Hoppla, Baby vergessen

Unser Autor beichtet: Selbst dem fürsorglichsten Vater können Fehler passieren.

Auch Eltern können ab und zu etwas vergessen – manchmal sogar das eigene Kind. Foto: iStock

Vor zwei Wochen wurden wieder einmal eine Sau und ein Eber durchs Dorf getrieben, weil sie ihr Ferkel in einem Geschäft für Menschenbedarf vergessen hatten. Nein halt, es war andersrum: Zwei menschliche Eltern hatten ihr Neugeborenes in einem Tierbedarfsgeschäft vergessen. Aber warum war das überhaupt eine Mediengeschichte? Wäre das Baby über ein langes Feiertagswochenende im Laden eingesperrt gewesen und hätte sich von Aquariumwasser und Meisenknödeln ernährt … ja, dann. Aber nix dergleichen. Die Eltern bemerkten ihren Fehler zu Hause beim Durchzählen der Kinder und fuhren sofort zurück. In der Zwischenzeit kümmerten sich eine Polizeistreife, eine zufällig anwesende Kinderkrankenpflegerin und offenbar ein Leserreporter um das Baby. Es ging ihm also ganz gut.

Das sahen die Kommentierenden unter den entsprechenden Berichten allerdings anders: «Wie können solche Menschen Eltern sein?», «Herzlos!», «Denen sollte man die Kinder, alle Tiere, Topfpflanzen und Tamagotchis wegnehmen.»

Das Baby bei den Wechselwarmen

Ich frage mich, wie sich diese autodidaktischen Ethikprofessor*innen an ihren von runtergetropfter Selbstgerechtigkeit verklebten Tastaturen die Geschehnisse vorstellen:

«Sabine schau, Chinchillastreu ist im Angebot.»

«Super Patrick, nimm gleich 12 Säcke.»

«So viele kann ich nicht tragen, ich hab ja noch Khloe im Maxi-Cosi.»

«Stell Khloe doch hier neben die beiden Sandvipern. Wir holen sie später ab, falls wir noch Platz im Auto haben. Und sonst nehmen wir sie nächste Woche mit, wenn wir Trockenfutter für Schnurrli holen.»

Wer denkt «mir würde sowas nie passieren», hatte bisher Glück oder keine Kinder. Es braucht nämlich weder viel Nachlässigkeit noch viel Ablenkung: Das ältere Kind eskaliert, weil es einen Leguan möchte und ZACK … Baby vergessen. Auch Bitzli selber Schuld, wenn es sonst immer schreit, aber genau in der Situation ein Schläfli macht. In Sachen Verlustpotenzial ist so ein Baby im Prinzip ein sehr grosses Portemonnaie – einfach aus feinerem Leder.

Da muss doch ein Alarm losgehen

Als ich den Brecht einmal vergass, war er etwa drei Monate alt. Ich nahm ihn zum Wäscheaufhängen mit nach draussen und legte ihn ein paar Meter entfernt auf eine Decke. Wieder im Haus erinnerte mich das gerahmte Babybild über dem Esstisch an meine Vaterschaft. Ich rannte nach draussen und konnte den Brecht gerade noch einem räudigen Dingo aus dem Maul reissen, der sich mit zwölf Hyänen um die Beute stritt. War ich froh, lauerte an dem Tag keine Leserreporterin hinter den Brombeeren!

Natürlich kann es übel enden, wenn man sein Kind am wohl schlimmsten Ort vergisst: Im Auto, an der Sonne parkiert. Alleine der Gedanke daran ist kaum zu ertragen. Aber ich bin überzeugt, selbst den fürsorglichsten und vorsichtigsten Eltern könnte das passieren, wenn genügend unglückliche Umstände zusammenkommen.

Eigentlich komisch, dass moderne Autos Hitzeunfälle von eingesperrten Kindern und Tieren nicht verhindern – wo doch in der Automobilbranche alle von Sensorik, Intelligenz und Konnektivität reden. Mir ist nur ein Hersteller bekannt, der ein rudimentäres Schutzsystem verbaut. Dabei dürfte es nicht schwer sein, die Anwesenheit eines Kindes im abgestellten Auto festzustellen und bei hoher Innentemperatur eine rettende Aktion auszulösen. Und sei es nur eine Push-Nachricht an den nächstgelegenen Leserreporter, der die Scheibe einschlägt, um ein Foto ohne störende Reflektionen zu schiessen.

100 Kommentare zu «Hoppla, Baby vergessen»

  • Hans Minder sagt:

    Erschreckend ist das Misstrauen in ein kompetentes/handlungsfähiges Umfeld. Vergisst jemand ein Kind bei brütender Hitze im Auto, dann würde ich beim Anblick des Kindes die Scheibe einschlagen (ein Kind würde bei brütender Hitze sicher zu Schreien beginnen und mich als Passanten auf sein Unglück aufmerksam machen).
    Anmerkung: meine Kinder (in USA wohnhaft) hatten riesen Spass beim Besuch des elterlichen Dorf-Schwimmbads in der CH. Da war nur EIN Bademeister für ca. 500 Schwimmgäste präsent. In den USA steht einer oben auf dem 3m Sprungturm, einer neben dem 1m Brett, einer oben bei der Rutschbahn, einer bei jedem Becken: Total etwa 7. Eine permanente Verwarnerei, wie eine Kinderlähmung! Weshalb? Würden die 499 Badegäste nicht reagieren, wenn einem ein Ungeschick passiert oder bevorsteht?

  • Sandra Tamer sagt:

    Oh Markus, ich hab so gelacht! Wie ein grosses Portemonnaie – nur aus feineren Leder. Und noch einige andere Stellen.

    Am Tag nach der Geburt meiner Tochter durfte ich (nach Abklingen der PDA) endlich duschen. Ich gab das Wägeli mit Baby den Krankenschwestern, ging duschen und dann allein zurück ins Zimmer. Nach 30min merkte ich: Ups, da war doch noch was. Ja, es kann passieren dass man das eigene Baby vergisst. Eltern sind nie perfekt. Aber wir geben uns echt Mühe.

  • Markus sagt:

    beim xten Kind ok, aber beim ersten? Dass ein Vater es vergisst, der nicht so oft daheim ist, ok – aber die Mutter, die keinen Bauch mehr hat und nonstop beim Kind ist in den ersten Wochen?

  • Helen sagt:

    Ich erinnere mich an den Fall in Kloten, als eine Mutter das Zugbillet gelöst hat und vergass, den Kinderwagen zu blockieren. Dieser rollte aufs Gleis, das Kind wurde vom Zug erfasst und starb. Oder kürzlich das Kind, das mit der Mutter auf dem Spielplatz war und plötzlich verschwand; es ertrank im Fluss daneben. Wie unerträglich dies als Verantwortliche/r sein muss, kann ich mir nur vorstellen. Daher muss man wirklich immer daran denken, die wichtigsten Dinge nicht zu vergessen und solchen „alltäglichen“ Momenten die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Ich kann nur hoffen, dass ich das auch immer schaffe!

  • Luzia Fehr sagt:

    Ja, dass das einem wirklich passieren kann, hätte ich als kinderlose Frau nie geglaubt. Spätestens mit dem vierten Kind wurde ich eines besseren belehrt: sie vergass ich einmal im Auto, merkteves aber im Treppenhaus, einmal bei einer Freundin, sie eilte mir nach mit den Worten, da hast du wohl etwas vergessen und mein Mann vergass verschiedentlich die Kinder aus der Krippe abzuholen. Die Kinder sind trotzdem fröhlich und in keiner Weise ängstlich.

  • Urs Huber sagt:

    Ich bin Vater von 4 und oft froh, dass kein Lesereporter anwesend ist.

    Guter Artikel auch bezüglich der heutigen Untugend, dass sich viele Online als Ethik-Richter aufspielen.

  • sonic sagt:

    MF: Gewiss, das Kind sollte nicht mehrmals runterfallen, da haben sie recht. Nur hat das keinen Zusammenhang mit dem Text oben. Auch das absichtliche im- Auto-zurücklassen hat keinen Zusammenhang zum Text.

  • Djb sagt:

    „Das würde mir nie passieren!“ Dann lesen sie doch mal auf http://www.kidsandcars.org die Erlebnisberichte von Eltern denen das eben doch „passiert“ ist. Danach dürfte etwas Demut bei Ihnen einkehren. Das sind Eltern aus allen Gesellschafts-Schichten, mit allen möglichen Berufen. Und viele dieser Eltern wurden von ihren Partnern als hochengagierte Eltern beurteilt. Menschen wie Sie und ich. Man darf beim Lesen dieser Schicksale auch weinen. Aber das tun wohl nur Leute die sich nicht im Griff haben und Kinder im Auto liegen lassen, gell?!

  • Barbara V.E. sagt:

    Es waren Schulferien, ich war bei einer Freundin zum Auskotzen (frisch geschieden, er bezahlt keine Alimente und terrorisierte mich mit Forderungen etc.). Meine Freundin fuhr mich heim und mich traf es wie ein Blitz: Wo ist mein Kind? Bei meinen Eltern? Bei seinem Vater? Bei den Tageseltern? Ich wusste es nicht mehr. Mein Kopf leer und ich einer Panik nahe. Meine Kollegin konnte mich beruhigen. Das erste was sie sagte: Du bist mit dem Kind so verantwortungsvoll: Es ist 100% in sicheren Händen. Zu Hause schaute ich in die Agenda. Klar. Kind war beim Vater in Holland.
    Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir so was passieren könnte, dass ich nicht mehr wüsste, wo mein Kind ist. Aber es ist mir passiert. Seit da bin ich etwas demütiger im Urteil über andere

    • Lisa sagt:

      Danke Barbara für das sehr persönliche Statement. Es war sicher eine sehr schwierige Erfahrung, aber mit einer guten Erkenntnis: Demut. Ein altmodisch klingender Wert, der aber so wichtig ist. Nur machen leider (oder zum Glück?) viele Menschen die Erfahrung nicht, dass jeder, wirklich JEDER, in eine Situation kommen kann, in der man anders reagiert als man es von sich selbst kennt.

  • Stephanie Burri sagt:

    Hahaha so lustig vielen Dank für den tollen Blog!

  • Frank N. Stein sagt:

    Das ist dann aber ein grosses ,Baby‘ auf dem Titelsymbolbild.

  • Lina Peeterbach sagt:

    Ich glaube solche Vorfälle haben mehr mit Routine zu tun, als mit Nachlässigkeit oder Verletzung der Sorgfaltspflicht. Unser drittes Kind war so ruhig als Neugeborenes, während die anderen beiden unsere volle Aufmerksamkeit forderten. Gleichzeitig hatte sich noch keine Routine mit 3 Kids etabliert: Unser Funktionsmodus war während der ersten paar Wochen eben noch auf 2 Kinder programmiert. Ich habe es nie ernsthaft irgendwo stehen / liegen lassen – aber innerhalb der Wohnung ist es mir durchaus ein paarmal passiert, und auch im Auto habe ich es mal kurz vergessen und erst an der Haustüre gemerkt, einfach im Sinne von „Ups, da war doch noch jemand…“. Was ich allerdings schlechter verstehen kann, ist die Zeitdauer: ich habe es jeweils nach wenigen Momenten gemerkt.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Eben, DAS ist der Unterschied. Ob man vom Auto wegläuft und einem einfällt oups, oder Kind oder Tiere über Stunden „vergisst“.

    • Martin Frey sagt:

      Da pflichte ich bei, 😉 trotz gewisser Differenzen. Routine hat immer auch eine gefährliche Seite, und viele derartige Dinge sind „Beinahe-Events“, sprich sie passieren fast. Gerade wenn man viel um die Ohren hat.
      Aber genau hier kommen die Unterschiede zu tragen, von denen ich spreche.
      Zudem bin ich überzeugt, falls Ihnen das passieren sollte, machen Sie sich ein paar Gedanken, und es passiert morgen nicht gerade wieder. 🙂

      • Ja, Routine ist bestimmt in 95% der Fälle ein entscheidender Faktor.

        Ich erinnere mich an einen schlimmen Fall, der auch durch die Medien ging. Grob aus der Erinnerung wiedergegeben: Da wollte ein Vater – anders als sonst – sein Baby oder Kleinkind auf dem Weg zur Arbeit in die Kita bringen. Es ist kurz nach dem Losfahren eingeschlafen, worauf der Vater in seiner Pendlerroutine den Zwischenstopp vergessen, das Auto am Arbeitsplatz in der Sonne abgestellt hat und das Kind starb. Natürlich hätte das nicht passieren dürfen. Ich sage auch nicht „kann ja mal passieren, nicht so schlimm“, ich sage „es passiert, niemand ist sicher“. Das ist keine vorauseilende Entschuldigung, sondern ein Fakt den wir uns immer wieder bewusst machen sollten – eben gerade um stets wachsam zu bleiben.

      • Lina Peeterbach sagt:

        Herr Tschannen, dieser Kommentar gefällt mir sehr gut, vor allem Ihre Erläuterungen zum Thema „alert bleiben“. Wir haben uns z.B. bald eine neue Routine angewöhnt, nämlich vor dem Losfahren in die Runde zu fragen, ob alle an Bord sind. Das hat dann auch die Grossen einbezogen und sie in die Verantwortung integriert. Sie hätten sofort reklamiert, wenn wir ohne das Baby losgefahren wären.

        Das Losfahren an sich verurteile ich nicht (DAS kann m.M.n. jedem passieren) – aber es erst nach 1h zu merken finde ich schon bemerkenswert.

        Trotz allem: Sicherlich fühlen sie sich schrecklich, auch ohne medialen Pranger! Der Punkt ist hier auch: von aussen ist immer schnell verurteilt; keiner von uns sass mit ihnen im Auto. Vielleicht hatten sie einen Riesenstreit oder oder oder…

      • Sportpapi sagt:

        @Markus Tschannen: Sehr richtig – das Beispiel hatte ich heute auch im Kopf. Armer Vater. Der brauchte sicherlich nicht noch die ganze öffentliche Berichterstattung!

      • 13 sagt:

        @ MT/SP
        Kann mich dem anschliessen. Ich erinnere mich an den Fall und dachte auch, dass er in Ruhe trauern sollte, ohne die öffentlichen Vorwürfe. Andererseits hat er ja die Öffentlichkeit gesucht, um andere zu warnen. Es ist nichts verwerfliches, einem solchen Erlebnis wenigstens einen Sinn zu geben.
        Mir ist es selber einmal passiert, dass ich zwar nicht das Kind im Auto vergessen habe, aber das Auto abzuschliessen, was zur Folge hatte, dass das Kind, welches draussen spielte, reinkletterte, es verriegelte und nicht mehr selber raus kam. Gott sei Dank habe ich es früh genug gesehen, so war sie nassgeschwitzt und in Tränen aufgelöst, aber es ging ihr ansonsten gut. „Es passiert, niemand ist sicher“ wie MT sagt, ist da sicher korrekt.

  • Peter Schmid sagt:

    Der eine Hersteller muss Tesla sein. Dort kann man seinen Brecht in der prallen Sonne in angenehm konditionierten 20C zurücklassen.

    • Amélie Müller sagt:

      Genau, im Hunde-Modus. Aber man muss das Kind mit Absicht im Tesla lassen. Der Hunde-Modus schaltet sich meines Wissens bei fahrlässigem Verhalten nicht automatisch ein.

      • Ja, ich hatte Tesla im Kopf. Eventuell gibt es auch noch andere Hersteller, die sowas bieten, wären mir aber nicht bekannt.

        Ich meinte allerdings weniger den Hundemodus oder die Möglichkeit, die Klimaanlage laufen zu lassen. Die bringen einem effektiv nichts, wenn man beim Aussteigen das Kind vergisst. Es gibt aber zusätzlich einen standardmässig aktiven Innenraum-Überhitzungsschutz. Er kühlt die Kabine, sobald die Temperatur über 40 Grad steigt. Ein Notsystem mit Einschränkungen und Verbesserungspotenzial.

      • Sportpapi sagt:

        @Markus Tschannen. Altmodische Fenster, die sich herunterdrehen lassen, würden auch Wunder wirken…

      • Sind Knöpfe (wenn sie denn funktionieren) für kleine Kinder nicht einfacher zu bedienen als Kurbeln?

      • Peter Schmid sagt:

        Tweet an Elon, dann wird das gewünschte Feature einige Wochen/Monate in allen Teslas verteilt.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sportpapi

        Auch bei vollständig geöffneten Fenstern verwandelt sich ein Auto in der Sonne innert kurzer Zeit in einen Backofen.

      • Regula sagt:

        Ich habe mal gelesen, dass ein Kindersitz-Hersteller einen solchen Warn-Sensor als Option entwickeln wollte, jedoch festgestellt hat, dass niemand bereit war, den Aufpreis für dieses Feature zu zahlen – weil „uns passiert sowas ja nicht“…

  • 13 sagt:

    Wie üblich herrlich geschrieben. Ich habe auch Tränen gelacht, auch wenn das Thema selber sehr tragisch werden kann. Trotzdem sind wir alle Menschen und man kann sich bemühen, aber nie alles verhindern.
    Und ist es auch passiert, dass die Grossmutter beim letzten Durchgang vor dem Losfahren in die Ferien – „ich gehe nur noch schnell einmal durch, damit auch nichts vergessen wurde“ – die damals 2-jährige friedlich spielend im Kinderzimmer fand. Wir waren schon beim Auto….ok, beim Einladen wäre es uns wohl aufgefallen.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Es gibt einfach Dinge, welche nicht passieren dürfen, Punkt.

    Während andere ihre Kinder im Auto „vergessen“ und während 10 Stunden im heissen Auto durchgaren lassen, vergesse ich nicht einmal meine Hunde. Nicht weil ich perfekt bin, sondern weil ich Prioritäten setze und diese sind nunmal bei Lebewesen und nicht bei Handtaschen, Handy oder Portemmonaie.

    • Lisa sagt:

      Und solche Dinge passieren doch. Punkt. Aber andere zu verurteilen ist leichter, als hinter die Geschichten zu schauen.
      Seien Sie einfach glücklich, dass es Ihnen noch nie passiert ist.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Man kann wie Herr Tschannen einen Augenblick sein Kind im Garten vergessen, aber sicher nicht über Stunden.

        Nein, mit Glück hat das nichts zu tun.

  • Marcel Maier sagt:

    „In Sachen Verlustpotenzial ist so ein Baby im Prinzip ein sehr grosses Portemonnaie – einfach aus feinerem Leder.“ – Ich habe Tränen gelacht! Vielen Dank für diese Perle

  • Lisa sagt:

    Doch, Herr Frey, das kann jedem passieren. Es braucht nur eine logische Kette, um zu wissen, dass dieses Diktum stimmt. Sie beginnt mit der Prämisse: „Menschen sind nicht perfekt.“ Kein Mensch ist fähig, ununterbrochen alles im Griff zu haben, die richtigen Prioritäten zu setzen und am angemessensten und zur genau passenden Zeit zu handeln. Immerhin gibt es noch eine zweite Prämisse: Menschen können aus Fehlern lernen.

    • Martin Frey sagt:

      Was kann jedem passieren, Lisa? Dass die Hand „ausrutscht“, wie man auch so gerne beschönigend zu sagen pflegt?
      Wenn Sie meine Beiträge gelesen haben, sollten Sie feststellen, dass ich durchaus einräume, dass Menschen, meine Wenigkeit inklusive, nicht perfekt sind.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Lisa

        Da muss ich Herrn Frey zustimmen. Es mag sein, dass man wie Herrn Tschannen das Kind beim Wäsche aufhängen vergisst und 30 Sekunden alleine im Garten lässt, aber dass man dies dann erst Stunden später bemerkt, kann ich nicht nachvollziehen. Das hat nichts mit Perfektion zu tun, sondern mit Prioritäten.

  • Chris sagt:

    Lieber Herr Tschannen

    Danke – vor allem der letzte Satz ist genial *lol*

    Ich hoffe ja, dass bald auch Kind Nr. 2 in ihren Kolumnen vorkommt.

    Lieben Gruss

  • tststs sagt:

    Ich sags mal so: Eltern, die sich so um ihr Kind kümmern, dass es garantiert keinen Schaden nimmt, sorgt garantiert für Langzeitschäden.

  • IckeDickeMicke sagt:

    Doch, das KANN passieren, zum Beispiel, wenn Kind A ein 3-Jähriger schreiender Trotz-Dickkopf ist, der die gesamte Betreuungsenergie für sich beansprucht, und Kind B, 6 Monate, ein kompletter Selbstläufer ist! Ich musste mir öfters in Erinnerung rufen, dass ich neuerdings zwei Kinder habe. Und trotzdem habe ich beim Muki-Turnen mit Kind A erst nach 10 Minuten gemerkt, dass draussen vor der Turnhalle ja noch Kind B im Kinderwagen liegt…

  • Sportpapi sagt:

    Die Medienkritik ist auf jeden Fall berechtigt. Müssen solche Fälle wirklich den Medien gemeldet werden. Und müssen diese darauf wirklich eine Frontgeschichte machen? Ist es wirklich das, was heute eine der wichtigsten Meldungen des Tages ist?
    Und nein, es dient auch nicht der Sensibilisierung und Prävention.

    • tststs sagt:

      „Ist es wirklich das, was heute eine der wichtigsten Meldungen des Tages ist?
      Und nein, es dient auch nicht der Sensibilisierung und Prävention“
      Treffer, versenkt!

    • Röschu sagt:

      @Sportpapi
      Medienkritik halte ich in aller Regel für heuchlerisch. Kommerzielle Medien wählen Themen und Form der Berichterstattung nach den Bedürfnissen Ihrer Konsumenten aus, denn nur so können sie langfristig überleben.

      • Sportpapi sagt:

        @Röschu: Sie können auch eine Konsumentenkritik daraus machen, wenn Sie wollen. Huhn oder Ei?
        Aber die Entwicklung ist klar, und es war ja nicht immer so, dass es ausschliesslich Boulevard-Journalismus gab.
        Aber im Gratis-Zeitalter können sich die meisten Medien aufwändige Recherche ja gar nicht mehr leisten.

      • Röschu sagt:

        @Sportpapi
        Da das Geld (Werbung, Abos, etc.) in Richtung Medien fliesst, ist doch eigentlich relativ klar, wer am längeren Hebel sitzt.
        .
        Mir gefällt dieser Trend hin zum „Sensations-Journalismus“ auch nicht. Ich bin aber überzeugt, dass ein Wandel vom Konsumenten und nicht von den Medien ausgehen müsste, damit er erfolgreich vollzogen werden kann.
        .
        PS. „Huhn oder Ei?“
        Höchst wahrscheinlich so: Zuerst Ei, dann Huhn und irgenwann danach Hühnerei.

  • Stefan W. sagt:

    Man soll nie nie sagen und ein Anfall geistiger Umnachtung kann jedem mal passieren, aber ich finde das (nach drei Kindern, von denen wir keins jemals irgendwo vergessen haben) trotzdem sehr seltsam. Aber glücklicherweise kommt es ja selten genug vor, dass es immer noch jedes Mal eine Zeitungsmeldung und manchmal sogar einen Blogeintrag wert ist. Ebenso übrigens wie die Männer, die ihre Ehefrauen an einer Autobahntankstelle vergessen, was ja auch schon vorgekommen ist und mindestens ebenso seltsam erscheint.

    • Lichtblau sagt:

      Als ich im sechsten Monat mit Karte bezahlen wollte, fiel mir mein während Jahren benutzter Pincode nicht mal ansatzweise mehr ein. Ein Phänomen, das sich offenbar „Schwangerschafts-Wirrkopf“ nennt. Seltsam und so nur einmal erlebt. Aber in dem Zustand kann man wohl so einiges vergessen. Sogar einen Buggy mit Baby (für ein paar Minuten).

  • Röschu sagt:

    Da verbergen sich einige ganz interessante, weil entlarvende Aussagen hinter dem vermeintlich lustigen Text…
    – „War ich froh, lauerte an dem Tag keine Leserreporterin hinter den Brombeeren!“ -> Die Sorge/Erleichterung gilt nicht dem Wohlergehen des Kindes, sondern allein der Tatsache, dass niemand die elterliche Verantwortungslosigkeit bemerkt hat.
    – „Eigentlich komisch, dass moderne Autos Hitzeunfälle von eingesperrten Kindern und Tieren nicht verhindern… “ -> Fehlende Technik ist verantwortlich für das Unglück, wenn Eltern zu blöd oder zu faul sind um auf das vermeintlich Wichtigste in ihrem Leben aufzupassen?

    • Sportpapi sagt:

      @Röschu: Ja, dankbar, dass nichts passiert ist (was hätte denn passieren sollen?). Aber auch, dem Pranger entkommen zu sein. Scheint mir nachvollziehbar.
      Und ja, bei all den immer neuen Sicherheitstools in den Autos ist die Verwunderung über diese Lücke angemessen.
      Betreffend Gurt sagt man ja auch nicht, hätte halt langsamer fahren müssen. Sondern man ist froh um die zusätzliche Sicherheit.

      • Röschu sagt:

        @Sportpapi
        Es geht darum, dass Eltern mMn ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht irgendwelche Ausreden suchen sollen.
        .
        Der Gurt kann noch so gut und sicher sein – wenn die Eltern vergessen das Kleinkind anzuschnallen, bringt er keine Sicherheit.

      • 13 sagt:

        „Und ja, bei all den immer neuen Sicherheitstools in den Autos ist die Verwunderung über diese Lücke angemessen.“
        Mich überrascht es ehrlich gesagt nicht, denn sehr wenige dieser Sicherheitstools der Fahrzeuge selber dienen der Sicherheit von Kindern. Stattdessen überlässt man es den Kindersitzherstellern, herauszufinden, wie sie zwischen all den für die Kindersicherheit unpraktischen Dingen wie Airbags an unpassenden Orten, Bodenfächern und zu geringem Abstand zwischen Vorder- und Rücksitz diese irgendwie gewährleisten sollen.
        Das entspricht allerdings auch oft den Kundenwünschen. So sieht man sehr viele Fahrzeuge für über CHF 25’000 mit Rückfahrkamera und Tempomat und einem „Böckli“ drin für CHF 9.95.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13

        Sie sagen es: das Auto kann nie zu teuer sein, aber bei den hohen Leasingraten reichts dann halt nicht mehr für einen Kindersitz. Je teurer das Auto, desto häufiger sind die Kinder ungesichtert. Kundersitze kosten halt, während neue Kinder meistens umsonst sind.

        Ganz schlimm finde ich auch, von fremden Menschen gebrauchte Kindersitze zu kaufen. Man weiss ja nicht, ob diese schon in Unfälle verwickelt waren, Tage und Wochen in der Sonne standen oder herumgeworfen wurden.

      • Martin Frey sagt:

        Völlig bei Röschu heute. Der beste Gurt, die besten Sicherheitstools nützen nichts, wenn die Leute sie nicht anwenden. Gilt auch für Freisprechanlagen, notabene. Finde es immer bemerkenswert, wie Leute eigenhändig am Telefon hängen in Autos, die bekanntermassen darüber verfügen.
        Dafür am Rückspiegel noch und noch Kruzifixe, Rosenkränze und Gebetsketten aufzuhängen, nur wenn dann das nicht angeschnallte Kind durch die Frontscheibe fliegt, hilft auch nicht weiter.
        @13
        Rückfahrkameras halte ich für eine der grösseren Sicherheitserrungenschaften moderner Autotechnik. Im Ggs. zu ganz viel anderem Schnickschnack.

      • 13 sagt:

        @ Tamar
        Auch Kindersitze kann man, wenn man will, abbezahlen, das bieten inzwischen viele Händler an. Nur eben, ist das oftmals keine Priorität. Ich bin aber ganz Ihrer Meinung. Auch wenn ich grundsätzlich ein grosser Fan bin, Sachen weiterzugeben oder gebraucht anstatt neu zu kaufen, bei Kindersitzen verstehe ich weniger Spass. Da ginge das höchstens im Bekanntenkreis. Wobei ein Gebrauchter immer noch besser ist als ein Billigsitz.

        @ Martin
        Ich habe nichts gegen Rückfahrkameras, aber sie werden doch in erster Linie eingebaut, um das eigene Auto nicht zu zerkratzen, nicht um Kinder zu schützen. Ich denke einfach, dass da die Autohersteller nochmals gründlich über die Bücher könnten/müssten.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Ich habe nichts gegen Rückfahrkameras, aber sie werden doch in erster Linie eingebaut, um das eigene Auto nicht zu zerkratzen, nicht um Kinder zu schützen.“
        Das sehe ich anders. Klar, Rückfahrkameras sind durchaus eine Hilfe für Leute, die nicht rückwärts manövrieren können und kein Raumgefühl haben. Aber Hauptvorteil ist für mich klar der uneingeschränkte Blick nach unten. Gerade in Quartierstrassen kann schnell ein Ball, ein Trotti (mit Kind im Schlepptau) oä hinters Auto rollen welcher vor dem Einstieg ins Auto nicht da war. Und welches man beim Manöver zurück auch unter Einbezug der Spiegel nicht zu erkennen vermag.
        Dies war immer ein Restrisiko welches die Rückfahrkamera löst.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13

        Unser Auto hatte keine Rückfahrkamera. Wir haben diese aber nachträglich einbauen lassen, um zu verhindern, dass beim retour fahren ein Kind übersehen wird. Ich bin vorher schon öfters zB in Tiefgaragen noch einmal ausgestiegen, weil da Kinder herumwuselten und ich nicht sicher war, ob alle vollzählig ausser Reichweite meiner Karre waren. Für mich persönlich dient die Rückfahrkamera klar der Sicherheit, zumal ich eh nicht rückwärts fahren kann…. zähneknirrsch..

        Und ja: leider ist vielen Eltern ein Auto wichtiger als die Kinder.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich verstehe gerade nicht, 13 und Tamar, was die besonderen Ansprüche an Kindersitze sein sollen, die ja im Wesentlichen bald einmal Sitzerhöher sind.
        Der Vorwurf, die Rückfahrkameras dienen dem Schutz des Autos und nicht der Kinder, ist etwas gesucht. Es ist einfach Unfallvermeidung.
        Es gibt anderes, wo die Sicherheit für die Insassen für mehr Risiken für die Umwelt sorgt.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ich sage nicht, dass sie dieser Sicherheit nicht dienen, sondern dass ich nicht glaube, dass das die erste Motivation war. Natürlich ist es gut, wenn Autofahrer auch rückwärts sehen können und ich würde mir im nächsten Wagen eine wünschen.

        @ SP
        Kindersitze unterscheiden sich sehr in Material und Funktion. Als erstes darin, ob Kinder schon mit jährig vorwärts sitzen oder eben weiterhin sicher rückwärts. Dann als zweites, wie die Gurtführung ist, nicht nur beim Sitzen, sondern auch beim Unfall. Und Sitzerhöher sind eh keine gute Idee, wenn man auf Sicherheit setzt, sondern ein ganzer Sitz mit gutem Kopf- und Seitenschutz. Bis es keinen mehr braucht.
        Natürlich gibt es viele andere Faktoren, das ist aber kein unwesentlicher.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Dann frage ich mich allerdings, ob es jemals den Moment gibt, da es keinen mehr braucht.
        Ich stelle mir gerade vor, wenn ich rückwärts durch die Gegend fahren müsste. Wäre sicherlich auch sicherer, aber sicherlich würde ich das nicht mitmachen…

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ja, sicherer wäre es. Allerdings ist bei einem Erwachsenen sowohl das Verhältnis Kopf-Körper anders, so dass es einiges mehr braucht, um sich das Genick zu brechen, wenn den Kopf nach vorne schellt. Weiter sind die Muskeln ausgewachsen. Die Kopfstütze des Autos übernimmt da ihre Funktion, die Seitenairbags (auf erwachsene Personen ausgerichtet) die Funktion eines Seitenschutzes. Hinzu kommt, dass die Führung des Bauchgurtes bei Erwachsenen anders verlaufen als beim Kind, wo bei den herkömmlichen „Böckli“ die Organe gequetscht werden.
        Selbst wenn die Grösse stimmen würde, riskiert ein Kind einiges mehr, wenn es genau gleich gesichert wäre wie ein Erwachsener und genau darum muss der Schutz eben auf den Körper eines Kindes unter 1.50 angepasst sein.

    • Barbara V.E. sagt:

      So nehme ich es nicht wahr. Ich denke, wenn man die Betrachtungen von Markus Tschannen über eine längere Zeit liest, ist es offensichtlich, dass das Wohlergehen von Kindern im Allgemeinem und seinem (seinen) im Besonderen wichtig sind. Und ich bin überzeugt, dass er auch für gesunden Menschenverstand und Verantwortung einsteht. So nehme ich ihn wahr.
      Ich sehe, in den von Dir erwähnten Punkte, eher Seitenhiebe an diejenigen die immer alles besser wissen, besser können. Immer und überall dabei sind, aber nie wirklich eine richtige Hilfe sind, wenn man Hilfe braucht. Anstatt, dass Leserreporter Fotos und Bericht an Zeitungen senden, könnten sie auch etwas helfen und wenn es genügend Helfende gibt, können sie auch wort- und bildlos von dannen ziehen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sportler

        Welche Ansprüche Kindersitze erfüllen sollten? Vielleicht Sicherheit?

        Und was heisst hier, bald Sitzerhöhungen? Bis man diese verwenden kann/darf/soll dauert es ein paar Jahre.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Es hat mit dem Gehirn zu tun, wenn es überlastet ist, funktioniert es nicht mehr richtig. Überarbeitet, Schlafmanko, Depression, …. andererseits war bei uns die instinktive Fixierung auf das Baby so stark, dass uns das trotzdem nie …. (was uns dann aber wieder in die Schublade der Glucken bringt, über die ja auch gerne gelästert wird.)

    Es ist so: wir Menschen lieben es einen Sündenbock zu haben. Das ist sozusagen ein Urbedürfnis. Und so konstruieren wir stets die Person, die all das in sich vereint, was wir verabscheuen. Dann fühlt es sich herrlich an über diese Personen-Typen herzuziehen, weil wir eben GANZ SICHER nicht so sind (ui, ui ….).
    So funktioniert der Mechanismus. Keiner von uns ist 100% davor gefeit.

    • Martin Frey sagt:

      Sie sagen es selber, RoXy:
      „…. andererseits war bei uns die instinktive Fixierung auf das Baby so stark, dass uns das trotzdem nie …. “
      Dito bei uns, und anderen die ich kenne. Und wir waren nicht weniger übernächtigt, überarbeitet, etc.
      Es geht hier nicht um Sündenbockspiele. Es geht darum, das Kind beim Namen zu nennen. Wenn jemand etwas verbockt, soll man dazu stehen. Und aus persönlicher Konsequenz dafür schauen, dass das möglichst nicht wieder passiert, anstatt permanent irgendwelch billigen Ausflüchte zu suchen nur um besser schlafen zu können. Dies bringen wir auch unseren Kindern bei, und versuchen es vorzuleben.
      Dass andere Menschen Sündenböcke lieben um sich mit dem gestreckten Zeigefinger an ihnen zu ergötzen, ist leider richtig, aber an sich eine andere Diskussion.

      • 13 sagt:

        @ Martin
        So anders ist die Diskussion nicht. Wer anerkennt, dass wir alle Fehler machen, der muss auch zugeben, dass etwas passieren kann, was ihn eher nachts wachlässt. Wer davon überzeugt ist, dass andere nur darum einen Fehler gemacht haben, weil sie nicht gut genug aufpassten (sprich einfach schlechtere Eltern sind, als man selbst) geben sich der Illussion hin, dass wenn sie nur alle richtig machen, auch nichts passieren kann. Denn der Sündenbock ist klar bestimmt und man selber könnte ja nie in diese Lage kommen, damit ist das eigene Kind sicher und man selber beruhigt. Ob das aber so wirklich der Wahrheit entspricht, wage ich sehr zu bezweifeln…

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Moment, das habe ich nicht so nicht gesagt:
        „Wer davon überzeugt ist, dass andere nur darum einen Fehler gemacht haben, weil sie nicht gut genug aufpassten (sprich einfach schlechtere Eltern sind, als man selbst) geben sich der Illussion hin, dass wenn sie nur alle richtig machen, auch nichts passieren kann.“
        Mich stört, dass man sich quasi schon präventiv die Absolution gibt. Dass man nicht unterscheidet zwischen einem Fehler im Sinne eines Lapsus, und einer Sorgfaltspflichtverletzung (Röschus Gurt ist kein schlechtes Bsp. dafür). Und dass man denkt, nur weil andere etwas tun, das schon irgendwie ok ist.
        Diese Diskussionen kennen wir aus anderen Gebieten (Vandalismus, Hooliganismus, Rassismus, Gewalt in Ehe und Erziehung, Plünderungen usw.), wo Du u. U. anders reden würdest.

      • Reincarnation of XY sagt:

        MF – stimme 13 zu. Bloss weil uns das nie passiert ist, können wir nicht wissen, ob es nicht doch hätte passieren können… ich fahre schon seit Jahrzehnten Unfallfrei Auto, aber ich ehrlich bin, hätte ich schon x-mal einen Unfall bauen können, wenn zu meiner Unaufmerksamkeit, noch eine andere dazu gekommen wäre.
        Natürlich übertreibt Tsch in seiner Banalisierung und Sauglattismus, mit der er förmlich Widerspruch provoziert. Besser wäre ein sachlicher Beitrag gewesen, über die Bewirtschaftung dieser Empörungskultur von den Medien UND welche Verantwortung WIR dabei haben.
        Es ist einfach sich zu empörten oder sich über die Empörten zu empören. Etwas schwieriger wird es, wenn wir uns fragen, inwiefern fördere ich so eine primitive Kultur? (Z.B. in dem ich solche Artikel anklicke!)

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Ich habe ab M.T. Blog nicht ganz so verstanden, wir sollten aber einfach nicht alles in den gleichen Topf werfen. Das Baby draussen nach dem Wäscheaufhängen oder im Kinderwagen draussen vor dem Geschäft sind tatsächlich Lappalien, die jedem passieren können und nicht gleich die KESB auf den Plan rufen sollten.
        Taten und Unterlassungen mit hinreichenden Folgen wie das Kind im Auto zu lassen oder das Ausrutschen der Hand sollten nicht passieren und es ist Aufgabe von uns allen, unser Möglichstes zu unternehmen, dass es nicht passiert. Jedoch bedeutet auch das keine Garantie, dass es niemandem von uns passieren kann, dann nicht immer ist das Möglichste genug. Und dann auf jemanden zu zeigen, ist schlicht falsch und dient tatsächlich nur dem eigenen guten Gefühl.

  • Dahlia Meier sagt:

    Also ehrlich gesagt finde ich überhaupt nicht, „dass das allen passieren kann“. Es passiert doch nicht einfach! Und wenn man nun mal seine Sinne beisammen hat vergisst man sicher nicht einfach einen Säugling irgendwo. Vielleicht sollte man sich dann eher überlegen ob man reif genug ist Verantwortung zu übernehmen. Ach nein-das sollte man ja am besten schon vor man Kinder in die Welt setzt….

  • Fuchs Gaby sagt:

    Nun, auch Erwachsene sind eben nicht immer „geistig präsent“, sondern mal abgelenkt, verwirrt, traurig, ängstlich, nachdenklich, aufgewühlt….das reicht schon, um einen fatalen Fehler zu machen, passiert x-fach täglich, nicht nur im Zusammenhang mit Kindern. Also: wer immer geistig präsent ist werfe den ersten Stein!

    • tststs sagt:

      Zumal nichts den Tank schneller leert als die Aufsichtspflicht für Babies&Kleinkinder.

    • Röschu sagt:

      @Fuchs Gaby
      Es geht nicht darum IMMER geistig präsent zu sein, sondern darum Prioritäten zu setzen, wann dies uneingeschränkt nötig ist und wann nicht.

      • tststs sagt:

        Genau, und jeder der eine Prüfung nicht mit 6.0 abschliesst hat einfach die geistigen Prioritäten nicht richtig gesetzt…

        Come on, als ob die geistige Leistung einzig vom Willen abhängig wäre!

      • Röschu sagt:

        @tststs
        Ich sehe durchaus, dass Sie dies eigentlich ironisch meinen. Aber: Als Verfechter der 10’000-Stunden-Regel bin ich überzeugt, dass rein theorethisch jeder jede Prüfung mit der Bestnote abschliessen kann. In der Praxis kommt dann (sinnvollerweise) die Prioritätensetzung ins Spiel…
        .
        Dies tut in der vorliegenden Diskussion aber auch gar nichts zur Sache bzw. der Vergleich hinkt gewaltig. Denn um das eigene Kind nicht zu vergessen, braucht es ja wohl hoffentlich keine geistige Glanzleistung. Das sollte eigentlich a)höchste Priorität geniessen und b)elementarste Selbstverständlichkeit sein…

  • Independent sagt:

    Ok, ich – selber kinderlos und immer wieder erstaunt was hier zu lesen ist – bin sicher auch der Meinung des Autors: Das kann (anscheinend) jeder und jedem passieren – wenn man denn den Vergleich mit dem Portemonnaie herzieht. Was ich jedoch an der Geschichte das eigentlich „schreckliche“ finde ist die Tatsache dass im Jahre 2019 die Schneeflöckchen und Selbstgerechten in Form von Social Media und in diesem Falle noch „Leserreportern“ allgegenwärtig sind. Klar war die Situation alles andere wie toll – am wenigsten wohl noch für die Eltern. Aber da noch einen Bericht an was? 20min und Blick zu schicken – DAS ist für mich das verwerfliche. Mind your own damn business – dem Baby gings gut und auf Instagram kann man auch anders angeben.

    • Kurtli sagt:

      Aha, schuld sind mal wieder irgendwelche Individuen und 20Min und Blick sind mal wieder fein raus? Die Medien arbeiten gezielt an dieser freiwilligen Massenüberwachung und sollten auch die entsrpechende Flak abbekommen.

    • Martin Frey sagt:

      Ein Kind ist kein Portemonnaie, Independent.
      Und auch wenn der Autor genau diesen Eindruck (gerade bei Kinderlosen) hervorrufen wollte (was ihm anscheinend gelang), nein, das kann nicht „jeder und jedem passieren“. Tut es auch nicht. Es passiert auch nicht jedem und jeder, dass die Hand immer wieder mal ausrutscht, dass man Leute auf dem Zebrastreifen übersieht nur weil man beim Fahren grad ein SMS schreibt, dass man Kinder oder Haustiere im heissen Auto „vergisst“, dass man häusliche Gewalt anwendet wenn einem danach ist, dass man seinen Müll in der Natur deponiert usw.
      All dies geschieht leider immer wieder, nur zu oft. Aber es gibt deswegen nichts zu beschönigen. Nur weil viele (oft gleichgesinnte) Leute etwas tun, heisst das noch lange nicht, dass es das besser macht.

      • tststs sagt:

        Ja, MF, es passiert nicht jedem unter den gleichen Umständen, die Grenzen sind unterschiedlich. ABER alle haben eine Grenze! Und all diejenigen, die sie noch (!) nicht erreicht haben, sollten sich bitte nicht aufs hohe Ross schwingen, sondern 1. dankbar sein, dass sie dank Natur und Erziehung noch nicht so weit gepusht wurden und 2. doch bitte etwas Erbarmen mit den weniger „Robusten“ haben.

      • Lina Peeterbach sagt:

        @MF, heute bin ich gar nicht bei Ihnen. Einige Ihrer Beispiele hinken sehr: SMS schreiben beim Fahren passiert nicht einfach, das ist eine bewusste Entscheidung. Dito beim Müll entsorgen etc. Bei der Gewalt kann man zumindest im Nachhinein reagieren und sich Hilfe holen.
        Vergessen ist eben gerade kein bewusster Vorgang.

      • Martin Frey sagt:

        @Lina Peeterbach
        Natürlich hinken die Bsp, ganz bewusst sogar. Einen gemeinsamen Nenner haben sie jedoch, nämlich die Erklärungen/Entschuldigungen der Protagonisten: von „macht doch jede/r“ über „isch normal“ bis hin zu „hat man nicht kommen sehen/welche Tragödie/Ueberraschung usw“.
        Sie wissen nicht, wie oft ich mir sowas anhören muss. Und wenn Sie die Leute auf ein problematisches Fehlverhalten ansprechen, werden sie sauer, aber ändern typischerweise meist nichts am eigenen Verhalten.
        https://www.20min.ch/schweiz/ostschweiz/story/Mutter-sperrt-Kind–7–wegen-Shopping-Tour-ein-19998881
        Insofern finde ich meine Bsp. eben doch nicht so unpassend… 😉 zumindest passender als der Sauglattismus von MT.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: „Und wenn Sie die Leute auf ein problematisches Fehlverhalten ansprechen, werden sie sauer, aber ändern typischerweise meist nichts am eigenen Verhalten.“
        Vermutlich, weil sie selber auch kein problematisches Fehlverhalten erkennen? Soll ja vorkommen, dass hier die Meinungen auseinander gehen.
        Ihr Link ist dazu auch etwas dünn, ehrlich gesagt.

      • sonic sagt:

        MF: Wie Lina schreibt, das eine ist ein bewusster Entscheid, das andere eine unbeabsichtige Nachlässigkeit. Das ist schon ein beträchtlicher Unterschied. Seien sie froh, ist ihnen anscheinend noch nie ein gravierender Fehler passiert. (übrigens passieren sogar Ärzten manchmal Fehler.. sollten auch nicht..)

  • Martin Frey sagt:

    „Aber ich bin überzeugt, selbst den fürsorglichsten und vorsichtigsten Eltern könnte das passieren, wenn genügend unglückliche Umstände zusammenkommen.“
    Das mag jetzt hart und selbstgerecht tönen, aber ich bin nicht dieser Ansicht. Nein, so etwas „kann“ nicht einfach passieren wenn Eltern geistig präsent sind und ihre Verantwortung wahrnehmen. Nicht im Säuglingsalter. Anders ist es im Kleinkindalter wo Kinder die Welt entdecken wollen und schnell mal hinter einem Gestell verschwunden sind. Aber auch da lässt man sie nicht an einem Rastplatz zurück und merkt es einen Tag später.
    Man kann nicht alles verwedeln und mit lockeren Sprüchen banalisieren, nur weil man damit neben anderen auch gleich sich selber die Absolution erteilen will. „Alle machen das so“ war noch nie ein gutes Argument.

    • Kurtli sagt:

      Genau, Sie tönen arrogant und selbstgerecht und ziemlich unerfahren mit Kindern.

    • Sandy sagt:

      Doch, Fehler können allen passieren, sollten jedoch nicht. Wenn es nur noch drunter und drüber geht, die Nacht eine Katastrophe war… Mit unseren Kindern ist zum Glück noch nie derartiges passiert, also dass wir sie vergessen hätten, aber beruflich hab ich auch schon mal Mist gebaut wo ich auch dachte, das kann doch nicht wahr sein (ganz anderes Thema, egal). Etwas Nachsicht ggü anderen ist manchmal angebracht.
      Das mit den Autos hat Herr Tschannen vollkommen Recht.

    • Martin Frey sagt:

      @Kurtli
      Dankeschön… 😉
      @Sandy
      Natürlich passieren Fehler, jedem von uns. Nur ist es seltsam, dass gewisse Dinge immer gewissen Leuten passieren, und sie immer auch prompt eine Entschuldigung parat haben weshalb das grad so ist. Und gewissen Leuten passieren gewisse Dinge nicht, oder viel weniger.
      Es macht einen Unterschied, ob Sie etwas im Büro verbocken, oder mit dem eigenen Säugling, und ob es schlicht um einen Fehler handelt der jedem passieren kann, oder um eine Sorgfaltspflichtverletzung.
      Dass man hier das bewusst vermengt, stört mich gewaltig.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Danke Martin Frey. Es gibt einfach Dinge, welche NICHT passieren dürfen, Punkt.

      • Sandy sagt:

        Dann konkretisiere ich :Jedem kann eine Aufsichtspflichtverletzung passieren, es sollte aber nicht.
        Herr Frey, das kann an einem schlechten Tag den gewissenhaftesten Leuten geschehen. Ich hoffe, Sie finden sich nie selber in so einer Situation wieder.

      • tststs sagt:

        „und sie immer auch prompt eine Entschuldigung parat haben“
        Könnte es sein, dass Sie „Erklärung“ mit „Entschuldigung“ gleichsetzen?

        Auch Tschannen schreibt IMHO erklärend und nicht (selbst)entschuldigend…

      • Martin Frey sagt:

        @Sandy
        Ich konkretisiere in dem Fall ebenfalls:
        Wenn Ihnen ein Kind vom Wickeltisch fällt, dann kann das passieren. Klar, besser, es passiert nicht, die Folgen können bekanntlich katastrophal sein. Aber wenn das mal passiert, ist das keine Verletzung der Sorgfaltspflicht. Wenn das jede Woche passiert, schon eher.
        Wenn Sie Ihr Kind an brütender Sonne eingeschlossen im Auto zurücklassen, um shoppen oder was auch immer zu gehen, dann ist das für mich eine Verletzung der Sorgfaltspflicht, vergleichbar mit Kindsmisshandlung. Sie schliessen das Auto ab, nachdem Sie mit dem Kind dahingefahren sind, ein bewusster Enscheid wie LP sagt. Davon reden wir hier.
        @tststs
        Die Leute sagen „Erklärung“ und implizieren „Entschuldigung“, ein alter Hut. Hier noch elegant als Medienkritik ummäntelt.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ja, eine alte Geschichte. Leute versuchen einen Vorgang zu verstehen und zu erklären. Und Sie verwechseln das mit einer Entschuldigung.
        Den grossen Unterschied zwischen den zwei Vorgängen sehe ich nun auch nicht gerade. Dass ein Kind vom Wickeltisch fallen kann ist sogar offensichtlicher, als dass in einem Auto, in dem man sonst stundenlang sitzt, innert kurzer Zeit Lebensgefahr droht.
        Nebenbei, als Auto-Laie: Man kann wirklich ein siebenjähriges Kind im Auto einschliessen? Geht das überhaupt?

      • sonic sagt:

        MF: Gewiss, das Kind sollte nicht mehrmals runterfallen, da haben sie recht. Nur hat das keinen Zusammenhang mit dem Text oben. Auch das absichtliche im- Auto-zurücklassen hat keinen Zusammenhang zum Text.

      • Martin Frey sagt:

        @Sonic
        Das sagen Sie.
        Nur die Kaltschnäuzigsten geben Gleichgültigkeit zu. Die meisten sagen eben: „Hoppla“

      • sonic sagt:

        Ja ich beziehe mich auf den Text von MT, nicht auf irgendwelche anderen Geschichten, die auch mal im Blick standen. Dort sind weder Wiederholungstäter noch Gleichgültigkeit ein Thema. Sondern eben Aussetzer, die jeder mal hat oder haben könnte. Und die ominösen Lerreporter..

      • tststs sagt:

        @MF: Das ist aber ihre persönliche Rangliste! Ich zB kann tausend Mal mehr nachvollziehe, ein Kind zu vergessen/zu verlieren, als es beim Winkeln fallen zu lassen (weil: beim ersteren ist man abgelenkt und vergisst, den Fokus wiedet aufs Kind zu richten; bei zweiterem muss man aktiv den Fokus vom Kind wegnehmen)

      • Martin Frey sagt:

        Nicht ganz einverstanden, tststs
        Säuglinge beginnen sich irgendwann nicht nur aufzurichten sondern auch zu drehen, so um den 6. Monat. Damit rechnen viele Eltern nicht, weil sie es nicht gewohnt sind und gerne mal dadurch überrumpelt werden. Worauf es eben (nicht selten beim ersten Mal Drehen, Eltern grad kurz mit etwas anderem beschäftigt) passieren kann….
        Danach weiss man es. 🙂

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