Wenn die Tochter sich nicht schön findet

Fast 60 Prozent der Mädchen im Jugendalter finden sich zu dick. Da fragt man sich schon: Sind wir wirklich noch nicht weiter?

Social-Media-Bashing ist zu einfach, da spiegeln sich doch auch tiefer verankerte gesellschaftliche Werte. Foto: Ismael Sanchez (Pexels)

Die Nase zu breit, die Füsse zu gross, die Beine zu kurz und eh alles zu fett: So etwa würde die Selbstbeschreibung unserer Tochter lauten. Erstmals geäussert hat sie den Frust über ihr Aussehen vor etwa einem Jahr, da war sie elf. Irgendwann kam sie heim und erzählte, dass Kolleginnen – dünner als Zahnstocher – ihre Oberschenkel verglichen und für zu dick befunden hätten. Als völlig Normalgewichtige stand sie dabei und dachte: «Was halten sie wohl von meinen?» Und ich dachte: «Oh je!»

Natürlich hätte ich postwendend Instagram verteufeln können. Oder Heidi Klum. Oder die ganze klebrige Verbindung zwischen Beauty-Branchen und Social Media. Die fast schon globale Vergleicherei, die daraus entsteht, oder die vielen, immer tolleren (und toller vermarkteten) Gadgets, die bei der perfekten Selbstpräsentation helfen. (Oder wussten Sie als Kind schon über Haarbügeleisen und Nagelföhns Bescheid? Eben.) Auch gibt mir natürlich zu denken, dass der Druck grade auf Mädchen, körperlich perfekt zu sein, heute so gross sei wie noch nie.

Sich zu dick fühlen: Ging schon früher!

Doch mehr noch als Lust auf eine kulturpessimistische Abrechnung mit neuen Zeiten hatte ich ein gestochen scharfes Déjà-vu: Oberschenkelvergleiche? Das war damals schon gängige Praxis unter den Mädchen meiner Schule. Sich zu dick fühlen: Klar doch! Als wärs gestern gewesen, erinnerte ich mich an Mitschülerinnen, die über Tage nur Ananas assen. Mit ihren Tupperdosen sassen sie mittags in der Schulkantine, beklagten brennende Gaumen und bejubelten Siege auf der Waage.

Zum Glück mochte ich keine Ananas. Doch wusste auch ich jeden Tag mein morgendliches Nüchtern-Gewicht. Und gönnte mir je nachdem das Mittagsmenü oder nur ein gut über den Tag rationiertes Päckli Cinnamon-Kaugummis.

Vielleicht hatte ja der Twiggy-Effekt bis in die Achtzigerjahre nachgehallt. Oder es waren die glamourös wirkenden Hollywood-Diät-Trends, die zu der Zeit zu uns rüberschwappten. Jedenfalls hatten wir damals schon den Salat, nicht nur auf dem Teller. Und ganz ohne Social Media.

Treten an Ort seit Jahrzehnten

Doch seither hat sich einiges getan: Kosmetikartikel-Kampagnen mit «normalen» Frauen, Barbie-Puppen mit dem Prädikat «curvy», klare Ansagen gegen «Bodyshaming» … (Auch ich hab längst gemerkt, dass es sich ohne Waage entspannter lebt. Diäten und Kalorienzählen? So «eighties»! Ein positives mütterliches Vorbild abgeben also: sicher!)

«WTF!», dachte ich daher, als ich meine Tochter so reden hörte. Dass sie kein Einzelfall ist, zeigt eine Studie von Gesundheitsförderung Schweiz: Fast 60 Prozent der Mädchen im Jugendalter finden sich zu dick. Ja, die Pubertät hält naturgemäss selten eine Zeit der Versöhnung mit dem eigenen, vielleicht unvollkommenen Aussehen bereit. Doch, auch wenn der Druck auf Jungs ebenfalls gestiegen ist, sind es noch immer die Mädchen, die ein viel kritischeres, ungesunderes Körperbild haben.

Da lastet das Schönheitsdiktat auf Frauen also auch heute noch schwer genug, um schon die Jüngsten dazu zu bringen, sich hässlich zu finden. Was ist mit «body positivity», mit all den Schritten in Richtung eines kritischen Bewusstseins? Werden sie laufend neutralisiert, dadurch dass sich Möglichkeiten der Selbstpräsentation im Netz und Schönheitsindustrie gegenseitig hochschaukeln? Falls ja, landen wir doch wieder bei Instagram und Co. Hilfreich sind diese Dinge kaum.

Doch blosses Social-Media-Bashing ist mir zu einfach, spiegeln sich da doch auch tiefer verankerte gesellschaftliche Werte. So geben mir die Zweifel der Tochter vor allem das garstige Gefühl, seit Jahrzehnten an Ort zu treten.

«Du bist toll, wie du bist!»

Oder nicht? Wie ein schmaler Schoggicremestreifen am Diäthorizont wirken Ergebnisse einer Studie, die an der Zürcher Sekundarstufe durchgeführt wurde: 2007 fühlten sich hier noch 52 Prozent der Mädchen zu dick. Zehn Jahre später sind es noch 43 Prozent. Ob wegen eines Programms der Schulgesundheitsdienste oder eines doch langsam skeptischeren Blicks auf Körperideale, bleibt offen. Vielleicht wars ja auch das Studiendesign. Zu hoffen wäre aber, dass es solche Tendenzen sind, die sich weiter entwickeln werden.

Doch was tun mit der hadernden Tochter hier und heute? Eine Waage hatten wir nie. Mein Vorbild prüfe ich konstant. Und immer mal wieder sprechen wir über das Thema, genau wie über die vielen spannenden Dinge, die es neben Äusserlichkeiten noch gibt. Noch warte ich aber auf den langfristigen Ertrag.

Nicht gut angekommen bin ich mit meinen Versicherungen: «Du bist toll, wie du bist!» Als ihre Mama kann ich damit wohl einpacken. Sicherheitshalber geb ichs trotzdem nicht auf …

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44 Kommentare zu «Wenn die Tochter sich nicht schön findet»

  • Lia sagt:

    wie wär’s, wenn wir Frauen unseren Töchtern vorleben, dass Hirn immer noch wichtiger ist als Körper, anstatt selber jeden Tag mit Chiamüsli, Yoga und sexy Klamotten vorzuleben, dass es nur um’s Aussehen geht? Wer nichts am Frauenbild ändert, sind die Frauen.

    • Hans Meier sagt:

      Tja, und warum wohl sind die(se Art) Frauen jeden Tag mit Chiamüsli, Yoga und sexy (teuren) Klamotten beschäftigt? Weil Frauen gefallen wollen (den Männern, aber auch den anderen Frauen), weil Frauen sich von der Konkurrenz im menschlichen Machtspiel um Status und Einfluss und Bewundertwertden abheben möchten. Jeder will was Besonderes sein. Gilt natürlich auch bei den Männern, dort sind es einfach andere Attribute, die als statusfördernd wahrgenommen werden (Grösse, Muskeln, berufliche Stellung, Geld, etc.).

      • Tofa Tula sagt:

        Und, was haben wir daraus gelernt? Genderwahn und anderen Modeerscheinungen zum Trotz, hat sich der Mensch seit Jahrtausenden im wesentlichen nicht verändert. Ja, die „Schönheitschirurgie“ ist dazu gekommen. Was sagt man dazu: Zwei Schönheitsoptimierte werden des perfekten Aussehens wegen ein Paar, bekommen Nachwuchs und wundern sich, dass dieser so hässlich aussieht. Dummerweise hat der von den Optimierungen nicht viel mitbekommen und spielt einfach ein bisschen Natur. Echte Schönheit kommt von innen und es dauert eben etwas länger, bis sie sich im Aeusseren abbildet (manchmal mehrere Generationen).

      • Hans Meier sagt:

        Tofa: Absout. Fürs Zerstören braucht es keine Jahrtausende, da reichen ein paar Jahrzehnte oder Jahre. Aber um etwas nachhaltig und fundamental zu verändern, reichen keine Jahrzehnte. Vor allem wenn man offenbar die Quintessenz des Lebens komplett umkrempeln will (der Instinkt jedes Wesens, sich bestmöglich fortzupflanzen). Das Spiel wird wie gehabt weitergehen, egal wie viele Mamablogs erscheinen werden, die sich darüber aufregen.

  • Hans Meier sagt:

    Gegen das Dicksein kann man wenigstens etwas unternehmen. Viel schlimmer ist die Abwertung von Menschen aufgrund eines unvorteilhaften Äusseren für etwas, wofür sie einfach nichts können. Und diese Fixierung auf Status, Scheinwelten, Materielle Werte, etc. Das scheinen mir heute, im Zeitalter des grassierenden Mobbings, die weitaus schlimmeren Probleme zu sein.
    Und diese Fixierung auf die weibliche Benachteiligung in jedem kleinen Problemchen. Wieviele Buben fühlen sich minderwertig, weil sie zu klein sind? Oder weil sie früh eine Glatze bekommen? Oder weil sie sich auch zu dick fühlen und von den Mädchen nicht beachtet werden? Warum immer dieses Extra-Geheule wegen Mädchen und ihrem Gewicht? Deal with it. Müssen die Buben ja auch.

  • Claudi sagt:

    Man bemitleidet gerne Mädchen. Weil dieses eine Geschlecht Mitgefühl verdient habe, das andere (die Knaben) nicht. Die ständige Opferrolle. Dass es Knaben möglicherweise auch hart hätten, wird in einem Nebensatz als irrelevant abgetan. Sind wir wirklich noch nicht weiter heute, selbst in sog. aufgeklärten und fortschrittlichen Kreisen?

  • Heuberger Nicole sagt:

    Leider wirklich ein grosses Thema!
    Und noch schwieriger, wenn schon die eigene Mutter (oder auch der Vater) ein negatives Selbstbild von sich selber hat, täglich auf der Waage steht, sich im Spiegel übermässig „checkt“ und restriktiv isst…
    Seid (selbst-)kritisch diesem Thema gegenüber – nicht eurem Körper gegenüber!

    • Claudi sagt:

      Viel schlimmer in der heutigen Zeit finde ich die perfiden negativen Fremdbilder, die vermittelt werden. Toxische Männlichkeit und dergleichen.

      • Nicole Heuberger sagt:

        Claudi, genau! Und weil wir uns mit diesen Fremdbildern vergleichen, bekommen wir ein negatives Selbstbild. Mann wie Frau.

    • Lorena sagt:

      Sich um sein eigenes Wohlergehen und seinen Körper zu kümmern, finde ich eigentlich normal. Leider wird das von Leuten wie Sie ins Negative gedreht. Verrückte Welt. Es lebt sich natürlich schon viel einfacher, wenn man sich einfach gehen lässt. Die anderen sind dann Schuld, wenn es hie und da gequälte Blicke gibt.

  • Max Bader sagt:

    Übergewicht ist heute klar das Problem und nicht zu dünne Menschen. Deswegen sollte man nicht das Gegenteil propagieren.
    Und im Gegensatz zu „Mamas“-Zeiten, weiss man heute, dass ein gutes Gewicht auch mit einer guten Ernährung und Bewegung zu erreichen ist und man nicht hungern muss.

  • Stefan Paul sagt:

    Seit dem Pillenknicker hatte sich der Markt extrem verändert. Für 10 Buben der starken Jahrgänge gabs dann nur noch 5 Mädchen. ( Weil Jungs sind zu unreif für ältere Mädchen) Die folge war gravierend. Ohne sich nur ein wenig Mühe zu geben gabs für jede Frau x interessenten. Klar wollen auch unsere Frauen schön sein, aber das ist dann doch etwas sehr anstrengend. Die Folgen sind heute nich täglich sichtbar. Da herrscht keine Freude. Tipp. FDH , Bewegung und etwas Schminke.

  • Tofa Tula sagt:

    Spieglein, Spiegeln an der Wand, sag mir doch wie blöd ich bin. Pech gehabt, wenn Ihre Tochter auch dazu gehört.
    Ist ja klar, dass Sie nicht die Chuzpe haben, dies zu veröffentlichen (die erste Version war die ohne den Teil …Pech gehabt.. .

  • Dr. Konrad Meissner sagt:

    Wer zu dick ist und sich entsprechend als dick wahrnimmt hat gute Chancen die Weichen zu einer gesunden Ernährung und Bewegung zu stellen. Dick sein ist hochgradig ungesund und belastet langfristig durch Folgekrankheiten das Gesundheitswesen unnötig.

    • Muttis Liebling sagt:

      Was ist ‚gesunde Ernährung‘, was bezeichnen Sie als ‚ungesund‘ und welche Folgekrankheiten belasten das nicht mehr existierende Gesundheitswesen?

      Dick sein ist per se gesundheitsneutral, es sei denn, es steckt – sehr selten – Adipositas dahinter. Aber auch Adipositas erzeugt keine Folgekrankheiten. Gesunde Ernährung ist eine Erfindung der Werbung, es gibt nur krankheitspräventive Ernährung, was aber nichts mit Gesundheit zu tun hat.

      Herr Doktor, sie schwächeln mit den Grundkategorien der Medizin und der Gesundheitswissenschaften.

  • Marga sagt:

    „Fast 60 Prozent der Mädchen im Jugendalter finden sich zu dick.“ – Nun, somit haben wenigstens einige dieser Mädchen einen klaren Blick. Sie SIND nämlich zu dick. Jetzt sollten aber auch Taten folgen! — „Da fragt man sich schon: Sind wir wirklich noch nicht weiter?“ – Richtig, das fragt man sich! Weshalb stopfen sich immer noch so viele Leute so viel Ramsch in den Mund, obwohl weder morgen noch übermorgen eine Hungersdroht droht?

    • Nicole H. sagt:

      Marga, haben Sie sich evtl. überlegt, wie Ihre Aussage bei den Jugendlichen, die sich selber zu dick „finden“ ankommt? Sich „zu dick zu finden“ ist nicht = „zu dick sein“! Doch genau dort liegt das Problem, denn die zitierten Mädchen waren mehrheitlich normal- bis untergewichtig, fühlen sich aber dennoch zu dick (genauer 40% laut Befragung der Stadt Zürich, vgl. Papandreou, 2013)! Ein negatives Körperbild ist unabhängig vom BMI und kann ungünstige Folgen für die ganze Entwicklung haben. Die Forschung zeigt, dass sich auf der Grundlage eines negativen Körperbildes psychische Probleme wie depressive Symptome bis hin zu schweren Essstörungen entwickeln können. Finden Sie das gut? „Ramsch“ zu essen, ist unsinnig, aber darum geht es bei diesem Artikel auch nicht!

      • Michel sagt:

        Zum letzten Satz: Doch, es geht auch darum, denn wer zuviel und/oder Ramsch in sich reinstopft, wird i.d.R. fett und findet sich dann i.d.R. fett. Einfache Sache. Aber je mehr Therapeuten es gibt, desto komplizierter wird Einfaches aufgetischt.

  • Michael M. Maurantonio sagt:

    In England diskutiert man darüber, ob „body-shaming“ gesetzlich verboten werden soll. Was bedeutet aber „body-shaming“? Wird man bereits übergriffig, wenn einem der Arzt (w/m/t) mitteilt, dass man aus gesundheitlichen Gründen abnehmen muss? Liegt die Grenze bei Meinungsäußerungen wie „du bist dick geworden“, „du hast zugenommen“, oder geht es ab „du bist fett wie ein Schwein“ zu weit? Es geht IMO um positive Aufklärung über die gesundheitlichen Schäden, die Übergewicht und Adipositas verursachen. Das BAG hat ’17 einen Bericht über „Kosten von Übergewicht und Adipositas“ veröffentlicht. Scary! Statt also „du hast zugenommen“ zu sagen/zu vermitteln, sollte man „lasst uns mehr Sport machen“ propagieren. Stattdessen wird in Tablets investiert & Sport an Schulen gekürzt.

  • Mina Peter sagt:

    Schwierig ist einfach, dass junge Mädchen noch immer so sehr gefallen wollen, dass sie sich selber schaden. Da müssen wir ansetzen. Es muss andere Ziele für die Mädchen geben, als zu gefallen. Das können wir Eltern den Töchtern und Söhnen sehr wohl mitgeben. Ebenso, dass sie nicht über das Äussere von anderen herziehen.

  • Jessas Neiau sagt:

    Ob wirklich 60 Prozent der Mädchen im Jugendalter zu dick sind, das weiss ich nicht. Einige sind ganz sicher zu dick. Wer jedenfalls zu dick ist und sich auch zu dick findet, hat eine gesunde Wahrnehmung. Diese muss gefördert werden.

  • Cédric Ruckstuhl sagt:

    Aber das ist doch nicht so schlimm. Heutzutage sind Schönheitsoperationen (Busen vergrösserung, Lippen aufspritzen, Stubsnäschen machen, hohe Wangenknochen, grosser Po) gar nicht mehr so teuer. Viele junge Mädchen leisten sich eine, verwöhnen sich so ein bisschen und tun sich etwas gutes.

  • D.Dalloway sagt:

    All diese Kommentar und diese Statistiken…
    Viel wichtiger fände ich es, wie die Leser mit solchen Situation umgehen. Wie gehen sie damit um, wenn ihre Kinder solche Äusserungen machen? Ich als Mutter von bald zwei Töchtern, lese sehr gerne solche Erfahrungsberichte und Tipps ohne gleich zurechtgewiesen oder belehrt zu werden.

    • Carolina sagt:

      Das verstehe ich, DD. Mein Erfahrungsbericht mit zwei jetzt erwachsenen Töchtern: sie haben die üblichen Auf und Abs durchgemacht, eine war, ihrem Empfinden nach, in der Pubertät ‚zu fett‘, die andere so dünn, dass ich mir darüber viel mehr Sorgen gemacht habe. In den Anfangszeiten von Insta waren sie ständig am Vergleichen: mein Mann und ich haben nie ein Blatt vor den Mund genommen und ihnen immer und immer wieder gesagt, dass (gefaketes) Aussehen kein Kriterium sein kann und dass sie für uns perfekt sind und waren. Das ging ihnen natürlich auf die Nerven – allerdings sagen sie heute, dass sie froh darum sind, dass wir einfach nicht aufgegeben haben.

    • Carolina sagt:

      /2 Noch etwas und das fällt mir etwas schwerer. Irgendwann musste ich mich an der eigenen Nase fassen und vor mir selber zugeben, dass ich auch dazu neigte, Menschen nach Aussehen etc zu beurteilen, auch über mein eigenes Gewicht ständig geredet habe und gern mal irgendwelche Bemerkungen losliess, die oberflächlich und dümmlich waren. Aber es war eine wichtige Erfahrung, die ich dann mit meinen Töchtern auch geteilt habe. Darauf bin ich nicht besonders stolz, aber es war mir eine wichtige Lektion, über die wir alle heute lachen können (auch weil wir immer noch nicht perfekt sind, haha!).

  • Vreni sagt:

    Wir leben in einer Sehr Sehr oberflächlichen Welt wo eben das Aussehen wichtig ist, so wichtig dass es einen jungen Menschen fast vernichten kann wenn er oder sie nicht den heutigen Standards gleicht.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Sie haben recht, das Schönheitsideal ist tiefer verankert. Der goldene Schnitt, die „göttlichen Proportionen“, sind wohl so tief im Unbewussten verankert, dass sie keiner Modeströmung/-verirrung oder (Gegen)Propaganda zuzuschreiben oder mit ihr zu vertreiben sind.
    Fahren Sie nach Florenz und schauen Sie sich Michelangelos David an oder schauen Sie sich die griechischen Götterstatuen an. All das, war lange vor unserer modernen Schönheitsindustrie.
    Die heutige Verirrung liegt vor allem darin, dass jeder den Anspruch hat im mindesten ein göttliches Ideal darstellen zu müssen. Dank SchönheitsOPs und Steroiden und Photoshop wird das zunehmend machbar, sogar die comicmässige Verzerrung (= Verirrung) davon.
    Ja – wir sollten unsere Kinder darüber aufklären!

    • Vierauge sagt:

      nur was hat das griechische oder renaissance-Schönheitsideal mit Twiggy oder 11-jährigen Mädchen „dünner als Zahnstocher“ zu tun?
      Wenn die von Ihnen zitierten Ideale noch gelten würden, würde die Werbewelt ganz anders aussehen…

      • Reincarnation of XY sagt:

        Darüber müssten Sie jetzt eben nachdenken, Vierauge. Ich hab ja auch noch mehr gesagt…

        Der Blog stellt ja fest, dass wir mit unseren oberflächlichen Erklärungsmustern nicht allzu weit kommen.
        Wenn wir das feststellen, sollten wir unsere oberflächlichen Erklärungsmuster/Strategien nicht einfach verstärken, sondern uns fragen, WARUM sie nicht verfangen.

        (PS Superdürr ist nicht die aktuellste Modeverirrung – sondern Superbody! = vergrösserte Brüste, Hüften und Lippen, gebotoxte „zarte“ Haut, verlängerte Wimpern und aufgepumpte Muskeln. (Männer))
        Die Verirrungen wandeln sich stets, sind aber nicht unabhängig von dem, was tief verankert ist. Darüber müsste man nachdenken.

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Proportionen der griechischen Statuen, welche die Renaissance- Kunst 1:1 übernahm, folgen der Regel:

        Körpergewicht = Körperlänge – 100.

        Das galt lange Zeit in der Medizin und der Versicherungsmathematik als Norm, als Optimalgewicht und 10% weniger waren das Idealgewicht.

        Da Körpergewicht und Körperlänge aber nicht linear verknüpft sind, beurteilt die Regel je grösser, je schlechter. Für die Griechen mit 1.60 m kam das noch hin, mit 1.80m Menschen werden plötzlich die Hälfte übergewichtig. Die Akzeleration ab 1955 war dadurch begleitet von einer statistischen Übergewichtsepidemie.

        Da der BMI mathematisch den gleichen Fehler hat, auch wenn die Relation quadratisch und nicht linear ist, geht die statistische Epidemie ohne biologischen Hintergrund so weiter.

  • Lorena sagt:

    Viele fühlen sich nicht nur zu dick, sondern sie sind es auch. Daher auch der Trend zur „Body-Positivity“, sprich: Fettleibigkeit ist das neue Normal. Die Lebensmittelindusrie mästet uns mit Junk-Food, zuviel Fett und Zucker. Die Kantinen und Mensas leisten mit ihrem Convenience-Food grosszügig Beihilfe. Mangelnde Bewegung gibt den Jungen den Rest. Gehen sie mal in eine Schule. Es ist erschreckend, wieviele übergewichtige Kinder es heute gibt. Das gab es vor 25 Jahren jedenfalls noch nicht. Da haben Mama und Papa noch gekocht. Heute machen sie lieber „Karriere“. Kinder kann man schliesslich „outsourcen“. So geht das.

    • Muttis Liebling sagt:

      Inder Schweiz sind ca. 5% der Bevölkerung fettleibig (je nach Geschlecht Körperfettanteil > 30, > 40%). Genauso viele, also 5% sind magersüchtig, allerdings ist das prognostisch wesentlich bedeutsamer. An der Fettsucht stirbt man nicht, an der Magersucht schon.

    • Reto Stadelman sagt:

      Der Unterschied zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit müsste einem schon klar sein bevor man hier schreibt. Wer diese Grenzen absichtlich verwischt (so wie Sie), tut der Gesellschaft keinen Gefallen. Während echte Fettleibigkeit ein Problem ist und von bodypositivity ausgenommen werden sollte, ist leichtes Übergewicht kein Grund jemanden fertig zu machen, auch wenn es ihnen hilft ihren eigenen sozialen Status aufzuwerten. Suchen Sie sich doch andere Wege sich gut zu fühlen.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Im Prinzip verbreitet er einfach Fake-News.
        Auch was die Magersucht betrifft. Das BAG schreibt, dass in CH 3,5% der Bevölkerung im Laufe des Lebens einmal (also nicht permanent) an einer Essstörung leiden. Mehr nicht. Daraus macht ML schwuppdiwupp 5% der Gesamtbevölkerung, die permanent an tödlicher Magersucht leiden.
        Obwohl es absolut unstrittig ist, dass in Industrieländern viel mehr Menschen wegen Übergewicht frühzeitig sterben oder chronisch krank werden, als an Untergewicht.
        Auch wenn man also seine völlig falsche Behauptungen widerlegt, wird er sie bei jeder Gelegenheit unkorrigiert wiederholen, wie eben der gewisse Herr aus Übersee, der auch sämtliche Fakten Fake-News nennt.
        Soll man nun jedesmal darauf eingehen?

      • Lorena sagt:

        Entschuldigung liebe Empörte, aber gemäss WHO sind 19.5 % der in der Schweiz lebenden Menschen fettleibig (BMI über 30). Wie Sie auf 5 % kommen, weiss ich nicht. Einfach mal Fake-News schreien hilft der Debatte wohl kaum auf die Sprünge. Leider entsteht die Ursache von Uebergewicht meist im Kindsalter.

      • Carolina sagt:

        Ich gehe mal davon aus, Reto, dass Sie Lorena antworten und Sie RoXy, Muttis Liebling, oder?
        Zu Lorena fällt mir genau dasselbe ein wie Ihnen, Reto: Es gibt viel zu viele (meistens leider) Frauen, die sich in ständigem Wettkampf mit anderen befinden, was Aussehen und Gewicht angeht. Es ist für junge Mädchen absolut fatal, wenn sie ständig diesem idiotischen Wettbewerb ausgesetzt sind. Mal ganz abgesehen davon, dass wir hier in der Schweiz fast paradiesische Zustände haben, was die Fettleibigkeitsrate angeht (das ist dann wirklich ein Fall für den Arzt) wird es Zeit, dass erwachsene Menschen aufhören, sich über ihr Gewicht, Aussehen und Alter definieren.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Lorena, auch ein BMI>35 ist kein Indiz für Fettsucht. Es ist nur ein Konstitutionsmass. Fett- oder Magersucht misst sich allein in Körperfettanteil und das wird wegen der Kosten nur selten untersucht. Aus verschiedenen Stichproben kann man aber für beide Phänomene 5% Prävalenz schätzen. Der Fettanteil ist also symmetrisch verteilt.

        @RoXY, es ist noch niemand an Übergewicht gestorben und wird das auch nie. Übergewicht ist korreliert mit Todesursachen, aber Korrelationen sind nur Zahlen ohne pathologische Bedeutung. Medizinisch ist Übergewicht irrelevant.

        Krankheiten sind Fett- und Magersucht, aber nur an letzterer kann man sterben. Epidemiologisch spielt Adipositas ausserhalb der USA nirgends eine Rolle.

    • Coco sagt:

      Kann mir kaum vorstellen, dass die „outgesourcten“ Kids so enorm übergewichtig sind, denn in Kitas und Horten wird ganz stark auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet. Auch sehe ich selten schlecht ernährte, fettleibige Karriere-Mamas.

      • diva sagt:

        wenn sie sich etwas nicht vorstellen können, heisst es nicht, dass es nicht existiert. was die mamis betrifft, mögen sie ja recht haben. doch die kinder? auch schon mal davon gehört, dass essen tröstet? wenn die liebe fehlt, ist der griff zu süssigkeiten nicht weit, liebe coco.

      • s. Sonnenschein sagt:

        Diva, im Ernst, sie kennen Kinder, wegen der Krippe erst unter Liebesentzug und dann Übergewicht leiden? Meine Tochter hat auch Jahre danach noch Freundinnen aus der Krippe, keine davon übergewichtig oder emotional verwahrlost. Wir scheinen in verschiedenen Welten zu leben…

      • Coco sagt:

        Das mag ja wahr sein. Bei sozial verwahrlosten Kindern. Wenn ich Lorenas Kommentar richtig verstehe, betitelt sie alle Eltern, die ihre Kids fremdbetreuen lassen, als Karriere-Eltern. Und dass all deren Kindern keine Liebe gegeben wird, ist ganz bestimmt nicht so. Zudem zeigen diverse Studien über Fettleibigkeit bei Kindern auf, dass insbesondere die soziale Unterschicht betroffen ist. Dazu zählen Doppelverdiener-Familien eher nicht. Aber es eigentlich witzig zu sehen, wie ein Blogbericht über Essstörungen (im weitesten Sinne) dazu genutzt wird, um gegen arbeitende Eltern zu wettern 🙂

  • Muttis Liebling sagt:

    Nun behauptet auch die offizielle Statistik, 1/3 bis 1/2 der Schweizer seien übergewichtig. Statistisch stimmt das, nur biologisch nicht. Der Normwert für Normalgewicht ist tief im Normalen. Kommt hinzu, die zeitgenössische Ästhetik empfindet 1/3 der Normalgewichtigen als zu dick, dagegen die Hälfte der Magersüchtigen als attraktiv.

    Das Wissen um Ernährung und Gesundheit bei 90% der Bevölkerung ist unter Null, überladen von Volksmärchen und Esoterik. Man siehe nur die wissenschaftsferne Zuckerdiskussion.

    Es gibt in der medialen Welt, in welche die Kinder hineinwachsen, praktisch keine Stimme, welche Ernährung und Gesundheit nüchtern wissenschaftlich darstellt. Statt dessen eine Ästhetik der Extreme und eine Ideologie der Selbstleugnung.

    • Lorena sagt:

      Eine Rechtfertigung fürs eigene Uebergewicht oder den eigenen Alkoholkonsum zu finden ist immer einfacher, als etwas dagegen zu unternehmen.

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