Babybauch-Party? Nein danke!

Von Bauchmalereien und Schnullerspielen: Warum unsere Autorin Babypartys schrecklich findet.

Ein Gastbeitrag von Denise Dollinger*

Zwischen Vorfreude und Albtraum: Ein Babybauch muss gefeiert werden! Fotos: iStock

Es war an einem späten Samstagnachmittag, als mir meine Freundin Johanna in die Arme lief. Verwirrt, irritiert und ziemlich ausser Atem. «Bier! Jetzt, sofort!», rief sie mir zu. Minuten später an der Bar stehend trank sie drei grosse Schlucke. Dann sagte sie: «Du glaubst nicht, was ich heute erlebt habe.» Und noch bevor ich ihr antworten konnte, sprudelte sie los: «Ich war an einer Babybauch-Party. Zusammen mit acht anderen Frauen.» Ich: «Aha.» Sie: «Es war fürchterlich.» Ich: «Aha.» Sie: «Da standen Töpfe mit Finger-Malfarben herum, und jede von uns musste der werdenden Mutter damit auf ihren Bauch malen.» Dieser Satz kam mit einem leichten Entsetzen im Gesicht über ihre Lippen. Dann fügte sie etwas leiser an: «Es war echt traumatisierend.»

Während sie bereits das zweite Bier bestellte, versuchte ich, das soeben Gehörte einzuordnen. «Du musstest ihr auf den Bauch malen?», fragte ich. Ein Kopfnicken war ihre Antwort, das Bierglas bereits wieder zum Mund geführt. «Und zum Schluss wurden Erinnerungsbilder geknipst – die Schwangere mit ihrem bunten Bauch und wir drumherum», ein erneutes Schaudern in Johannas Gesicht. «Kurz darauf ergriff ich die Flucht.»

Was soll das?!

Ich musste bislang gottlob noch nie an einer Babybauch-Party teilnehmen. Johannas Erzählung – sie ist übrigens Mutter eines 7-jährigen Sohnes – ist für mich nicht nur befremdlich, sondern eine Schreckensvision. Die Idee, dass eine Gruppe Frauen im Wohnzimmer herumsitzt, über Geburten, mögliche Babynamen und den idealen Kinderwagen reden oder eben den Bauch der werdenden Mutter bemalen: mein persönlicher Albtraum.

Zum Glück kam, als ich schwanger war, in meinem Umfeld nie jemand auf die Idee, deswegen eine Party zu veranstalten. Möglicherweise bin ich langweilig oder gar spiessig, aber ich verstehe tatsächlich nicht, was das soll?!

Genauso wenig begreife ich Personen, die ungefragt den Bauch einer Schwangeren tätscheln. Oder werdende Mütter, die einen Babybauch-Gipsabdruck anfertigen. Sich auf den Nachwuchs freuen und das Leben zelebrieren – unbedingt! Aber Babybauch-Partys?

Ice, Ice Baby und Ballonbäuche

Trotz meiner Abneigung startete ich am selben Abend noch eine Kurzrecherche im Internet und stiess bei Pampers auf eine Liste skurriler Ideen für Babyparty-Spiele «damit die Feier garantiert nicht langweilig wird». So etwa «Schnullerschnappen» (mit den Händen auf dem Rücken muss man in einer mit Wasser gefüllten Wanne möglichst viele Schnuller mit dem Mund zu fassen bekommen – ja, genau so wie bei diesem unsäglichen Kinderparty-Spiel mit den Äpfeln). Weitere verrückte Vorschläge sind «Ice Ice Baby» (in einem Eiswürfelbehälter werden Minipuppen eingefroren und dann ins Begrüssungsgetränk gelegt. Die Gäste müssen ab sofort sehr genau auf den schmelzenden Eiswürfel in ihrem Glas achten, denn ist dieser verschwunden, ist das Kind geboren) oder «kreatives Babykneten» (in 15 Minuten mit farbiger Knete ein süsses Baby fabrizieren. Zum Schluss wird das hübscheste von den Anwesenden prämiert).

Riesigen Partyspass garantiert bestimmt auch «Wir bekommen ein Baby», wobei alle Gäste einen Ballon unter ihre Kleidung stecken und die Ballonbäuche so lange gegeneinander gestossen werden, bis sie explodieren. Fakt ist, liebe Johanna, dein Nachmittag hätte definitiv noch bizarrer enden können …

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