Zu jung fürs Brett? Blödsinn!

Snowboard ja, aber später: Warum nur haben Snowboards bei Eltern kaum eine Berechtigung? (Foto: iStock)

Wenn kleine Kinder snowboarden möchten, haben sie in der Schweiz keine Lobby. Gerne übernehme ich das und wiederhole vor der Sportferienzeit, was ich hier schon letztes Jahr von meiner Papablog-Kanzel herabpredigte:

Sobald Kinder auf Ski stehen können, kann man sie auch aufs Snowboard stellen.

Also zum Beispiel ab drei oder vier Jahren. Auf jeden Fall nicht erst ab acht Jahren, wie immer wieder behauptet. Schuld an diesem verbreiteten Irrglauben ist auch die Snowboardindustrie, die sich lange nicht um Kinder kümmerte. Heute gibt es zum Glück gutes Material für jedes Alter.

Warum ist das wichtig?

Ich will Ihnen nicht vorschreiben, was Ihre Kinder zu lernen haben. Ob Ski oder Snowboard, das ist Ihre Wahl. Aber ein hartnäckiger Mythos sollte niemanden vom Snowboarden abhalten. Schluss mit «Dafür bist du noch zu jung!»

Als ich vor einem Jahr über kleine Snowboarderinnen und Snowboarder schrieb, war mein Kind noch Fussgänger. Inzwischen waren wir zweimal in den Snowboardferien und der Brecht stand 11 Tage auf dem Brett. Zeit für einen Erfahrungsbericht:

1. Top Erlebnis, gerne wieder

Ein Brecht im Schnee.

Das Kind ist motiviert und hat Spass – mehr, als ich mir erträumen konnte. Spass mit Bewegung ist beim Brecht nicht selbstverständlich. Ein Velo würde er zum Beispiel nie anfassen.

2. Noch kein Pistengott

Schon am ersten Tag balancierte er seinen knapp vierjährigen Körper problemlos auf dem Brett. Inzwischen fährt er am Übungshügel respektable Kurven, kann vor Hindernissen oft bremsen und wenn nicht, dann wenigstens selber wieder aufstehen.

Doch für die Piste reicht es noch nicht: An steilen Hängen fehlt der Stemmbogen, im Flachen die Stöcke. Bei Neigung zieht es ihn in den Bach am Pistenrand – wir haben es ausprobiert. War nicht schön.

3. Selbst trägt das Kind

Nach dem Hauptnachteil des Snowboards gleich ein verlockender Vorteil: Der Brecht fühlt sich in den Snowboardschuhen den ganzen Tag wohl und kann damit auf jedem Untergrund gehen, ohne auszusehen wie eine Giraffe auf einem zugefrorenen Teich. Das Snowboard ist so leicht, dass er für seine Ausrüstung keine Eltern-Sherpas benötigt.

4. Die schlimmen Snowboardstürze …

… sind bislang überhaupt nicht schlimm. Während Maximilan-Jason nach dem Überkreuzen der Skis als weinendes Knäuel aus Beinen und Stöcken noch ein paar Meter weiter rollt, kippt der Brecht eher gemächlich um. Er tut sich nicht einmal weh. Wozu haben wir eigentlich einen Helm besorgt?

5. Zuerst das Schulbrett drücken

Derselbe Brecht. Erneut im Schnee.

Gruppenunterricht für vierjährige Snowboarderinnen und Snowboarder gibt es in keinem mir bekannten Skigebiet. Wir haben uns mit stundenweisem Einzelunterricht beholfen. Das lohnt sich – denn die grössten Fortschritte hat der Brecht dann doch bei der Snowboardlehrerin gemacht. Und mit «grösste Fortschritte» meine ich bremsen.

6. Kaufen ist seliger denn mieten

Da der Snowboardgott jedes Jahr nur eine Prise Mietsnowboards über die Alpen streut, haben wir Brechts Ausrüstung käuflich erworben. Dazu mussten wir lediglich eine neue Hypothek aufnehmen, unsere Gehälter verpfänden und den Restbetrag kickstartern.

Zum Glück ist so eine Snowboardausrüstung sehr langlebig. Man kann sie ans nächste Kind weitergeben, Freunden ausleihen und auch wieder verkaufen.

Durchschauen Sie meinen Plan? Ich will Sie überreden, Ihr Kind snowboarden zu lassen, um Ihnen Brechts Ausrüstung anzudrehen: Grösse 90 cm, guter Zustand, Selbstabholer bevorzugt.

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