Was sind gute Eltern?

Diese Frage lässt sich kaum beantworten. Unser Papablogger hat trotzdem nachgefragt – und die spannendsten Meinungen gesammelt.

Elternsein ist keine angeborene Begabung – und in stetigem Wandel. Foto: iStock

Mein letzter Mamablog-Beitrag über «Bärenväter» kam nicht sehr gut an. Asche und Grillkohle über mein Haupt. Ich hatte mich zu wenig differenziert ausgedrückt, und so entstand der Eindruck, ich würde auf Vollzeit arbeitende Väter oder gar grundsätzlich auf Väter einprügeln. Das war natürlich nicht meine Absicht. Da müsste ich mir ja selber aufs Maul hauen.

In den Kommentaren wurde ich gefragt, was mich denn so viel besser mache als den Durchschnittsvater.

Wie bitte? Ich halte mich sicher nicht für einen überdurchschnittlich guten Vater. Ich habe meine Stärken plus ein erlesenes Sortiment an Schwächen. Es gibt in meinem Umfeld sehr viele Eltern, die ich bewundere und deren Elternqualitäten ich wohl nie erreichen werde. Zum Beispiel die Mutter eines Brecht’schen Klassengenossen. Eine durch und durch positive und herzliche Person, die nur von ihren Kindern noch übertroffen wird. Ist sie eine gute Mutter? Sehr wahrscheinlich, aber wer bin ich, das zu beurteilen?

Die Unterteilung in gute und schlechte Eltern passiert im Small Talk schnell: «Sie ist eine gute Mutter» oder «Er ist ein guter Vater» haben wir alle schon gehört. Als ehrliche Anerkennung oder auch, um ein empfundenes Fehlverhalten zu relativieren. Aber was bedeutet das, gute Eltern zu sein?

Anwesenheit alleine macht noch keinen guten Vater. Das ist es, was ich in meinem letzten Beitrag sagen wollte. Umgekehrt gilt natürlich auch: Ein beruflich oft abwesender Vater ist noch längst kein schlechter Vater. Es gehört ja so viel mehr zum Elternsein als die Zeit, die wir zur Verfügung haben.

Eine schwierige Frage mit gefährlichen Begriffen

Ich habe ein Empfinden für «gute Elternschaft», aber es in Worte zu fassen, fällt mir schwer. Also lasse ich das andere erledigen. Ich fragte meine hoch geschätzten Follower*innen auf Twitter: «Was macht für euch gute Eltern aus?»

Zuerst stiess die Frage auf Skepsis. Zu individuell seien die Ansichten, verfälscht die Selbstwahrnehmung von Eltern, die Bedürfnisse von Kindern unterschiedlich. Manchmal schwanke die Qualität der Elternschaft gar im Zeitverlauf wie die Füllhöhe einer Packung Frosties.

Klar, alleine der Begriff «gute Eltern» ist gefährlich. Denn wo es gute Eltern gibt, da sind auch schlechte Eltern. Dieses Label ist spätestens dann problematisch, wenn Schwächen nicht selbst verschuldet sind.

Aber ob selbst verschuldet, mit böser Absicht oder nicht: Es gibt zweifellos Eltern, die den Bedürfnissen ihrer Kinder nicht nachkommen – sie vernachlässigen oder ihnen durch krasses Fehlverhalten Schaden zufügen.

Gut genug statt Perfektion

Mehrere Personen sind der Ansicht, dass der grosse Rest als gute Eltern einzustufen sei. Warum sollte man das Prädikat «gut» auch als Götzenkalb so von der Decke einer Altbauwohnung hängen, dass kein Durchschnittsmensch drankommt? Wer Willens und, ja, zumindest in den Grundzügen fähig ist, für seine Kinder zu sorgen, beweist Elternqualitäten. «Elternqualitäten», um endlich vom toxischen Begriffspaar «gut/schlecht» wegzukommen.

Hier könnten bereits ein paar gesalbte Schlussworte stehen. Aber dann entgingen Ihnen viele gute Antworten auf meine Twitterfrage. Für die eigene Weiterentwicklung finde ich es wertvoll, sich mit Elternqualitäten zu beschäftigen. Eltern sein ist ja nicht einfach angeborene Begabung. Es bedeutet, sich immer wieder zu orientieren, zu lernen und zu hinterfragen. Welche Bedürfnisse haben meine Kinder? Biete ich ihnen, was sie brauchen? Da können ein paar Anregungen von aussen nicht schaden:

https://twitter.com/casparloesche/status/1200847655594856449

https://twitter.com/stoffeldear/status/1200893124220014595

Es scheint, als gingen die Vorstellungen von guter Elternschaft gar nicht so weit auseinander.

Wer kennt schon das ganze Bild?

Bin ich nun ein guter Vater? Ich gebe mir Mühe. Ob das reicht, weiss ich nicht, und niemand kann es beurteilen. Aussenstehenden fehlt das Gesamtbild, den eigenen Kindern der Vergleich und die Weitsicht. Ohnehin wäre niemand objektiv.

Noch am ehesten wird die Zeit es zeigen. Aber auch die Zukunft meiner Kinder ist ein schlechtes Thermometer für meine Vaterqualitäten. Zu viele andere Einflüsse spielen rein. Auch vernachlässigte Kinder können schliesslich glücklich und erfolgreich werden. Und selbst die besten Eltern sind keine Garantie für ein schönes Leben.

«Was sind gute Eltern?» Eine Frage, die sich ergründen, aber nicht beantworten lässt.

Danke an alle, die sich an der Twitterdiskussion beteiligt haben. Ich freue mich auf den weiteren Austausch hier in den Kommentaren.

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