Schwanger in Zeiten von Corona

In der täglichen Newsflut verliert man schnell den Überblick. Was Sie zum Thema Schwangerschaft und Covid-19 getrost ignorieren können – und was nicht.

Kann das Virus dem Baby schaden? Auch Schwangere sollten die aktuellen Anweisungen befolgen. Foto: Getty Images

Für alle Schwangeren ist dieses Jahr wegen der grassierenden Corona-Pandemie zu einer ganz besonderen Herausforderung geworden. In der Schweiz und anderen betroffenen Ländern wurden etwa Väter wegen der Schutzmassnahmen aus den Wochenbettstationen der Spitäler verbannt. Und auch vor der Geburt plagen sich viele werdende Mütter mit Fragen über die eigene Gesundheit und der ihres ungeborenen Kindes. Als der britische Premierminister Boris Johnson und seine schwangere Verlobte Carrie Symonds nach ihrer Covid-19-Erkrankung wieder als gesund galten, sagte Letztere: «Schwanger und Covid-19-positiv zu sein ist natürlich besorgniserregend. Schwangere sollten deshalb die aktuellen Erkenntnisse und Anweisungen befolgen, was ich in dieser Situation als sehr beruhigend empfunden habe.»

Da man in der täglichen Corona-News-Flut aber manchmal unterzugehen droht, habe ich diese Aufgabe für Sie übernommen. Ich habe, wie die Abenteurer und Abenteurerinnen in den Filmen, die sich mit ihrer Machete einen Weg durch den unerforschten Dschungel bahnen, rausgefiltert, was Sie in Zusammenhang mit den Stichworten «Baby», «Corona» und «Schwangerschaft» getrost ignorieren können. Zum Beispiel die Tatsache, dass in Indien ein Ehepaar ihre Zwillinge, die während des noch immer andauernden Lockdowns des Landes auf die Welt gekommen sind, «Corona» und «Covid» genannt hat. Nein, das und viele andere News, die teils auch unnötige Ängste schüren, brauchen Sie wirklich nicht zu wissen. Folgende Infos hingegen schon:

Kann Covid-19 Schwangeren gefährlich werden?

Nach und nach veröffentlichen Wissenschaftler und Krankenhäuser erste Zahlen und Erfahrungen. So stand etwa in einem WHO-Bericht mit Zahlen aus China, dass bei einer Untersuchung von 147 schwangeren Frauen (64 bestätigte, 82 verdächtige und ein asymptomatischer Covid-19-Fall) 8 Prozent schwer erkrankt und lediglich 1 Prozent in kritischem Zustand gewesen waren. Das Unispital Zürich lässt in einer aktuellen Informationsbroschüre kurz und knapp verlauten: «Covid-19 ist für Schwangere nicht gefährlicher als für andere gleichaltrige nicht schwangere Frauen.» Und laut dem deutschen Berufsverband der Frauenärzte und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es bislang auch keine Anzeichen dafür, dass infizierte Schwangere häufiger eine Fehlgeburt erleiden.

Was tun, wenn ich als Schwangere tatsächlich mit dem Virus infiziert bin?

Prof. Dr. Daniel Surbek von der Frauenklinik des Inselspitals Bern sowie Prof. Dr. David Baud von der Geburtenabteilung des Kantonsspitals Lausanne haben für die SGGG – die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe – Empfehlungen verfasst. In dem Bericht schreiben sie unter Konsultation des BAG: «An Covid-19 erkrankte Schwangere oder Verdachtsfälle sollen in der Schwangerschaft dort weiterbetreut werden, wo die Betreuung bisher stattgefunden hat respektive geplant war.» Ebenso soll die Geburt in der Klinik stattfinden, wo sie geplant war und von der Frau gewünscht werde. Die Ärzte und Ärztinnen sowie das Spital sollten telefonisch über die Erkrankung informiert werden, damit entsprechende Massnahmen vorbereitet werden können. «Eine Sars-CoV-2 Infektion alleine ist kein Grund, an einer Zentrumsklinik zu gebären, ausser wenn geburtshilflich-medizinische Gründe oder ein schwerer Verlauf der Covid-19-Erkrankung dies notwendig machen», so die beiden Ärzte. Falls eine ausserklinische Geburt geplant sei, soll das Vorgehen mit der zuständigen Hebamme frühzeitig abgesprochen werden. Doch Vorsicht: Einige Geburtshäuser, wie unter anderem das Delphys in Zürich, nehmen keine Covid-19-positive Schwangere zur Geburt auf.

Kann das Virus meinem ungeborenen Baby schaden?

Laut dem Bericht der SGGG konnte bei den bisher untersuchten Fällen von Covid-19-positiven Schwangeren kein Hinweis auf eine Übertragung zum Kind vor der Geburt nachgewiesen werden. Das Virus konnte weder im Fruchtwasser noch in der Plazenta nachgewiesen werden. Allerdings habe eine neue Studie gezeigt, dass Anti-Sars-CoV-2 IgM Antikörper im Nabelschnurblut von Neugeborenen vorhanden sein könnten. «Es gibt bisher keine Hinweise, dass das Kind vor der Geburt durch eine Covid-19-Infektion geschädigt werden könnte, zum Beispiel in Form von Fehlbildungen, wenn die Frau in der Schwangerschaft infiziert wurde. Es gibt allerdings bisher kaum Daten zur Covid-19-Erkrankung im 1. oder 2. Trimester der Schwangerschaft», so die Ärzte Surbek und Baud.

Wie CNN berichtet, hat eine Studie an 143 schwangeren Frauen, die im US-amerikanischen Journal of Obstetrics & Gynecology publiziert wurde, ergeben, dass eine Corona-Erkrankung sich nicht auf das Ungeborene zu übertragen scheint. Auch das BAG sagt dazu: «Neugeborene können zwar erkranken, es besteht jedoch aktuell kein Hinweis darauf, dass sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.»

Und was ist mit dem Stillen?

Das Kinderhilfswerk Unicef schreibt in ihrem Beitrag «Covid-19 – Was Eltern wissen sollten», dass «in Anbetracht der Vorteile des Stillens und der unbedeutenden Rolle der Muttermilch bei der Übertragung anderer Atemwegsviren infizierte Mütter unter Anwendung aller notwendigen Vorsichts- und Hygienemassnahmen (Atemschutzmasken und regelmässiges Händewaschen) das Stillen fortsetzen können».

Laut SGGG gibt es aktuell zu wenig Daten, um eine klare Empfehlung zum Stillen bei Frauen mit Covid-19 auszusprechen. Fakt ist, dass das Virus bislang nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden konnte.

Was erwartet eine positiv getestete Mutter gleich nach der Geburt?

Dass das Neugeborene einer Covid-19-erkrankten Mutter so weit wie möglich vor einer Infektion geschützt werden muss, ist wohl allen klar. Mit welchen Methoden, muss gemäss dem SGGG-Bericht im Einzelfall mit der Mutter besprochen und festgelegt werden. Eine generelle räumliche Trennung von Mutter und Neugeborenem nach der Geburt werde zurzeit nicht empfohlen, schreiben die Ärzte und fahren fort: «Im Falle eines Rooming-in empfehlen wir einen Abstand zwischen Mutter und Kind von zwei Metern, ausser während des Stillens, um das Risiko der Ansteckung des Neugeborenen möglichst klein zu halten.»

Gut zu wissen: Das Zürcher Unispital sowie die Frauenklinik des Stadtspitals hielten in Medienberichten daran fest, dass niemand zu Massnahmen wie etwa dem Einhalten von zwei Meter Abstand zum Neugeborenen gezwungen werden könne. Im Falle einer Infektion bei der Mutter würde man gemeinsam mit den Eltern nach einer Lösung suchen, die für alle Beteiligten stimmt.

Ich bin schwanger und gehe weiterhin meiner Arbeit nach. Ist das eine Gefahr für mich und das ungeborene Kind?

Laut BAG können Schwangere weiterhin zur Arbeit gehen, sofern der Arbeitgeber die geltenden Hygiene- und Verhaltensregeln einhält. Werden diese Massnahmen am Arbeitsplatz nicht eingehalten, so gilt für Schwangere der besondere Schutz durch die Mutterschutzverordnung.

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