Freitagsfrage

Ist mein Kind bereit für die Schule?

Schuhe binden, Pult aufräumen, Ufzgi machen: Erziehungsberaterin Daniela Melone sagt, wie Eltern ihre Kinder zur Selbständigkeit erziehen.

Grosser Schritt: Der Schuleintritt ist für Kinder und Eltern oft mit Unsicherheit verbunden. Illustration: Benjamin Hermann

Mein Sohn (6) wird nach den Sommerferien eingeschult. Nun kann er bis dato weder seine Schuhe selber binden (obwohl wir das öfters mit ihm üben), noch ist er besonders selbständig – wenn es zum Beispiel darum geht, sein Zimmer aufzuräumen. Ich habe Angst, dass diese Unselbständigkeit in der Schule zum Problem werden könnte. Wie erreiche ich es, dass er selbständiger wird? Sonja aus Bern

Liebe Sonja

Für viele Eltern und Kinder ist der Übergang in die Schule ein bedeutender Schritt, der einige tiefgreifende Veränderungen und auch Bedenken mit sich bringt. Offenbar schätzt die Kindergartenlehrperson die Fähigkeiten Ihres Sohnes so ein, dass er bereit für die Schule ist.

Dabei gilt laut Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel: «Bereit für die Schule ist ein Kind, wenn es bei zahlreichen Gelegenheiten erfahren hat, dass es selbständig entscheiden und handeln kann, wenn es mit Erfolg und dem Bewusststein eigener Fertigkeiten ebenso umgehen kann wie mit Situationen des dosierten Scheiterns, wenn es über Gruppenfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Rücksichtnahme, verbale Ausdrucksfähigkeit, Spielkompetenz und Frustrationstoleranz verfügt.»

Wissen Sie, wie die Kindergartenlehrperson zu ihrer Einschätzung kam? Kinder zeigen in einem anderen Umfeld als in der Familie auch ein anderes Verhalten und andere Kompetenzen. Schulfähigkeit umfasst zudem nicht nur die Kompetenzen eines Kindes, sondern entwickelt sich im Zusammenwirken mit den Beteiligten.

Dank Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung?

Das Konzept von «Selbständigkeit» ist vielschichtig. Selbständigkeit in Bezug auf alltägliche Verrichtungen, so wie Sie das ansprechen, wird laut dem Lehrbuch der Entwicklungspsychologie als Entwicklungsaufgabe von Kindern von 6 bis 11 Jahren betrachtet. Dabei wird von einer Lern- und Leistungsmotivation ausgegangen. Es gibt dafür auch den Ausdruck «funktionale Selbständigkeit». Bei der sogenannten produktiven Selbständigkeit geht es hingegen um die Verwirklichung von eigenem Denken und Leben mit dem Ziel eigenverantwortlichen Handelns.

Wie ist es möglich, ein Kind durch Erziehung, also Fremdbestimmung, zur Selbstbestimmung zu führen? Eigenständigkeit entwickelt sich in Beziehungen, in gegenseitigem Vertrauen und durch genügend Gelegenheiten zum selbständigen Tun, meint der Psychologe Fabian Grolimund. Er betont, dass das Kind eigenständig seinen Weg geht, wenn die Bezugspersonen Zuversicht in das Kind entwickeln und Vertrauen haben. Dabei gibt er auch zu bedenken, dass Kinder stärker auf die Gefühle der Eltern reagieren als auf deren Worte.

Selbständigkeit von Kindern hat also verschiedene Facetten. Es stellt sich die Frage, mit welchen Erwartungen Sie Selbständigkeit verbinden. Wenn Sie eine grössere produktive Selbständigkeit Ihres Sohnes erreichen möchten, haben Sie ein Mittel in Ihren eigenen Händen: Ihre Wahrnehmung, Ihren Blick auf ihn!

Seien wir ehrlich: Nicht nur Kinder haben Mühe mit Aufräumen!

Erkunden Sie die Kompetenzen Ihres Sohnes. Wie bewältigt er Herausforderungen? Wo zeigt er Selbständigkeit? Sie können auch versuchen, Ihren Sohn aus den Augen seiner Kindergartenlehrperson zu betrachten. Das gibt Distanz und öffnet den Blick. Bestimmt werden Sie viele Entdeckungen machen können und ihr Kind automatisch als kompetenter und selbständiger wahrnehmen. Das ist wichtig, da sich Ihre Haltung auch auf die Entwicklung Ihres Sohnes auswirkt.

Die erwähnte funktionale Selbständigkeit gibt in vielen Familien Anlass zu Diskussionen und Sorge. Wenn Kinder zum Beispiel ihr Zimmer nicht aufräumen, wird oft Bequemlichkeit angenommen, die überwunden werden muss. Seien wir ehrlich: Nicht nur Kinder haben Mühe mit Aufräumen! Gründe dafür gibt es viele. Der Psychologe Markus Schaer meint dazu: «Alle Kinder lieben das Chaos!» – und spricht damit einen Kreativitätsgewinn im Spiel an. Sie haben primär einfach nicht das Aufräumen im Sinn und sind daher auf Unterstützung angewiesen. Es ist hilfreich, wenn Sie, je nachdem wie weit Ihr Sohn bereits aufräumen kann:

  • konkret benennen, was er jeweils aufräumen soll
  • eine Anleitung geben
  • mit kleinen, bewältigbaren Aufgaben beginnen (zum Beispiel nur einen Teilbereich des Zimmers)
  • das Kind mitbestimmen lassen
  • unter Umständen zu Beginn mithelfen
  • zu günstigen Tageszeiten zum Aufräumen anregen und eine gewisse Regelmässigkeit pflegen (Ritual)
  • eine Beziehung herstellen, wenn das Kind angesprochen wird. Ein sogenanntes «Kontakten» also, wie ich es in dieser Freitagsfrage beantwortet habe.

Hinsichtlich des Schuhebindens möchte ich Ihnen gerne Mut zur Geduld machen: Wenn Ihr Sohn Schuhe binden lernen möchte, dann wird er das wohl rasch können. Offenbar ist er während der Kindergartenzeit auch ganz gut ohne klar gekommen. Was könnte ihn wohl dazu motivieren oder was könnte ihn neugierig machen? Sie können ihn auch einfach mal machen lassen, ohne mit ihm zu üben. Sollten Sie aber ein feinmotorisches Defizit vermuten, sprechen Sie mit der Kindergartenlehrperson oder dem Kinderarzt darüber.

Nun steht also bald der Übergang in die erste Klasse an. Ich hoffe, dass damit in erster Linie Freude verbunden ist – denn Kinder möchten von sich aus selbständiger werden und solche Ereignisse unterstützen sie dabei! 

Alles Gute,

Daniela

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33 Kommentare zu «Ist mein Kind bereit für die Schule?»

  • Hans Joss sagt:

    Und nicht vergessen: Ist unsere Schule bereit für unser Kind?
    Der Auftrag der Volksschule besteht laut Verfassung darin, jedes Kind optimal individuell zu fördern.
    Ihm Schutz zu geben und es angemessen zu unterstützen. Unabhängig von seiner sozialen Herkunft.
    Eltern dürfen diese Haltung einnehmen und einfordern. Nur so kann sich die öffentliche Schule langsam weiter entwickeln in Richtung kindzentriertem Unterricht. Als sinngemässe Fortsetzung des Kindergartens.

  • Karen sagt:

    Kaufen Sie doch ihrem Sohn Schuhe mit Klettverschluss.

    • Andrea S. Mordasini, 3014 Bern sagt:

      Klettverschluss sind zwar praktisch, aber auch trügerisch, denn somit lernen Kinder erst recht nicht ihre Schuhe zu binden…

  • Katharina sagt:

    Es gibt kein „Aufräum-Gen“. Deshalb nicht am Kind zweifeln sondern den Sinn und Zweck des Aufräumens erforschen. Das Vertrauen in das Kind ist der Ausgangspunkt. Leider fehlt dieses Vertrauen zu häufig.

  • Reincarnation of XY sagt:

    „Kinder hören stärker auf die Gefühle der Eltern, als auf deren Worte.“

    Das ist der beste Satz im Beitrag. Darüber lohnt es sich zu reflektieren.

    Kindergartenlehrperson – ist das Unwort des Beitrags. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen. Die neue Angst etwas direkt zu benennen führt zu immer unpersönlicheren und abstrakteren Bezeichnungen. Zu einer komplizierten Sprache und unschönen Sprache.
    Lehrberufe gibt es offenbar nicht mehr. Es sind nur noch ausübende Personen. Analog dazu wäre dann: Busfahrperson, Taxifahrperson, Politik-Person, Verkaufsperson, Autor-Person….

    Und um den Bogen zu schliessen: Was für Gefühle werden mit so einer Sprache vermittelt?

    • Maike sagt:

      ???
      Es gibt Lehrpersonen im Kindergarten, in der Schule, in der Firma, in der Uni – da ist das Wort Kindergartenlehrperson genau passend, wenn man den genau über die Lehrperson in einem Kindergarten und nicht über jemanden aus der Schule etc. sprechen will.
      Im übrigen – eine Sprache vermittelt keine Gefühle. Gefühle vermitteln Worte und wie sie zusammengestellt sind.

    • 13 sagt:

      @ Roxy
      Was stört Dich denn an diesem inzwischen sehr eingebürgerten Wort? V.a. seit der Kindergarten noch näher mit der Schule verbunden ist, erachte ich den Zusatz „Lehrperson“ eigentlich als eine Aufwertung. Und es ist sogar einfacher als „Kindergärtner und Kindergärtnerin“. Im Allgemeinen ist es sogar gut, wenn wir Arbeit als Arbeit und damit nur einen Aspekt unseres Lebens verstehen und uns nicht derart davon einvernehmen lassen. Das vermittelt das Gefühl von Freiheit.
      Sprache ist immer Zeugin des Zeitgeistes und sie verändert sich mit dem Zeitgeist. Man sollte dem etwas offener gegenüber stehen. Es wird einem ja nichts weggenommen.

      • Roxy sagt:

        Als Liebhaber der Sprache, halt ich es da mit den Philologen:)
        Eine Lehrperson ist eine x-beliebige Person, die lehrt. Es ist kein Beruf.
        Klar ist es Zeitgeist. Barockschnörkel oder Korsetts waren auch Zeitgeist…
        Aber warum habt ihr mir dann nicht erklärt, weshalb wir dann nicht auch von Busfahrpersonen etc. sprechen?

      • Muttis Liebling sagt:

        Der Fehler des Unwortes ‚Lehrperson‘ ist kein philologischer, sondern ein grammatikalischer. Das Nominalkompositum AB bezeichnet ein durch A näher bestimmtes B.

        *.Person ist ein Personen-, kein Berufsbezeichner. Wollte man den Beruf ‚Lehrer‘ in einem Kompositum ausdrücken, müsste das ‚Lehr‘ auf der Position B stehen.

        In der öffentlichen Rede über professionelle Aufgaben benutzt man Berufs-, keine Personen-, und auch keine Tätigkeitsbezeichner (Lehrende). Alle drei Kategorien bezeichnen jeweils etwas anderes. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich über eine Berufstätigkeit, eine diese ausübende Person, oder die Tätigkeit ohne beruflichen Kontext Aussagen machen. Es kommen jeweils 3 verschiedene Aussagen dabei heraus.

      • 13 sagt:

        @ Roxy
        Doch, es ist die Person, die lehrt. Und die zum Lehren ausgebildet ist.
        „Barockschnörkel oder Korsetts waren auch Zeitgeist…“ Richtig. Und sind mit gutem Grund verschwunden, wie hoffentlich auch mal das generische Maskulinum.
        Zur Busfahrperson: Das kommt noch? Oder Busfahrende? Vor Gericht hörte ich vor Kurzem den Ausdruck Anwaltsperson. Ja, es war zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, aber warum nicht? Ich brauche jeweils Rechtsvertretung, wo es geht.

      • Anh Toàn sagt:

        @13 „Doch, es ist die Person, die lehrt. Und die zum Lehren ausgebildet ist. Also eine Person die lehrt, aber dazu nicht ausgebildet ist, ist keine Lehrperson.“ Was ist mit einer Person, die zum Lehren ausgebildet ist, aber gerade nicht lehrt, wenn die im Bus sitzt, ist die dann noch immer eine Lehrperson oder wird die zur Passpassagierperson oder ist die auch im Bus eine Lehrperson? Also eine Person ist immer wieder andere Personen, je nachdem, was die gerade macht? Dann wechsle ich jetzt von der Kommentierperson und werde wieder Elterperson…

        „Rechtsvertretung“, ja dann sagen wir doch einfach die Kindergartenlehrung und die Busfahrung. „Die Rechtsvertretung“ bezeichnet keinen Menschen, sondern eine Tätigkeit.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Rechtsvertretung, das ist dann allerdings eine Funktion, und hat mit einer Person oder einem Beruf gerade gar nichts mehr zu tun.
        Man wird sich letztlich an alles gewöhnen, wir sind sprachlich ja flexibel.
        Bei der Lehrperson ist für mich einfach unklar, ob das jemand ist mit Lehrbefähigung.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ML – das ist natürlich richtig.
        Jedoch sind heute die Philologen mitunter die letzten, welche Sprache verstehen und lieben und diesen groben Unfug widerlegen.

        13 – nun ja, der generische Maskulin ist nicht Zeitgeist sondern Sprache, genau so wie die Mehrzahl immer im Feminin steht und das Wort „Person“ im Feminin ist, obwohl es biologisch nicht weiblich ist und auch niemand an etwas weibliches denken lässt.
        Das ist nunmal Eigenart der deutschen Sprache.
        Diese sprachlich falschen Schnörkel und Korsetts hingegen sind Zeitgeist und werden eines Tages wohl dasselbe Kopfschütteln auslösen, wie vergangene Moden.

        Da Sie die Bezeichnung „Anwälte“ für diskriminierend halten, wie steht es mit dem Wort „Frauen“, finden sie dass auch dies Wort verschwinden muss?

      • Muttis Liebling sagt:

        Das generische Maskulinum wird benutzt, um Kategorien zu bezeichnen. Menschen sind nur mit den 5 Nomen ‚Mensch‘, ‚Person‘, ‚Mann‘, ‚Frau‘, ‚Kind‘ gemeint. Alle anderen Begriffe, wenn sie sich auf Menschen beziehen, kategorisieren die, bezeichnen aber nicht direkt.

        In der Einzahl ist das u.U. durch Hinzuziehung eines Adjektivs interpretationsbedürftig, in der Mehrzahl eindeutig. ‚Die ‚ ist in der Erstbedeutung immer eine Kategorie, niemals ein Kategoriertes.

        Auch ‚die Menschen‘ bezeichnet die Kategorie homo sapiens, es bezeichnet nicht eine Gruppe Individuen. So wurde das nach langer Diskussion u.a. von den Gebrüdern Grimm schon vor der ersten Duden- Ausgabe fixiert und so gilt es bis heute.

      • 13 sagt:

        @ Anh
        Solange eine Person, eine Anstellung als Lehrperson hat (was ja bereits bedingt, dass sie dazu ausgebildet wurde), ist sie immer Lehrperson, auch während sie schläft. Der Ausdruck umfasst exakt das Gleiche wie „Lehrer oder Lehrerin“, ist aber halt nur ein Wort. Der Ausdruck „Die Rechtsvertretung des Beklagten äusserte….“ wird in der Juristensprache problemlos für Anwälte und Anwältinnen genutzt. Mag sein, dass das für Laien komisch tönt. Und da die Anwält*innen ja nicht das Recht walten, sondern Mandat*innen vertreten, ist es sogar sinnvoller.

      • 13 sagt:

        @ Roxy
        Die Sprache entspricht dem Zeitgeist und verändert sich mit dem Zeitgeist. Mensch ist maskulin (immerhin haben wir im Deutschen das Glück, dass Mann und Mensch zwei Wörter sind), Person feminin, so gleicht es sich aus. Die Frage verstehe ich nicht: Wer Frauen sagt, dem geht es ja um das Geschlecht. Bei Anwalt geht es meistens um den Beruf und da sehe ich nicht, warum Anwältinnen entweder ausgeschlossen und nur mitgemeint sein sollte. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand Anwälte und Anwältinnen immer ganz ausspricht, verstehe aber das Bestreben zur Vereinfachung. Diese sollte doch nicht ein Geschlecht einfach rauskicken. In diesem Zusammenhang immer wieder sehr auffallend, wie laut und teilweise aggressiv der Aufschrei ist, wenn jemand die weibliche Form braucht und beide meint.

      • Reincarnation of XY sagt:

        13- der Mensch ist nicht männlich, die Person nicht weiblich, das Zebra ist nicht sächlicher als der Hamster und die Giraffe ist nicht ein weibliches Tier.
        Wenn sie Mensch und Person als Ausgleich auf der Waage präsentieren, dann ist unser Sprachverständnis völlig verdreht. Und hätten Sie recht, dann müssten wir die Hälfte der Berufsbezeichnungen mit „Person“ bilden und die andere Hälfte mit „Mensch“, also Busfahrperson und Flugzeugsteuerungsmensch etc.

        Das ist grotesk. Man hat Empfindlichkeiten erschaffen für die es immer groteskere Lösungen gibt.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Es führt nicht nur (unweigerlich!) zum Grotesken – es ist meistens schlicht falsch.
        „Lernende“ statt Schüler? Sprachlicher Unsinn! Es wäre schön und sinnvoll, wenn Schüler auch Lernende sind , aber auch jemand der die Schule schwänzt und nichts lernt ist ein Schüler. Schüler sein ist eben in 1. Linie keine Tätigkeit!
        Es ist zudem (pädagogisch) falsch, wenn man Nicht-lernende, einfach zu Lernenden erklärt.
        „Lernende“ bedeutet: Menschen, die aktiv lernen, unabhängig vom Berufsstand.
        Ich z.B. bin ein Lernender, obwohl ich schon längst kein Schüler mehr bin.

        Dieser politisch motivierten Rechtsprech verunmöglicht sinnvollen Sprachgebrauch.
        DESHALB wird sehr viel weggenommen und deshalb opponiert auch jeder, dem Sprache wirklich am Herzen liegt.

      • Lehrperson sagt:

        Lehrperson ist in unserem Kanton die offizielle Bezeichnung für Lehrer/Lehrerin.

        Der Begriff wird sowohl in öffentlichen, amtlichen Dokumenten benutzt wie auch umgangssprachlich bei uns in der Schule.

        Finden Sie sich damit ab, dass sich die Sprache wandelt, neue Begriffe etablieren sich, andere verschwinden.

        Aber klar, es gibt bestimmt noch Menschen, welche der Fraktur nach weinen….

        Und wer in Lehrperson einen politisch motivierten Rechtsprech sieht, bräuchte mal etwas frische Luft und ein Realitätscheck.

      • Anh Toàn sagt:

        @13 Die Rechtsvertretung ist weiblich, damit sind männliche und Trans Anwälte nicht gemeint, es muss wenn schon heissen, das Rechtsvertretung, aber dann kann man auch sagen, das Anwalt: sagen wir einfach das Lehrer, das Schüler, das Pilot.

      • Anh Toàn sagt:

        @13: Eine Lehrerin im Ruhestand ist noch immer Lehrerin, aber keine Lehrende. Selbst meine Tante, die noch nie auf Skier stand, aber mir erklärte, wie man dies machen müsse, war eine (Ski-)Lehrende. Man muss nichts wissen, man muss nichts können, man braucht keine Ausbildung um zu lehren und wenn eine lehrt, ist sie Lehrende.

        Person ist entmenschlichend, Personen sind (juristisch) auch Gesellschaften, Vereine, Stiftungen, Person versachlicht den Menschen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Es ist richtig, dass Sprache permanentem Wandel unterliegt. Dies aber im Zuge des Gebrauchs, nicht wie bei der PC Sprache von oben verordnet.

        Konstruktionen wie *.person *.schaffende oder die Verwendung des Partizip Präsens für nicht gelegentliche Tätigkeiten sind nicht gewachsen, sondern ideologisch motiviert von oben verordnet.

        Die Kombination zwischen Bildungsferne, totaler Ermangelung von Sprachgefühl und bewusster Distanzierung sowohl von der Umgangs-, Hochsprache der Literatur und den Duden- Regeln zeichnet die politisch korrekte Sprache aus.

        Wenn ausgerechnet Lehrer diesen Gossenslang nutzen, stellt das deren Lehrkompetenz in Frage. Ein Lehrer muss sprachliche und inhaltliche Korrektheit auch gegen Anweisung von oben durchsetzen.

      • 13 sagt:

        Ach Roxy, das Wort „Mensch“ ist maskulin. Solange wir, warum auch immer der, die, das als männlich, weiblich und sächlich bezeichnen, ist das nun mal der Fall.
        Das hat nichts mit den männlichen Formen von Berufen etc. zu tun, die es auch in weiblicher Form gibt, die aber aus Bequemlichkeit immer wieder untergeht, wobei die Gleichen, die an dieser Bequemlichkeit festhalten wollen, wieder diejenigen sind, die sich weigern Wörter anzunehmen, die dem Bedürfnis nach Bequemlichkeit UND der Gleichheit nachkommen.

        Ich muss keinen Schüler Lernenden nennen. Aber ich sage ganz klar, dass ich kein Schüler bin, nie einer war und auch nie einer sein werde, egal was ich gerade tue.

      • Lehrperson sagt:

        « ideologisch motiviert »….

        Ach kommen Sie, diese Verschwörungstheorien sind etwas lächerlich.

        Denken Sie ernsthaft, wir verwenden den Begriff Lehrperson, weil die « Obrigkeit » politisch motiviert die Geschlechter überwinden will, oder wie? Halten Sie sich an meinen Tip mit der frischen Luft.

        PC ist ja nicht per se schlecht.

        Sprache wandelt sich auf unterschiedliche Weise und die Einflüsse können von « unten » und von « oben » kommen.

        Der Begriff « Kulturschaffende » kommt zum Beispiel aus der Kultur-Szene selber.

        Bezüglich Gossensprache: auch der Duden selber verwendet und erläutert den Begriff Lehrperson.

        Finden Sie sich damit ab. Die von Ihnen idealisierten Zeiten inkl. DDR-Sprech sind Vergangenheit.

    • 13 sagt:

      @ Anh
      Das Pronomen entscheidet dabei nicht. Eben wie bei Mensch, wo auch eine Frau der Mensch ist und auch ein Mann eine Person.
      Es gibt keine männliche und weibliche Form der Rechtsvertretung. Es gibt den Rechtsvertreter, das Pendant ist aber dann Rechtsvertreterin, die Rechtsvertretung bleibt neutral. Im Gegensatz zum Lehrer und Busfahrer.

  • Anh Toàn sagt:

    Ob mein Kind bereit ist für den Kindergarten, er wird der Jüngste sein, manche 1.5 Jahre Eltern, werde ich sehen, wenn er hingeht. Ich traue es ihm zu, sonst würde ich ihn ein Jahr zurück stellen lassen. Aber ich habe keine Angst, er könne es nicht. Kann er es nicht, wird versucht, ihm zu helfen und wenn das nicht geht, wird er wieder rausgenommen, das ist alles kein Problem.

    Ein Problem ist, kein Vertrauen zu haben, weil man dann den Kindern keines geben kann, und diese keines haben können, aber das löst, oder mildert man nicht mit Checklisten zum Zimmer aufräumen. Das ist harte, lange Arbeit, aber ein wenig hilft schon, wenn man es wenigstens erkennt.

    Ich sehe in dem kurzen Text kein Problem eines Kindes, nur die Angst der Fragestellerin als Problem.

  • Anh Toàn sagt:

    „Eigenständigkeit entwickelt sich in Beziehungen, in gegenseitigem Vertrauen und durch genügend Gelegenheiten zum selbständigen Tun, meint der Psychologe Fabian Grolimund. “

    Ja, jetzt soll mir der Psychologe noch sagen, wie ich meinem Kind vertraue und es mir, wenn ich mir selber nicht vertraue, weil man mir auch nicht vertraut hat, oder noch eher, zu viel Verantwortung aufgehalst, die ich nicht erfüllen konnte, versagt habe, schwach bin und erst noch Bluter?

    Ich kann diese Checklisten-Hilfen nicht ausstehen:

    Liebe Sonja, weil Du Angst hast, Dein Sohn könne die Schuhe nicht binden, kann er dies nicht. Hättest Du Vertrauen in ihn, er wird das schon noch hinbekommen, könnte er es schneller, und wenn nicht, Schuhbändel sind ohnehin 19irgendwas.

  • Röschu sagt:

    Vielleicht räumt der 6-jährige das Zimmer nicht auf, weil er darin absolut keinen Sinn bzw. Mehrwert für sich erkennt?
    Insofern wäre er dann wesentlich selbständiger in seinem Denken als so mancher Erwachsene…

  • Maike sagt:

    Herrlich – Zimmer aufräumen als Parameter für Selbstständigkeit. Das ist maximal ein Parameter für Ordnungsliebe. Im Zimmer meiner Schwester war es von Anbeginn ihres Lebens immer ordentlich und aufgeräumt. Bei mir dagegen herrschte immer das pure Chaos.
    Im übrigen sind Kinder mit 6 alles andere als selbstständig. Meine beiden Mädels waren es sicher nicht. Zumindest nicht in den Bereichen, die sie wenig interessiert haben.
    Also, nur die Ruhe das wird schon. Wenn er sein Zimmer nicht aufräumt würde ich ihn dazu auch nicht zwingen – nur weil Sie die Zimmer lieber aufgeräumt haben wollen.
    Sollte er dann etwas suchen und nicht finden, dann kann man daran aufhängen, das man eher etwas in einem aufgeräumteren Zimmer findet. Aber es ist nach wie vor sein Zimmer…

    • 13 sagt:

      Richtig. Wenn das der Parameter ist, ist meine knapp 5jährige schulreif, meine 12jährige nicht….hmmm…

  • Lilly sagt:

    Die Erwartungen der Erwachsenen sind auch oft einfach das Problem.

    Schuhebinden muss man mit 6 noch nicht können, wobei es durchaus Kinder gibt, die das schon im Griff haben, aber auch eben solche, die es erst viel später richtig lernen.

    Ausserdem braucht es oft unterstützende Strukturen – „räum Dein Zimmer auf“ ist für manch 6-jähriges Kind viel zu wenig konkret. Was denn genau aufräumen und wohin damit? Da kann man z.B. mit Sortiersystemen, definierten Prozessen, Symbolsystemen usw. arbeiten.

    Ich empfehle allen Eltern entsprechende Lektüre oder Kurse. Elterliche Intuition reicht höchstens hin, bis das Kind mit Anforderungen von aussen und einem neuen System konfrontiert wird, dem es sich anpassen muss, egal, ob es damit kompatibel und bereit dafür ist oder nicht.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Bei 9 Jahren Schulobligatorium ist die Einschulung mit 6 ist schlicht ein Witz. Mit 12 müssen die Kinder sich schon für Berufe entscheiden und spätestens mit 14 für eine Lehrstelle bewerben. Unser Schulsystem verheizt Kinder.

    Apropos: mit alleine Zimmer aufräumen ist ein 6 jähriges Kind heillos überfordert. Ist es das Ziel, dieses zum Chaoten erziehen zu wollen, ist das aber der richtige Weg.

    • Doro sagt:

      Kinder müssen sich NICHT mit 12 für einen Beruf entscheiden sondern erst Ende 2. / Anfang 3. Sek. Meine Tochter ist jetzt an diesem Übergang und wurde früher eingeschult. Sie wird 14 in den Sommerferien. Die meisten in ihrer Klasse sind ca. 15. Es ist übrigens auch ein Vorteil, wenn sich die Jugendlichen noch nicht ganz festlegen, sie bleiben offen für Alternativen oder haben 2 bis 3 Berufe die sie schnuppern und bewerben. Meine Tochter hat klare Vorstellungen, ich war deutlich älter als sie bei der Berufswahl und habe einfach mal eine Lehre gemacht und erst Jahre später meine „Berufung“ gefunden. Es ist sehr unterschiedlich.

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