Schön, dass wir uns nicht einig sind

Meinungsverschiedenheiten halten das Familienleben lebendig. Foto: Gratisography (Pexels)

Meine Kollegin Eva Hefti hat letzte Woche in ihrem Mamablog-Beitrag geschrieben, wie ihr das viel gelobte Bauchgefühl bei der Erziehung nicht weiterhilft und dass sie froh sei um Ratgeberliteratur. Darin habe sie Erziehungskonzepte gefunden, die zu ihr passten – allerdings sei ihr Mann anfangs anderer Meinung gewesen.

Die Bloggerin berichtet von hitzigen Gesprächen: «Durch viele Diskussionen grundlegender Erziehungsfragen haben wir uns in unserer Ehe noch einmal neu kennen gelernt (…) Wir merkten, dass wir da oft nicht auf der gleichen Wellenlänge waren – die bisher grösste Bewährungsprobe für unsere Beziehung.» Schliesslich habe sich der Mann aber darauf eingelassen, den von ihr eingeschlagenen Weg zu gehen.

Dieser Punkt kam bei den Leserinnen und Lesern schlecht an. «Typisch, der Mann muss sich der Frau anpassen!», war der Tenor in einigen Kommentaren.

Ja, wie macht man das, wie findet man als Paar einen Konsens in Erziehungsfragen?

Früher war die Sache einfacher. Bis vor etwa fünfzig Jahren war man sich gesellschaftlich recht einig, wie eine gute Erziehung aussieht. Zudem war durch die klassische Rollenverteilung eher klar, dass die Mutter die Richtung vorgab. Heute gibt es kein allgemein gültiges Richtig und Falsch mehr und die gleichberechtigten Partner müssen aushandeln, welches Erziehungskonzept ihnen entspricht.

Durch Diskussionen den Horizont erweitern

Das ist eine grosse Chance! Es ist eine Bereicherung, dass die Partner mit ihrer je eigenen Kindheitsgeschichte in die Beziehung kommen – und sie voneinander lernen können. Jeder lebt in seiner eigenen kleinen Welt und denkt, dass das, was er erlebt hat oder denkt, die einzige Wahrheit ist. Indem man miteinander spricht, weitet sich der Blick. Was, du durftest früher stundenlang fernsehen – und bist heute trotzdem ein Büchernarr? Aha, man kann auch ein guter Esser werden, wenn man nicht dazu gezwungen wird, alles aufzuessen, was auf dem Teller liegt?

Schliesslich muss man gemeinsam herausfinden, wie man es in der eigenen Familie machen will. Was gefällt mir an deinem Konzept? Warum möchte ich in einer Sache auf meiner Einstellung beharren? Sachbücher können dabei helfen, manchen Streit beizulegen. Wenn ein Kinderarzt wie Remo Largo in seinen Langzeitstudien herausgefunden hat, dass es nicht möglich ist, den Prozess des Trockenwerdens zu beschleunigen, dann erübrigen sich weitere Diskussionen zum Thema.

Kinder können mit Verschiedenheit umgehen

Ich denke, es ist wichtig, dass man als Eltern gewisse Grundwerte teilt. Doch es ist auch völlig in Ordnung, wenn man nicht in allen Fragen auf der gleichen Wellenlänge ist. Kinder können bestens damit umgehen. Beim Papa dürfen sie auf höhere Bäume klettern als bei mir. Dafür bekommen sie bei mir ein Dessert, auch wenn sie nur wenig von der Hauptspeise gegessen haben. Unsere Kinder fragen jeweils nach dem Essen: Wer ist heute der Chef? Bin ich es, gibt es so oder so ein Dessert. Ist es mein Mann, nur unter Auflagen. Die Kinder lernen so, dass es verschiedene Ansichten zu einem Thema gibt und dass beide ihre Berechtigung haben.

Mama und Papa dürfen unterschiedliche Vorstellungen haben. Aber in einem Punkt sollten sie sich einig sein: Dass es in Ordnung ist, verschieden zu sein.

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68 Kommentare zu «Schön, dass wir uns nicht einig sind»

  • Hermann sagt:

    Ewiger Krach bei uns: Sie: Nun stell den verdammten PS4 ab, deine zwei Stunden sind um. Ich: Lass ihn doch, er ist mitten in einem Spiel mit anderen, fordert seine Sozialkompetenz. Sie: Blödsinn, der wird nur noch dümmer, können wir uns eigentlich auf nichts einigen?

  • Hans Minder sagt:

    Die Familien-Ratschläge in den Medien werden fast ausschliesslich aus der Sichtweise der Ein- oder Zwei-Kinderfamilie geschrieben. Unsere Patchwork-Familie zählt 4 Kinder: da geht im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab, wenn sich Mamma und Pappa nicht einig sind: Vier individuelle Menüs würden gekocht und auch beim Dessert müssten es 4 verschiedene Süssigkeiten sein, da einer von Beeren den Graus hat, der andere bei Vanille-Aroma Brechreize kriegt, der Dritte Nüsse zum Erzfeind erklärt hat und die Tochter ausser Maraschino Kirschen nichts mehr als Dessert anerkennt! Da stelle ich den Kuchen auf den Tisch und sage: 150 millonen Kinder sind unterernährt!, und wer dieses Dessert verschmäht, der hat das Nachsehen! Eltelicher Konsens wird hier zur (Über-)Lebensnotwendigkeit…

  • fabian sagt:

    Zum Bild: Männer schlagen ist ja in Ordnung. Frauen schlagen wäre undenkbar. Gleichstellung 2019.

    • Blog-Redaktion sagt:

      Aber Sie sehen schon, dass das Bild gestellt ist, ja? Die beiden geben sich bewusst übertrieben, dadurch soll es komisch wirken. Im Zusammenhang mit dem Text wo’s um eine andere Auffassung von Erziehungsansätzen geht, finde ich das Bild nicht problematisch. Im Kontext von körperlicher Gewalt allerdings schon. /gb

  • Anh Toàn sagt:

    Ach, und dann sind sich die Eltern super einig, z.B. über die erlaubte Menge an Süssigkeiten, oder dass rauchen wirklich das letzte ist, und dann ist das Kind eine Woche bei den Grosseltern, die Oma gibt immer Süssigkeiten und der Opa kifft:

    Ein wichtiges Element von Erwachsensein ist Aushalten von Ambivalenz, soll man dies denn erst lernen dürfen, wenn man volljährig ist?

  • k. miller sagt:

    Rückblick in die Erziehungsmethoden meiner Eltern in den 60ern/70ern: Werte waren von der Kirche und der damaligen Gesellschaft geprägt. War halt so. Eltern waren sich grundsätzlich immer einig. Und zwar wirklich immer! Eine feste Einheit, auch bei den banalsten Dingen. Wenn Mutter was gesagt hat, hat Vater sie unterstützt und umgekehrt. Klingt schön – war für mich aber problematisch. Denn bei „ungerechten“ bzw. für mich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen wurde mir als Kind/Jugendliche jegliche Möglichkeit entzogen, nochmal darüber zu reden – evtl. mit dem anderen Elternteil. Und sei es nur, um es zu verstehen. Aber da war diese Einheit, dieser Block. Mein Fazit: Eltern dürfen ihren Kindern durchaus auch mal zeigen, dass sie sich nicht einig sind. Kinder können damit umgehen.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Bin ich tatsächlich die Einzige welche die Bildänderung bemängelt?
    Oder landet einfach alles diesbezügliche im Kübel?

    • Blog-Redaktion sagt:

      Es hat sich niemand sonst beschwert. Sie finden das Bild unangemessen, weil überspitzt? Nun, das erste war mir persönlich zu kitschig; deshalb der Wechsel. /gb

      • Viola sagt:

        Hier Beschwerde! Gehts noch? Stellt euch das mal umgekehrt vor. Es ist unangemessen weil Gewalt an Männer oft verharmlost wird. Wie kann das nicht klar sein?

      • L.T. sagt:

        Das Bild finde ich ziemlich witzig! Und passend zum Thema.

      • Anina sagt:

        Das erste Bild war wirklich viel besser.

      • Brunhild Steiner sagt:

        dritter Versuch meiner ersten Klage, das erste Bild war tatsächlich nicht optimal, aber stellen Sie sich doch bitte mal den umgekehrten Fall, die Dame hat die Faust des Herrn im Gesicht, vor- wirklich immer noch angemessen und mit Label „witzig inszeniert“ zu versehen?

      • 13 sagt:

        Dieses Mal völlig Ihrer Meinung Viola (und BS). Lustig ist anders.

      • Martin Frey sagt:

        Wenn ich meinen Senf auch noch dazu geben darf…
        „Es hat sich niemand sonst beschwert.“
        Doch, Jan Holler hat das Bild sehr früh moniert.
        Bilderwahlen sind nicht einfach, persönlich nehme ich sie (im Ggs. zu den Titelschlagzeilen) jedoch nicht allzu ernst. Aber im umgekehrten Fall (der wohl nie eintreffen wird da ja „nicht lustig“…) gäbe es umgehend einen mini-Shitstorm. Und niemand würde das „witzig-überspitzt“ finden.
        Gewalt in Beziehung ist leider allgegenwärtig, und gerade bei Uebergriffen an Männern gibt es eine riesige Dunkelziffer. Es ist insofern allen selber überlassen, wie „lustig“ solcher Schenkelklopfhumor daherkommt. Der gerade im „Geschlechterkampf“ sehr en vogue ist.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Martin Frey

        bin mir nicht sicher, aber ich denke JH hat sich auf das erste Bild (idyllische Strahlefamilie in hellblau gekleidet) bezogen, zu Beginn war ja ein anderes als Teaser gesetzt.

      • Viola sagt:

        @13 Danke für ihre unterstützung trotz aller auseinandersetzungen und meinungsverschiedenheiten die wir ja hatten und haben.

    • Rudy sagt:

      Finde das Bild ebenfalls unangemessen! Vertauschen Sie die Rollen der beiden und es wird offensichtlich.

  • Fritz sagt:

    Was ist ein „guter Esser“? Einer, der eine Norm erfüllt? Z.B. Gemüse essen, obwohl der Körper dies nicht braucht und er es nicht gerne hat? Eine Norm, welche vielleicht nicht zu seinen Bedürfnissen passt?

    • Laurence sagt:

      Aus dem Kontext heraus, ist ein guter Esser einer, der den Teller leer isst d.h. Ünlicherweise nicht schnäderfrässig ist. Der isst als Erwachsener auch alles auf, was hier zulande der Tischknigge entspricht (sclimme Allergien mal ausgenommen)

      • Reincarnation of XY sagt:

        Gute Esser werden mit den Jahren übergewichtig…

        Ums Essen werden oft ganz falsche Prioritäten gesetzt.

        Das kommt eben von einer Erziehung nach Regeln, anstatt nach Vernunft.

      • Paul sagt:

        Wenn man als Kind schnäderfräsig ist, heisst das noch lange nicht, dass man das als Erwachsener ebenfalls ist. Umgekehrt gilt es ebenfalls. Ein Kind soll in erster Linie Freude am Essen haben und satt werden (und dies spüren), statt irgendwelche komischen Knigge-Normen wie „Teller leer essen“, „Gemüse essen“, „wenig Süssigkeiten“, „Dessert nur bei leerem Teller“, etc. etc. zu erfüllen.
        -> Und dann wundert man sich über die vielen essgestörten Jugendlichen…

      • Sportpapi sagt:

        @Paul: Der Anstieg von Essstörungen kommt kaum von der Einführung neuer Regeln wie „Teller leer essen“ etc…

  • Sonusfaber sagt:

    Ich muss nun meine bereits geäusserte Kritik an diesem Text ergänzen bzw. erweitern. Die Autorin schreibt: „Zudem war durch die klassische Rollenverteilung eher klar, dass die Mutter die Richtung vorgab“ – eher das Gegenteil war der Fall, denn damals haben eher Väter das Sagen gehabt und die meisten von ihnen hatten durchaus patriarchalische, wenn nicht gerade alttestamentliche Glaubenssätze in Beziehungs- und Erziehungsfragen, es galt, möglichst streng zu sein, für Gehorsamkeit und Disziplin zu sorgen, dafür, dass die Nachkommenschaft christlich gedrillt wird und so weiter. Ja, Frau und Kinder waren für den Vater da, sein Wort galt und nur sein Wort. Die Frauen hatten schweigsam zu folgen. So hat die schön verklärte Vergangenheit ausgesehen …

  • 13 sagt:

    2/ Die Verantwortung für die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind liegt immer beim Erwachsenen. Erst wenn ein Kind älter wird, ändert sich das langsam und zunehmend, bis zwei erwachsene Personen da sind. Und wenn ein Kind einen Elternteil aufgrund dessen Erziehungsmethoden vorzieht, dann ist es am anderen das zu überdenken und zu reagieren. Ich erlebe es jedoch im Umfeld häufiger, dass sich derjenige, dann beleidigt zurückzieht und raushält, was weder gegenüber dem Kind noch dem anderen Partner, der dann mit der Aufgabe alleine dasteht, fair ist.

  • 13 sagt:

    Ich schliesse mich den meisten Kommentatoren wie auch der Autorin, dass die Grundhaltungen übereinstimmen sollten, Detailfragen sind hingegen jedem selber überlassen und da sollte sich auch jeder mal auf die Zunge beissen, wenn der andere etwas sagt, was einem selber nicht entspricht. Zumindest vor den Kindern, denn das ist aus meiner Sicht eine Hauptregel: Erziehungsfragen besprechen mein Mann und ich unter 4 Augen. Und ansonsten ist sich eine Eigenreflexion nicht unwichtig. Warum springt das Kind auf eine Methode besser an? Sollte ich etwas ändern? Anpassen? Die Tatsache, dass zwei Personen da sind mit unterschiedlichen Erfahrungen, Einstellungen und Kenntnissen, sollte als Chance betrachtet werden, dazu zu lernen und nicht als Konkurrenz.

  • Maike sagt:

    So war es auch bei uns – die Grundrichtung hat gestimmt. Im Detail haben wir uns deutlich unterschieden. Bei meinem Mann druften die Mädels immer mehr kritische Dinge, die mich Widerwillen gekostet hätten. So hat er ihnen beigebracht, wie man freihändig Fahrrad fährt ! Wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber in Punkto Taschengeld, wann sie zu hause sein mussten, da waren wir uns einig. Auch was diese Drogen wie Alkohol, Rauchen und diesen ganzen anderen Kram angeht. Als Wein- und Biertrinker konnten wir den Alkohol natürlich nicht verdammen. Nur das es besser wäre, nie soviel zu trinken, das man die Kontrolle über sich verliert.
    Und ganz wichtig zu überlegen, ob man etwas machen will oder muss, nur weil es alle anderen machen. Hat geklappt.

  • Synn sagt:

    Ich sehe das anders und bin extrem froh, dass mein Mann und ich in Erziehungsfragen und auch sonst in allen relevanten Lebensanschauungen sehr ähnlich ticken. Im nahen Umfeld sehe ich wie mühsam das ist, wenn es nicht so ist. Und ich spreche jetzt nicht von Petitessen, wie einer zieht das Kind etwas wärmer an oder erlaubt mal ein Stück Kuchen mehr als der andere. Aber bei der Grundhaltung gleich/ähnlich zu ticken, entspannt das (Familien-)leben enorm.

  • Melanie sagt:

    Guter Blog danke!
    Ich finde es auch ok, wenn die Eltern Dinge unterschiedlich machen oder zu gewissen Themen unterschiedlicher Meinung sind. Was ich schwierig finde ist, wenn es gewisse Konsequenzen hat bsp. die Kinder dürfen beim Partner lange aufbleiben und sie sind am Morgen müde, aber ich bin diejenige, die sie am Morgen wieder aus dem Bett kriegen muss. Oder wenn der Partner Hausarrest gibt, dann aber nicht da ist, um das ganze Gemotze auszuhalten. Da finde ich es legitim, dass entweder meine Vorgehensweise mitberücksichtigt wird, oder die Konsequenzen vom Partner mitgetragen werden.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Richtig. Deshalb gilt: jeder löffelt die Suppe aus, die er sich eingebrockt hat.
      Man sieht also: das Wichtigste ist, dass die Eltern selbst eine gewisse emotionale und charakterliche Reife haben.

      Am Ende des Tages ist das sowieso das Einzige was wir den Kindern wirklich vermitteln: die Werte, die wir selbst wirklich verinnerlicht haben.

  • Seraina Sattler sagt:

    @ Jan Holler: Da muss ich vielleicht präzisieren: Beim Essen ist bei uns derjenige der „Chef“, der gekocht hat – das ist also nicht total willkürlich.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Danke. Wieder ein guter Blog.
    Die oft propagierte, so wichtig seiende, einheitliche Linie der Eltern ist sehr relativ zu verstehen. Ehrlichkeit und Transparenz scheint mir wichtiger. So lernen Kinder: Ah, es gibt verschiedene Meinungen, und vor allem: es sind nur Meinungen. Meine Eltern sind nur fehlbare Menschen, und ihre Meinung ist nicht zwingend die Beste und vor allem nicht die Einzige.

    Natürlich ist dieser „Vorteil“, unterschiedlicher Meinung zu sein, auch wieder zu relativieren. Ein gewisser Konsens an Werten sollte vorhanden, sonst wird es schwierig bis unmöglich (siehe Rothacher/Faber).

    Es ist also (wie immer) eine Frage des Masses und der Interpretation.

    • tina sagt:

      wie ich schon beim vorgänger schrieb, bin ich überzeugt, dass man nicht in einzelfragen einig sein muss, aber in der grundhaltung. „wie wollen wir das machen“. das erlaubt auch meinungsänderungen, entwicklungen. ich finde auch, dass das ein gutes beispiel von zusammenarbeit gibt: einen gemeinsamen kurs finden, aber bei einzelnen entscheidungen kann man auch individuell zu verschiedenen entscheidungen oder meinungen kommen, und das ist dann überhaupt kein problem

    • Martin Frey sagt:

      @Reincarnation of XY
      „Natürlich ist dieser „Vorteil“, unterschiedlicher Meinung zu sein, auch wieder zu relativieren. Ein gewisser Konsens an Werten sollte vorhanden…“

      Das wäre eigentlich mein Punkt gewesen. Kinder sind Weltmeister darin, Eltern auseinanderzudividieren, ja letztendlich auch ein Stück weit zu manipulieren. Authentizität ist enorm wichtig, aber nicht zwingend mit divergierenden Meinungen assoziiert. Im Ggt. denke ich, das leben Eltern besser anderweitig vor indem sie offen und auf Augenhöhe vor und mit dem Kind diskutieren. Dem Kind gegenüber ist aber m. E. eher ein Konsens von Vorteil. Und wenn man sich nicht mal einigen kann, dass ein Kind, welches nicht isst, tendentiell auf den Dessert verzichten sollte, frage ich mich, wie es bei schwierigeren Themen wird.

      • Martin Frey sagt:

        … divergierenden „Erziehungsstilen/Haltungen in Erziehungsfragen“ müsste es wohl besser heissen…

      • Reincarnation of XY sagt:

        Das verstehe ich MF. Prinzipiell ist eine weitgehende Übereinstimmung von Vorteil, denn es bedeutet weniger Reibungsfläche, auch für das Paar.
        Der mangelnde Konsens ist prinzipiell ein Makel. Dieser Blog versucht mMn nur, zu zeigen, dass dieser Konsens kein zwingendes Muss ist, dass aus der Verschiedenheit auch Gewinn gezogen werden kann.
        Ich denke, das ist ein wichtiger Gedanke, damit man sich nicht verkrampft, dass man Meinungsverschiedenheiten nicht zu einem GAU macht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        MF – bezüglich Kinder sind Weltmeister im auseinanderdividieren…. (nach den ersten 10-20 Mal hat man das durchschaut und lässt sich nicht länger überrumpeln – grins)

        Je mehr wir Gebote-orientiert erziehen, um so wichtiger die gemeinsame äussere Linie.

        Je länger, je mehr ist es für mich wichtig, dass in meinem Erziehungsstil Aufklärung und Verstehen im Mittelpunkt stehen. Weil ich auf die Schlauheit und Sturheit meiner Kinder vertraue, dass, wenn sie nicht verstehen, warum dieses und jenes das richtige Verhalten ist, sie letztlich sowieso Wege finden werden, meine Gebote zu umgehen.

      • 13 sagt:

        @ MF
        „Und wenn man sich nicht mal einigen kann, dass ein Kind, welches nicht isst, tendentiell auf den Dessert verzichten sollte, frage ich mich, wie es bei schwierigeren Themen wird.“
        Aber es behauptet doch gar niemand, dass man sich hier nicht einigen könnte? Man verzichtet vielmehr bewusst darauf, einen Konsens zu suchen, weil keine Frage von so grossem Gewicht ist, dann ein solcher wirklich entscheidend ist. Das bedeutet nicht, dass man dazu nicht in der Lage wäre. Auch nicht bei gewichtigeren Fragen.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Dafür bekommen sie bei mir ein Dessert, auch wenn sie nur wenig von der Hauptspeise gegessen haben. Unsere Kinder fragen jeweils nach dem Essen: Wer ist heute der Chef? Bin ich es, gibt es so oder so ein Dessert. Ist es mein Mann, nur unter Auflagen.“
        Nun, nach einer einheitlichen, einigen Haltung tönt das in meinen Ohren nicht. Und so banal das Beispiel tönen mag, ist es vermutlich nicht. Bei Mami gibt es offenbar Süssigkeiten völlig egal ob das Kind zu den Hauptmahlzeiten irgendwelche Grundnahrungsmittel zu sich zu nehmen pflegt, und unbesehen von der Meinung des Ehemannes sowie etwaiger Ratgeber. Nur um letzteres auch noch zu erwähnen, bin grad nicht sicher was Largo dazu sagen würde… 😉
        Hatten wir nicht letzthin das Thema unter umgekehrten Vorzeichen? 🙂

      • 13 sagt:

        @ MF
        Der zitierte Satz sagt aus, dass man sich nicht geeinigt hat, nicht dass man sich nicht einigen konnte. Da sehe ich einen Unterschied. Der Ehemann ist ja scheinbar auch nicht gekommen und hat fundiert dargelegt, warum er sich wünschte, die Ehefrau würde es gleich handhaben wie er. Ich lese aus dem Text, dass es für beide ok ist, in dieser Frage ungleicher Meinung zu sein. Wäre es ihm wichtig, hätte er recherchiert und könnte belegen, warum es nur nach dem Verzehr von Grundnahrungsmittel Süsses geben sollte und sie bitten, das auch so handzuhaben und würde sie mit einer Handbewegung nur finden, sie mache es eben anders, wäre ich zu 100% auf seiner Seite. Aber ich zumindest lese den Text nicht so.

      • 13 sagt:

        Ich weiss jetzt auch nicht, was Largo zur Frage Süssigkeiten meint, aber er ist ja eigentlich ein Befürworter mehrerer Betreuungspersonen, woraus ich vermute, dass er auch kein Problem mit verschiedenen Regeln hätte….

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Gegen mehrere Betreuungspersonen ist ja auch nichts einzuwenden. Nur gibt es bezüglich Süssigkeiten schon einen klaren Konsens:
        Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfiehlt, nicht mehr als zehn Prozent der Tageskalorienmenge in Form von Süßigkeiten oder Snacks zu sich nehmen. Eine Portion Süsses am Tag ist für definitiv Kinder genug. Die Menge sollte dabei ca. 50 Gramm und 150 Kilokalorien nicht überschreiten. Das entspricht zum Beispiel einer Kugel Eis oder 30 Gramm Gummibärchen. Zudem (ich zitiere): ‚Damit das Kind nicht heimlich Süßes nascht, lohnt es sich, gemeinsame Regeln aufzustellen, an die sich dann auch alle Familienmitglieder halten müssen.‘ 🙂

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Wäre es ihm wichtig, hätte er recherchiert und könnte belegen, warum es nur nach dem Verzehr von Grundnahrungsmittel Süsses geben sollte und sie bitten, das auch so handzuhaben und würde sie mit einer Handbewegung nur finden, sie mache es eben anders, wäre ich zu 100% auf seiner Seite.“
        Das glaube ich Dir sofort, ganz ehrlich. Nur, ebenso ehrlich, glaubst Du wirklich, wenn dem so wäre, würden wir das so lesen?
        Ich lese in den Zeilen nur, dass er eine dezidiert andere Haltung vertritt, und sie das nicht zu interessieren scheint. Ich gehe jetzt eher davon aus, dass er durchaus seine Argumente haben dürfte, er ansonsten ja gar nicht zu seiner Haltung gekommen wäre.
        Die Frage stellt sich, was lese ich zwischen den Zeilen? Deine Annahmen basieren m. E. auf einem klassischen Bias.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Damit bin ich ja völlig einverstanden. Mit Konsens meinte ich einen Konsens zwischen diesen beiden bestimmten Elternteilen. Was Du zitierst, sind ja Empfehlungen. Die Eltern entscheiden letztlich, woran sie sich halten.
        Ich und mein Mann (Konsens 😉 ) entscheiden ohnehin aus der Situation heraus, ob es etwas Süsses gibt oder nicht. Da gibt es keine allgemein gültigen Regeln. Ich halte es aber jeweils auch nicht für ganz produktiv, wenn ein Kind das Essen herunterwürgt, obwohl es gar nicht mehr mag, um dann Süsses zu bekommen. V.a. bei Kindern, die eh schon zu Übergewicht neigen. Ist bei uns eines der drei: Diese Regel würde bedeuten, sie bekäme immer ein Dessert. Dasjenige, das wie ein Spatz isst und eher zu leicht, aber topfit, ist, nie. Fände ich sehr merkwürdig.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ich glaube, Du liest recht viel zwischen den Zeilen, weil dieser Mann Deine Meinung vertritt. Es kann genauso gut sein, dass er das so lebt, weil er das so von zu Hause aus kennt und es nie hinterfragt hat. Davon, dass es ihn stört, wenn sie es anders gehandhabt, steht im Text tatsächlich kein einziges Wort. Was aber ausdrücklich steht, ist:

        „Mama und Papa dürfen unterschiedliche Vorstellungen haben. Aber in einem Punkt sollten sie sich einig sein: Dass es in Ordnung ist, verschieden zu sein.“

        Ich ging daher davon aus, dass das bei der Autorin und ihrem Mann zutrifft.

      • Seraina Sattler sagt:

        @Martin Frey: Sie interpretieren etwas viel in die Dessert-Szene hinein. Ich habe nichts über die Menge und Häufigkeit von Süssem in unserem Haushalt geschrieben. Unsere Kinder bekommen noch lange nicht nach jedem Essen ein Dessert und wenn, meist etwas Kleines. Es geht mir um das von 13 beschriebene Prinzip: Ich möchte nicht, dass die Kinder etwas in sich hineinstopfen müssen, nur um ein Dessert zu erhalten.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Ich ging daher davon aus, dass das bei der Autorin und ihrem Mann zutrifft.“
        Kann man. Selber sehe ich aus Sicht des Ehemannes (..die auch meine wäre. Nur haben wir diesbezüglich einen Konsens, respektive suchen den immer wieder), dass seine etwas strengere Haltung durch ihre permissivere Haltung unterlaufen wird. In Beziehungsgeflechten ist es immer die Person mit der strengeren Haltung, die an die permissiveren Tribut zollen muss.
        @Sattler
        „Ich habe nichts über die Menge und Häufigkeit von Süssem in unserem Haushalt geschrieben.“
        Nach meinem Verständnis schon: „Dafür bekommen sie bei mir ein Dessert, auch wenn sie nur wenig von der Hauptspeise gegessen haben.“ bzw. „Bin ich es, gibt es so oder so ein Dessert.“
        Frage: Wieviele Hauptmahlzeiten gibt es bei Ihnen pro Tag?

      • Seraina Sattler sagt:

        @Martin Frei
        Gut, dann präzisiere ich: Wenn nach einer Hauptmahlzeit ein Dessert vorgesehen ist, dann gibt es dieses bei mir ohne Auflagen.

      • Melanie sagt:

        @ Martin Frey
        Es ist einfach streng zu sein, wenn man bsp. von sieben Mittagessen nur an zweien präsent ist.

      • 13 sagt:

        @ mf
        Hmmm, ich muss mal meinen Mann fragen, wer hier strenger ist. Ich könnte es nicht sagen. Die diplomatische Antwort meiner Kinder: je nachdem, worum es geht, aber „mittelstreng“ und „fairstreng“ 😉
        Aber doch nimmt es mich Wunder, wie du eben die Regel „Süsses erst nach dem Essen“ in meinem Fall handhaben würdest:
        Kind 1 hat leichtes Übergewicht, nicht dramatisch, aber halt zum etwas hinschauen. Dieses isst sehr gerne.
        Kind 2 isst Miniportionen, ist nach 2 Bissen satt und mag v.a. oft das Abendessen nicht (mag im Sinne von kein Hunger und nicht „nicht gerne“). Es ist eher leicht, aber gesund und fit.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Es gibt in deiner Situation verschiedenes zu bedenken: wie alt sind die Kinder, wieviel Bewegung haben sie, auch neben der Schule, wie pflegt ihr zu essen, was haben sie für Zwischenmahlzeiten, was trinken sie, und ja, wie haltet ihr es mit Süssigkeiten? Ihr selber als Vorbilder, und was die Kinder angeht. Wie sind die Kinder gebaut (Stichwort Habitus), denn wie sage ich gerne: unterschätze nie die Genetik.
        Um Largo nochmals zu zitieren (SP wird mich dafür hassen 😉 ), gibt es unterschiedliche Essensverwerter ab frühester Kindheit. Um Kind 2 würde ich mir daher keine Sorgen machen.
        Bei Kind 1 ist der Sachverhalt anders: was heisst: isst gerne? Normale Portionen bis zu einem Sättigungsgefühl, oder darüber hinaus? Und welchen Stellenwert haben Süssigkeiten bei Kind 1?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Bei Kind 1 kommt noch hinzu (und da wirst du mich hassen dafür… 😉 ) ob es ein Mädchen ist, und wenn ja, wie alt. Denn nach wie vor ist das Risiko für Mädchen, eine Essstörung zu entwickeln, deutlich höher als bei Knaben.
        Je nach Alter kann man die Kinder auch in die Verantwortung nehmen. Vorausgesetzt, man hat sie nicht ab frühester Kindheit mit Süssigkeiten „angefixt“.
        Bei uns gibt es keine fixen täglichen Süssigkeiten, und schon gar nicht unabhängig vom Essverhalten wie bei der Autorin. Und auch keine Süssgetränke. Aber wir machen je nach Situation auch nicht viel Aufhebens darum. Selbst wenn der Nachwuchs mal nicht aufisst, liegt (zb auswärts) trotzdem mal ein Dessert drin. Denn wenn man zuviel Aufhebens um etwas macht, bekommen die Dinge auch eine überhöhte Bedeutung.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Warum sollte ich Sie dafür hassen? Largo ist in vielen Bereichen ein anerkannter Fachmann.
        Er hätte einfach bei diesen bleiben sollen.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Quatsch, ich habe ja gefragt 😉
        Es sind beides Mädchen (11 und 4). Der Junge ist kein Thema, er isst gute Portionen, die er aber dringend braucht, da er ein absoluter Bewegungsjunkie und jede freie Sekunde draussen verbringt. Deshalb habe ich ihn auch nicht reingenommen.
        Ich mache mir auch keine Sorgen, um keines der Beiden. Wir haben das im Griff und achten auf das Essverhalten, ohne viel Aufheben.
        Allerdings haben wir eben auch nicht die Regel, dass es Süsses erst nach dem Essen gibt. In Anwendung dieser, müsste ich in dieser Situation aber Kind 1 etwas Süsses geben und Kind 2 nicht. Denn Kind 1 hat ein leeres Teller, Kind 2 nicht. Das ist es, was für mich nicht aufgeht, darum die Frage.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi
        Eigentlich hatte ich immer den Eindruck, Sie könnten ihn nicht ausstehen…. wohl weil er sich immer wieder auch zu Schulthemen äussert?
        @13
        „Das ist es, was für mich nicht aufgeht, darum die Frage“
        Die von dir skizzierte Regel stammt so pauschal auch nicht von mir. Persönlich bin ich auch kein Anhänger der „es muss aufgegessen werden“ Variante.
        Ich sage einzig, wenn man Kindern zu jeder Mahlzeit von Beginn an in Aussicht stellt, dass es sowieso auf einen Dessert hinausläuft, dass man weder sich selber noch dem Kind einen Gefallen tut. Und dass so etwas ernährungstechnisch schon nicht sehr viel Sinn macht.
        Aber man muss letztendlich die Situation jedes Kindes immer individuell in dessen Gesamtschau betrachten.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ich anerkenne selbstverständlich, was Largo alles geleistet hat, und seine Bücher stehen auch in unserem Haushalt.
        Ich habe mich auch mit seiner Forschung teilweise auseinandergesetzt, z.B. bei der Anwendung des Zürcher Neuromotoriktests.
        Aber bezüglich Schule lehnt er sich sehr weit hinaus. Und es ist ärgerlich, dass er dort in gewissen Kreisen so gerne zitiert wird, aufgrund seiner Autorität in einem doch sehr anderen Gebiet.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ach so, jetzt verstehe ich es. Ja, da bin ich absolut einverstanden. Bei uns ist es eher so, dass die Kinder manchmal am Abend auf dem Sofa, also völlig losgekoppelt vom Abendessen noch fragen, ob es ein Dessert gibt. Und da entscheiden wir nach Gefühl und abhängig von verschiedenen Überlegungen (Wieviel haben sie sich bewegt? Was haben sie sonst an dem Tag gegessen? Wie spät ist es? Gab es die letzten Tage viel/wenig Süsses?). Aber ich würde es nicht einzig vom Essverhalten einer Mahlzeit machen.

        @ Sp
        Jetzt bin ich auch gespannt. Ich habe ja schon mal gefragt, aber keine konkrete Antwort erhalten. R.L. schreibt ja in erster Linie über die Entwicklung der Kinder. Sollte dies nicht für die Schule (Festlegung Schulsystem, Lehrplan etc.) die Basis sein? Anderes Gebiet?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Ich scheine mich in den letzten Tagen sehr unverständlich ausgedrückt zu haben… muss wohl an meinem Deutsch arbeiten. 🙂
        Zum Thema R. L.: Er ist sicher eine polarisierende Person, und auf seinem Gebiet eine Kapazität. Aber wie viele polarisierende Kapazitäten erlaubt er sich eine pointierte Meinung auch zu Themen, die sein Gebiet zumindest tangieren. Dass dies bei anderen Menschen, die sich auf ebendiesen Gebieten selber als Kapazitäten betrachten, nicht nur Freude hervorruft, verstehe ich. Das ist notabene innerhalb der Medizinbranche nicht anders, dort werden die Diskussionen teils hart geführt. Aber wünschenswert wäre es hier wie da, wenn man dafür Argumente ins Feld führen könnte.

  • Jan Holler sagt:

    Frau Sattler, genau so. Sie haben es auf den Punkt gebracht. Kinder werden immer die Erziehungs-„Schwächen“ von Mutter oder Vater erkennen. Sie wissen ganz genau, wen sie etwas fragen müssen, um eher zum Ziel zu kommen. Darum ist ja auch einer der von Kindern meistgehörten Sätze: „Was hat den Mama (oder umgekehrt Papa) dazu gesagt?“
    PS: Könnten Sie bitte ihre Bildredaktion feuern, die es tatsächlich fertig bringt, aus diesem furchtbaren (iStock, Shutterstock, Getty)-Bildern die schrecklichsten auszusuchen. Lieber keine Bilder als diese.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Und wenn’s nicht ums Dessert oder Bäume geht? Wenn es darum geht, um 22 Uhr oder um 24 Uhr zu Hause zu sein? Oder ausser Haus zu schlafen? Wenn es um Zigarettenrauchen, Trinken oder härtere Drogen geht? Wenn es sich um Diebstahl oder Gewalt handelt?
    Beim Pippifatz können Paare unterschiedliche Werte ausleben, kein Problem. Doch irgendwann werden die Fragen etwas „härter“ und man kann kein „Doppelleben“ mehr führen, weder als Eltern, noch als Kind.
    Wenn Moral und Ethik bei Paaren sehr unterschiedlich ausgeprägt sind (einer moralisiert, der andere geht in der Ethik vollständig auf), können sie auf Dauer nicht miteinander leben. Ob mit Kindern oder ohne.

    • tina sagt:

      ich glaube nicht, dass zwischen 2 elternteilen meinungsverschiedenheiten bezüglich harten drogen, gewalt oder diebstahl geben kann.
      als elternpaar muss man doch die ganze kindheit immer wieder entwicklungen diskutieren. was ist uns für unser kind wichtig, was soll es lernen, wo müssen wir eingreifen, leitplanke, vorbild sein. wie ist unsere vorstellung davon (leitplanke, vorbild, eingreifen). aber in der stunde, wo ein elternteil allein damit konfrontiert ist, dass ein kind ein drogenproblem hat, ist es nicht entscheidend dass man genau so handelt, wie auch der andere elternteil handelt. entscheidend ist die grundhaltung. nicht?

    • tststs sagt:

      Hatte ähnliche Gedanken; die geschilderten „Problemfälle“ sind so harmlos, dass es wohl auch okee wäre, wenn ein Elternteil in sich nicht kohärent wäre…

  • Sonusfaber sagt:

    „Früher war die Sache einfacher. Bis vor etwa fünfzig Jahren war man sich gesellschaftlich recht einig, wie eine gute Erziehung aussieht“ – naja, da muss ich (59) vehement widersprechen! Meine Eltern haben sich richtig bekriegt in den 60er- und 70er-Jahren, als wir Kinder noch im Elternhaus wohnten, sind tagaus, tagein aneinandergeraten infolge unterschiedlicher Auffassungen bzgl. Erziehungsfragen. Sie haben deswegen ein elendes Leben geführt. Und nicht nur meine Eltern. Und dabei hatten sie – das möchte ich hervorheben – durchaus ähnliche Grundwerte. Wozu also diese Verklärung der Vergangenheit? Aus Eitelkeit? Damit wir uns damit brüsten können, die grössten Hürden aller Zeiten nehmen zu müssen? Oder damit wir uns beschweren können ohne schlechtes Gewissen?

    • Reincarnation of XY sagt:

      Sonus – die Verklärung der Vergangenheit ist allgegenwärtig und geschieht – bei allen die gar nicht dabei gewesen sind – aus Unwissen, Ignoranz.

      Aber schön, dass Sie darauf hinweisen. dass die Menschen auch in den vergangenen Jahrzehnten nicht eine homogene (Klischee) Masse waren.

    • Maike sagt:

      Die Verklärung der Vergangenheit ist ein Rettungsmechanismus des Menschen. Kann man sehr gut bei sich selber ausprobieren, in dem man mal eine Liste aufstellt und dort die positiven und die negativen Dinge aufschreibt, an die er sich noch erinnern kann. Nicht was gestern passierte, sondern das was vor 10, 20, 30 Jahren passiert ist.
      Erste Liebe, mal eine 6 geschrieben, Sprung vom 10m Turm geschafft – das ist noch ziemlich präsent. Hat man in der Zeit zufällig ein Tagebuch geführt, würde man da vermutlich lesen, Portemonai geklaut, beim Sport derbe gefault worden, von dem Freund sitzen gelassen.
      Kann man sich vermehrt an die positiven Dinge erinnern, erzeugt das eine positive Grundstimmung. Und das hat sicher nichts mit Unwissenheit und Ignoranz zu tun.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Maike!
        1 . Wir reden hier nicht von der persönlichen Rückblende, sondern um eine gesellschaftliche Aussage zur Kindererziehung von früher.

        2. Selbst bei der persönlichen Rückblende wäre es ignorant, wenn ich einfach pauschal sage: „war einfacher/besser“ bloss, weil ich nur die sonnigen Stunden in Erinnerung habe. Wenn ich einen Vergleich mache, muss ich mir schon die Mühe nehmen, und das damals so objektiv wie möglich beleuchten.

        Genau wegen dieser ignoranten Haltung (man kennt ja mittlerweile des Phänomen des goldenen Rückspiegels), entsteht ein verzerrtes Bild, wird der Fortschritt nicht gesehen, falsche Dinge idealisiert etc.

  • Sportpapi sagt:

    Gut so. Das ist dann aber nicht: Ich habe ein Konzept, du keine Ahnung. Sondern in einer gewissen Bandbreite sich einigen, aber auch einen Teil unterschiedlicher Vorgehensweisen bestehen lassen.

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