Böse, böse Rapmusik

Sex-, Geld- und gewaltgeiler Rap ist populär wie nie unter jugendlichen Zuhörern. Was müssen Eltern wissen und wie können sie damit umgehen?

Platindekoriert und kontrovers diskutiert: Skandal-Rapper Capital Bra. Foto: Screenshot/Youtube

Noch vor 60 Jahren war es denkbar einfach für Jugendliche, ihre Eltern in Angst, Schrecken oder Rage zu versetzen. Ein Elvis-Hüftschwung? Sieben Tage Hausarrest. Eine Beatles-Frisur? Ab ins Sorgenkinderinternat. Einmal rauchen ohne inhalieren? Runter von der Erbschaftsliste. So zumindest klingt es mitunter, wenn sich die Generation der Babyboomer an ihre Erfahrungen mit pubertärem Aufbegehren, halbstarker Rebellion und Abgrenzung von Vater und Mutter erinnert – die man damals natürlich noch Herr und Frau Schmidt nannte, wenn man nicht gerade den Rohrstock spüren wollte. Es waren harte Zeiten, aber in gewisser Weise waren sie auch sehr einfach.

Worüber rappen diese Männer? Vereinfacht gesagt über eine Welt, in der das Gesetz des Stärkeren gilt.

Das Bedürfnis nach jugendlicher Reviermarkierung gibt es natürlich noch immer. Nur die Eltern lassen sich nicht mehr so leicht aus der Reserve locken. Schock-, Belastungs- und Toleranzlevel sind gestiegen: Wer Mama und Papa heute noch richtig schräg reinfahren will, muss sich schon etwas ganz Besonderes einfallen lassen – und zum Beispiel den ganz besonders bösen Gangster-Rap hören. Dessen deutschsprachige Vertreter sind nicht nur extrem erfolgreich, gerade bei ihrem überwiegend jungen Publikum. In Elternforen und Spielplatzgesprächen kann man auch herausfinden, dass sie zu den letzten Feindbildern gehören, die selbst die Schmerzgrenzen vermeintlich progressiver Eltern überschreiten.

Von Sex, Fashion und Drogen

Niemand hatte im deutschsprachigen Raum mehr Nummer-eins-Hits als der Berliner Rapper Capital Bra. Kein Musiker wurde in den letzten fünf Jahren ausgiebiger und kontroverser diskutiert als der ebenfalls platindekorierte Kollegah aus Düsseldorf. Im Wochentakt erscheinen neue Protagonisten auf der Bildfläche, die vom Hype um Gangster- und Strassenrap profitieren wollen und ihn zugleich weiter vorantreiben. Worüber rappen diese Männer? Vereinfacht gesagt über eine Welt, in der das Gesetz des Stärkeren gilt. Über Status und dessen Symbole, über Geld und Macht und die Annehmlichkeiten, die damit einhergehen. Sex, Autos, Drogen, Uhren, Fashion. Und so weiter und so fort.

Anders als in den USA, wo sich Rapmusik zunächst in den sogenannten Problemvierteln der New Yorker Bronx entwickelte, stammen die ersten deutschsprachigen Erfolgsgeschichten überwiegend aus bildungsbürgerlichen Milieus. Wer seine Kinder Mitte der Neunzigerjahre beim Hören der Fantastischen Vier, von Freundeskreis und den Absoluten Beginnern erwischte, musste schlimmstenfalls befürchten, dass sie Interesse an Kifferhumor, fragwürdigen Wortspielen und harmloser Revolutionsromantik entwickeln könnten.

Härte Gangarten etablierte kurz nach der Jahrtausendwende vor allem die Plattenfirma Aggro Berlin. Deren Künstler wie Sido und Bushido beschrieben ihre einst prekären Lebensverhältnisse und die zugehörigen Aufstiegsgeschichten, sie pflegten einen raueren Tonfall und eine zunehmend sexistische, homophobe und behindertenfeindliche Sprache (die es vereinzelt jedoch auch schon bei den Bildungsrappern gegeben hatte). Aggro Berlin implodierte bereits vor elf Jahren unter den Streitereien seiner Musiker und Entscheidungsträger. Das heutige Erscheinungsbild von deutschem Strassenrap hat das Label jedoch mitgeprägt.

Pankikmache und Verbote sind schlechte Ratgeber

Hip-Hop ist inzwischen die wohl weltweit bedeutendste Jugendkultur. Vor allem im deutschsprachigen Raum verkörpern viele ihrer erfolgreichsten Vertreter Lebensentwürfe, die auf einer Mentalität der ausgefahrenen Ellbogen und gezielten Tritte nach unten basieren. Auch als szenenaher Berichterstatter gibt es daran nichts zu beschönigen. Aber gibt es etwas zu verteufeln? Sollten sich Eltern Sorgen machen, wenn ihre Kinder den nächsten Capital-Bra-Hit auf Platz eins der Charts streamen? Oder Alben von Kollegah und Bushido hören, die in Deutschland indiziert sind und für Jugendliche eigentlich gar nicht erhältlich sein sollten?

Wie so oft in Erziehungsfragen sind Panikmache und Pauschalverbote die schlechtesten elterlichen Berater. Rapmusik ist ohnehin zu allgegenwärtig auf Youtube und Schulhöfen, als dass man sie aus dem Leben des eigenen Nachwuchses verbannen könnte. Stattdessen empfehlen Soziologinnen und Pädagogen gemeinhin: Interesse zeigen, auch wenn es wehtut. Mithören, Fragen stellen, diskutieren und bei Bedarf die eigene (Abwehr-)Haltung zum Ausdruck bringen. Wer sich mit der Lieblingsmusik seiner Kinder auseinandersetzt, wird auch besser verstehen, worin der Reiz dieser Musik liegt, wie Jugendliche ihre Inhalte reflektieren – und wie sie zwischen Authentizität und Inszenierung unterscheiden.

Während es früher um umstürzlerische Ideen ging, geht es vielen deutschen Rappern um die Akzeptanz der Mehrheitsgesellschaft.

Eine genauere Beschäftigung zeigt ausserdem, dass die deutsche Strassenrapszene (die eigentlich aus vielen Klein- und Kleinstszenen besteht) viel heterogener ist, als sie in der Regel dargestellt wird. Es gibt wirklich unangenehme Zeitgenossen wie Kollegah, der auch mit antisemitischen Klischees und Verschwörungstheorien zündelt, oder Rapper wie Fler und Teile der 187 Strassenbande aus Hamburg, bei denen Realität und gewaltverherrlichende Fiktion bisweilen durcheinander geraten. Ihr Appeal für junge Zuhörende liegt auf der Hand: Das Spiel mit Grenzüberschreitungen und Abgrenzungen, mit eigener Sprache und einem männlichen Zugehörigkeitsgefühl, die für Aussenstehende unergründlich bleiben.

Gesamtgesellschaftliches Problem, anders verpackt

Auf der anderen Seite stehen Rapper, die von den Schattenseiten der Gangster- und Luxusglorifizierung berichten. Der Offenbacher Haftbefehl beschreibt das Ringen um Status und Reichtum als Aneinanderreihung von leeren Gesten. Er rappt über Depressionen und Traumata, die kein Drogenkonsum betäuben und kein Konsumrausch vergessen machen kann. Auch seine Texte kommen nicht ohne diskriminierende Sprache aus. Sie erzählen jedoch überwiegend Profundes über eigene Diskriminierungserfahrungen und die Aufstiegsmöglichkeiten jener marginalisierten Menschen in Deutschland, zu denen viele Rapper mit sogenanntem Migrationshintergrund gehören.

Dass diese Geschichten nicht immer jugendfrei erscheinen, ist nur konsequent. Zugleich zeigen sie einen Unterschied zwischen früheren Jugendbewegungen wie Rock’n’Roll oder Punk und dem heute so erfolgreichen Gangster- und Strassenrap auf. Wo es einst um umstürzlerische Ideen ging – oder wenigstens darum, dem Spiessermief des Elternhauses zu entkommen –, geht es vielen deutschen Rappern um die Akzeptanz der Mehrheitsgesellschaft. Sie wollen nichts verändern, sondern dazugehören. Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine weitere Deutungsebene für den Turbokapitalismus und die Ellbogenmentalität, die Hip-Hop in Deutschland oft auszeichnen.

Diese Merkmale sind rap-typisch, aber nicht rap-exklusiv. Statusdenken, Geldgeilheit, Materialismus und Sexismus erscheinen vielmehr als gesamtgesellschaftliche Phänomene: In Raptexten kommen sie lediglich unverblümter zur Sprache als im öffentlichen Raum oder den Vorstandssitzungen eines beliebigen Dax-Unternehmens. Wer seinen Kindern etwas mitgeben will, das über jugendliche Trotzphasen hinaus relevant sein wird, könnte zum Beispiel bei dieser Erkenntnis anfangen – und das eigene Gewissen damit beruhigen, dass Elvis, die Beatles und andere Bands der heutigen Grosselterngeneration im Grunde radikalere Ziele verfolgt haben als Capital Bra.

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46 Kommentare zu «Böse, böse Rapmusik»

  • Hans Meier sagt:

    Sorgen müsste einem nicht unbedingt so sehr der Inhalt der Texte machen (die meisten Kids verstehen es eh nicht recht), sondern vielmehr die miese Qualität der Raps, der Gesangseinlagen, der Melodie, der Songstrukturen, etc.
    Ohne Autotunes können die nicht mal rappen, geschweige denn singen.
    Und die Rythmen gleichen sich alle aufs Haar.

  • Frtizlee sagt:

    Diese „Raps“, die nichts mehr mit der Ursprungsidee des Hip Hop (Breakdance, Graffiti, DJ-ing und Rap) zu tun haben und auch keine Message transportieren, wollen nur eins: Aufmerksamkeit und Klicks, mit anderen Worten: Geld. Es geht nur um das.
    Wieso die Jungen da reinfallen, ist mir schleierhaft. Vermutlich sind es vorallem Junge aus derselben Bevölkerungsschicht. Und zieht man die gekauften Followers und Klicks ab, ist da wohl nicht mehr viel übrig. Ausser die deutschen Musikpreis-Jurys, die darauf reinfallen…
    Von der Qualität der „Musik“ fang ich jetzt gar nicht an….

    • Didier Thinker sagt:

      Das hat nichts mit der der Ursprungsidee des Hip Hop zu tun? Ja und?

      Wenn einem die Musik gefällt hört man sie. Nicht weil der Rapper eine echte Day-date am Arm hat.

    • Anh Toàn sagt:

      “ mit anderen Worten: Geld. “ Der älteste Spruch im Musikgeschäft: Wir sind nur dabei, wegem Geld“ oder wie es die Dire Straits besangen, unkorrekt frauenfeindlich: „geld für nichts und die Hühner gratis“

      Was ich nicht verstehe an Kommentaren wie Ihrem, Fritzlee: Warum macht er nicht selber qualitätsfreien Rap und verdient sich dumm und dämlich? Er kann sich ja an Jungs (oder Oldies) aus derselben Bevölkerungsschicht wie er richten. Oder er macht es besser, wäre auch möglich.

      Ganz generell ist nun mal bei aller Kunst/Kultur egal ob Literatur, Musik, Film, Theater, der grösste Teil Schund: Egal wie erfolgreich es ist, der Erfolg beruht auf Vermarktung, nicht auf der künstlerischen Qualität des Produktes, sondern auf Produktion eines Produktes passend für den Markt.

  • Carmen Siegrist sagt:

    Also wenn das als Kunst verkauft wird, dann sind wir auf einem sehr tiefen Niveau unserer Kultur angelangt. Zum Glück hatten unsere Söhne und ihre Freunde und Freundinnen ganz andere Interessen und Ideale als solche Verherrlichung von Gewalt, Verspotten von behinderten Menschen usw. zu verinnerlichen. Sie lernten, Wertschätzung allem gegenüber was lebt, entgegenzubringen. Dass noch Preise für diese brutalen Texte verteilt werden, zeigt wie der Materialismus zunimmt, denn diese Rapper bringen Geld. Kunst wird heute bald mehr durch Geld als durch Können und Geist bestimmt. Schade.

  • Sonja sagt:

    Er bringt es auf den Punkt! Bravo!

  • Rainer Raschle sagt:

    Was erlaubt sich Capital Bra nur, singt „meine Freundin sieht aus wie Sylvie Vander Vaart…*. Klar dass dies den streichholzkurz-grauhaarigen, mit roten Holzkugelketten geschmückten Ladies die Zornesröte ins faltige Gesicht treibt. Wir müssen diese ganze Hip Hop Genre verbieten, und gleich auch noch alle Quentin Tarantino-, James Bond- und John Wick-Filme. Videospiele sowieso. Die Jugendlichen müssen lernen, dass Spass an Parties maximal gemeinsames Gendersternchen-Zählen sein darf.

    (Btw.: Kollegah und Capital Bra sind zwei vollkommen unterschiedliche Musik- und Textkategorien. Und Kids stehen inzwischen sowieso mehr auf Apache 207. Dies als kleines Update für den „szene-nahen Berichterstatter“.)

  • Diana Prince sagt:

    Unverständlich bleibt, dass homophobe, misogyne oder sonstwie gewaltverherrlichende Texte nicht schlichtweg verboten sind.
    Die Rapnasen würden für ihre Fremdschämmusik aus der Grabbelkiste wohl andere Kindergartenreime nutzen, wenn sie tausende Euro an Busse zahlen müssten.

    • Clark Kent sagt:

      Grandioser Kommentar. Wobei „Musik“ natürlich nicht treffend ist, hier würde eher akustistischer Terrorismus oder Audioterror passen. Und Reime zeichnen sich eigentlich dadurch aus, dass sie sich reimen. Das sollten den in der Logopädie durchgefallenen Rapnasen mal beigebracht werden.

    • Anh Toàn sagt:

      @Diana Price

      Ich frag mich , wie viele Stellen man aus Schillers Tell streichen müsste wegen Gewaltverherrlichung. „Mit der Axt hab‘ ich ihm das Bad gesegnet“ z.B, schliesslich war die Frau da bereits ausser unmittelbarer Gefahr, das war keine Notwehr(-hilfe) gegen versuchte Vergewaltigung.

      Müsste man: „Weil der Sommer ist da und die Zeit ist reif, in den Strassen zu kämpfen“ nicht wegen Gewaltverherrlichung verbieten?
      Und jeden Polizisten zum Kriminellen stempeln, das geht doch nicht!

      Ich finde, jeder der ein Lied singen will, sollte den Text zuerst irgendwo vorlegen und genehmigen lassen, wie Autos bei der MFK geprüft werden müssen, bevor die in den Verkehr gesetzt werden. Autos und Worte sind nämlich gefährlich.

  • Punix sagt:

    Ich finde die Kommentare gehen heute am eigentlichen Thema vorbei. Ich fand den Text nämlich recht ansprechend, eben weil es offensichtlich reichlich Menschen (und darunter wahrscheinlich reichlich Heranwachsende) gibt, die diesen Mist hören. Nur weil ich das nicht nachvollziehen kann, verschwindet dieser Fakt nicht. Der Autor schreibt, dass Verbote nichts bringen. Dass man vielmehr mit zuhören muss, um auf Augenhöhe mit den Kindern diskutieren zu können. Und er versucht zu erklären, warum die Jugendlichen es womöglich hören wollen. Dass das Zeug unerträglich ist, müssen wir hier glaube ich nicht diskutieren.

    • Carmen Siegrist sagt:

      Leider ist es nicht für alle unerträglich. Es gibt Erwachsene, die finden, dass auch das vorüber geht, und man sich nicht darum kümmern soll. Wir hätten ja auch die Beatles verehrt. Ich stimme Ihnen zu, dass ein individuelles Verbot nicht die Lösung ist, sogar das Gegenteil herausfordern kann. Das Gespräch, vor allem das Zuhören haben sich in unserer Familie und im Freundeskreis sehr bewährt. Und unsere Söhne und ihre Freunde wussten stets, wo und wie wir zu etwas stehen, was wir persönlich unterstützen wollen, und was wir ablehnen. Wir haben uns nicht einfach angepasst, um zu gefallen. Heute machen nämlich die Älteren den Jungen Vieles nach, um möglichst jugendlich zu erscheinen. Dass solche Auftritte öffentlich bejubelt werden und dafür ein Preis verliehen wird, stimmt mich nachdenklich.

  • Anh Toàn sagt:

    Schon beim Rock’n’Roll ging es um Akzeptanz der Mehrheitsgesellschaft, Janis Joplin wollte einen Mercedes dafür und die Stones sahen keinen Platz in einer Londoner Vorstadt für einen street fighting men, es bleibt nur singen in einer R&R Band, die Pose der Revolution. Der Punk wollte auch nicht revolutionieren, er hat, da ist seine Verwandtschaft mit dem Dadaismus, der Vernunft verkehrte, die (bürgerliche) Unmoral zu seiner eigenen Moral erhoben: Der Punk war Anarchist nicht weil er an die Revolution glaubte, sondern weil es aus bürgerlicher Sicht unmoralisch, Teufelszeugs war: Der Antichrist kommt als Anarchist. Aber auch da ging es immer nur um die Pose: Nichts Neues, nur Anderes, das heute richtig provoziert, abgrenzt und identifiziert: „Meine Generation“

  • Jean Roth sagt:

    Am meisten stört mich am Rapp, dass er prakt. immer auf dem Buckel der Weiblichkeit ausgetragen wird. Keiner der sog. „Rapper“ redet von dem was er hat – oder eben nicht hat!

  • 13 sagt:

    Leider wurde nur mein zweiter Teil veröffentlicht, also etwas sanfter. Wen es wirklich interessiert, dem empfehle ich Terre des Femmes und den hashtag unhatewomen . Es ist schlicht unbegreiflich, wie Phantasien schlimmster Gewalt mit einem Hüftschwung von Elvis oder ähnlichem verglichen wird. Es geht hier nicht um anstössiges. Es ist auch mehr als nur Sexismus, den gibt es in allen Musikrichtungen, aber man würde sich doch etwas Differenzierung wünschen. Und v.a. auch die Bemerkung, dass es den Antisemitismus brauchte, bis der Aufschrei kam. Gewalt gegen Frauen reicht offenbar nicht aus.

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Du brauchst nichts sanfter zu formulieren, ich schliesse mich auch einer deutlichen Einschätzung an.
      Der Name „deutscher Rap“ ist per se ein schlechter Scherz. Nicht nur können die Protagonisten, von denen sich viele im kriminellen Milieu bewegen, kaum Deutsch, sie können auch nicht gut rappen. Sie leben von der Wohlstandsverwahrlosung einer Parallelgesellschaft die sich an der sandstrahlgeglätteten, pc-getrimmten Mehrheitsgesellschaft und deren Werten abarbeitet. Diese hat darauf nicht nur keine Antwort, im Rahmen einer falsch verstandenen Willkommensgesellschaft werden diese noch verromantisiert und zu deren eigener Überraschung mit Preisen überhäuft (Bambi für Bushido, Echo für Kollegah):
      Als urbane Toleranz cachierte Rückgratslosigkeit, für zivilisatorische Werte einzustehen.

      • 13 sagt:

        Sanfter nur, weil ich davon ausgehe, dass mein erster Kommentar aufgrund klarer Wiedergabe einiger Textpassagen nicht veröffentlicht wurde. Ansonsten bin ich völlig deiner Meinung. Es wäre für uns mit einem gewissen Alter, Reife und Lebenserfahrung ein leichtes, und zurückzulehnen und diese Typen zu belächeln. Nur wie Du sagst, funktioniert es. Was bedeutet, dass sie doch mehr Einfluss haben, als sie eigentlich haben dürften.

      • Carmen Siegrist sagt:

        Danke, vor allem für den letzten sehr treffend formulierten Satz. Er sagt alles zu diesem Thema aus.

  • M. Wilhelmsson sagt:

    Rap der sexistisch, homophob, behindertenfeindlich und, in Ergänzung zum Artikel, rassistisch ist, darf man nicht verharmlosen. Ja, er ist ein Abbild unserer Gesellschaft und Verbote bringen nichts, aber wir sollten uns schon auch fragen, wie es dazu kommt, dass Jugendliche das hören wollen…

  • Reincarnation of XY sagt:

    Tja, wenn meine Jungs das Bedürfnis haben mir schräg reinzufahren, dann signalisieren sie damit ein Beziehungsproblem.
    Dieses Bedürfnis hat der Mensch nicht „von Natur“ aus, sondern das haben wir konditioniert.
    Also müssen wir nicht über Rap-Musik dozieren, sondern rausfinden was die Quelle dieses Symptoms ist.

  • Mina Peter sagt:

    Kein Wort von der ausgeprägten Gewalt gegen Frauen im deutschen Rapp. Das hat nichts mehr mit Jugendlicher Provokation zu tun und gehört ganz sicher nicht toleriert. Der Autor scheint da auf beiden Ohren taub und komplett unempathisch all den jungen Frauenopfern gegenüber, die dank dieser Frauenverachtenden Kultur meinen, sich vom Freund beim Sex schlagen oder würgen zu lassen gehöre halt dazu.
    Ich bin enttäuscht vom Mamablog über diesen undifferenzierten Beitrag. Das Thema wäre gut, nur ist es mit reiner Rechtfertigung und Beschönigung ganz sicher nicht getan.

  • Walter Boshalter sagt:

    Ähnlich wie bei Pornos, die mit real gelebtem Sex wenig bis nichts gemeinsam haben, wird auch bei Rap ein kurzes Gespräch über das Thema mit den Teens notwendig: Der Inhalt von Rapgesang ist eine meistens gewalttätige Fantasie, welche ein Leben und Sozialverhalten glorifiziert die du in der Schweiz und Deutschland nirgends findest und die auch in der tiefsten Hood von South Central L.A. niemand haben will. Nimm die Songs nicht zu ernst und sieh sie als reine Unterhaltung, egal was der Rapper über seinen vom Management gescripteten Lebenslauf berichtet. Und ja, dein Papi zieht sich gerne mal ein paar krasse Stücke der Geto Boys rein. Ich sag nur No Tears…

    • Mina Peter sagt:

      Das können nur Männer schreiben. Rassistische und antisemitische Äusserungen im Rap: heisst es dann auch: nehmt das nicht zu ernst? Bei den Frauen kann man es ja machen. In der Fantasie und leider nicht selten auch in der realen Welt.

    • 13 sagt:

      @ Boshalter
      „gewalttätige Fantasie, welche ein Leben und Sozialverhalten glorifiziert die du in der Schweiz und Deutschland nirgends findest“ Sie würden sich wundern. Doch, solche Gewalttaten finden auch in der Schweiz und in Deutschland statt. Nur erfährt man davon gerne mit dem Hinweis „Beziehungsdrama“ anstatt Mord oder „Einzeltäter“…..

      @ Mina
      „Rassistische und antisemitische Äusserungen im Rap: heisst es dann auch: nehmt das nicht zu ernst?“
      Man sieht ja, was mit Kollegah und co und dem Echo war. Frauenverachtende und gewaltverherrlichende Texte war nie ein Problem, mehrere Jahre wurde der Preis verteilt, bis 2018 das Wort „Ausschwitz“ fiel. Das ging dann nicht mehr. Zurecht, keine Frage. Aber dass es vorher einfach toleriert wurde, spricht halt für sich.

      • Mina Peter sagt:

        Genau, und deshalb sollten Eltern nie und nimmer solchen Rapp aus den Jugendzimmern undiskutiert und unkommentiert tolerieren. Wenn es die Medienschaffenden wie auch SRF schon nicht hinkriegen, solche Femizid und Gewalt verherrlichende Loser richtig einzuordnen. Dass es die übergeordnete so genannte Kunstszene auch nicht schafft, verwundert ja nicht. Die ehren ja auch gerne Polanskis..

    • Carmen Siegrist sagt:

      Herr Boshalter: Zuerst muss jemand auf so gewalttätige, herabwürdigende Gedanken kommen. Dann ist der nächste Schritt, sie auszusprechen, und wenn diese grausamen Fantasien noch bejubelt und verharmlost werden, sogar noch Preise dafür verteilt werden, so ist das für mich einfach zum Kotzen und keine „reine Unterhaltung“. Zudem hat ausgelebte Gewalt in der Schweiz und in Deutschland sehr zugenommen, auf der Strasse und in den Familien. Weshalb sind wohl unsere Gefängnisse überfüllt? Bestimmt nicht wegen des Stehlens eines Lebensmittels in der Migros. Kommen Sie bitte in die heutige Realität. Auch reine Unterhaltung dürfte etwas mehr Niveau aufweisen. Wer Behinderte ausspottet, hat vom wirklichen Leben nichts begriffen. Schweigen dazu, heisst zustimmen. Nein und nimmer zu diesem Dreck.

  • 13 sagt:

    Nein, das müsste ich Elternteil nicht akzeptieren. Erst recht nicht in meinem Haus. Ich muss nicht bei einem Kaffee hören, wie jemand davon phantasiert, Glassplitter ins Gleitmittel zu mischen und einer Frau ein blaues Auge zu verpassen, während Tausende Jugendliche dem zujubeln. Würden meine Kinder damit kommen, wäre Verständnis wohl das Letzte. Stattdessen würde dies sehr viele und sehr lange Gespräche zur Folge haben, wo sie mit der Realität solcher Übergriffe konfrontiert wären. Alles andere ist schlicht Vernachlässigung elterlicher Verantwortung. An uns sollen solche Typen kein Geld verdienen.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Wenn wir Werte leben ohne Heuchelei, dann werden unsere Kinder diese positiven Werte selbst auch verinnerlichen.
      Die Rebellion der Jugend basiert auf der (unbewusst) wahrgenommenen Heuchelei und Doppelmoral der Erwachsenen.

      Natürlich muss man Kunst verstehen, Kunst kann auch Düsteres thematisieren, Kunst wird bisweilen auch Grenzen und guten Geschmack überschreiten… das alles findet in unserem Haus ausgiebig Platz. Aber plumpe Gewaltverherrlichung, Markenfetischismus und Rassismus ist keine Kunst, sondern Ausdruck eines niedrigen Bewusstseinszustands.

      Ich finde es spannend, dass für meine Jungs diese Art Deutsch-Rap null Thema ist, obwohl sie durchaus Ohren für Rap und harte Klänge haben.
      Sie kennen einfach viel viel besseres.

      • 13 sagt:

        @ roxy
        Richtig. Sicher darf Kunst einiges. Was mir aber eben wirklich fehlt, ist die Differenzierung im Beitrag.
        Nehmen wir den Ohrwurm „079“. Ich persönlich verstehe den Erfolg nicht. Jahrelanges Stalking als romantische Geste verkauft? Und es war nicht mal als Provokation gedacht. Nun ja, nicht meine Welt. Es hat mich extrem erstaunt, dass es zuerst eine Tamara Fucinello benötigte, um darauf hinzuweisen. Aber ok. Wenn meine Kind das hören wollen, stelle ich nicht ab. Auch wenn es schon thematisiert wurde (initiiert von ihnen, nicht von mir). Verwaltigungsfantasien sind aber eine ganz andere Baustelle.

      • Reincarnation of XY sagt:

        079 halte ich für Humor. Da empfinde ich den gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurs eher gefährlich Richtung Humorverbot. Ich empfehle Gelassenheit. Hierzulande kann leider auch kaum jemand unterscheiden, was gesellschaftskritische Gewaltdarstellungen sind und was plumpe Gewaltverherrlichung. Ich thematisiere beides, aber meine Kids erkennen den Unterschied extrem gut.
        Wirklich schlimm ist aber, dass Nicki Minaj mit dem verurteilten Verbrecher „69“ (missbrauchte einen 13 jährigen und lud prahlend das Video des Missbrauchs hoch!)
        ein Video macht, das 240 Mio Klicks hat. Volle gesellschaftliche Anerkennung und das wird nicht thematisiert.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Zusatz: «69» wurde auch verurteilt wegen häuslicher Gewalt gegen die Mutter eines seiner Kinder (während sieben Jahren hat er sie geschlagen und vergewaltigt). Aber Nicki Minaj, die sich als selbstbestimmte Feministin inszeniert, macht mit ihm ein Funny Video und die Welt feiert es bedenkenlos. Die Jungen bewundern sie für ihren Erfolg und finden das Video cool, weil alles so schön bunt ist. Und keiner fragt, wie es den missbrauchten Opfern dabei geht, wenn ihr Missbraucher von der Welt Annahme, Applaus, Geld und Bewunderung bekommt.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Hier für einmal wieder ganz bei RoXy.
        079 hat mit der Thematik rein gar nichts zu tun, genauso wenig wie mit Stalking, welches ein ernstes Problem ist. Persönlich läuft das bei mir unter Ohrwurmkinderlied welches man sich auf langen Autofahrten ad nauseam zur Begeisterung des Nachwuchses antun muss…. sprich 079 ist ein harmloses, leider nervtötendes Kinderlied.
        TF hat sich da in ihrer effekthascherischen Art völlig verrannt und bei den Leuten ausserhalb ihrer sehr spezifischen Blase wieder mal komplett blamiert.

      • 13 sagt:

        @ Roxy/MF
        Ich glaube einfach nicht, dass Lo&Leduc auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet habe. Wie auch wenige Menschen. Das ist kein Vorwurf, sondern lediglich eine Feststellung halt auch was das gesellschaftliche Gefühl angeht. Aber bleiben wir nur kurz bei den Fakten:
        Jemand fragt nach der Nummer. Man sagt nein. Immer und immer wieder. Er versucht 6,5 Jahre, diese zu bekommen und ruft dabei alle möglichen Menschen an um sie irgendwie rauszukriegen. Wäre das nicht der Inhalt eines Sommerhits, sondern würde jemand dieser jemand versuchen, die Nummer eurer Tochter herauszufinden. Das fändet ihr nicht bedrohlich? Denn das fiel tatsächlich schon anderen vor TF auf. Die Aggression, die ihr entgegenschlug, ist selbsterklärend.

      • 13 sagt:

        Aber wie gesagt, ich will da nicht dramatisieren. Ich finde das Lied doof, stelle deshalb das Radio nicht ab und verbiete es sicher nicht. Es gibt so viele Lieder, die ich mag, wo es auch nicht immer alles pc ist. Für die Schnappatmung bräuchte es mehr. 😉 Gedanken machen ist aber nicht verboten.

        Was Du schreibst (Du ist ok?), roxy, ist aus meiner Sicht etwas anderes. Nämlich die immer wieder auftauchende Frage, ob man die Kunst vom Künstler trennen kann und soll. Seit Weinstein ist die Diskussion so aktuell wie nie. Bei Kollegah und co. ist die Kunst an sich problematisch. Nicht sein Hintergrund.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Jemand fragt nach der Nummer. Man sagt nein. Immer und immer wieder.“
        Andere Leute würden das amour fou nennen. Und die junge Dame respektvoll als „hard to get“ bezeichnen. 😀
        Aber ich wusste nicht mal dass im Lied von 6,5 J. die Rede war. Echt?
        Schon ein bisschen extrem, aber dass man (gerade als Jugendlicher) quasi „vom Blitz getroffen“ wird und jemand einem nicht mehr aus dem Kopf will, das gibt es schon. Ist für mich nicht gleichzusetzen mit Stalking. Auch wenn ich als Vater selbstverständlich daran keine Freude hätte, aber das Thema hatten wir schon neulich bei MT. 😉
        Mein Mitleid mit TF hält sich eher in Grenzen, ist sie ja selber kein Kind von Traurigkeit, zudem sucht sie nachgerade ja solche Reaktionen, scheint mir. Aber klar, deswegen ist nicht alles zu rechtfertigen.

      • 13 sagt:

        @ mf
        Das Gefühl ob es sich um süsses Werben handelt oder um Belästigung hängt ja nicht zuletzt vom eigenen Interesse ab. Wenn man es nicht ausschliesst, dann mag es schmeicheln. Wenn keine Chance besteht, ist es irgendwann nur noch mühsam, auch wenn das viele Filme anders suggerieren. Und nach einer Weile sollte doch jeder merken, ob der Versuch weiterhin erwünscht ist oder nicht. Auf jeden Fall war es hier meine 12jährige Tochter, die mich fragte, ob der Kerl es nicht gecheckt hat, dass sie ihm die Nummer nicht geben will…

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Natürlich hast Du da völlig recht. Wobei ich persönlich die 6.5 Jahre für künstlerische Übertreibung halte. Für Stalking halte ich das deswegen trotzdem nicht. Und bevor du mir das vorhältst, doch, ich kenne Stalking aus leidiger persönlicher Erfahrungen. Bis hin zum Gerichtsurteil…
        Deiner Tochter kannst Du übrigens ein Kränzchen winden. Sie legt für ihr Alter eine bemerkenswerte Abgeklärtheit an den Tag. Cool! 🙂

    • Synn sagt:

      Danke 13, dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

  • markus kohler sagt:

    Linke Eltern zu schocken ist ultrasimpel. Als Junge kann man z.B. die linke Frauengruppe verspotten und schon wird die Mutter eine Schnappatmung entwickeln und kurz vor Notfalltermin bei ihrer Therapeut*in sein. Diese Elterngeneration ist mindestens so „vernagelt“ wie früher und dazu können sie sich nicht durchsetzen, da die Kids z.T. immun sind gegenüber ihren achtsamen Methoden.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Rechte Eltern zu schocken ist ultrasimpel: als Junge kann man zB die Begriffe Empathie, Menschlichkeit, Verantwortung usw nennen und schon wird der Vater eine Schnappatmumg entwickeln umd zum Rohrstock greifen….

    • Maike sagt:

      Und die die keine Meinung haben, sich in der Mitte aufhalten, ihr Fänchen im Wind schwenken, die bekommt man ganz einfach, indem man sich so verhält, das es dem Nachbarn auffällt.
      Summa summarum: Kinder schocken ihre Eltern gerne. Vielleicht sollten sich TvS & 13 mal an ihre eigene Jugend erinnern….

      • Reincarnation of XY sagt:

        Maike – meine Kinder haben kein Bedürfnis mich zu schocken.
        Menschliche Beziehungen müssen nicht negativ sein. Das natürliche Bedürfnis ist vielmehr Harmonie, Freude und Freiheit.

        Schocken ist kein natürliches Bedürfnis der Jugend, sondern eine Reaktion auf die Doppelmoral der Erwachsenen. Eine Reaktion auf ihre fadenscheinige Etiketten. Eine Reaktion auf zahlreiche Kränkungen und sie nicht ernst nehmen.

        DARÜBER sollte man reden.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Maike

        Etwas zu tun oder zu sagen, nur um andere damit zu schocken ist armselig, mehr nicht. Entweder man tut/sagt etwas aus Überzeugung, oder man lässt es bleiben. Meine Meinung zB bez Abtreibung, Kinderwunschmedizin, Kindsrecht, Tierschutz usw habe ich schon in sehr jungen Jahren vertreten und habe meine diese nicht mehr geändert, obwohl ich damit bei anderst denkenden mehr als nur angeeckt bin. Und Sie? Wie oft haben Sie schon Ihre Fahne im Wind geschwenkt und wie häufig tun Sie das bis heute?

  • Richard sagt:

    Hier könnten doch unsere Massenmedien, die sonst den Hygienestaat proklamieren und soo um unsere Gesundheit besorgt sind, etwas mäßigend auf die Szene einwirken indem sie diese, aus meiner Sicht, ohnehin disharmonischen und widerwärtigen Erzeugnisse aus dem Sendeprogramm kippen. Als Beitrag zur allgemeinen geistigen Volksgesundheit.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.