Ich will doch nur meine Liebste überraschen

Auch er macht sich bereits Gedanken zu den Feiertagen, wenn auch gänzlich andere als unser Autor: Jim Carrey als «Grinch». Foto: PD

Weihnachten steht vor der Tür. Also vielleicht jetzt nicht gerade kalendarisch, aber auf jeden Fall kulinarisch und vorbereitungstechnisch. Nicht, dass ich jetzt schon einen Gänsebraten vorbereiten und einen Weihnachtsbaum kaufen würde. Aber meine Jüngsten fragen bei jedem Supermarktbesuch nach Lebkuchen, und dann sind da ja auch noch die Geschenke.

Ich weiss, ich weiss: Das klingt reichlich überambitioniert und perfektionistisch. Dabei reden wir hier gerade mal von den grundlegendsten Sachen: Vier Adventskalender für vier Kinder und die nicht zu unterschätzende Logistikaufgabe, der zahlreichen Verwandtschaft klare Geschenkoptionen zuordnen zu können. Wenn sie fünfzehn Leuten lediglich mitteilen, dass sich die beiden Grosskinder «Schuhe wünschen», brauchen Sie sich über das Ergebnis nicht zu wundern. Mehrere Paar Schuhe, die nicht wirklich gefallen, und allerorten eine ziemlich genervte Stimmung. Das muss also alles bis ins Detail geplant werden: Wer, wann, was, wo?

Die Grosskinder können sich dazu glücklicherweise selbst verhalten und klären viel ganz lässig per Messenger. Aber die beiden Kleinen wollen ja auch noch »ein bisschen was«. Und ja, Feuerwehrmann Sam, darüber wird zu reden sein – wir sprechen uns noch.

No-nonsense-Geschenketypen

Was ich mir jedoch jedes Jahr aufs Neue vornehme, und worin ich bislang immer kläglich gescheitert bin, ist, meine Lebenskomplizin geschenketechnisch zu überraschen. Dabei ist sie weder übermässig neugierig noch besonders detektivisch unterwegs. Sie gehört weder zu denen, die ständig nachfragen, was sie denn bekommen, noch schnüffelt sie ungefragt in meinen Handynotizen rum, in denen steht, womit man wem womöglich eine Freude machen könnte.

Unser beider Leben ist einfach an so vielen Stellen miteinander verwoben, dass wir die Situation kaum für ein Überraschungsgeschenk auflösen könnten. Das würde nämlich auch bedeuten, dass wir von unserem hart erarbeiteten Kommunikationslevel, bei dem wir uns beide auf beinahe telepathische Art und Weise darüber verständigen können, was ansteht, wieder herunterfallen. Wenn «Das ist aber eine schöne Überraschung» gleichbedeutend mit «Verdammt, warum hast du mir nicht gesagt, dass du nächste Woche in x bist, da muss ich nach y und bin dann bei z / haben die Kinder einen Augenarzttermin / wollten wir die Steuererklärung machen» ist, dann wird eben nichts aus der Überraschung. Schade.

Dabei funkeln ihre Augen doch so schön, wenn sie positiv überrascht wird. Aber es scheitert ja nicht nur daran. Wir sind auch beide sehr praktisch veranlagte No-nonsense-Geschenketypen. Keine Blumen, kein Schmuck, kein Nippes, keine Staubfänger.

«Schauen wir doch einfach mal»

Wenn ein Handy kaputtgeht, brauchen wir eine Reparatur oder ein neues. Das kann dann kaum bis Weihnachten warten. Und selbst wenn ich schon halb auf dem Weg bin, ihr hinter ihrem Rücken eins in aller Heimlichkeit zu kaufen, irgendwas ist immer: «Schatz, du wolltest lieber was Kleineres als diese 5,5 Zoll Geräte, nicht?» «Ja, wieso fragst du …?» «…»

Von geheimen Ausflugs- oder Urlaubsplänen brauchen wir gar nicht erst anfangen. Die sind in einer sechsköpfigen Familie so schwer zu realisieren, dass wir schon gekaufte Konzertbillette verfallen lassen mussten, weil der jeweils andere in der Annahme, dass ja nichts dagegenspricht, kurzfristig Termine angenommen hatte. Überraschung! Und darüber, dass wir es in diesen Herbstferien wirklich geschafft haben, unsere Grosskinder bis einen Tag vor der Abreise über unseren Dänemarkurlaub im Unklaren zu lassen, werden wir uns noch mit 86 Jahren die Hände reiben. Ausserdem hat das auch nur deshalb geklappt, weil wir ihnen gesagt haben, «dass da irgendwas ist, wofür sie sich die Tage freihalten müssten.» Und überhaupt: Auf Planungsebene ist so viel «schauen wir doch einfach mal» nicht drin. Mit mehreren Jobs, einem Wickelkind und «den paar Anforderungen» der anderen drei ist man als Paar jetzt nicht sooo spontan.

Aber ich will mich nicht beschweren, ich hab es mir ja so ausgesucht. Ich will einfach nur meine Liebste überraschen. Vielleicht fällt mir noch was ein, das schnell geht und erst mal nur mit mir zu tun hat: Haare pink färben, nur noch Klingonisch sprechen, dienstags in Anzug und Krawatte schlafen. Ob ihr das dann gefällt, ist allerdings eine andere Frage. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

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16 Kommentare zu «Ich will doch nur meine Liebste überraschen»

  • Peter Kuhn sagt:

    Tja, wer den Tag 24/7h verplant findet, oh Überraschung, keine Zeit für Überraschungen.

  • Lichtblau sagt:

    Schräg: Beim flüchtigen Lesen dachte ich, einen Tschannen-Papablog vor mir zu haben und wunderte mich, woher er plötzlich so viele Geschwister für den Brecht hergezaubert hat. Kann das daran liegen, dass Nils Pickerts Texte einerseits offenbar helvetisiert werden („Konzert-Billete“), andererseits aber Begriffe wie „Grosskinder“ stehenbleiben, die bei uns eine ganz andere Bedeutung haben? Egal – ich mag den wöchentlichen Papablog der doch recht unterschiedlichen Väter. Danke dafür.

  • tststs sagt:

    Vllt hilft Ihnen die folgende Überlegung (zum Thema no nonsense) weiter:
    Der Sinn eines Geschenkes liegt eben im Vorgang des Schenkens, nicht des eigentlichen Objektes. Resp. um ganz genau zu sein, auch der Akt des Schenkens ist meist sinnlos, da der Beschenkte sich das Objekt idR auch selber besorgen könnte; der Sinn und das eigentlich Geschenk ist der Effort, der in den Schenkensakt investiert wird. Deshalb ist ein selbstgebastelter WC-Rollen-Halter auch tausendmal mehr ein Geschenk als ein achtlos in 3 Minuten ausgewähltes Diamantencollier…
    Wofür gibt Ihre Göttergattin gerne/viel Geld aus (oder würde es zumindest)? Daran orientieren Sie sich…
    Und wenn Sie es eingermassen versteckt machen, dürfte sie auch überrascht sein 😉

  • Michael sagt:

    Es geht nichts über eine vorausschauende Plannung. Weder der Geburtstag, der Hochzeitstag oder Weihnachten kommt ganz überraschend. Das Gute – es sind immer die gleiche Tage und damit lässt sich eine exakte Planung durchführen. Wenn Sie das Jahr über Augen und Ohren offen halten für die Äusserungen Ihrer Liebsten, dann bekommen Sie gratis und ohne viel Stress einen Haufen von Anregungen, was Sie ihr schenken könnten.
    Wer allerding erst einen Monat vor einem solchen Event anfängt, sich über Geschenke Gedanken zu machen, landet schlussendlich meistens in einem Blumenladen….

  • Marie Bornand sagt:

    Vorher schenkte ich immer Bücher über ein Thema welches die Person interessiert. Aber nun findet man alles in der Stadtbibliothek oder der Universitätsbibliothek. Also schenke ich nur noch Likör, guten Wein, usw. damit ich sicher bin es wird genossen ! Für Kinder die schon alles haben ? Sie ins Kino einladen einen Nachmittag mit einem lustigen Film.

  • 13 sagt:

    Eigentlich geben Sie sich die Antwort schon selber:
    Gemeinsamer Ausflug, nicht kurzfristig/spontan, sondern irgendwann im Feb./März, im Kalender einen anderen Termin eintragen, ein Abendessen bei eingeweihten Freunden oder ähnliches, und den Babysitter gleich ebenfalls schon organisiert. Konzerttickets zu kaufen reicht eben leider nicht, wenn man Kinder hat.

  • Helena sagt:

    Schöner Text! Sie scheinen mir aber wirklich ein Vater/Partner mit hohen Ansprüchen zu sein. Ich bin sicher, Ihre Frau kann gut damit leben, dass Sie von Ihnen Verlässlichkeit und Kommunikation bekommt und dafür keine Überraschungen. Denn beides zusammen geht nun mal wirklich nicht – das eine schliesst das andere praktisch aus. Mir wäre von meinem Partner etwas mehr Absprache und praktische Unterstützung lieber, als Überraschungen, die zwar gut gemeint sind, aber manchmal eben auch in die Hose gehen können.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Bei mehreren Kindern in eher nahen Abständen kann es sich lohnen pro Kind eine Spielzeugschiene „zu fahren“ und diese den Schenkmotivierten zuzuweisen. Bei uns waren das Duplo/Lego, Brio/artverwandte Holzeisenbahn plus Zubehör & Playmobil, später noch Cuboro.
    So kommt über die Jahre ein schönes Sortiment zusammen und sie können sich, auch in Kombinationen, ganze Welten bauen (und die Wohnung zu 😉 ), plus haben dann mal für später einen guten Grundstock 😀
    Löst allerdings noch nicht das Problem der Partnerüberraschung… .
    Ein Sockenabo vielleicht?

    • Carolina sagt:

      Mir wird ganz müde, wenn ich daran denke, dass ich dann das ganze Jahr über an den Adventskalender denken muss. Aber grundsätzlich eine gute Idee;-)
      Auch unsere erwachsenen Kinder erwarten immer noch einen Adventskalender, mehr noch als Geschenke – ich bin da etwas faul geworden (und des Plastikschrotts überdrüssig) und wechsle ab zwischen einem Zweifränkler, einem Lösli und irgendetwas Süssem. Der jüngste Sohn macht jetzt auch mit.
      Mein ‚Liebster‘ und ich halten es seit vielen Jahren so, dass es nur etwas gibt, wenn uns etwas einfällt: keine Last-Minute-Geschenke! Und jeder von uns kann sich während des Jahres einen Wunsch auf Kosten des anderen erfüllen – ich habe da ein Bild im Kopf, mit dem ich mir gern den Wunsch des letzten Jahres erfüllen würde – er weiss es nur noch nicht! 🙂

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Carolina
        also ich bin ganz froh dass unsre „halberwachsenen“ keinen Adventskalender mehr wollen, obwohl sie zu dieser Zeit des Jahres des öfteren „weisst du noch als Mami die Adventskalender etc“ fallen lassen- scheint sich ins kollektive Gedächtnis eingebohrt zu haben. Dann mal viel gute Ideen!

      • Lichtblau sagt:

        Bei meiner kürzlich ausgezogenen Tochter hat es mich überrascht, dass sie die Adventskalender von früher offenbar vermisst – sogar ein klassischer mit Türchen und etwas Glimmer wäre willkommen gewesen. Dieses Jahr gibt‘s deshalb wieder einen – allerdings eher Lastminute. Danke für den „Lösli“-Tipp.

  • Jänu sagt:

    Da kommt nichts mehr, Pulver ist verschossen. EOT.

Kommentar

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