Mein Problem mit Gratis-Kitas

Kostenlose Kinderbetreuung ist eine der zahlreichen Forderungen des Frauenstreiks: Blick in eine Kita. Foto: iStock

Anfang Jahr schrieb die Ökonomin Patrizia Laeri einen lesenswerten Artikel darüber, dass es Gratis-Kitas braucht, um mehr Frauen den Erfolg im Beruf zu ermöglichen. Eine Forderung, die auch auf vielen Transparenten des Frauenstreiks zu lesen war. Skandinavische Länder oder in Laeris Artikel Kanada werden dabei gern als Vorbilder genannt. Ab und zu auch Deutschland. Und ja, die Situation ist zwar in Deutschland regional unterschiedlich und die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen eher schlecht. Hat man aber seinen Platz gesichert, sind die Kosten tragbar, und mancherorts ist die Kita tatsächlich kostenlos.

In Deutschland gibt es noch eine andere «Errungenschaft»: das Betreuungsgeld. Diese finanzielle Entschädigung steht Eltern zu, wenn sie ihr Kleinkind nicht staatlich gefördert betreuen lassen. Man erhält also Geld, wenn man zu Hause selber zu seinem Kind schaut. Wir haben dem Staat so einen Batzen Betreuungsgeld abgeknöpft, als wir noch in Deutschland wohnten. Das Betreuungsgeld ist in familienpolitisch progressiven Kreisen als «Herdprämie» verschrien. Es sorge dafür, dass Frauen mit ihren Kindern zu Hause bleiben und im Beruf den Anschluss verpassen.

Eine Familienpolitik, die auf Mütter abzielt

Es herrscht also die Meinung, dass sich mit familienexterner Betreuung die Berufstätigkeit der Mütter steuern lässt. Ich zweifle keinen Moment daran, dass statistische Daten diesen Zusammenhang stützen.

  • Leichter Zugang zu externer Betreuung = mehr Frauen arbeiten; machen Karriere
  • Anreize für Betreuung zu Hause = Frauen arbeiten weniger; geben ihre Karriere auf

Das Pensum der Väter bleibt dabei weitgehend unverändert. Mich stört das.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin durchaus für bezahlbare oder meinetwegen gar kostenlose Kitas mit guter Verfügbarkeit und flexiblen Angeboten. Es gibt viele Familien, denen das helfen würde, ihr Wunschmodell besser zu leben.

Gleichzeitig schaffen kostenlose Kitas ohne weitere Massnahmen aber eine gesellschaftliche Norm: «Eltern, seid voll berufstätig! Verfolgt eure Karrieren, für die ihr ein hohes Arbeitspensum braucht!» Ich wünschte mir flexiblere Lösungen, die verschiedene Familienmodelle begünstigen.

Familienglück mit Teilzeitkarriere

Nicht wenige Eltern würden durch Gratis-Kitas dazu verleitet, mehr zu arbeiten, als sie eigentlich möchten. Dabei wäre es doch schön, wenn Väter sich stärker an der Kinderbetreuung beteiligten. Aus drei Gründen:

  1. Um den Müttern ein Berufsleben zu ermöglichen – auch ohne oder mit wenig Fremdbetreuung.
  2. Damit sie auf den Geschmack dieser erfüllenden Aufgabe kommen, sich über das Einkommen hinaus um die eigene Familie zu kümmern.
  3. Für eine bessere Work-Life-Balance und mehr Lebensqualität.

Eine Familienpolitik, die nebst wirtschaftlicher Prosperität auch Lebensqualität zum Ziel hat, müsste Teilzeitarbeit fördern. Damit Papi* reduzieren kann und Mami auch ohne Vollzeitjob berufliche Perspektiven erhält, braucht es ein breites Angebot an interessanten Teilzeitstellen. Teilzeitstellen für den Berufseinstieg. Teilzeitstellen, in denen man sich weiterentwickeln kann. Expertenjobs. Führungspositionen.

Die Politik könnte entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Zum Beispiel mit einem gesetzlichen Recht auf Reduktion des Arbeitspensums nach Ablauf der Elternzeit. (See what I did there?) Es braucht ausserdem eine bessere Altersvorsorge für Teilzeitarbeitende und Anreize für Unternehmen, um Teilzeit zu fördern. Meinetwegen gerne in Form von Steuerabzügen, wenn das die Sache beschleunigt.

*Mami und Papi sind hier plakativ dargestellt. Es gibt selbstverständlich viele andere Realitäten: Familien, die längst eine vom Üblichen abweichende Aufteilung leben. Solche, in denen die Mutter gerne reduzieren und der Vater wieder mehr arbeiten möchte. Und natürlich auch Alleinerziehende, Familien mit mehreren Vätern oder Müttern sowie nichtbinäre Eltern.

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149 Kommentare zu «Mein Problem mit Gratis-Kitas»

  • Mira sagt:

    Ein Thema, das mir sauer aufstösst. Gleichberechtigung heisst für mich, jeder hat die gleichen Wahlmöglichkeiten. Welche Wahl man trifft, ist individuell. Gleichberechtigung heisst für mich aber nicht, dass alle Mütter und Väter arbeiten gehen müssen. Feminismus heisst für mich nicht, Kinder zu zeugen, damit man sie dann dem Staat zur Erziehung und Betreuung abgibt. Ich finde bei den ganzen Debatten um den Feminismus und die Kindsbetreuung gibt es einen ganz grossen Verlierer: die Kinder. Wenn man es sich nicht leisten kann oder will, viel Zeit für seine Kinder aufzuwenden, dann sollte man keine in die Welt setzen. Es grüsst eine vollzeit-arbeitende Mutter mit einem vollzeit-Hausmann.

  • Waltraud Meuser sagt:

    Es gibt in Deutschland schon lange kein Betreuungsgeld mehr, also, was soll der Artikel?

    • Das Betreuungsgeld auf Bundesebene wurde tatsächlich 2015 für Verfassungswidrig erklärt. Wir haben es – wenn ich mich richtig erinnere – aber bis zu unserem Wegzug im Herbst 2016 ausbezahlt erhalten.

      Manche Bundesländer führten das Betreuungsgeld anschliessend weiter – teilweise unter anderem Namen. Für den Artikel ist es jetzt nicht so relevant, wo und in welcher Form das Betreuungsgeld bis heute existiert. Es geht um die Kritik daran, die ja letztlich auch zur Klage vor dem Bundesverfassungsgericht führte.

  • Glasmost sagt:

    „Damit sie auf den Geschmack dieser erfüllenden Aufgabe kommen, sich über das Einkommen hinaus um die eigene Familie zu kümmern…..“

    Hüstelhüstel…. da haben Sie aber ziemlich plakativ einen rausgehauen.

    Ich bin auch als 100% arbeitender Mann jeden Tag für meine Kinder da und „gleichberechtigter“ Elternteil. Wie man auf den Gedanken kommt, nur mit ein, zwei oder drei Papitagen könne man ein vollwertiger Vater sein ist für mich nicht ganz nachvollziehbar.
    Das „Papi-Tag“-Beispiel aus meinem Kollegenkreis zeigt zudem, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Qualität der Vater-Kind-Beziehung gibt und dem Arbeitspensum des Vaters.

    • Rüdiger Kraus sagt:

      Wer nicht nur ein 1-Stunden-pro-Tag-Vater ist, kann von mir aus soviel arbeiten wie er will. Aber nur schnell am Abend oder sonstwann (eben nur 1 Stunde pro Tag) kurz dasein für das Kind, ist für mich nicht „Vater-sein“. Da bin ich lieber 4-5 Stunden mindestens pro Tag, da für meine Kinder…

      • Glasmost sagt:

        Ich bin kein 1-Stunden-Vater. Die Woche hat 168 h, davon arbeite ich 50 h. Die anderen 118 h gehören meiner Frau und den Kindern. Morgens, abends, nachts und am Wochenende 2 x 24 h.

        „….. eben nur 1 Stunde pro Tag“ = Klischee.

    • Nick Luber sagt:

      Probieren Sie doch einmal aus, Familien- und Berufsarbeit hälftig mit ihrer Frau zu teilen und Sie werden ziemlich sicher einen himmelweiten Unterschied bemerken. Wer fünf Tage in der Woche arbeitet, nimmt am Alltagsleben seiner Kinder viel reduzierter teil als der andere, den Kindern damit im wahrsten Sinne des Wortes NÄHER stehende Elternteil. Abends und am Wochenende Vater sein, wenn die Mutter gleichzeitig auch da ist, das ist im meinen Augen „Schönwetter“-Elternschaft. Den Alltag mit den Kindern allein ohne Mutter managen ergibt eine ganz andere, intensivere Beziehungsdimension.

      • Glasmost sagt:

        Nein, wenn ich Teilzeit arbeiten würde müssten wir unser Haus mit Garten und den Tieren in einer netten Wohngegend verkaufen. Das wollen weder meine Frau, noch ich noch unsere Kinder.

        Meine Frau arbeitet zudem Schicht, ich bin viele Abende und Wochenende alleine mit den Kindern. Also alles i.o., kein Grund zur Beunruhigung.

    • Ja, der war plakativ, aber ich stehe zum Satz. Wer 100% arbeitet, kann zweifellos ein guter Vater oder eine gute Mutter sein. Aber es schleckt keine Kuh weg, dass man dann einfach weniger Zeit für Kind und Haushalt hat.

      • Glasmost sagt:

        Klar, man hat etwas weniger Zeit für die Kinder. Das hält sich aber ziemlich in Grenzen. Die 2.5 Tage die ich mehr arbeite als Sie verbringen meine Kinder ja nicht daumendrehend zu hause. Ein grossen Teil davon sind sie in der Schule/Kinsgi. Für die Kinder bin so ja nicht einfach 2.5 Tage mehr weg als Sie bei Ihrem.

        Ihr Beitrag kommt mir etwas missionarisch vor und irgendwie habe ich den Eindruck, Sie müssten sich für Ihre Teilzeitarbeit rechtfertigen. Machen Sie doch einfach wie es für Sie passt und lassen Sie andere machen wie die wollen.

        Umgekehrt schleckt es natürlich keine Kuh weg, dass bei Teilzeitarbeit weniger Geld in die eigene Altersvorsorge gesteckt werden kann – was Sie in Ihrem Beitrag ja arg beklagen. Aber man kann ja nicht alles haben, oder?

  • May sagt:

    Vielen Dank!!! Genau meine Meinung. Und es ist grossartig, das aus der Feder eines Mannes zu lesen. Danke.

  • N.V. sagt:

    Im heutigen System werden nicht erwerbstätige Eltern massiv stärker subventioniert als Kitas, wenn man die Subventionierung der Nichterwerbstätigkeit z.B. durch Ehegattensplitting und Mitversicherung von nicht erwerbstätigen Ehegatten in der AHV mit einrechnet. Wenn in der Kinderbetreuung in keine Richtung finanzielle Anreize geschafft werden sollen, geht das durch Betreuungsgutschriften (natürlich mit gleichzeitiger Abschaffung von Paarvergünstigungen bei Steuern, Verischerungen und Sozialabgaben), mit denen die Eltern dann wahlweise die Kita bezahlen oder die Lohn- und Versicherungsdifferenzen zur Vollzeitstelle ausgleichen.

  • Aquila Chrysaetos sagt:

    „Es braucht ausserdem eine bessere Altersvorsorge für Teilzeitarbeitende“….

    Ok wenn man als Alleinerziehende(r) nicht die Möglichkeit hatte, sich ein entsprechendes Altersguthaben anzusparen.

    Aber ich habe keine Lust, mit meinen Steuergelder Leuten eine hübsche Rente zu bezahlen, welche für ihre Lifestyloptimierung bewusst weniger arbeiteten und somit auch weniger ins Rentensystem einbezahlt haben. Es war ihre eigenen Wahl. Später dann die hohle Hand zu machen ist unfair denen gegenüber, die ihr Leben lang hochprozentig gearbeitet haben.

    • Ich meinte nicht, dass die Vollzeitler den Teilzeitlern eine fette Rente garantieren müssen. Aber das aktuelle System ist halt so, dass wegen des Koordinationsabzugs in der 2. Säule ein Paar mit 2 x 50% deutlich schlechter dasteht als eins mit 1 x 100%.

  • Niklas Meier sagt:

    Ein Paar entschliesst sich, zusammen nur 100% zu arbeiten. Ein andere Paar arbeitet zusammen 200%
    Kita ist gratis. Demnach bezahlen die mit den 100% denen mit den 200% ihre 100% mehr Lohn?
    Wie bescheuert ist denn diese Idee?
    Das nötigt dann Eltern förmlich dazu zu arbeiten. Beide.
    Denn gratis Kita bezahlt sich nicht von selbst, sprich mehr Abgaben an anderer Stelle.

    • Ja, das ungefähr ist meine Überlegung und der Grund, warum ich kein grosser Fan von Gratis-Kitas bin.

      Aber ich sehe schon, wie man auch für Gratis-Kitas argumentieren kann, z.B. aus volkswirtschaftlichen Übelegungen oder aus Gleichstellungsgründen.

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Wie falsch ist das denn? Die Doppelverdiener zahlen in der CH mit den progressiven Steuern viel mehr an die Allgemeinheit als die mit Einzeleinkommen. Die Kinder der ersten kriegen dafür aber genau die gleiche Schule, genau die gleichen Spitäler und andere Leistungen des Staates. Mit ihren Steuern und Abgaben subventionieren sie zudem die AHV, die Risikoversicherung der PK, die Krankenkassen und Genossenschaftswohnungen derjenigen, die sich bewusst für ein tiefes Einkommen entschieden haben.
      Dafür kriegen sie in der CH nicht mal gratis Kitaplätze, weil sie als Gutverdiener diese selber bezahlen müssen.
      Paare die bewusst nur 100% arbeiten in der CH lassen es sich gut gehen auf Kosten derer, die mehr arbeiten und die mit ihren Steuern die ganze Show bezahlen.

      • Ihren letzten Satz kann ich nicht ganz nachvollziehen. Natürlich zahlen Eltern, die 100% arbeiten weniger Steuern als 200%-Paare, sie verdienen ja auch weniger. Mit einem 100% Schweizer Mediangehalt und etwas Sparsamkeit kann man durchaus eine Familie finanzieren, zahlt Steuern und Krankenkassenprämien.

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        Das bezieht sich auf die Aussage von N. Meier, dass 100%-Paare höher prozentig Arbeitenden via Kita-Subventionen den höheren Lohn bezahlen würden.

        Das Gegenteil ist doch offensichtlich der Fall und in einer Solidargemeinschaft wie unserer auch ok: Gutverdienende bezahlen via Gebühren oder ihre Steuern die Kita selber. Zudem beteiligen sie sich in viel höhrem Ausmass an den Ausgaben der Allgemeinheit, da die Steuern i.d.R. progressiv sind.

  • Max Demian sagt:

    Was ist denn an 100% Fremdbetreuung so schlimm?

    Es sind qualifizierte Personen. Nicht so die Eltern.

    Es sind mehrere Personen. Nicht so die Eltern.

    Es sind andere Kinder dort. Nicht unbedingt zu Hause.

    Es gibt kein Ipad, kein Computer, kein Fernseher. Nicht so zu Hause.

    Es gibt ausgewogene, geplante, staatlich kontrollierte Mahlzeiten. Nicht so zu Hause.

    Es gibt ein pädagogisches Konzept. Nicht so zu Hause.

    Es findet eine Kontrolle statt. Nicht so zu Hause.

    Die Eltern haben Zugang zu professionellem Personal und anderen Eltern, um Rat zu suchen. Nicht unbedingt zu Hause.

    Herzliche Grüsse von 2×100% mit Karriere und zwei glücklichen 100% Kitakindern.

    • Es ist nicht schlimm. Es ist einfach nicht ein Modell für alle. Wir haben uns aus hoffentlich ähnlich plausiblen Gründen wie Sie dagegen entschieden. Ich möchte verschiedene Familienmodell überhaupt nicht gegeneinander ausspielen. Eine Familienpolitik, die flexibel verschiedene Modelle zulässt bringt m.E. den grössten ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen hervor.

      • Sportpapi sagt:

        @Markus Tschannen: Haben wir denn nicht gerade eine solche Familienpolitik?
        Alle Forderungen, die auf dem Tisch liegen, bevorzugen ja ein Modell, und benachteiligen zwingend andere.
        Und Leute, die ein Modell unterstützt haben möchten, sind fast immer gegen Unterstützung anderer, wie z.b. „Herdprämie“.

      • @Sportpapi: Jein, es gibt schon ein paar Anreize, die es Familien mit zwei Teilzeitjobs schwerer machen, ihr Modell zu leben. Ich wollte aber nicht einmal die heutige Situation kritisieren, mit der wir uns persönlich arrangieren können. Mein Punkt ist, dass Gratis-Kitas (für sich alleine) klar ein Modell begünstigen, und zwar das der Eltern, die beide Vollzeit arbeiten. Eine Förderung von Teilzeitarbeit käme hingegen allen Modellen zugute, in denen mindestens eine Person irgendwo zwischen 20% und 80% arbeitet. Das dürfte aktuell bei der Mehrheit der Familien der Fall sein.

      • Sportpapi sagt:

        @Markus Tschannen: Was bei der Mehrheit der Familien der Fall ist, muss ja nicht noch extra gefördert werden…

    • Lane sagt:

      Danke dafür, dass Sie das Wohlergehen der Kinder thematisieren. Leider sehe ich die Verhältnisse in den Krippen weniger ideal als sie. Obwohl diese teuer sind, lässt sich der Personalbedarf oft u.a. durch junge, pädagogisch ungebildete Praktikantinnen abdecken. Schlimmer noch finde ich den häufigen Personalwechsel in Krippen: Ungut für kleine Kinder!

  • Anna Moos sagt:

    „Nicht wenige Eltern würden durch Gratis-Kitas dazu verleitet, mehr zu arbeiten, als sie eigentlich möchten.“

    Diese Aussage finde ich sehr, sehr gewagt (um nicht zu sagen, falsch). Das einfachste Beispiel wäre eine alleinerziehende Person. Diese kann endlich weniger arbeiten und mehr Zeit mit dem Kind verbringen, wenn sie nicht 50% ihres Gehalts an die Krippe abgeben muss.
    Eine Gratiskrippe zwingt niemand arbeiten zu gehen, wenn man ansonsten sowieso daheim geblieben wäre. In der Schweiz wird Frau eher gezwungen, zu Hause zu bleiben, bei den Betreuungspreisen- und, vor allem, Zeiten (ich sage nur, obligatorischer Kindergarten, der um 11,40 die Kinder wieder heimschickt……).

    • Niklas Meier sagt:

      Das nennt man Subventionen Frau Moos. Wenn eine Alleinerziehnde arbeiten geht, werden ihr die Kitakosten extrem grosszügig subventioniert. Sprich, das Kita ist fast gratis.

  • cyan jaeger sagt:

    Auf jeden Fall muss im Bereich bezahlbare KITA Plätze etwas geschehen, da stimme ich Herr Tschannen zu. Aber langfristig werden hier nur Probleme für die ersten ca. 4-5 Lebensjahre gelöst. Das weitaus grössere Ärgernis für berufstätige Eltern (ob Teilzeit oder Vollzeit) ist das Schulsystem (inkl. Kindergarten) welches Anfangs- und Schlusszeiten hat, die darauf ausgerichtet sind, dass 1 Elternteil zu hause ist.
    Hier hat der Staat durchaus Möglichkeiten relativ schnell und einfach Lösungen zu erarbeiten, weil die Schule in seiner Kompetenz liegt (was bei KITAs etc. nicht zwingend der Fall ist). Dies könnte auch die Probleme mit Horten lösen aber anscheinend ist dies für den Staat/Kanton zu wenig interessant, da hier evtl. Einnahmen verloren gehen würden.

  • Dennis Bircher sagt:

    Ein gesetzliches Recht auf Teilzeitarbeit und eine bessere Altersvorsorge wären kontraproduktiv: Nebst dem Elternurlaub müssten Unternehmen mit zusätzlichen Abwesenheiten wegen gesetzlicher (erzwungener) Teilzeitarbeit rechnen. Und eine bessere (sprich: höhere) Altersvorsorge müsste der Arbeitgeber über PK-Beiträge mitfinanzieren. Beide Vorschläge verteuern die Teilzeitarbeit und würden gerade Anreize schaffen, um KandidatInnen zu suchen, die Vollzeit arbeiten wollen.

    • Ein berechtigter Punkt. Aber es gäbe natürlich schon auch Möglichkeiten, Teilzeit ohne diesen Effekt zu fördern. Plakatives Beispiel: Eine Quote für Teilzeitstellen.

      Übrigens: Mein Arbeitgeber nimmt bei der PK freiwillig keinen Koordinationsabzug vor. Das bringt ihm nichts, ausser dass er damit ein attraktiver Arbeitgeber für Teilzeitangestellte ist.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    Es gibt keine Gratis-Kita, irgendwer muss das bezahlen und die oberste Einkommens-Liga wird das nicht sein. Das heißt in Zukunft werden die Angaben an den Staat so hoch sein, dass einfach beide Elternteile arbeiten müssen weil ein Netto-Einkommen nicht mehr reicht!

  • Werder sagt:

    Viele Frauen und Männer hierzulande wollen mehr Zeit für die Kinder haben. Sie wollen Teilzeit arbeiten. Mehr Krippenplätze würden daran nichts ändern.
    Darum nicht Krippenplätze ausbauen, sondern die negativen Folgen der Teilzeitarbeit, insbesondere in der Vorsorge entschärfen. Und endlich auch die Hausfrauen- oder Hausmann-Arbeit wertschätzen ! Jede Nanny und Köchin bekommt mehr Wertschätzung. Warum ? Nur, weil sie dafür einen Lohn erhält …?

    • Hans Meier sagt:

      Ich verstehe das Konzept „Hausfrauen- oder Hausmann“-Arbeit „mehr wertschätzen“ einfach nicht. Warum muss mich jemand mit bewundernden Augen „wertschätzen“, wenn ich meine private Wohnung sauber halte (und die meiner Familie), meine eigenen Kleider wasche (und die meiner Familie), überhaupt: mein selbst gewähltes, privates Lebensmodell einigermassen „organisiert“ halte. Das ist doch absurd. Eine Nanny bekommt ja ihren Lohn und die Wertschätzung nicht für die Betreuung der eigenen Kindern, sondern für die Betreuung fremder Kinder. Der Müllmann kriegt ja auch seinen Lohn, weil er fremden Müll entsorgt und nicht weil er den eigenen Müll wegräumt. Wollen Sie wie ein Coiffeur wertgeschätzt werden und einen Lohn dafür bekommen, dass Sie sich Ihre eigenen Haare morgens kämmen?

  • Roger Schmid sagt:

    Ist ja alles schon richtig. Ich bin ja auch für mehr Teilzeitstellen. Will auch nicht ins „wer soll das bezahlen“-Horn stossen. Aber der Ton ist etwas elitär-linksliberal-Mittelschicht-Kleinfamilie.. Echte Büezer-Familien brauchen eh beides – 1 oder sogar 2 hochprozentig arbeitende Eltern UND günstige fam-ext-Betreuung. Trennungsväter fragen sich, warum wieder Väter zur Betreuung umerzogen werden sollen während ihnen selbst die Betreuung verboten wird. Langzeitarbeitslose Eltern können über solche Probleme nur lachen. Und der Disclaimer am Schluss nennt dann halt auch wieder nur die identitätspolitisch populären und genehmen „alternativen“ & „diskriminierten“ intersektionalen Familienformen (Alleinerziehend, Queer etc).

    • Wer fehlt Ihnen denn im Disclaimer? Der war mir einfach wichtig, weil ich davor in 3000 Zeichen höchst selbstverständlich von Mama und Papa schwadroniere.

      • Ben sagt:

        Zum Beispiel der Normalo? Das sind die, die sich darauf einigen, dass man im Kleinkindalter zu 100% für die Kinder da sein will und derjenige arbeitet, welcher mehr verdient. Und mit zunehmendem Alter der Zweitverdiener sein Pensum erhöht bis die Kinder das Haus verlassen, um dann idealerweise beidseits auf ein hohes Teilzeitpensum umzuschwenken. Und das Ganze in Eigenverantwortung, ohne das Steuern erhöht werden mussten, weil man denjenigen, die Kinder haben aber auch möglichst viel verdienen und nie verzichten (ausser auf die Kinder natürlich) wollen, günstige Krippenplätze subventionieren muss und bei der Arbeit dann noch auf die chronisch überforderten Zuvielprozenter Rücksicht nehmen muss, weil die Kinder Maxi, Cheyenne-Paris und Frida halt doch manchmal auch noch Arbeit geben…

      • Roger Schmid sagt:

        Niemand fehlt im Disclaimer, bitte machen Sie ihn nicht noch länger 🙂 Er passt nur so wunderschön in die Rhetorik. Wobei Sie da ja recht gemässigt sind. Aber trotzdem: Thema: Patient Mann (hier Vater; immerhin nicht Täter oder Schuldiger). Der muss zu mehr Care-Arbeit bewegt werden, weil (a, am wichtigsten) Frauen dadurch entlastet werden, und (b) es ihm auch selbst zugute kommt (aber bitte immer nur „weiche“ Vorteile wie Work-Life-Balance, bloss nichts Politisches, sonst rechte Ecke). Schöne politisch korrekte Rhetorik. Nicht falsch, aber wie so oft ein wenig an den Alltagsproblemen vieler Menschen vorbei. Und dann setzt halt die Liste der Hobby-Identitätsgruppen der Progressiven (Patchwork, Regenbogen, LGTBQ) dem ganzen ein wenig die Krone auf. Bitte nicht persönlich nehmen.

      • @Ben: Um den Normalo geht es im ganzen Text. Der muss nicht auch noch in den Disclaimer, den ich dort nur hingeschrieben habe weil … es im ganzen Text nur um den Normalo geht.

      • @Roger Schmid, ich nehme das nicht persönlich und finde es trotzdem nicht ganz okay.

        Zuerst einmal will ich überhaupt nicht Väter zu etwas zwingen. Der Text kommt aus meiner Biographie: Ich kümmere mich hälftig um Haushalt und Kind und finde das sehr erfüllend. Ein Privileg. ich würde mir wünsche, wenn das für mehr Männer möglich wäre.

        Zum Disclaimer ein Tipp. Versuchen Sie das nicht als Angriff auf Ihre politische Position zu verstehen, sondern als minimaler Respekt gegenüber Menschen, die Gesellschaftlich ohnehin schon marginalisiert werden (auch in meinem Text) und die dringend mehr Sichtbarkeit bräuchten. Alleinerziehende Männer sind übrigens auch mit drin.

      • Roger Schmid sagt:

        @M Tschannen: ich betreue ebenfalls hälftig, notabene vor und nach Trennung (ist nicht einfach gewesen, und ich empfinde es daher erst recht als Privileg). Und ich bin – abgesehen von einer gewissen Abneigung gegen gewisse Opferzuschreibungen an Identitätsgruppen innerhalb vom vielleicht privilegiertesten Land der Welt – vermutlich politisch weiter links als Sie. Habe halt einfach selbst erlebt, dass es zahlreiche andere Fälle gibt. Väter (und Mütter), die nur wenig betreuen können, und trotzdem gute Väter (und Mütter) sind. Väter, die nicht betreuen dürfen. Väter (und Mütter) die mangels Beschäftigung zwangsweise betreuen müssen. Und die Summe dieser Fälle macht einen Grossteil der Bevölkerung aus. Dies einfach als Hintergrund, ich stimme mit Ihren Forderungen sonst durchaus überein.

  • tststs sagt:

    Ich möchte einfach kurz festhalten, dass es in 10000 Jahren Menschenheitsgeschichte absolut normal war, dass Mama und Papa sich darum gekümmert haben, dass genügend zu Essen auf dem Tisch und ein trockener Platz zum Schlafen vorhanden war. Das höchste der Gefühle in der Kinderbetreuung war, wenn es beim Gang auf die Felder auf dem Rücken montiert wurden.
    Kinder wurden immer von denjenigen „betreut“ (aka bei der Arbeit vor Ort beaufsichtigt), die zu schwach waren um weiter vom Heim entfernt nach Nahrung zu suchen.
    Wenn Mama und Papa also den ganzen Tag ausser Haus sind, und die Kinder „fremd“betreut werden, so ist das – je nach Betrachtungsweise – näher an unserem Ursprung als irgendein Teilzeitmodell mit fixen Mami- und Papitagen

    • Gerade in Arbeits- und Familienfragen finde ich „früher“ nicht immer die beste Referenz.

    • Hans Meier sagt:

      Interessant. Wenn’s passt, wird gerne wieder auf die Menschheitsgeschichte zurückgegriffen…
      Etwas gar billig. Hier meine Version: „Ich möchte einfach kurz festhalten, dass es in 10000 Jahren Menschenheitsgeschichte absolut normal war, dass Mama und Papa sich darum gekümmert haben, dass genügend zu Essen auf dem Tisch und ein trockener Platz zum Schlafen vorhanden war. Ebenso normal war das Patriarchat in den 10’000 Jahren Menschheitsgeschichte. Noch dazu das erfolgreichere Modell, das sich durchgesetzt hat.“ Passt doch, oder?
      Übrigens: Fremdbetreut wurden die Kinder aus reiner Not heraus – und sicher auch nicht unentgeltlich von Dritten. Nicht so guter Vergleich also…

      • Anh Toàn sagt:

        „Fremdbetreut wurden die Kinder aus reiner Not heraus“ – Es war auch in Königshäusern üblich, die Kinder fremd betreuen zu lassen. Selbst Säuglinge hatten eine (bezahlte) Amme.

    • tststs sagt:

      Genau auf DAS wollte ich hinaus. Früher™ war alles besser. Genau.

      „und sicher auch nicht unentgeltlich von Dritten. Nicht so guter Vergleich also…“ Wer behauptet denn sowas?

  • Anh Toàn sagt:

    „Gleichzeitig schaffen kostenlose Kitas ohne weitere Massnahmen aber eine gesellschaftliche Norm: «Eltern, seid voll berufstätig! Verfolgt eure Karrieren, für die ihr ein hohes Arbeitspensum braucht!»“

    Also wenn die Kita kostet, soviel wie in der Schweiz, müssen auch beide Eltern voll berufstätig sein, ausser wenn einer mindestens gut verdient. (im Kanton BE gäbe es subventionierte Kita Plätze, aber anscheinend bleibt ein Teil der Differenz an der KITA hängen, die haben alle keine freien subventionierten Plätze, so spart der Kanton auch Subventionen). Verdient aber mindestens ein Ehepartner gut, kann der andere auch zu hause bleiben, wenn die Kita nichts kostet. Oft bleiben die auch heute zu Hause, wenn die Kinder schon ausgezogen sind.

    • Anh Toàn sagt:

      Die Gesellschaftliche Norm, möglichst wirtschaftlich erfolgreich zu sein, schafft der Protestantismus und der damit eng verknüpfte Kapitalismus: Reichtum ist verdient, Ergebnis des Dienens an der Gesellschaft, und der Sparsamkeit. Man kann das bei Gotthelf nachlesen, in Geld und Geist, oder es so kurz sagen und empörend formulieren, wie Lioyd Blankfein: „Doing God’s work.“

      • Anh Toan sagt:

        Konsequenterweise wäre Feminismus antikapitalistisch. Kapitalismus bewertet männliche Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen höher als weibliche wie Einfühlungsvermögen. Konkurrenz höher als Kooperation. Dumm nur, dass Feminismus eine bürgerliche Position ist. Unter der Mitte der Gesellschaft ist das kaum Thema.

      • Anh Toan sagt:

        Die sozialistischen Staaten Europas waren den kapitalistischen Voraus bei der Gleichberechtigung der Frauen.

  • C. von waldkirch sagt:

    Frühere Kinderkrippen waren für die Kinder von Arbeiterinnen gedacht, die für den Familienunterhalt verdienen mussten, und hatten entsprechend ein schlechtes Image. Erst als mit der Förderung der Gymnasien auch bürgerliche Töchter studierten und arbeiten wollten, merkten die Bürgerlichen, dass das der Wirtschaft nützt.. Aber bitte so, dass sich ja nichts an den gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen und den männerorientierten Lebenskonzepten ändert. 40 – 60 % berufstätige Frauen ist o.k., damit sind keine Kaderpositionen möglich. Das hat auch den Vorteil, dass schon auf unteren Stufen hochqualifizierte Frauen arbeiten. Wie sagte mir doch vor 40 Jahren ein Professor: „Seit die Frauen studieren, gibt es keine wirklich kompetenten Sekretärinnen mehr, die mich vertreten können.“

    • Othmar Riesen sagt:

      @Waldkirch: was Sie hier bieten, ist reine Geschichte.. Das hat alles mit dem heutigen System nichts zu tun, das längst diesen Problemen entwachsen ist – und nun mit anderen konfrontiert wird.
      Beste Grüsse
      O.R.

  • Reincarnation of XY sagt:

    @tsch
    Alles hat Konsequenzen. Gratis Kita propagiert die 100% arbeitenden Eltern. Ob dies der Familie dient? Mehr Geld, mehr Konsum, weniger Zeit.
    Wobei, wenn es usus ist, dass beide Eltern 100% arbeiten, könnte dies auch zu tieferen Löhnen führen. Zum einen, wegen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, zum anderen weil dann der Druck von Arbeitnehmerseite weniger gross ist, da man ja immer 2 volle Löhne hat.

    Das zeigt gut auf, dass es zwar einfach ist Forderungen zu stellen. Aber was letztlich die Konsequenzen sind, ist schwer vorhersehbar.

    Könnte…
    Allerdings gehe ich davon aus, dass der Trend von sinkenden Arbeitszeiten und steigendem Reichtum weitergehen wird.

  • Peter sagt:

    Was ist so falsch am Bewährten? Wer soll all diese Forderungen finanzieren? Und wird es dann wirklich besser? Bewährt hat sich, dass Frauen sich um Kinder und Haushalt kümmern, sind die Kinder aus dem Gröbsten raus und der Haushalt gemacht, können sie immer noch in der Wirtschaft mithelfen oder im Sozialbereich tätig werden. Andere Modelle stehen natürlich offen, es ist aber definitiv nicht Aufgabe des Staates, jedem sein Wunschmodell zu finanzieren.

    • New Mum sagt:

      Bewährt für wen? Für die Männer????

      • Ben sagt:

        @New Mum. Sie haben den falschen Titel gewählt. New Mum setzt sich mit dem Mann an den Tisch und diskutiert den Zukunftsplan aus. Und sie setzt ihre Bedürfnis durch, sodass Gleichberechtigung herrscht.
        Die vorausschauende New Mum tut dies dann sogar noch bevor sich das Kind ankündigt.
        Und die ganz vife New Mum checkt die Situation bereits in der Kennenlernphase.
        Sie untermauern das Bild von Frauen, die ihre Bedürfnisse weder ausdrücken noch durchsetzen können. Ist das wirklich ihr Bild der New Mum?Oder glauben Sie noch immer daran, dass Männer von den Augen ablesen können und es ohne Kommunikation und ev. Reibung oder Konflikte gehen muss?

    • Christoph Bögli sagt:

      Wo hat sich denn das „bewährt“? Dieses Haufrauenmodell ist ja gerade eine neumodische Erfindung, die ausser in den westlichen Boomjahrzehnten nach 1950 immer maximal der oberen Mittelschicht und höher vorbehalten war, wenn überhaupt. Dass sich eine Familie das Hausfrauendasein „leisten“ will oder kann liegt einzig an der geographisch und historisch ziemlich seltenen Kombination aus ausreichendem Wohlstand, fehlenden Alternativen und gesellschaftlichen Zwängen.

      Mal davon abgesehen, um beurteilen zu können, ob sich etwas „bewährt“, braucht man ja eine relevante Vergleichsgrösse. Sprich man müsste z.B. mal die Väter zwingen, die nächsten 50 Jahre als Hausmänner zu leben, dann könnte man wenigstens beurteilen, was besser funktioniert..

      • tststs sagt:

        C.B.: Wie immer treffend formuliert.

      • Sportpapi sagt:

        @CB: „Dass sich eine Familie das Hausfrauendasein „leisten“ will oder kann liegt einzig an der geographisch und historisch ziemlich seltenen Kombination aus ausreichendem Wohlstand, fehlenden Alternativen und gesellschaftlichen Zwängen.“
        Eigentlich braucht es dafür nur Wohlstand. Alternativen gibt es genügend, und gesellschaftliche Zwänge haben wir nicht mehr als andere Gesellschaften.
        Ist genügend Wohlstand vorhanden, stellen sich manche Mütter die Sinnfrage. Muss ich für Geld auswärts arbeiten, oder gibt es für mich sinnvollere Aufgaben?
        Also: Wenn wir Frauen in grossen Pensen in der Arbeitswelt halten möchten, müssen die Anreize sehr hoch sein, und der Wohlstand gering.
        Mit mehr Steuern, um damit Gratis-Kinderkrippen zu finanzieren, wäre man auf dem Umerziehungsweg…

      • Hans Meier sagt:

        Können Sie Beispiele nennen, wo früher die Betreuung von Kindern durch externe, durch Umverteilung bezahlte Profis geschah? Ausser natürlich das gescheiterte kommunistische Modell, das nie Wohlstand geschaffen hat. Wo genau in der Geschichte hat die allgemeine Gesellschaft diese Betreuung gewährleistet? Gegen Bezahlung? Vieles sind neumodische Erfindungen. Dazu zählt auch die (sichere) Abtreibung. Wollen Sie diese auch wieder abschaffen?

    • Leila Taleb sagt:

      Doch natürlich sollte die Frauenförderung Aufgabe des Staates sein und Interesse daran haben, gut ausgebildete Frauen in das Arbeitsleben zu integrieren zu attraktiven Bedingungen. Frauen sind heute top ausgebildet. Der Staat/Steuerzahler hat teuere Studiengänge finanziert. Werden diese Arbeitsplätze durch ausländischen Personal besetzt, dann ist es auch wieder nicht recht?

      • Franka sagt:

        Oh jippie, wir Frauen dürfen mithelfen. Oder im Sozialbereicht tätig sein, ehrenamtlich versteht sich.
        .
        Sehr grosszügig von Ihnen, Peter.

      • Sportpapi sagt:

        @Leila Taleb: Zwischen „Interesse daran haben“ und die Frauen quasi zwingen oder moralisch unter Druck setzen (schliesslich hat der Steuerzahler deine teure Ausbildung bezahlt…) ist ein grosser Unterschied.

    • Anna Moos sagt:

      Also, ich studiere dann 5 bis 10 Jahre akademisch (weil ich es kann, intelligent und begabt bin), setze mich gegen Konkurenten im Beruf durch, etabliere mich im ausgewählten Beruf, um dann 18 Jahre Hausfrau zu spielen?? Und dann schreiben Sie auch noch süffisant: danach wieder in die Wirtschaft einsteigen (illusorisch), oder sich „sozial betätigen“ (was habe ich denn die letzten 18 Jahre gemacht, ausser mich sozial ehrenamtlich bei den Kindern zu engagieren?).

      Das Ende vom Spiel: Altersarmut, Depression, verpfutschtes Potential. Hat sich echt bewährt.

      • Anna Moos sagt:

        @Sportpapi: ich arbeite nicht nur einfach für das Geld auswärts. Sondern weil ich meinen Beruf liebe und bin auch noch gut darin, und auch natürlich ein Stück Unabhängigkeit haben möchte. Genau wie die Männer auch. Warum man ständig Arbeit gegen Kinder auspielen muss, ist mir echt schleierhaft. Beides kann extrem sinnstiftend sein und gehört zum Leben dazu!

      • Sportpapi sagt:

        @Anna Moos: Aber dann brauchen Sie ja auch keinerlei weitere Anreize. Sie arbeiten, und richten sich die Arbeit ein, weil Sie das so wollen. Meinen Respekt dafür.

    • Claudia Brüllmann sagt:

      „In der Wirtschaft mithelfen“ … Das zeigt mir schon, wie Sie zur Frage der Gleichstellung denken, Peter. Die Männer bestimmen, und die Frauen helfen mit.

      • Anna Moos sagt:

        @Sportpapi: Anreize nicht, aber definitiv Unterstützung (das erwähnte Beispiel mit den Kindergartenöffnungszeiten). Aber zugegeben, nicht ganz das Thema hier.

      • Sportpapi sagt:

        @Anna Moos: Zu meiner Zeit sangen wir im Kindergarten noch das „Elfiglöckchen“ und gingen um 11 heim. Heute gibt es im gleichen Kindergarten Blockzeiten von 8-12 mit Auffangzeiten. Und nach Bedarf Mittagstisch und Hort.
        Natürlich wäre immer noch mehr möglich. Für die Kinder sind die langen Morgenzeiten aber schon die Grenze der Belastbarkeit.

  • Hans Meier sagt:

    Es gibt keine „Gratis-Kitas“. Das sollte eine Ökonomin eigentlich verstehen.
    Was sie will, das sind Kitas, die von der Allgemeinheit bezahlt werden, damit sich gut ausgebildete Paare in nichts einschränken müssen, also vor allem nicht wie jetzt die Kitas zu einem guten Teil selber bezahlen müssen.
    Ich sehe nicht ein, warum die Allgemeinheit gut situierten, gut ausgebildeten Paaren die Versorgung ihrer Kids finanzieren muss, nur damit diese weiterhin auf nichts verzichten müssen: Nicht auf die Karriere und Selbstverwirklichung ihrer narzisstischen Eltern, nicht auf die zwei SUVs in der Garage des 180m2 Einfamilienhauses, nicht auf die jährliche Ferien in den Malediven, etc. etc.
    Für die weniger Betuchten gibt’s bereits heute „Gratis-Kitas“ und das ist auch gut so. Das stört niemand.

    • Hans Meier sagt:

      Zum Beispiel weil die gut situierten mehr Steuern zahlen wenn beide Arbeiten? Mir fehlt heute die Transparenz: Wenn ich gut verdiene, zahle ich mehr Steuern, aber auch mehr für die Kita, auch mehr für die Tagesschule und mehr Krankenkassenprämie. Mit dem beschränkten Abzug der selbstbezahlten Kitakosten führt das zu einer ziemlich massiven Progression.

      • Hans Meier sagt:

        @ Namensvetter: Das ist ja die Idee des „gut verdienen“… man zahl progressiv Steuern. Massiv wird es so oder so erst ab einem extrem hohen Einkommen. Und wenn die Eltern beide unbedingt Karriere machen wollen, dann sollen sie halt 3-5 Jahre Kita zahlen und das als Investment für die eigene Karriereerhaltung sehen. Alles kann man nicht haben. Und kein „gut Verdienender“ zahlt mehr für die Krankenkasse. Er bezahlt gleich viel wie alle anderen auch (ausser jene, die Verbilligung erhalten), dazu zählen viele, die nicht „gut verdienen“. Und wer Tagesschule, Privatschule etc. will, soll das auch selbst zahlen. Es reicht ja ganz offensichtlich immer noch für das Haus, die Ferien, die Privatschule, und und und.

      • Hans Meier sagt:

        @Namensvetter: Ich habe kein Problem mit der Progression und den Steuern an sich sondern mit der Transparenz. Darum eigentlich lieber alles über die Steuern, dann sieht man, was Sache ist. Krankenkasse meinte ich die Verbilligungen aber vergessen habe ich die AHV, ein weiterer Kanal wo versteckte Progression im System ist.
        Tagesschule und Privatschule sind doch nicht das gleiche: Tagesschule wenn möglich für alle die wollen. Privatschule wer das will soll es zu 100% selber bezahlen

      • Hans Meier sagt:

        @Namensvetter:
        Dafür haben Sie im Mutterschaftsurlaub eine Umkehrung der Progression, da sie über die prozentual einheitliche Erwerbsersatzordnung finanziert wird. Was heisst schon „Transparenz“. Der Staat ist doch der letzte, der ernsthaft Transparenz schaffen würde, wenn es vollständig über die Steuern bezahlt würde. Und die Anreizsteuerung wären dann komplett weg. Aber klar, wer jetzt viel für die Kitag zahlt, wäre froh, wenn es stattdessen vollständig über die Steuern bezahlt würde, weil sein Kostenanteil dann natürlich sinken würde. Warum dann auch nicht die Krankenkasse und die Arbeitlosenversicherung?

    • Christoph Bögli sagt:

      Nun, das liesse sich ja leicht umgehen, z.B. mit Kita-Preisen, die nach Einkommen gestaffelt sind. Oder ganz einfach indem man diese gut Situierten etwas strikter besteuert als das in der diesbezüglich sehr saloppen Schweiz der Fall ist. Aber wenn man das vorschlägt, schreien die Meiers und Bünzlis ja immer gleich Zetermordio. Insofern ist Ihr „Einwand“ ein ziemlich zirkulärer..

    • seidenspinner sagt:

      Warum haben die weniger gut Betuchten dann Kinder, wenn sie sie sich nicht leisten können? Das ist mehr als verantwortungslos. Die gut situierten Paare haben sich zuerst etwas aufgebaut, bevor sie die Kinder bekommen haben.

      • Hans Meier sagt:

        „Die gut situierten Paare haben sich zuerst etwas aufgebaut, bevor sie die Kinder bekommen haben.“ Vielleicht. Vielleicht haben sie aber auch einfach Glück gehabt bei der Geburt. Bekanntlich hängt das erzielbare Einkommen enorm stark mit dem IQ zusammen und der IQ ist zu 90% vererbt. Was heisst also schon „aufgebaut“. Andere haben die Voraussetzungen gar nicht für einen solchen Aufbau. Alle regen sich über die „Reichen“ auf, die einfach „dank Glück“ erben. Aber niemand findet es anstössig, dass ein Akademiker mehr verdient und die besseren (Chef) Jobs kriegt, einfach weil er durch die glückliche Fügung der Geburt einen höheren IQ hat.

  • Alexander Wetter sagt:

    ich, 72 jährig, finde es nach wie vor beschämend, dass ein „fortgeschrittenes und reiches Land“ wie die Schweiz, immer noch kein wahrhaftes, ausgeglichenes, zukunftorientiertes Familienkonzept auf die Beine bringt. Wir beklagen uns seit Jahren über mangelnden Nachwuchs und kennen nur zu gut mögliche Lösungen. Wir quatchen und tun nichts, aber wir verpuffen Milliarden im Ausland für eher ideologisch fragwürdige und schwammige Projekte, die uns als Schweizer Gesellschaft nichts bringen. Nicht jeder Schweizer verdient CHF 250’000 / Jahr, das heisst aber nicht, dass er ein Schweizer zweiter Klasse ist. Was wir in dieser Sache als Gesellschaft gemeinsam tun, ist dieses Landes und unseren Vorfahrens unwürdig. Wir sind vorbildliche Nutten

  • Grossmutter sagt:

    Das Krippenthema ist zweischneidig:
    Mütter, die eine gute Ausbildung haben und 3—4 Jahre zu Hause bleiben, sind dann in der Regel weg vom Fenster, wenn sie wieder ins Berufsleben einsteigen möchten.
    Väter, die 80% berufstätig sind, sind in der Regel die Ausnahme, weil die Wirtschaft das nicht wünscht.
    Krippenkinder werden von fremden Personen erzogen und der Einfluss der Eltern ist dann minimal und auf den Abend und das WE beschränkt.
    Kinder für ein, zwei Tage in die Krippe, damit sie das soziale Miteinander lernen finde ich ok. Mehr nicht.
    Kinder sind schlussendlich lieber bei den Eltern, wo sie nicht eines unter vielen sind.
    Ich musste als Kind jeden Tag in die Krippe und mein Verhältnis zu den Eltern war später eher distanziert.
    Alles hat ein Dafür und Dawider

    • Kiso sagt:

      Ich habe als Kind keine Kita von innen gesehen und das Verhältnis zu meinen Eltern ist eher distanziert….merken Sie was?

      • Mir geht es gleich wie Kiso. Ich denke nicht, dass die Anzahl Kita-Tage einen grossen Einfluss auf die Bindung hat. Trotzdem möchte ich mein Kind nicht 5 Tage/Woche fremdbetreuuen lassen. Man muss sich bewusst sein, dass ein grosser Teil der Wertevermittlung dann auch extern stattfindet und man als Eltern weniger Einfluss darauf hat, wie das Kind die Welt entdeckt.

      • Fredi H. sagt:

        Ich merke, dass mit Einzelbeispielen nicht geholfen ist. Also weder mit ihrem, noch mit dem von „Grossmutter“.

        Und ich merke, dass „distanziert“ ein sehr subjektiver Begriff ist.

    • k. miller sagt:

      Hört sich so an wie „früher war alles besser“. Meine Mutter war die klassische Hausfrau und somit wurden wir Kinder zuhause betreut. Mein Verhältnis zu meiner Mutter war sowohl als Kind als auch als Erwachsene eher schwierig. Wohingegen mein Verhältnis zum Vater (klassischer Feierabendvater) immer gut war und ist. Merke: es gibt nicht DAS ideale Modell, jedes Kind bräuchte ein auf sich zugeschnittenes Betreuungssystem. Was natürlich nicht möglich ist.

      • Lena sagt:

        An Großmutter: „Krippenkinder werden von fremden Person erzogen.“ Aus eigener Erfahrung als Erzieherin und Mutter eines Kita-Kindes weiss ich dass das Kind eine enge Beziehung zu den BetreuerInnen aufbaut und im Normalfall eine jeweilige Bezugsperson hat. Ich bin überzeugt davon dass ein Kind nur davon profitieren kann nebst Mama und Papa noch weitere Menschen als wichtige Lebensbegleiter zu haben.

  • Sportpapi sagt:

    Was in der Diskussion immer wieder auffällt: In der Schweiz ist es aktuell „normal“, dass Mütter 40-60 Prozent arbeiten. Weil man sich offenbar darauf geeinigt hat, dass 2-3 Fremdbetreuungstage für die Kinder das Maximum sind (im Gegensatz zu den vielbeschworenen „modernen“ Länder…). Und selbst die meisten Frauen, die von sich behaupten, sie würden gerne Karriere machen, halten sich meist an diese gesellschaftliche Vorgabe.
    Nun wird immer verlangt, dass dieses „Normal“, das Mütter für sich bestimmt haben, für die ganze Gesellschaft gelten soll. Also auch die Väter, aber auch ledige Mütter sollen nicht mehr arbeiten (dürfen), als Mütter wollen. Damit diese gleich lange Spiesse haben im Job.
    Das ist wie wenn man im (Spitzen)Sport den Trainingsumfang auf 4h/Woche beschränken würde.

    • Martin Frey sagt:

      „Das ist wie wenn man im (Spitzen)Sport den Trainingsumfang auf 4h/Woche beschränken würde.“
      Haha, ein schöner, durchaus treffender Vergleich, Sportpapi. 🙂
      Nur, das Problem ist, bei nahezu allen Sportarten gibt es internationale Wettkämpfe. Die ehrgeizigen unter uns wollen dort zumindest mithalten können, und wissen gleichzeitig, dass Spitzensport als Hobby betrieben dafür nicht ausreicht. 😉

    • Christoph Bögli sagt:

      Man kann die Analogie auch leicht umdrehen: Heute wirkt das Ganze mehr wie ein Spitzensport, in welchem sich alle Teilnehmer aufgrund des enormen Drucks mit Übertraining, Doping, fehlender Regeneration, etc. körperlich völlig kaputt machen. Weshalb es doch sinnvoll wäre, wenn der Verband eingreifen und die Spielregeln für alle etwas gesünder und angenehmer gestalten würde. Mir scheint, nur Masochisten können da ernsthaft dagegen sein.

      • Martin Frey sagt:

        Vielleicht sollen Sie sich mal damit auseinandersetzen, wie die Generationen vor uns gearbeitet haben, Herr Bögli. Welche Entbehrungen, fehlende Regeneration, und Überbelastungen sie auf sich nehmen mussten, nur um ihre Familien halbwegs durchzubringen.
        In einem grösseren historischen Zusammenhang gesehen ist folgendes Fakt: die meisten von uns arbeiten immer weniger, zu immer besseren Konditionen, und es geht uns unter dem Strich immer besser.
        Ein Stück weit ist all das, was wir hier diskutieren, Jammern auf hohem Niveau.

      • Sportpapi sagt:

        @CB: Nein, das kann man nicht umdrehen. Um bei der Analogie zu bleiben: Die meisten Menschen treiben etwas Sport, weil sie müssen und weil es ihnen Spass macht. Fast alle betreiben Breitensport, mehr oder weniger erfolgreich.
        Was aber nicht geht: Mit diesem beschränkten Aufwand und Committement einen Platz an der Spitze einnehmen zu wollen. Kommt ja auch praktisch niemandem in den Sinn. Und schon gar nicht die Idee, dass alle anderen auch weniger trainieren dürfen, weil man selber nicht bereit ist, mehr zu tun.
        Selbst der Amateurstatus bei Olympischen Spielen war ja nicht wirklich umsetzbar.

  • Lukas Baumann sagt:

    Wahre Worte. Aber kein Land, das Kitas fördert – ausser evtl. nordische Länder – will damit ein gutes Familienleben. Zwei müssen einfach dann annähernd voll arbeiten, um auf ein Gehalt zu kommen. Teilzeit für Mutter und Vater wird nicht kommen. In anderen Ländern, wo Kitas gang und gäbe sind, arbeiten nun beide Elternteile voll. Dabei wird immer in den Medien und Politik – FDP ist für Kitas – glaubhaft geschrien, wie rückständig es ist, Kinder zu Hause zu haben, und es wird für Kitas propagiert. Das nahmen bisher die Medien dann einfach so auf, weil es fortschrittlich klingt. Aber ist es pädagogisch fortschrittlich, keine Zeit mehr für seine Kinder zu haben; für Besuch mit Eltern anderer Kinder etc.? Da wird was verkauft mit sehr bösen Hintergedanken. Mehr Arbeit, mehr Auspressen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Spätestens ab dem Kindergarten sind die Kinder tagsüber eh aus dem Haus. Wollen Sie deswegen etwa behaupten, dass Eltern ab dann „keine Zeit mehr für ihre Kinder haben“? Das ist schliesslich das genau Gleiche. Und meines Wissens ist der Tag etwas länger als ein paar Stunden, wenn man die Kinder um 16 Uhr oder wann auch immer abholt, hat man noch mehr als genug Zeit, jede Menge Zeit mit diesen zu verbringen.

      Der Einwand ist zudem ja auch deswegen witzig, weil sich in der „guten alten Zeit“, als die Kinder angeblich noch richtig erzogen wurden, die Eltern meist ja auch wenig bis gar nicht gekümmert haben. Zumindest gabs früher auch kein 24h-Helikoptern. Aber wenn die Kinder in der Kita statt draussem im Quartier oder allein vor dem TV sind ist das plötzlich ein Problem..

    • Kiso sagt:

      Vielleicht muss man auch berücksichtigen dass in einigen nordischen Ländern völlig andere Arbeitszeiten als hierzulande üblich sind, da ist es dann auch schon mal normal dass mqn um 15 Uhr daheim ist. Hier geht man ja bei Vollzeit-tätigkeiten davon aus die Kinder höchstens zum znacht oder am Wochenende zu sehen.

    • sole sagt:

      Allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass andere Länder tiefere Wochenarbeitszeiten haben. Ein 100%-Pensum entspricht oftmals einem schweizerischen 80%-Pensum. So gesehen ist es dann wieder das Gleiche.

  • Hans sagt:

    Das stört mich auch immer an der aktuellen Diskussion zu Vaterschaftsurlaub oder Elternurlab. Es werden immer nur die ersten paar Monate betrachtet.
    Als ob die Erziehung der Kinder nach 16 Wochen oder von mir aus auch 2 Jahren enden würde.
    Zudem sind gerade die ersten paar Wochen eher geruhsam, da das Kind in dem Alter doch noch einen sehr grossen Schlafanteil hat.

    Es müsste doch so gehandhabt werden, dass Väter oder Mütter, die mindestens 1 Kind unter 5 Jahren haben beide jeweils 40 (absolutes Minimum 20) Stellenprozente durch die EO finanziert bekommen. Da verbleibt noch 1 Tag Kita oder Oma.
    Von 5 bis 10 Jahren sind es dann halt nur 20% (oder 10% ). Das entsprich 3 Jahren Elternzeit. Bei Mehreren Kindern überlappen sich ja die Bereiche und es wird weniger pro Kind.

    • hidee sagt:

      finde ich eine super idee. daswürde heissen: wer elternteil ist, leistet maximal 80% erwerbsarbeit. das würde über kurz oder lang zu mehr lohn- und chancengleichheit führen!

    • Hans Meier sagt:

      Kitas sollen nur dann gratis sein, wenn sich die Eltern bei einem 200% Pensum (beide Elternteile arbeiten voll) das realistischerweise nicht leisten können. Betrifft also eher weniger die gut ausgebildeten Paare. Und für die ausgebildeten Akademikerpaare sollte die Kitag nur dann gratis sein, wenn beide Eltern ebenfalls je 100% arbeiten und wenn sie verheiratet sind, wenn also die Einkommen zusammengerechnet werden und die Steuer-Progression entsprechend die Finanzierung dieser „Gratis-Kitas“ ermöglicht. Für 60%-80%-Arbeitsmodelle und ähnliche Arbeits-Freizeit-Wunschkonzerte gut Situierter gibt es keinen Grund, Gratis-Kitags zur Verfügung zu stellen. Es ist nicht die Aufgabe der Allgemeinheit, solche privaten Lebensoptimierungsmodelle dieser Paare zu finanzieren.

  • Christoph Bögli sagt:

    Grundsätzlich eine gute und wichtige Perspektive. Ich bin aber immer wieder überrascht, dass in dem Kontext die einfachste Lösung gar nicht erst zur Sprache kommt: gesetzliche Reduzierung des Vollzeitpensums. Denn bereits 5h weniger pro Woche haben einen überproportional grossen Effekt auf die besagte Work-Life-Balance und fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf enorm.

    Zudem könnte man sich dann die Diskussion um realitätsferne, komplizierte Lösungen wie einklagbare Teilzeit gleich sparen. Und: Das wäre dann halt nicht nur eine Extrawurst für Eltern, sondern käme allen zu Gute, weshalb es sich politisch auch besser verkaufen liesse..

    • Hans Hasler sagt:

      Und diese Reduktion würde Eltern nicht zu Arbeitnehmer zweiter Klasse machen. Ein sinnvoller Vorschlag

    • Sportpapi sagt:

      @Christoph Bögli: Ich nehme an, die Reduktion um ca 15 Prozent der Arbeitszeit soll aber finanziell ohne Folgen bleiben, oder? Dürfte ich stattdessen auch mehr Lohn haben? Von wem?
      Denn ansonsten ist es doch sinnvoller, wir können selber entscheiden, ob wir vollzeit oder teilzeit arbeiten, und was das entsprechend einbringt.
      Kommt dazu, dass ab einer bestimmten Kaderstufe sowieso die Stunden nicht mehr aufgeschrieben werden. Und wenn die Normalzeit sinkt, ist der Sprung dahin umso grösser. Und wird noch abschreckender, gerade für Mütter.

      • Christoph Bögli sagt:

        Wieso nicht? Die Forschung zeigt ja, dass die heutigen Arbeitszeiten in der Schweiz punkto Produktivität in vielen Branchen eher suboptimal und damit ineffizient sind. Eine Reduktion muss somit nicht zwingend in finanziellen Einbussen resultieren (sondern kann sich im Gegenteil sogar auszahlen), auch wenn das für viele Arbeitgeber mit traditioneller Sklavenhaltermentalität nicht intuitiv sein mag.

        Aber als Kompromiss könnte man meinetwegen die Kosten auch hälftig auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufteilen. Mit den Kaderstellen ist das auch nur ein Problem, wenn sich manche unbedingt selbst ausbeuten wollen. Und: Es hielte Sie ja auch dann niemand davon ab, mehr als 100% zu arbeiten. Das machen ja schon heute all die Workaholics, die sich am liebsten von ihrem Zuhause fernhalten.

      • Sportpapi sagt:

        @CB: Dass die Forschung solches zeigt, ist mir nicht bekannt. Mir war eher, dass die Produktivität immer weiter zunimmt, dass immer mehr geleistet wird in der gleichen Arbeitzeit.
        Was aber klar ist, dass Arbeit in der Schweiz im internationalen Vergleich bereits sehr teuer ist, und wir deswegen in vielen Branchen nicht mehr konkurrenzfähig sind.
        Und klar ist auch, dass teilzeit immer auch mehr Koordinations- und Ausbildungsaufwand bedeutet.
        Das mit den Kaderstellen ist dann ein Problem, wenn man möchte, dass Mütter diesen Schritt gehen. Denn ja, es finden sich in diesem Wettbewerb genügend, die sehr viel Zeit investieren möchten.

  • stefu sagt:

    Ich habe mir zu solchen Themen viele Gedanken gemacht. Aber dabei eines übersehen: Ich werde älter und denke in teilweise veralteten Mustern.

    Die nächste Generation setzt voll auf W/L-Balance, immer weniger sind bereit 100% oder schon nur 80% zu arbeiten. Demnach werden die Firmen schlicht gezwungen sein, ihre Berufsbilder anzupassen; sonst können sie die besten Arbeitskräfte einfach nicht mehr gewinnen.

    Jetzt wird das noch häufig belächelt, aber die gesellschaftliche Entwicklung ist in diesem Thema rasant. Mit etwas Glück wird damit das zähe politische Ringen über Frauenförderung, Gratis-Kitas, Elternzeit etc. bald obsolet.

    Ich vertraue auf die Jungen. Gerade weil sie eigene Werte schaffen und die ganz selbstverständlich durchsetzen.

    • Maike sagt:

      In der nächsten Generation wird es viel weniger für Menschen zu tun geben, als es jetzt noch der Fall ist. Die KI wird von der Wirtschaft immer weiter entwickelt mit dem Ziel, die lästige menschliche Arbeitskraft gegen den 7/24 schaffenden zuverlässigen Automaten zu ersetzen. Das wird die Betreuungszeiten in der Familie exponentiell nach oben schnellen lassen – wenn man sich dann überhaupt noch Kinder finanziell leisten kann.
      So sind freie Kitas erst die Spitze des eisberges, der langsam auftaut.

    • Doris sagt:

      bin ganz bei Ihnen, stefu. Insbesondere gut ausgebildete Junge wollen nicht mehr 100 % arbeiten. Bei niedrigeren Einkommen in anderen Berufen stellt sich aber oft die Frage gar nicht, ob 100 oder 80 % möglich wären..

  • Andreas Stander sagt:

    Kitas verfehlen meines Erachtens teilweise das Ziel. Es ist begrüssenswert, wenn Frauen dadurch in der Arbeitswelt mitwirken können. Doch mir fällt auf, dass meistens die Besserverdienenden profitieren. Ich kenne Viele, die dank günstigen/subventionierten Kita-Plätzen ein Haushaltsbudget von gut CHF 250’000 zur Verfügung haben, die Kita-Aufwände auch noch von den Steuern abziehen können, zwei Autos fahren und mind. dreimal im Jahr in die Ferien fahren. In unserer Gemeinde kommen also viele Steuerzahler für wenige Profiteure auf. Leider kenne ich aber Viele, die lohnmässig den unteren Schichten zuzuordnen sind. Diese wiederum profitieren keineswegs. Hart arbeiten, nur damit sie dem Idealbild entsprechen. Meine Familie verfügt über ein Budget von 150 TCHF und bevorzugt die Eigenerziehung!

    • Sportpapi sagt:

      @Andreas Stander: Diese Sichtweise kann ich nicht ganz nachvollziehen.
      Aber was schon auch auffällt ist, dass der massive Ausbau und die Subventionierung von Kinderbetreuung nicht zu einem erheblichen Anstieg von Arbeitstätigkeit von Müttern geführt hat. Die staatlich geförderte Fremdbetreuung ersetzt eher private Lösungen, wie sie vor 20 Jahren noch üblich waren.
      Insofern wird auch das Versprechen, die Ausgaben kämen dann in vermehrten Steuereinnahmen zurück, nur teilweise erfüllt.

    • Anna Maria sagt:

      Das kann ich nicht nachvollziehen. Uns kostet ein Kita Platz 60% pro Monat 1’500.- wir tragen die gesamten Kosten alleine, meine Kollegin die Alleinerziehend ist zahlt pro Monat 300.- für einen 60% Kitaplatz wird also massiv subventioniert. In Baselstadt wird ab einem gemeinsamen Einkommen von 160’000 nicht mehr subventioniert, davor schon. Uns bleibt der Steuerabzug, was ich aber auch gerechtfertigt finde. Es ist also sicherlich Kantonal unterschiedlich.

    • Leila Taleb sagt:

      Ich kann mir das nicht vorstellen. Von welcher Stadt/Region schreiben Sie? Die Subventionen sind ja in der Regel an das Einkommen gekoppelt. Tiefes Einkommen, hohe Subventionsbeiträge, hohes Einkommen führen zu tiefen Beiträgen, wobei ab einem gewissen Lohn keine Subventionen mehr vergeben werden. Die Besserverdienenden profitieren da keines Wegs. Die Eigenerziehung geht ja nur, wenn Grosseltern etc zur Verfügen stehen. Das ist ja nicht bei jedem dem Fall.

  • maia sagt:

    Es gibt weder „gratis“ noch „kostenlose“ KiTas – mindestens die Ökonomin sollte das wissen. Oder ist sie im Ernst der Meinung, dass die KiTa MitarbeiterInnen keinen Lohn bekommen sollen und die Räume und Einrichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt werden?
    Es ist höchstens eine Frage WER die Kosten trägt.

    • Andreas sagt:

      Es geht nicht um das Personal, die Räume usw., sondern darum, dass Kitas mit Steuergeldern subventioniert werden, die Tarife dadurch tiefer ausfallen und schlussendlich die Bessersituierten von diesem System profitieren.

      • maia sagt:

        @Andreas: Das ist ja genau das, was ich beschreibe. Der Ausdruck „gratis“ oder „kostenlos“ sugeriert aber etwas, das nicht wahr ist.

      • Hans Meier sagt:

        Wie kommen Sie darauf, dass Kitas günstiger sind, nur weil sie mit Steuergeldern subventioniert werden? Wo ist da die Logik?
        Aber Sie bringen es auf den Punkt: Es geht nur darum, dass die gut situierten Akademikerpärchen vom System profitieren können.

      • Jane Doe sagt:

        @Markus Tschannen: Das gleicht sich in der Pension wieder aus, wenn Mütter/Eltern, die zu Hause betreut haben, AHV beziehen, die von Erwerbstätigen (Eltern) eingezahlt wurde.

      • Naja, ich kriege als Teilzeitler ja leider nicht die Maximal-AHV.

    • Klar „gratis“ bezieht sich auf den Preis für den Endkunden, nicht auf die Finanzierung.

      Es profitieren vor allem die, die ihre Kinder auch tatsächlich fremdbetreuen lassen. Auf Kosten derer, die selber betreuen, die Kitas über die Steuern aber trotzdem mitfinanzieren müssen. Das ist es was mir (bei aller Freude an bezahlbarer Kinderbetreuung) Sorgen macht.

  • Röschu sagt:

    Mein Problem mit Gratis-Kitas ist, dass diese ja nicht wirklich gratis sind. Es werden bloss Kosten, die aus privaten, individuellen Entscheidungen entstehen, auf die Allgemeinheit abgewälzt.

    • Martin Frey sagt:

      Nichts im Leben ist gratis, Röschu.
      Aber psst, so was triviales wie „Kosten“ will doch niemand hören, und sich auch niemand damit abgeben. Wir kümmern uns um höhere Dinge, die diversen Vorstellungen überschlagen sich momentan gerade.
      Jeden Monat werden Wertpapiere im Umfang von 125 Millionen Franken auf den Markt geworfen um genügend Geld für die Auszahlung der AHV- Renten zu haben, sprich der AHV-Ausgleichfonds veräussert gerade in Rekordzeit sein Tafelsilber, aber who cares? Wunschkonzert ist Trumpf.

    • Klar kosten Gratis-Kitas etwas. Auch die Schule wird über die Steuern finanziert. Ob man das bei Kitas will, ist genau die Diskussion, um die es in Patrizia Laeris Artikel geht.

      • Hans Meier sagt:

        Nur dass es bei der Schule um die Kinder geht und um deren Chancen im Leben. Bei den Kitas geht’s um die Eltern und deren Lebensoptimierung. Kleiner Unterschied. Tagesschulen und Betreuungsprogramme während den Ferien sind auch vor allem zur elterlichen Lebensoptimierung gedacht. Nach dem „Kindswohl“ fragt hier niemand ernsthaft. Doppelverdienereltern aus akademischen Kreisen wollen einfach auf nichts verzichten müssen. Um das geht es hier hauptsächlich.

      • maia sagt:

        Bei den Schulen redet aber niemand über „Gratis“-Schulen. Es ist allen klar, dass die Schule etwas, resp. viel kostet. – Eine Ökonomin sollte das wissen.

    • Martin Frey sagt:

      @Tschannen
      Schulen sind eine hoheitliche Staatsaufgabe im Interesse der Gesamtbevölkerung, wie Gesundheitswesen, Polizeiwesen, Abfallwesen usw.
      Ob die ökonomische Optimierung bestimmter Lebensmodelle ausgewählter Familien durch noch mehr Steuergelder nach dem Gieskannenprinzip dazu gehört, ist schon sehr Ansichtssache. Dass der Staat es seinen Bürgern unterstützt, dass diese Wahl zwischen bestimmten Lebensmodellen ermöglicht wird, entspricht schon eher seinem Auftragsprofil. Und das tut er.

      • Wie geschrieben bin ich persönlich nicht unbedingt der grösste Verfechter von Gratis-Kitas. Man kann das diskutieren. Ich habe nur etwas Probleme mit der plakativen Aussage, dass Kinder „Privatsache“ seien. Die „hoheitlichen Staatsaufgaben“ braucht es in der Regel auch zur Bewältigung „privater Entscheide“. Ich finde es zum Beispiel einen äusserst privaten Entscheid, Müll zu verursachen oder ein Verbrechen zu begehen.

      • Martin Frey sagt:

        Kinder sind nicht einfach so Privatsache, Herr Tschannen, genauso wenig wie es Senioren, Behinderte oder andere Bevölkerungsgruppen sind. Da bin ich ganz bei Ihnen. Nicht ohne Grund sind Schulen ja auch Staatsaufgabe, und nicht einfach Privatsache.

  • Lia sagt:

    Und wieder macht ein Mann die typische Falschaussage zu arbeitenden Frauen: arbeiten ist nicht gleich Karriere. Die meisten Frauen arbeiten, um die Familienfinanzen zu unterstützen, und nicht, um Karriere zu machen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das trifft aber auf die Mehrheit der Männer auch zu. „Karriere“ ist m.E. in dem Kontext generell problematisch wenn nicht genauer definiert. Der Grossteil der Bevölkerung dürfte schliesslich eher froh sein, überhaupt einen passablen Job zu haben. Wobei natürlich manche „Karriere“ als Synonym für „berufstätig“ benutzen..

    • Andreas Stalder sagt:

      Falsch! Die meisten Familien die von „subventionierten“ Kita-Plätzen profitieren sind die oberen Klassen nicht die Familien in den unteren Lohnklassen. Der oberen Mittelschicht soll es selbstverständlich erlaubt sein, ihre Kinder in Kitas zu bringen. Aber bitte nicht auf Kosten der Steuerzahler profitieren bzw. die Aufwände für die Kita vollumfänglich selber zahlen. Also nicht 150.00/Tag pro Kind, sondern die Vollkosten übernehmen. Auch wenn sie dafür 300/Kind/Tag zahlen müssten. Das wäre gerecht. Dadurch könnten die Kita-Tarife für die weniger Gutverdienenden nochmals gesenkt werden.

      • U. Wigger sagt:

        Für CHF 6000 pro Monat würde ich ein Kindermädchen anstellen und mein Kind nicht in die Kita stecken. Da stellt sich die Frage warum Vollkosten CHF 300 sind. Bei 10 Kindern sind das CHF60K/M oder 720K pro Jahr. Ist diese Kita am Zürich Paradeplatz!

    • Martin Frey sagt:

      @Lia
      Grundsätzlich völlig einverstanden, die ständige mantramässige Gleichsetzung von „Karriere“ und Erwerbstätigkeit ist bemühend.
      Nur ist das kein typisch männliches Sprachmuster, sondern wenn schon ein typisch feministisches. Der Autor ist diesbezüglich einfach gut konditioniert. 🙂

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ja- eine kleine Minderheit macht Karriere und hat Löhne über 120k.
        Wer einfach arbeitet, mit einem Lohn zwischen 50-90k, der kann auch mal 3-4 Jahre Pause machen (bzw. tiefes Teilzeitpensum), da ist nicht gleich „die Karriere“ futsch.

        Wie viel wir verdienen, hängt in erster Linie von unseren Fähigkeiten, Ambitionen und Ausbildungen ab.
        Das muss uns als erstes klar sein.
        Bloss weil ich ohne Unterbruch 100% angestellt bin, mache ich nicht „Karriere“. Selbst Studium oder ständige Weiterbildungen führen nicht zwingend dazu.

      • Ich glaube, ich habe mich oben nicht so auf den Begriff „Karriere“ versteift, wie sie es mir jetzt unterstellen. Ich würde Karriere nicht mit Erwerbstätigkeit gleichsetzen, aber sie ist ja auch nicht auf das Stereotyp des CEO beschränkt. Unter Karriere verstehe ich eine gewisse Berufliche weiterentwicklung: Mehr Gehaltüber die Jahre, mehr Verantwortung, neue Herausforderungen. Weshalb mir der Begriff in dem Kontext wichtig ist: Die meisten Leute haben eine „Karriere“ … bis sie in Teilzeit gehen. Teilzeitjobs hindern heute die berufliche Weiterentwicklung. Das müsste nicht so sein.

      • Martin Frey sagt:

        @Tschannen
        „Die meisten Leute haben eine „Karriere“ … bis sie in Teilzeit gehen. Teilzeitjobs hindern heute die berufliche Weiterentwicklung. Das müsste nicht so sein.“
        Das pflichte ich Ihnen vollumfänglich bei. Nur, ob diesem Umstand mit „Gratis-Kitas“ zu begegnen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zahlen aus anderen Ländern belegen das nämlich nicht unbedingt, auch wenn das gerne (auch hier) behauptet wird. Und dass in der CH derart viel in Teilzeitpensen gearbeitet wird, kann man durchaus auch einfach als Ausdruck davon sehen, dass es uns ökonomisch gut geht. Denn interessanterweise ist das bei Ausländerinnen, die in der CH arbeiten, weniger der Fall.
        https://www.20min.ch/schweiz/news/story/Auslaenderinnen-sitzen-haeufiger-im-Chefsessel-16575075

  • Noah Lilienthal sagt:

    Recht auf Reduktion des Arbeitspensums nach Ablauf der Elternzeit??? Ich wäre ja schon froh, wenn es überhaupt die Elternzeit gäbe! (Grad gestern hat ja glaub die GLP-Chefin verlauten lassen, dass sie die Elternzeit zwar anstreben, aber dass sie an der Urne wohl keine Chance hätte bis die Baby-Boomer-Generation verstorben ist.)

  • Klaus Bruggisser sagt:

    Kleine Anmerkung für diejenigen, die nach dem Moto „Den Fünfer, das Weggli und das Retourgeld“ leben: Auch wenn man mit dieser Aussage mittlerweile bis zu den Knien im Fettnäpfchen steht, Kinder sind immer noch Privatsache und die Eltern haben sich darum zu kümmern. Nicht der Staat, die Mitmenschen oder der Arbeitgeber. „Betreuungsgeld“ ist eine reine Krücke, um diejenigen, die sich noch den Kindern widmen möchten einen halbwegs adäquaten Ausgleich zu dem Rundumsorglospaket der arbeitstätigen Müttern zu bieten. Schlussendlich ist es ebenso absurd, Hausfrauen einen stattlichen Bonus zu entrichten, wie die staatliche Unterstützung geldscheffelnder Eltern.

    • Ich bin auch nicht dafür, den Eltern die Kinder rundherum zu finanzieren und sie in allen Belangen auf Händen zu tragen. Aber wo beginnt denn die „Privatsache“? Sie bezahlen mit Ihren Steuerngeldern heute die Schulen. Finden Sie, Eltern sollten die Bildung Ihrer Kinder selber bezahlen?

  • Martin Frey sagt:

    Das ist ja das Schöne an diesen Tagen: jede/r kann fordern, bzw wie hier das Modell propagieren welches einem gerade zusagt, und welches zufällig dem eigenen entspricht. Daran ist per se nichts schlecht, nur sollte man irgendwann auch auch aus der Wunschkatalogphase raus und sich ernsthafte Gedanken zur realen Umsetzung machen.
    „Ich zweifle keinen Moment daran, dass statistische Daten diesen Zusammenhang stützen.“
    So etwas sollte man wissen, Glauben ist der Religion vorbehalten. Sowie Kenntnisse zu Finanzierung (Gratiskitas) bis zu den Bedürfnissen und Möglichkeiten von Wirtschaft und breiter Bevölkerungsschichten (nicht = Einzelpersonen).
    Meine Präferenz wäre zb eine andere: wenn die Leute eine Wahlfreiheit hätten, und nicht ein aufgedrucktes Modell. Auch nicht das von MT.

    • Christoph Bögli sagt:

      @MF: Wobei der status quo ja auch ein aufgedrücktes Modell ist. Der Vorwurf fällt aber seltsamerweise meist nur, wenn man an diesem etwas ändern will. Wobei ich grundsätzlich zustimme punkto Wahlfreiheit, allerdings ist das ja letztlich erst recht ein ziemlich nebulöser Wunsch wenn man nicht die reale Umsetzung darlegt.

      Denn so gut ich „Wahlfreiheit“ auf dem Papier finde, so schwierig fände ich es, aufzuzeigen, wie sich das genau realisieren liesse. Völlig offen und fair. Ausser vielleicht über sowas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, damit jeder machen kann, was er will. Aber das dürfte dann erst recht wieder illusorisch sein.

      • Röschu sagt:

        Wahlfreiheit haben wir in der Schweiz mMn schon jetzt. Nur wollen halt einige dann nicht mit den Konsequenzen, der von Ihnen getroffenen Wahl leben…

      • Sportpapi sagt:

        @CB: „Wobei der status quo ja auch ein aufgedrücktes Modell ist.“
        Welches Modell denn? Wir als Mittelstandsfamilie haben die Chance, selber zu entscheiden, wie hoch die Arbeitstätigkeit der Eltern sein soll, aber dem Minimaleinkommen, das bei uns bei ca 80 Prozent läge (bei tiefem Lebensstandard), bis hin zu 200 Prozent. Es gibt dabei ein Optimum, was das Familieneinkommen betrifft, und was das Stresslevel betrifft. Und es gibt Rahmenbedingungen, die durch den Arbeitsmarkt vorgegeben sind.
        Ich kenne kein Modell, das den Familien mehr Freiheit lässt, unter der Voraussetzung, dass die Familien sich in erster Linie selber versorgen/finanzieren sollten.

      • Martin Frey sagt:

        @Bögli
        „Wobei der status quo ja auch ein aufgedrücktes Modell ist.“
        Das finde ich nun nicht unbedingt. Auch wenn ich persönlich für eine massvolle Elternzeit bin. Aber wer viel arbeiten will, für den soll es sich lohnen, auch wenn nicht über „Gratis-Kitas“ (was für ein Sand in die Augen streuendes Unwort) falls die Leute gut verdienen. Aber dafür werden in diesem Land immer noch Leistung und Eigenverantwortung belohnt.
        Und wer gerne zuhause bleiben oder sein Pensum reduzieren möchte, der kann das ja tun. Er/sie muss einfach mit gewissen Konsequenzen leben, was in meinen Augen richtig ist. Aber diese Wahlfreiheit besteht durchaus.
        Verbesserungsmöglichkeiten gibt es natürlich schon, so zb. auch bei Pensumreduktionen, gerade in Unternehmen, aber auch staatlichen Institutionen.

      • Christoph Bögli sagt:

        Diese Art „Wahlfreiheit“ besteht dann aber bei jedem Modell, das keinen Zwang beinhaltet. Freiwillige Gratis-Kitas muss ja auch niemand nutzen. Und ob „Leistung“ und „Eigenverantwortung“ wirklich belohnt werden, sei mal dahingestellt, das ist ja so der beliebte neoliberale Neusprech wenn es darum geht, die Pfründe der Bessergestellten zu verteidigen. Denn wenn jemand heute diese „Wahlfreiheit“ hat, dann sind es diese. All jene, die mit einem Lohn gar kaum durch kommen, sind hingegen die Angeschmierten, da sie sich entweder für eine teure Kita oder weniger Lohn einschränken müssen.

      • Martin Frey sagt:

        @Bögli
        Nun gut, wir haben ja erst neulich lernen dürfen, dass sogar Begriffe wie „Eigenverantwortung“ in gewissen Lagern bereits als „toxisch“ indexiert sind. Was auch eine Aussage ist.
        Nur, in einem Modell wie in Skandinavien besteht „Wahlfreiheit“ sehr viel weniger als bei uns, bei einer Steuerlast die Normalverdienern jede Wahlmöglichkeit raubt. Das, was Sie freiwillige Gratis-Kitas nennen, ist dort alternativlos.
        Bei der Diskussion geht es auch nicht um „Pfründe der Bessergestellten“ sondern den Mittelstand dem wir mehr oder weniger alle angehören.
        „All jene, die mit einem Lohn gar kaum durch kommen, sind hingegen die Angeschmierten, da sie sich entweder für eine teure Kita oder weniger Lohn einschränken müssen.“
        Eben nicht. Dafür gibt es die Subventionen, zurecht.

      • Sportpapi sagt:

        @Christoph Bögli. Es ist klar, dass mit steigendem Einkommen/Wohlstand die Wahlmöglichkeiten grösser werden. Aber darum geht es ja nicht.
        WENN in unserem heutigen System diesbezüglich Defizite vorhanden sind, dann bei den schlecht verdienenden Eltern, die gezwungen sind, ihre Kinder in subventionierte Fremdbetreuung zu geben, damit beide arbeiten können, statt dass sie diese Subventionen direkt ausbezahlt bekommen würden, und eine Chance hätten, zumindest teilweise selber zu ihren Kindern zu schauen.
        Ansonsten noch einmal: Wenn Kinderbetreuung gratis ist, dafür viel Steuern eingezogen werden, dann ist das praktisch ein Zwang zur Vollzeitarbeit. Im Gegensatz zum heutigen System in der Schweiz, das eben viel mehr Möglichkeiten bietet.

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