Her mit dem Müttergeld!

Wir brauchen einen Lohn, der Mütter vor Altersarmut bewahrt. Foto: Pexels

Sobald ihr Kind da ist, erhalten Schweizer Mütter 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Danach kehren sie zurück an ihren Arbeitsplatz. 14 Wochen sind eine unzumutbar kurze Zeit – für Mutter und Kind. Obwohl die Schweiz eines der reichsten Länder der Welt ist, liegt sie mit dieser «Lösung» im europaweiten Vergleich an letzter Stelle.

In den meisten europäischen Ländern können Mütter eine bezahlte Auszeit von mindestens einem Jahr nehmen; in Deutschland und Österreich haben Frauen sogar die Möglichkeit, ihre Elternzeit auf bis zu zweieinhalb Jahre auszuweiten.

In einer gerechten Welt, in der Männer und Frauen gleich behandelt würden, würde man den Müttern ein Jahr Mutterschaftszeit gewähren; den Vätern anschliessend ein Jahr Vaterschaftsurlaub. So müssten sie das Kind in den ersten zwei Jahren nicht fremdbetreuen lassen, nur weil die erwerbsabhängigen Eltern den (oft herzlosen) Bedingungen der Arbeitgeber verpflichtet sind.

24 Stunden Aufmerksamkeit

In der Schweiz reduzieren die meisten Frauen, die Mütter geworden sind, ihr Pensum. Sie arbeiten fortan Teilzeit – bestimmt auch deshalb, weil sie sich um ihre Kinder kümmern möchten. Das ist einerseits – klar! – schön und sinnstiftend; anderseits aber auch anstrengend, weil Kinder 24 Stunden am Tag Aufmerksamkeit einfordern.

Frauen arbeiten also im Büro und nach Feierabend nahtlos zu Hause weiter, wo der Nachwuchs hungrig ist und der Wäschekorb überquillt. Weil Kinderbetreuung und Haushalt aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht als Arbeit gelten, verdienen Frauen zu Hause nichts. Würden sie diese Arbeit niederlegen und streiken, würden Kinder verhungern und die Wohnung im Müll versinken.

Weil Frauen Teilzeit arbeiten, verdienen sie weniger. Das hat einschneidende Folgen – auch für die Zukunft, wenn es um die Pensionskasse geht. Die meisten Frauen verdienen ohnehin mit ihren Teilzeitjobs kaum so viel, dass sie allein eine Familie stemmen könnten; Wohnungsmieten, Steuern und Krankenkassenprämien fressen praktisch das ganze Einkommen weg, hinzu kommt die teure Fremdbetreuung, die ja beansprucht werden muss, damit man als Eltern arbeiten kann.

Frauen erhalten also Geld, das sie sofort wieder ausgeben müssen. Allerdings so wenig, dass sie kaum oder nur wenig Pensionskassengelder – die 2. Säule – sparen können, weil erst ein Einkommen über 24’000 Franken versichert ist. Der Grossteil der Männer hingegen arbeitet trotz Nachwuchs Vollzeit – nach der Pensionierung erhalten sie zusätzlich zur AHV eine Rente aus der Pensionskasse. Frauen bleibt im Pensionsalter oft nur eine staatliche AHV-Rente – das sind im besten Fall 2350 Franken, die kaum fürs Leben ausreichen. Immerhin berücksichtigt die AHV, dass sich Mütter um Kinder kümmern, deshalb wird ihnen eine Erziehungsgutschrift angerechnet.

Frauen sind immer noch abhängig

In unserer Gesellschaft ist es also so, dass Frauen, sobald sie Mütter werden, weniger verdienen und wenig bis nichts für ihre Pensionskassen-Rente ansparen können. Obwohl sie mehr arbeiten als je zuvor in ihrem Leben. Dass Mütter weniger verdienen, obwohl sie für die Gesellschaft einen Grossteil der Arbeit bewältigen, weil sie Kinder zu Erwachsenen grossziehen, wirkt sich auf die sogenannte Unabhängigkeit der Frauen aus.

Unabhängigkeit – die Emanzipation der Frauen – ist auch heute nach wie vor keine Realität für das weibliche Geschlecht. Geändert hat sich einzig die Tatsache, dass Frauen heute zu Hause und ebenfalls im Büro arbeiten. Auch können sie die gleiche Ausbildung machen wie Männer, in der Arbeitswelt hingegen werden sie diskriminiert; sie erhalten weniger Lohn und werden oft mit assistierenden Arbeiten beschäftigt. Befehlen ist immer noch Männersache, während im Niedriglohnsektor vorwiegend Frauen beschäftigt sind.

Es stellt sich die Frage, ob Frauen heute tatsächlich emanzipiert sind – obwohl sie mehrheitlich arbeiten. Und es darf weiter gefragt werden, ob Erwerbsarbeit Frauen tatsächlich «unabhängig» macht, wie es ja immer wieder beschwörend heisst.

In einer nicht nur nach männlichen Bedürfnissen ausgerichteten Welt würde den Frauen allein die Tatsache, dass sie ein Kind auf die Welt gebracht haben, angerechnet werden. Die Mühsal einer Schwangerschaft, die Strapazen einer Geburt, den oft zerschleissenden Job einer Mutter, die sich jahrelang um ihre Kinder kümmert. Allein dafür müsste sie lebenslang belohnt werden. Bei uns aber ist Mutterschaft ein Makel, für den die Frauen bezahlen müssen.

Für ein monatliches Entgelt

Führen wir ein Müttergeld ein! Ein Betreuungsgeld oder – wie auch immer – eine Mütter-Rente, die Frauen ein Leben lang für Schwangerschaft, geburtliche Strapazen und das Sich-Kümmern um ihre Kinder entschädigt. Ein Lohn, der Mütter vor Altersarmut bewahrt und ebenfalls vor der Abhängigkeit eines Mannes oder eines missgünstigen Chefs. Ein solches monatliches Entgelt würde Frauen einen Schritt weiter in die viel beschworene Unabhängigkeit führen.

Würde ich ein monatliches Einkommen erhalten, allein dafür, dass ich Kinder bekommen habe und nun aufziehe, würde ich – nebst dem, dass ich jeden Tag koche, putze, einkaufe und aufräume – eine Ausbildung zur Yogalehrerin machen, weitere Bücher schreiben, Italienisch lernen und an Tagen, an denen die Sonne scheint, baden gehen. (Okay, die Kinder nehme ich dann mit!)

Was würden Sie mit diesem Geld tun?

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