert aus, äh, Disney World? Dem Europark?
          Meine Kinder, das noch zum Schluss, mögen keine Cervelats. Ich übrigens auch nicht.

          • adam gretener sagt:

            Dann sind wir schon zwei. Cervelat ist fast pures Fett mit einer Menge Gewürze und Pökelsalz. So ziemlich die übelste Wurst der Schweiz.

          • Lucy Kammermann sagt:

            @Huber: Das ist eben die Scheinheiligkeit der politisch Korrekten – etwas als Bitte zu formulieren statt als Verbot. Was würde das Kind oder seine Eltern von der Lehrerin zu hören bekommen, wenn sie sich nicht an diese „Bitte“ gehalten hätten? Womöglich als Einzige? Es spielt auch keine Rolle, ob es um einen Grill geht oder nicht. Tatsache bleibt, dass sich die Nichtmuslime den wenigen Muslimen anpassen SOLLEN.

          • adam gretener sagt:

            Ach Lucy, Sie haben wirklich gar nichts verstanden. Nicht mal den Artikel gelesen und kognitiv erfassen können. Erst schlau machen (seit es geht) und dann mit den Grossen mitkommentieren. Sonst kann es sehr schnell sehr peinlich werden.

  • Robert Wall sagt:

    Wiedermal super geschrieben, mit Witz aber auch realitätsnah. Wie sie sich immer alle empören über jede noch so kleine Nichtigkeit. Klar, finde es auch nicht lustig, wenn ein Kind keine Cervelat mitnehmen sollte, aber daraus jetzt eine Staatsaffäre hoch beschwören, also bitte…

  • Claude Fontana sagt:

    Unsere Politisch inkorrekte Minderheit(SVP) nimmt unsere Politisch korrekte Mehrheit als Geisel. mit solchen Aufbauschungen.Sie schürt ängste und damit unterdrückt sie freie Meinungsbildung, denn unter ängsten und Zwängen, werden möglichkeiten beschränkt.. soll mich niemand mehr fragen, wie die Nazis entstehen konnten. Es wird einem gerade vorgelebt. lustigerweise tut keine Partei was dagegen.jedenfalls nicht öffentlich.

  • Baba sagt:

    Exakt formuliert und auf den Punkt gebracht, Frau Binswanger! Ich lese ihre Beiträge immer mit Interesse und finde mich (einmal mehr) wohltuend „vertreten“.
    Mir fällt es leider meist schwer, den Bauch in Worte zu fassen. Merci.

  • andy sagt:

    Nebenbei was mir als wichtig zu beachten gilt in Worte Gläubigen Gesellschaften. Zu oft wird der Sinn und Zweck von Aussagen ignoriert. Alles wird für bare Münze genommen ohne zu Hinterfragen. Jeder Politiker wie z. B. Glarner muss im Gespräch bleiben um wiedergewählt zu werden. Sein Niveau sowie das seiner Partei kennt man zur Genüge. Worte sind Mittel zum Zweck wie Geld auch etc. Zudem sagt jedes Wort und Satz mehr über den Absendet als über die manipulierte Botschaft oder zurecht gebogene Mitteilung aus.

    Die Macht der Worte und Emotionen hetzen die gesamte Menschheit umher.

  • Büchli Yvonne sagt:

    Es ist ein Signal wenn man nicht mehr darf schweizer essen servieren, dann ist etwas schon viel zu weit gefahren. Weil die CH sich nicht traut NEIN zu sagen. Vor ein paar Tagen lief ich mit meinem kleinen Hund auf einem Trottoir, kam ein junger Araber und prellt an mich. Warum ? Er sagte : ihr Hund sollte auf der anderer Seite des Trottoirs laufen, nicht hier wo ich laufe …… Ich lachte und meinte es sei Humor und sei durch seinen Handy zerstreut gewesen. Aber nein : er beharrte darauf : man spaziert nicht einen Hund auf einem Trottoir usw. Wir waren alleine … Eben Muslime dürfen Hunde nicht anfassen und auf gar keinen fall hundespeichel auf sich haben, das steht im Koran……. Frage : wollen wir wirklich solche leute bei uns ? Sonst war der jung ca 25. Jahre, modern gekleidet.

  • Gerold Meier sagt:

    Es geht hier anscheinend um die Wurst, speziell um den Cervelat. Eine andere beliebte Sorte ist die Salame. In diesem Zusammenhang wurde ich Augen- und vor allem Ohrenzeuge eines Kulturclash. Im Supermarkt an der Fleischtheke gibt der Metzger dem circa sechsjährigen Bub einer Kundin ein Salamirädli. Die Mutter ruft empört und laut aus, und macht überhaupt einen Aufstand, das Büblein sei Muslim, was dem Metzger denn einfalle. Wie konnte der Metzger denn das erkennen: Die Mutter war Wirtin und geborene Schweizerin, mit einem nordafrkanischen Ehemann, der in dieser Zeit in seinem Café mit einschlägigen Kollegen Tee schlürfte. Ich weiss nicht, was im armen Metzger vor sich ging. Wieder ein alter lieber Brauch, der mit dem Wursträdli, der dem überzogenen servilem Multikluti geopfert wird.

  • Jörg Selg sagt:

    Natürlich ist so ein Cervelat kein grosses Thema. Genauso wenig wie das Herzeigen des Doppeladlers durch unsre hochbegabten Fussballer. Glücklich ein Land, dass sich um solche Petitessen in Rage bringen lässt. Aber wir haben schon ein Problem. Die Schweiz muss ihren Platz, auf dieser stetig komplizierter werdenden Welt, noch finden. Geschichtlich waren es häufig unsere Nachbarmächte, die unseren Platz in Europa definierten (z.B. Westfälischer Friede). Also, mehr Selbstbewusstsein!

  • beatus sagt:

    Mann verliert halt manchmal den Überblick, wenn man Untendurch muss!
    Betreffs Überblick erwarte ich lösungs-orientiertes Denken, nicht bestrafungs-orientiertes.

  • Beat Müller sagt:

    Ein Würstpolitiker beschäftigt sich nun mal mit den Wurstproblemen der Schweiz! Irgendwie muss auch dieses Würstli die nötige Aufmerksamkeit im Politbusiness bekommen, und sei es nur als Ritter der Cervelat!

  • Zufferey Marcel sagt:

    Die sozialen Medien haben zu einer Explosion des Banalen im öffentlichen Raum geführt. Sie befördern vor allem Affekte und Impulse. Das Medium prägt die Botschaft und nicht umgekehrt. Im Bereich politischer Debatten kommt es deswegen zu einer wachsenden Infantilisierung. Dabei gehen zunehmend wichtige Inhalte verloren.

    Zu Beginn der Industrialisierung kam es im Bereich der dampfgetriebenen Maschinen immer wieder zu schwersten Arbeitsunfällen, vor allem rund um die Transmissionsriemen, aber auch an den Maschinen selbst. Dabei wurden bisweilen Extremitäten brutal abgerissen und ganze Leiber zerstampft. Heute gibt es die Suva.

    Morgen werden wir hoffentlich gelernt haben, mit den neuen Maschinen umzugehen. Doch bis dahin werden weiterhin die Fetzen fliegen.

  • Felix Rothenbühler sagt:

    Wars zuviel Medien- und Journalistenschelte in meinem anderen Beitrag, liebe Frau Binswanger?
    .
    Ich mag Ihre Texte (die meisten). Die Scheinheiligkeit darin weniger. Sie kritisieren die Medien (zu Recht) – die Medien aber, das sind Sie.
    .
    Liege ich falsch? Wirklich?
    .
    Und ja, ich mag Ihnen das Bootshaus gönnen. Schliesslich war ich gestern mit den Kindern auch auf dem See segeln. Mit Sailbox.

  • Coco sagt:

    Also eine Primarschullehrerin hat gar nichts empfohlen…. Und wenn dann war das in Strengelbach und nicht sonst wo. Schade dass Cervelat-Gate und Heidi-Gate auch hier auf unangebrachte Weise vermischt wird…

  • Emil Eugster sagt:

    Nein, Frau Binswanger!
    Man darf Herrn Glarner und seiner Partei nicht unwidersprochen an der Spirale der Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen zum Zweck Hass zu schüren drehen lassen.
    Das hat man zu oft gedacht; Ignorieren, dann geht das schon von selbst vorbei.
    Die Qualität, wie mit den Provokationen von solchen Gesellen seitens der Medien umgegangen wird, die den grauenhaften Beweggründe der Provokateure für alle Offensichtlich macht, ist noch nicht erreicht aber trotzdem darf man dazu nicht schweigen.

  • Roland K. Moser sagt:

    Glarner bringt es ganz einfach auf den Punkt. Was man von der Autorin nicht behaupten kann. Vielleicht sollte sie mal entspannen.

  • Michi sagt:

    „Die Kunst der Erwachsenwerdens“,so der Untertitel der Glosse.
    Ob sich da Frau Binswanger nicht mit ZU grossen Federn schmückt?

    Eben, etwas runterfahren (chill out?) wäre angebracht.

  • Belo Zibé sagt:

    Die(erwachsenen) klassischen Medien, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, berichten häufig lieber über den Einfluss der Sonneneinstrahlung auf das Liebesleben der Pflastersteine unter dem Regenbogen und überlassen wichtige Fragestellungen politischen Idioten. In den rechtschaffenen Redaktionsstuben sorgt man dann beleidigt dafür, dass alle , welche die fehlenden neuen Kleider des Kaisers bemerken und laut darauf hinweisen, als solche und darüberhinaus bezeichnet werden.Ein rechtschaffener ist heutzutage , wer den Medien mehr traut ,als seinen eigenen Augen.Bei allem Respekt für ihre auch teilweise zutreffenden Feststellungen, ist es ihnen nicht gelungen über die aufgewärmte Cervelat zu blicken.Es könnte nämlich wirklich einmal um die Wurst gehen.

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