Mein erstes Handy

Kriegt Ihr Kind bald ein Smartphone? Dann sollten Sie sich diese Fragen stellen.

Ein Smartphone ist mehr als ein Spielzeug, es ist das Tor zur virtuellen Welt. Foto: Istock

10 Jahre alt! Seit Wochen schon fiebert meine Tochter ihrem baldigen Geburtstag entgegen. Nicht so sehr, weil es ihr erster runder sein wird. Auch nicht wegen der geplanten Pijama-Party. Sondern, weil sie ihr erstes eigenes Mobiltelefon erhalten wird.

«MEIN. EIGENES. HANDY!» Ihre Augen strahlen, während sie vom Moment träumt, in dem sie ihr Smartphone (das die Kinder lustigerweise immer noch ganz altmodisch Handy nennen) auspacken wird. Mir raucht unterdessen der Kopf, weil ich zu dem Thema so viele Fragen habe, auf die ich eine Antwort bereithalten will bis zu ihrem Geburtstag. Denn so ein Smartphone ist ja nicht bloss ein weiteres Spielzeug, mit dem der Nachwuchs in eine Fantasiewelt abdriftet. Es öffnet dem Kind das Tor zur virtuellen Welt. Einer Welt, in der neben viel Gutem bekanntlich auch Böses lauert. 

Deshalb sollte man sich als Eltern vorgängig einige Gedanken machen, wenn das erste Smartphone auf dem Gabentisch landen wird. Folgende Fragen habe ich mir gestellt:

Ist man mit 10 Jahren bereit fürs Smartphone?

Die Grundsatzfrage. Bei uns wars so: Vor zwei Jahren jammerte die Tochter, dass «meeega viele in meiner Klasse» schon ein Handy hätten. Ich erwiderte, dass sie aber erst in der Mittelstufe eines bekomme. Die Tochter hat diesen einen Satz im Gedächtnis abgespeichert und nie mehr vergessen. Und mich seither immer wieder daran erinnert, dass sie in der 4. Klasse ein Smartphone besitzen dürfe, denn: «Du hast das versprochen!». Unterdessen glaube ich tatsächlich, dass Zeit und Kind reif sind dafür und sehe neben allen Herausforderungen auch einige Vorteile. Etwa, dass ich Bescheid geben kann, wenn mein Zug am Feierabend wieder einmal eine Viertelstunde Verspätung hat, und so viel entspannter nach Hause fahren kann. 

Welches Modell soll es sein?

Meiner Meinung nach braucht ein Kind kein hochpreisiges Smartphone. Es sei denn, man bekommt es billig aus zweiter Hand. Wir haben uns für ein Modell von Wiko entschieden. Die französische Marke hat günstige Smartphones im Sortiment, die recht viel bieten fürs Geld und hübsch aussehen – ein wichtiger Faktor unter Teenies und solchen, die es bald werden. Laut der Expertin im Fachgeschäft reichen 32 GB Speicherplatz für Einsteiger. Netter Nebeneffekt: Das Kind lernt mit der Zeit, Prioritäten zu setzen. Denn wenn der Speicher voll ist und man noch ein Game herunterladen will, muss man wohl oder übel zuerst ein anderes löschen.

Wie hält das Gerät möglichst lange?

Sie kennen es: Man ist einen Moment nicht aufmerksam, und schon fällt das Telefon zu Boden. Ich rate darum dringend, gleich eine zum Smartphone passende Schutzhülle zu besorgen. Vielleicht sogar eine dieser total angesagten Handyhüllen mit Kordel, die man um den Hals trägt? Warum man sich als Erwachsener so etwas umhängt, kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber für Kinder scheinen mir die Dinger durchaus praktisch. Leider ist die Hüllenauswahl für Günstigmodelle wie das Wiko sehr eingeschränkt, bei einzelnen Anbietern wie Apfelkiste.ch wird man dennoch fündig.

Braucht es Regeln?

Unbedingt! Ich habe meine Tochter bereits vorgewarnt, dass wir zusammen einen Smartphone-Vertrag aufsetzen, falls sie denn tatsächlich ein solches Gerät bekommen sollte. (Als ob sie nicht eh schon wüsste, dass es so sein wird … oder warum beschäftigt sich das Mami plötzlich ständig mit dem Thema?) Was nicht fehlen darf im Vertrag: Dass das Handy während des Essens und abends ab einer bestimmten Zeit an seinen «Schlafplatz» gelegt wird. Und dass die Eltern das Smartphone auch einmal einziehen dürfen, wenn das Kind immer wieder gegen die Regeln verstösst. Eine hilfreiche Vertragsvorlage finden Sie bei «Fritz & Fränzi».

Macht eine Timer-App Sinn?

«Hahaha, ein Vertrag … vergiss es!» So weit die Reaktion einer befreundeten Mutter, deren Kind bereits im Besitz eines Smartphones ist. Sie schlägt stattdessen vor, sich möglichst bald um einen technischen Helfer zu kümmern, der das Gerät abschaltet, wenn es das Kind übertreibt mit Gamen und Surfen. Mit «Google Family Link» zum Beispiel können Eltern Zeitlimits für das Kinder-Handy festlegen und das Gerät blockieren, wenn die Zeit überschritten wurde. Zudem kann so kontrolliert werden, wie oft welche Apps benutzt werden. Ähnlich funktioniert auch «Qustodio Parental Control» (für Android) und «Apple Screen Time» (für iOS). Womit wir zur nächsten Frage kommen:

Soll ich mein Kind mithilfe seines Handys überwachen?

Ich finde: nein. Wenn das Kind reif genug ist, ein eigenes Smartphone zu besitzen, sollte es auch reif genug sein, sich unbewacht fortbewegen zu können. Also lassen Sie bloss die Finger von diesen Ortungs-Apps – und installieren Sie sie auch nicht heimlich! Der Teenie wird schon ganz bald viel mehr über diese Geräte wissen als Sie und es sowieso merken. Auch zu überprüfen, welche Apps wie intensiv benutzt wurden, scheint mir ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre. Aber warten wir mal ab, wie ich das Ganze in einem Jahr sehe …

Abo oder Prepaid?

Sich im Abo-Dschungel zurechtzufinden, ist nicht einfach. Nach langem Herumsurfen und -fragen halte ich eine Prepaid-Variante für die beste Lösung. Mein Favorit ist das In One Mobile Prepaid Kids der Swisscom, da es zu unseren anderen Abos passt. Es kostet 9.90 Franken im Monat, und das Kind kann fünf Nummern angeben, die es gratis wählen kann. Der Vorteil: Mama und Papa sind jederzeit nur einen Anruf entfernt, ganz unabhängig vom Kontostand.

Wer bezahlt den Spass?

Meine Kinder glaubten noch vor einem Monat, man kaufe sich ein Gerät und schon könne man lostelefonieren, -chatten und -surfen. Der Schreck war gross, als ich ihnen erklärte, dass man erst eine SIM-Karte kaufen und dann Monat für Monat Gebühren bezahlen muss. Mittlerweile hat sich die Grosse an den Gedanken gewöhnt und ist tatsächlich bereit, fast ihr ganzes Taschengeld ins Prepaid-Abo zu investieren. Denn für mich ist klar: Das Smartphone soll auch ein Lehrmittel sein. Deshalb muss das Kind die laufenden Kosten selber tragen – oder zumindest einen Teil davon. 

Was sind die Konsequenzen für mich als Mutter?

Wenn ich für die Tochter Regeln aufstelle, muss ich mich selber ebenfalls entsprechend verhalten. Will heissen: Das elterliche Gerät hat während der Mahlzeiten selbstverständlich auch nichts am Esstisch verloren. Zudem ist es spätestens dann, wenn das Kind ein eigenes Gerät bekommt, an der Zeit, auch offen über die unschönen Seiten des Internets zu sprechen und sich als Eltern fortan auf dem Laufenden zu halten über angesagte Games und Plattformen.

Haben Sie weitere Fragen oder noch besser ein paar tolle Tipps zum Thema? 

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