Verstehen Kinder Ironie?

War das jetzt lustig gemeint oder ernst? Die Erfahrung hilft Kindern, die Kommunikation der Eltern zu deuten. Foto: iStock

Was genau ist eigentlich Ironie? Selbst die Sprachwissenschaft kann keine einheitliche Definition liefern. Grob gesagt ist Ironie die offene Simulation von Unaufrichtigkeit. Ich sage etwas, das nicht genau der Wahrheit entspricht. Gleichzeitig weiss ich, dass Sie wissen, dass ich weiss, dass Sie wissen, dass es nicht die Wahrheit ist. Das klingt komplizierter, als es sich für uns im Alltag anfühlt.

Ironie kann in verschiedenen Formen daherkommen, zum Beispiel als Über- oder Untertreibung, als rhetorische Frage oder – je nach Definition – als Sarkasmus. In jedem Fall weicht das, was ich meine, von dem ab, was ich wörtlich sage.

Genauer betrachtet ist das Verstehen von Ironie doch komplizierter, als es uns im Alltag vorkommt. Schon wir Erwachsenen haben manchmal Schwierigkeiten, Ironie zu erkennen. Ab wann können wir es unseren Kindern zutrauen? Zwei Dinge muss Ihr Kind dafür können:

  1. Abweichungen erkennen: Bezieht sich Ihre ironische Aussage auf die reale Welt, ist eine Abweichung für Ihr Kind relativ leicht zu erkennen. «Na, das ist ja ganz tolles Wetter für den Spielplatz» seufzen Sie vielleicht, und Ihr Kind merkt nach einem geübten Blick aus dem Fenster: Aha, das Wetter ist NICHT toll für den Spielplatz. Schwieriger wird es, wenn sich die Ironie auf Ihre Überzeugung bezieht: In diesem Fall kann Ihr Kind nicht beobachten, sondern muss schlussfolgern. «Ich liebe es, wenn du mit Essen rumwirfst», rufen Sie Ihrem Kind genervt zu. Es muss nun aus Ihrem restlichen Verhalten und seiner eigenen Erfahrung interpretieren, dass Sie rumgeworfenes Essen offensichtlich nicht lieben.
  2. Überzeugungen erkennen: Es reicht nicht aus, dass Ihr Kind erkennt, dass Sie nicht die Wahrheit sagen. Es muss auch erkennen, dass Sie nicht lügen. Es muss wissen, dass Sie die Wahrheit kennen und Ihnen bewusst ist, dass es – das Kind – diese Wahrheit auch kennt. Man nennt das Überzeugung zweiten Grades.

Erst Achtjährige erfüllen laut Forschung die Voraussetzungen

In vielen Studien hat man Kinder verschiedenen Alters auf diese beiden Voraussetzungen hin untersucht und kam zum Schluss, dass sie frühestens ab 6 und so richtig erst ab 8 Jahren in der Lage sind, Ironie zu verstehen. Doch die Studien haben Schwächen: Aus ethischen Gründen wurden die Kinder nicht direkt mit ironischen Äusserungen konfrontiert. Man hat ihnen Geschichten vorgelesen oder Situationen vorgespielt, in denen jemand etwas ironisch meinte, und sie anschliessend befragt: «Wie war das gemeint?» Die Kinder mussten also das Verhalten fremder Personen entschlüsseln und erklären. Weiter wurde in den Studien nur eine bestimmte Form von Ironie getestet, und zwar spottende, sarkastische Ironie.

Die Praxis widerspricht

Eine neuere Langzeitstudie liefert andere Ergebnisse. Ein Forschungsteam hat dabei alltägliche Situationen in Familien aufgezeichnet und herausgefunden, dass schon Vierjährige Ironie verstehen und sogar selbst anwenden können. Wie gut, das hängt davon ab, wie häufig ihre Eltern ironisch sind. Bei dieser Studie kam auch heraus, dass Eltern nur selten spottend ironisch mit ihren Kindern reden, sondern eher andere Formen der Ironie anwenden. Das dürfte mit ein Grund sein, weshalb die früheren Studien bei kleinen Kindern kein Ironieverstehen fanden.

«Ich hab dir schon tausendmal gesagt, du sollst nicht die Treppe runter rennen», «Mach nur so weiter!», «Na toll, schon wieder eine Hose kaputt» oder «Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du endlich Zähne putzen sollst?» Diese Ironie kann Ihr vierjähriges Kind verstehen.

Das Beispiel der Ironie zeigt, dass selbst kleine Kinder sprachlich anspruchsvolle Situationen bewältigen können – wenn wir sie im Alltag damit konfrontieren. Es ist also sinnvoll, Kinder sprachlich zu fordern.

Mein Mann und ich pflegen zu Hause eine sehr ironische Sprache. Der Brecht hat Ironie vor seinem dritten Geburtstag verstanden und konnte sie kurz darauf auch anwenden. Und das ist der absolute Beweis, keine weiteren Studien notwendig.

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50 Kommentare zu «Verstehen Kinder Ironie?»

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ich habe kürzlich nicht schlecht gestaunt, als mich ein 22 Monate alter Höseler arschkalt anlog. Als ich ihn fragte, wo er hingeht, sagte er „Grosi frage“. Ich wusste nicht, dass das Grosi auf den Balearen in den Ferien ist und liess ihn gehen.
    In Wahrheit machte er sich auf den Weg zum 300 Meter entfernten Hundezwinger und er wusste ganz genau, dass ihm seine Mutter verboten hatte, alleine zu den Hundeli zu gehen.
    Aber das habe ich erst im Hinterher gemerkt. Das Kind war mir definitiv voraus.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      passt zu meiner allgemeinen Meinung was die Funktion von Ironie betrifft. Mein letzter Kommentar wurde unterdrückt, weil er der R. nicht in den Kram passt. Ironie ist die Waffe der Unterdrückten, die sich der politischen Denk- und Redepolizei zu entziehen suchen.
      Wenn Eltern ihren Kindern nicht offen und aufrichtig begegnen, sondern sie komplizierten Sprachspielen aussetzen, dann ist das ein Symptom für eigene Verunsicherung, unklare Rollen, verschämte Ansprüche und letztlich der klassische Weg in ein psychisch krank machendes double bind.

  • Petra Söhner sagt:

    Alles eine Frage der Konditionierung…;o)

  • Martin Vischer sagt:

    Die Frage ist wohl falsch gestellt. Mit fällt auf, dass die Innerschweiz Ironie kaum versteht und bisweilen, völlig falsch, als Zynik bezeichnet.
    Kinder von Eltern, die Ironie schätzen, verstehen diese deutlich besser, als Kinder von Eltern die mit der Ironie hadern.

    • gabi sagt:

      Was natürlich oft dem Umstand geschuldet ist, dass sich auch Erwachsene, die eigentlich mit feiner Ironie brillieren wollen, in plumpen Beleidigungen oder fadem Zynismus verlieren.

      Übrigens grad in Wien, einer Stadt in welcher einige Begnadete mit wirklich witziger Ironie zu glänzen vermögen, steht den Gescheiten leider auch ein Heer von bemüht Witzigen gegenüber.

      Ich darf zum Thema Kindererziehung vielleicht mal – grad zu den vorhergehenden Themen – einen meiner Lieblings-Ösis für mich sprechen lassen:

      https://www.youtube.com/watch?v=GEZOFMI6Nzc

      DER kann´s.

    • Aquila Chrysaetos sagt:

      Ach, immer diese Klischees. In meinem Erleben erfahre ich viele Innerschweizer als humorvolle Menschen mit viel Ironie – gerade aus den Urkantonen. Es ist immer schwierig, aus persönlichen Beobachtungen Schlüsse zu ziehen und einer ganzen Bevölkerungsgruppe einen bestimmten Humor zusprechen zu wollen. Ich hab viele Jahre in der Westschweiz verbracht und empfand die Leute dort büenzliger und kleinkarierter als die Deutschschweizer. Es käme mir im Gegenteil zu Ihnen aber nie in den Sinn, zu behaupten, „die“ Romandie sei büenzlig. Ich weiss, dies ist nur mein Erleben.

  • Baba sagt:

    Der humvorvoll-ironische Umgang mit unseren Mädels (4-und 7-jährig) ist bei uns das Salz in der manchmal faden Alltagssuppe. Von ironischen, eigens gedichteten Liedern über Sprüche gehts bei uns im Zickzack hin und her, Kinder stehen Erwachsenen in nichts nach. Dass wir diese Schlagfertigkeit dann auch in Situationen zu spüren bekommen, in denen wir nicht so glücklich darüber sind, versteht sich von selbst. Dass wir unsere Kinder trotzdem sehr ernst nehmen, wenn es wirklich drauf ankommt, jedoch auch.

  • John sagt:

    Jetzt mal ich.
    Ich hab das nicht an der Uni studiert, sondern im Leben.
    Weil….3-jährigen Sohn.

    Wenn ich dem sage: „Wenn du nicht schneller die Treppe raufgehst, beiß ich dir in den Popo!“ führt das immer zu Riesengekreische und Gelächter.
    Schon da erkennt das Kind den Unterschied zwischen der wörtlichen Ankündigung und dem eigentlichen Sinn der Aussage, sich zu beeilen.
    Mittlerweile kommt jetzt auch ein „…dann beiß mir doch in den Popo…!“ zurück.
    Und wenn ich ihm Sage, daß er im Keller angekettet wird, wenn er seine Eisenbahn abends nicht wieder sorgfältig in der dafür vorgesehenen Kiste verstaut, bewegt er sich zwar entsprechend (wenn auch nur relativ entspannt), kommentiert aber in Richtung Mutter „Papa macht Quatsch“.

    • Frau Tschannen sagt:

      Lieber John, danke für den Beitrag. Das deckt sich mit dem, was ich an der Uni studiert habe 🙂

    • John sagt:

      Vielleicht sollte ich noch nachtragen, daß ich Deutscher bin.
      Anhand einiger Postings hier könnte das von der Mentalität eine Rolle spielen.
      Wobei mir Emil Steinberger immer noch gut gefällt, ich aber nicht weiß, welchen Stand der mit seiner Ironie in der Schweiz hat.

      PS:
      Ich habe übrigens auch noch nie ein Kind im Keller angekettet.

  • Marcel Simmig sagt:

    Eigentlich ist es ja egal ob Ironie oder Sarkasmus. Eigentlich ist jegliche Form der Kommunikation die nicht zielgerichtet und eindeutig ist, für ein Kind am Anfang einfach nur Rotz und wir wundern uns dann, warum es eben den Fehler gemacht hat. Das ist höchst demotivierend für die Kleinen und Grossen.

    Mit der sprachlichen Intelligenz und einer gewissen Eloquenz, steigt auch der Gebrauch von Sprachwitz, subtilem Humor und es kommt weg von Fäkal Humor. Als nächste Steigerung kommt dann sicherlich mal Ironie und Sarkasmus, gepaart mit schwarzem Humor. Aber einem Kind das schon zu früh zumuten zu wollen, ist eben Gaggi ;o)

    • gabi sagt:

      Ich bin grad im Gegenteil der Meinung, dass der Gebrauch von subtilem Humor und Sprachwitz erst die sprachliche Intelligenz hervor bringt.

      Wächst das Kind nur zwischen trockenen Eltern, die bloss „zielgerichtet“ und immer übereindeutig kommunizieren auf, muss es sich ja gar nicht mit den Feinheiten und Doppeldeutigkeiten beschäftigen, die Sprache ja gerade ausmacht.

      Was hart ist, ist einfach, wenn Kinder, die eben normalerweise nie mit derartigen Überhöhungen und Überspitzungen in Berührung kommen, plötzlich damit konfrontiert werden.

      Also für mich letztendlich eine Huhn oder Ei Diskussion, bei der ich mich aber auf die eine Möglichkeit festlege.

  • 13 sagt:

    Wir handhaben es ganz ähnlich. Auch wenn Kleinkinder Ironie und Sarkasmus wohl nicht verstehen, so lernen sie es und auch damit umzugehen. Ich finde es jeweils sehr spannend, wenn ich etwas sage, mein 3j Kind innehält, mich ganz lange betrachtet und versucht aus meinem Gesicht zu lesen, wie es denn gemeint ist. Und wenn sie es nicht herausfindet, kommt ein direktes: „Ist das wirklich Dein Ernst?“

  • Niklas Meier sagt:

    Ironie ist nie Sarkasmus. Oder man verwendet absolut falsche Definitionen.

    • Martin Frey sagt:

      ….Oder man kennt die Unterschiede nicht, was ich bei der Ausbildung nicht hoffe.

    • Muttis Liebling sagt:

      Sarkasmus ist bittere Ironie, also nur eine Formvariante von Ironie.

      • Niklas Meier sagt:

        Muttis Liebling, Sie greifen zu kurz. Sarkasmus will das Gegenüber verspotten und abwerten. Ironie hat damit nichts zu tun.

      • tststs sagt:

        Fast… Sarkasmus ist das Ziel, Ironie ist ein mögliches Mittel/Technik, dieses zu erreichen.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Niklas Meier

        Mein Sprachgefühl und das DWDS (Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart) sagen:

        Sarkasmus ist ‚verletzender, beissendes Hohn, Spott‘ und im Beispiel heisst es, ‚bittere Ironie nennt man auch Sarkasmus‘.

        Abwerten ist nicht Ziel oder Element von Sarkasmus. Ich benutze z.B. Sarkasmus oft und gern, bin aber dafür bekannt, nie auf Person zu zielen oder gar Personen zu werten.

        Verspotten hingegen ist legitim und überschreitet keine Persönlichkeitsgrenzen.

      • gabi sagt:

        „Verspotten hingegen ist legitim und überschreitet keine Persönlichkeitsgrenzen.“

        ???

      • Aquila Chrysaetos sagt:

        Ironie hat nichts mit Sarkasmus zu tun. Man mag doch mal die Definitionen nachlesen.

  • tststs sagt:

    Jetzt bin ich ein wenig enttäuscht… von einer Sprachwissenschaftlerin wünsche ich mir schon ein wenig mehr Fleisch an den Knochen.
    1. erkennen – nachahmen – anwenden – verstehen – bewältigen können sind verschiedene Dinge, das eine bedeutet nicht zwangsläufig das andere.
    2. Das gesprochene Wort besteht aus so viel mehr als nur Signifié und Signifiant. Tonfall, Situation, Mimik/Gestik sind mindestens so entscheidend…
    3. Dass Super-Brecht das schon vor allen anderen konnte, war ja sonnenklar!

    • Muttis Liebling sagt:

      Es gibt ganz schön viele Fächer, die sich Sprachwissenschaften nennen. Nicht alle sind es wirklich.

    • Frau Tschannen sagt:

      Dass Sie enttäuscht sind, tut mir Leid. Sie haben Recht, zwischen den Dingen, die sie unter 1 nennen, gibt es teilweise grosse Unterschiede. Es schliessen sich auch Fragen an: Wie messen wir „verstehen“? Woran erkennen wir, ob Kinder etwas anwenden oder (nur) nachahmen. Es geht aber in allen Studien, die ich zu dem Thema gelesen habe, um das Verstehen von Ironie. Wer Ironie nicht versteht, kann sie erst recht nicht anwenden, so die These. Natürlich wird in diesen Untersuchungen Tonfall und Mimik/Gestik mit einbezogen. Kinder müssen aber auch „typische“ Gesichtsausdrücke, die mit Ironie einhergehen erst einmal zu erkennen lernen.

      • John sagt:

        Wenn mein ernster Gesichtsausdruck meinem Sohn gegenüber ganz langsam einem Grinsen weicht, weiß der mittlerweile genau, wann ernst ist oder wann ich einfach nur flapsig bin.
        Der schaut mir auch dabei genau ins Gesicht.

        Ich glaube schon, daß Dreijährige da differenzieren können.
        Man darf sie dabei natürlich nicht überfordern und so werde ich nur ironisch, wenn es um weniger wichtige Dinge geht.
        Sonst verliert auch das eigene Wort an Wert.

        Aber es macht schon Spaß, zu sehen, wie schon so kleine Menschen sich dann selbst an Ironie versuchen.

    • Jade sagt:

      @ tststs: Haha, das habe ich genau auch gedacht! Der Superbrecht.

      • Hahaha, der „Superbrecht“. Wenn Sie wüssten, was der Brecht alles nicht kann.

        Er hat Ironie früh verstanden, weil wir in unserer Familie sehr ironisch miteinander umgehen, nicht weil irgendwie begabter wäre als andere.

  • Coco sagt:

    „Der Brecht hat Ironie vor seinem dritten Geburtstag verstanden und konnte sie kurz darauf auch anwenden. Und das ist der absolute Beweis, keine weiteren Studien notwendig.“ – Gell, das ist ironisch gemeint?!

    • Martin Frey sagt:

      „Gell, das ist ironisch gemeint?!“
      Das ist zu hoffen, Coco. Ansonsten würde der letzte Abschnitt den gesamten restlichen Text ad absurdum führen.
      Aber nur schon der Umstand, dass wir darüber sinnieren, wäre ein Hinweis darauf, dass die Ironie in dem Fall vielleicht nicht 100% gelungen sein dürfte. Ein Kind notabene wird je nach Alter mit so etwas wenig anfangen können. Im Gegensatz zu den vorgängig aufgeführen, naheliegenderen Beispielen.

      • Coco sagt:

        Ich habe das sprachliche Florett gewählt, Martin Frey! Frau Tschannen lese ich mit Ihnen so, dass sie ironisch verstanden werden möchte. Die rhetorische Figur der Ironie setzt Symmetrien hinsichtlich Sprachbeherrschung und Wissensstand der Kommunizierenden voraus. Diese Bedingungen sind selten gegeben, nicht oft unter Erwachsenen, noch weniger zwischen Erwachsenen und Kindern. Die Behauptung, dass das (zum genetischen Glück ? 😉 ) kompetente Kind kompetenter Eltern das könne, trägt wenig zur Erhellung bei. (Entwickungs-)Psychologische Erkenntnisse dürften in diesem Zusammenhang nützliche Hinweise geben (jetzt gehe ich die Feder wieder spitzen).

    • Maike sagt:

      Ich glaube nicht, das das ironisch gemeint ist. Jede Mutter / Vater hält doch ihr Kind für den Reisser schlechthin – und lässt keine Sekunde aus, es der Umwelt auch mitzuteilen. Vorallem dann nicht, wenn man so ein Blog wie hier zur Verfügung hat…

      • Frau Tschannen sagt:

        Genau, danke Maike. Ich meinte das selbstverständlich sehr ernst und finde, dass niemand mehr Forschungsgelder ausgeben muss. Der Fall ist schliesslich klar: Wenn es ein Kind kann, können es alle!

      • gabi sagt:

        Also Moment mal:

        Es ist schon nicht überall so. Bzw.; es ist halt wirklich überall sonst so:

        Alle Eltern halten ihr Kind aus subjektiver, liebender Verblendung für das Schönste, Beste, Begabteste, Intelligenteste, Wohlerzogendste, Sozialverträglichste, Empathischste, etc. , etc., etc. …

        In meinem Falle ist dem aber nicht so. Denn bei uns, bzw. unserem Kind, stimmt es tatsächlich.

      • Magdalena sagt:

        …wenn es ein Kind kann, können es alle! Das stimmt nicht. Nicht einmal alle Erwachsene können ironisch sein.

      • P (Evidenz-Entomologe) sagt:

        @Magdalena; Ironischerweise stimmt DOCH, dass wenn ein Kind etwas kann – dasselbe dann alle Kinder können. Bei Erwachsenen gilt dasselbe nur nicht&nicht mehr, weil sie bereits erwachsen sind und somit alle (ohne jegliche Ausnahme) bereits viel mehr können als Kinder. Ergo: Ich selbst verstehe nicht, was ich da geschrieben habe, darum versteht es ein Erwachsener (Sie z.b.) & ein=alle Kinder 😉

  • Reincarnation of XY sagt:

    Danke. Mir erzählten Leute immer wieder, was Kinder angeblich alles – durch Studien bewiesen – erst ab einem gewissen Alter verstehen können. Und meine Kinder verstanden es ganz offensichtlich schon viel, viel früher.
    In diesem Artikel wird deutlich, wie es zu einer solchen Diskrepanz kommen kann.

    Schlimm finde ich, wenn Eltern aufgrund solcher Studien, dann Kindern gar nicht mehr die Chance geben, etwas vor einem gewissen Alter zu lernen.

    • Niklas Meier sagt:

      Oftmals verstehen die Eltern es aber auch einfach so wie sie es sich wünschen.
      Brecht „versteht“ Ironie unter 3? Und kann sie anwenden? Nein, kann er nicht. ABER: er kann Situationen verstehen und aufgrund von Mimik und Tonfall der Eltern die Bedeutung der Antwort verstehen. Nicht aber die komplexen Zusammenhänge von Ironie. Und weil die Eltern das unglaublich lustig finden, wenn Brecht „ironisch“ agiert, dann zeigt er dieses Verhalten öfters.
      Das ist bei anderen Dingen ähnlich.
      Sie haben aber insofern recht, als dass man Kindern nur Grenzen setzen sollte, wenn sie sich sonst (oder andere) sonst schaden und nicht weil man meint, sie können das ja sowieso nicht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Es geht einfach darum, dass man Dinge lernt, durch Anwendung. Es gibt viele Erwachsene die verstehen Ironie, die über 5. Klassniveau geht nicht.
        Natürlich wird ein 3 jähriges Kind nicht die ganze Komplexität der Sprache erfassen. Aber die Pauschalaussage „versteht nicht“ ist falsch. Unser Gehirn lernt durch Übung. Tieferes Verständnis wächst durch Erfahrung.
        Verstehen ist nicht: ja oder nein / 100% oder 0%, sondern allmählich und wachstümlich. Darum geht es.
        Man spricht ja auch schon mit dem Kind, bevor es in der Lage ist Worte zu verstehen und dennoch genau deshalb lernt es sie auch zu verstehen.

      • Martin Frey sagt:

        Ihren Differenzierungen schliesse ich mich vorbehaltlos an, Herr Meier.
        Ich denke, Eltern sind beim Interpretieren der intellektuellen Fähigkeiten ihrer Sprösslinge ungefähr so objektiv wie Hundehalter. Ganz vieles davon dürfte auf Projektionen, Prägungen und Konditionierungen beruhen.

    • Frau Tschannen sagt:

      Danke RoXY, genau das wollte ich sagen. Kinder können Ironie nicht erklären (das können viele Erwachsene nicht) und sie wissen auch nicht, wo der Unterschied zwischen Lüge und Ironie ist. Trotzdem können sie „angemessen reagieren“ wenn man etwas ironisch sagt. Und eine angemessene Reaktion wird als Verstehen interpretiert.

      • Coco sagt:

        Darf ich da nachhaken? Die Interpretation der „angemessenen Reaktion“ greift zu kurz: die „angemessene Reaktion“ auf einen Stimulus braucht keineswegs mit dem Verständnis des semantischen Gehalts einer ironischen Aussage einherzugehen, sondern kann schlicht das Ergebnis einer Konditionierung sein. Die Engführung von Verstehen als Erklären umschifft diese Klippe und wird der Ironie m.E. gerechter. Die hier genannten Beispiele fallen eher unter die Kategorie „Kind merkt, dass die vertraute Bezugsperson etwas anders als sonst ausdrückt und dass das dann lustig ist“.

      • Frau Tschannen sagt:

        @Coco: Das ist tatsächlich etwas schwierig zu beurteilen, wann eine Reaktion angemessen ist, so dass auf ein Verständnis geschlossen werden kann. Man kann ja völlig verschieden auf Ironie reagieren. In der Studie, die den Familienalltag untersucht hat, wurde aber angenommen, dass eine „angemessene Reaktion“ ein ausreichnder Hinweis darauf ist, dass Ironie verstanden wird. Das Problem ist ja, dass selbst Erwachsene Ironie oft nicht erklären können. Anders können wir bei Kindern nicht nachweisen, dass sie Ironie verstehen. Im Enzelfall könnte es wohl Konditionierung sein, aber in dieser Studie wurden viele Kinder untersucht und das macht Konditionierung meiner Meinung nach eher unplausibel.

      • Coco sagt:

        @ Frau Tschannen: Ihr/das in der Studie verwendete Kriterium ist mir einsichtig – ich halte es für notwendig, aber nicht hinreichend. Der Hinweis, dass manche Erwachsene Ironisches nicht zu erklären vermögen, entkräftet meinen Einwand nicht. Wie schon von vielen Kommentierenden bemerkt, sind auch nicht alle Erwachsenen ironiefähig. Wenn wir „angemessene Reaktionen“ als Verstehen beurteilen, handeln wir uns in anderen Kontexten unglaubliche Schwierigkeiten ein: denken Sie an die Konstellation „potentielle Sexualpartner*innen“, Strafgericht etc. !!!

    • tina sagt:

      „hier, mein sohn, haben wir lauter erwachsene, die sich ganz ganz schwer tun mit ironie“ 😉
      das wäre ja nicht schlimm, wenn nicht dieser weltuntergangston mitschwingen würde

  • Bernhard Strässle sagt:

    Als meine Kinder 4- und 5-jährig waren, schrieb ich fast täglich Kabarettexte für verschiedene Schulen und Kleinkunstbühnen. Es war nicht zu vermeiden, dass ich oft mit meinen Kindern im Ironiemodus sprach, der auch tief in die Satire reingehen konnte. («Wasch dir die Hände, bevor du aufs WC gehst!») – Nicht immer immer erfassten sie den wahren Kern der Aussage. Immerhin drückten sie ihre Unsicherheit dann spontan aus, etwa mit der Frage: «Das meinst du jetzt aber nicht im Ernst?». Umgekehrt kam manchmal aber auch dann der Ausruf «Aber nicht wirklich!» zurück, wenn ich etwas ernst meinte. Das kann dann eine Auseinandersetzung wirklich stressig machen.
    Wichtig war mir, dass ich Wissensfragen auch dann klar und ironiefrei beantwortete, wenn sie angeblich «dumm» und «unüberlegt» daher kamen.

  • Muttis Liebling sagt:

    Wir erleben gerade mal wieder eine Entabstrahierung von Sprache und Denken. Metapher oder Kategorienbegriffe werden entweder nicht verstanden, oder eher, wollen nicht verstanden werden. Jedes Wort will vergegenständlicht, ggf. vermenschlicht sein, auch wenn man dem dazu Gewalt antun muss.

    Das betrifft selbstverständlich auch Ironie. Es reicht 6 Monate Kommentare im MamaBlog auszuwerten, um Personen (-gruppen) deutlich verschiedener Ironieresistenz zu finden, die über die Zeit stabil erhalten bleibt.

    Kinder lernen Sprache von ihren Eltern. Was Eltern beherrschen und täglich anwenden, beherrschen auch Kinder baldmöglichst. Das muss man nicht untersuchen, wie überhaupt man empirische Sozialforschung aus meiner Sicht ersatzlos streichen kann und soll.

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