Warum es egal ist, wenn Mama nicht kochen kann

Mama muss nicht alles können: Manche Schwächen der Eltern sorgen für mehr Selbständigkeit.  (Foto: iStock)

«Mama kann nicht kochen» – dieses Buch hätten auch meine Kinder über mich schreiben können! Muss denn eine Mutter immer kochen können? Unsere Freunde wissen alle, dass mein Mann sehr gut kocht. Ich bin einfach die Alltagsköchin, man muss die Kinder ja irgendwie ernähren, auch wenn der Vater nicht zur Stelle ist. Meine Kinder essen glücklicherweise dreimal die Woche in der Schule oder bei der Nonna.

Wie die Mutter von Martin und Camilo Jaschke koche auch ich nicht besonders gern und genau wie sie habe ich eine Mutter, die kochen kann. Meine Mutter, das kann man wohl sagen, ist in Sachen Haushalt perfekt! Sie hatte es immer im Griff, Kinder, kochen, haushalten – heute noch. Ich liebe es, wenn sie zu uns kochen kommt. Dann räumt sie auch gleich die ganze Küche auf, so sauber ist es bei uns sonst nie. Leider hat es nicht auf mich abgefärbt. Darum gabs auch schon Nacherziehung.

Das Bild der perfekten Mutter

Einmal sassen meine Mutter und ich am Nachmittag zusammen und tranken Kaffee. Dann ging sie nach Hause und rief am Abend nochmals an: «Du, jetzt muss ich dir mal was sagen, sei mir nicht böse. Mir ist aufgefallen, unter deinem Tisch war es etwas klebrig. Wenn du Freundinnen zu dir einlädst, ist das schon ein bisschen peinlich. Du solltest das putzen.» Und da habe ich realisiert: «Weisst du, Mami, ich habe keine Freundinnen, die das peinlich finden würden. Bei meinen Freundinnen klebt es auch überall unterm Tisch.» Es tat gut, das zu sagen und mich nicht zu hinterfragen. Es ist befreiend, wenn man authentisch sein kann, auch wenn das heisst, dass man nicht gut kocht und es unter dem Tisch klebt.

Ich hatte eine Phase, wo ich anders sein wollte, als ich bin. Eben dem Bild der perfekten Ehefrau und Mutter entsprechen. Mein Mann lacht mich heute noch aus: «Als du schwanger warst, hast du mir mal Cookies versprochen!» Das war mein Bild von einer amerikanischen 50er-Jahre-Ehefrau, die dem Mann Cookies bäckt und die ich damals offensichtlich gerne sein wollte. Zumindest für einen kurzen Moment. Erhalten hat er diese amerikanischen Kekse nämlich nie.

Mama ist kein «Leithammel»

Ich glaube, es gibt Frauen, die das einfach können: kochen, Haushalt führen, immer ein blitzblankes Haus haben, alle Schultermine im Griff und immer selbst gemachte Cookies bereit. Das ist ja dann auch authentisch. Aber viele andere Mütter sind nicht so, meinen aber, so sein zu müssen. Sie verbiegen und verleugnen sich, um einem solchen Mutterbild nachzueifern. Das ist nicht gesund, denn eine Familie sein und Kinder haben ist doch keine genaue Wissenschaft. Das ist vor allem Bauchgefühl!

Muttersein wird meines Erachtens stark überbewertet. Gerade in der Schweiz: Das Kind muss bei der Mutter sein, sonst ist es nicht glücklich und wird drogenabhängig. Aber das ist Blödsinn. Wenn der Vater Hausmann ist oder beide arbeiten, dann ist das ebenso gut für das Kind. Man ist in erster Linie eine Familie.

Man ist ja als Mutter auch nicht der «Leithammel» – wobei ich mich manchmal dabei ertappe, wie ich meinem Mann Anweisungen zu Familienthemen gebe. Dann sage ich mir aber: Also, das kann er schon selbst, sonst hätte ich ihn ja nicht als Mann gewollt. Man hört immer wieder Frauen sagen: «Mein Mann kann das eben nicht.» Bei der Konstellation, die man in der Schweiz häufig antrifft, Mami zu Hause und Papi bei der Arbeit, werden Kinder schnell zur Existenzberechtigung. Ich denke allerdings, es geht jeder Frau besser, wenn sie nicht immer um die Kinder herum ist und sie nicht immer perfekt betüdelt – sondern sich auch mal «Zeit für sich nimmt».

Dank Mamas Fehlern zur Selbstständigkeit

Loslassen gelingt mir auch nicht immer gleich gut. Es gibt Tage, da denke ich: Soll doch die Jacke da rumliegen, wen störts. Und dann gibt es Tage, da bringt es mich auf die Palme, weil ich zum hundertsten Mal sagen muss, die Jacke solle da nicht rumliegen. Es ist eben nicht immer gleich – manchmal, da wäre ich gerne perfekt und ich nerve mich darüber, dass es mir nicht gelingt. Später dann bin ich wiederum nur froh, dass ich mir den Stress vom Perfektsein nicht aufhalse.

Grundsätzlich, denke ich, ist das Nicht-Perfektsein befreiender, als alles im Griff haben zu wollen. Auch für die Kinder. Natürlich haben sie keine Freude daran, wenn sie einen Rüffel in der Schule bekommen, weil die Mutter wieder mal vergessen hat, die Regenhose einzupacken. Meine beiden Kinder hätten es vermutlich geschätzt, wenn ich so manches besser im Griff gehabt hätte. Ich behaupte aber, sie sind genau deswegen selbstständiger geworden. Selbstständiger, weil ich eben nicht alles kann und nicht alles im Griff habe. Das mag jetzt vielleicht eigenartig klingen, aber sie können sich in organisatorischen Dingen nicht immer auf mich verlassen, also müssen sie selbst ein bisschen mitdenken. Meine Tochter ist 9 und macht das nun schon ein paar Jahre mit, sie weiss immer genau, was läuft, was man einpacken muss und wann was unterschrieben werden muss für die Schule.

Ich weiss, ich könnte das gewissen Müttern wohl so nicht sagen: «Meine Kinder sind selbstständiger, weil sie sich nicht zu 100 Prozent auf mich verlassen können.» Aber es ist so. Und Selbstständigkeit wird bei mir ganz grossgeschrieben. Ich habe selbst eine «perfekte» Mutter, aber mit 22, als ich ausgezogen bin, konnte ich nicht mal eine Waschmaschine bedienen. Und ja, warum kann ich wohl nicht kochen? Meine Mutter hat immer gesagt: «Ich mach das selbst, dann wird es besser.» Das wird meinen Kindern nicht so ergehen, wenn sie ausziehen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch «Mama kann nicht kochen – Liebeserklärung an perfekt unperfekte Mütter». Zwei Buben erzählen darin über die Kochunfälle ihrer Mutter. Schützenhilfe erhalten sie von zehn bekannten Schweizerinnen, die ihrerseits über ihre eigenen Unzulänglichkeiten als Mütter berichten. Erhältlich überall im Handel und über den Aris Verlag

 

 

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99 Kommentare zu «Warum es egal ist, wenn Mama nicht kochen kann»

  • Nid-Perfekts Mami sagt:

    Ich musste ja so schmunzeln bei diesem Artikel, denn vor 2 Tagen bekam ich per SMS vom Schwiegermami gesagt, dass meine/unsere Küche es offenbar wieder mal nötig hätte komplett gereinigt zu werden, nachdem mein Schwiegervater kurz bei uns zu Hause war. Wann sie dann vorbei kommen soll…
    Ich hab das SMS nicht beantwortet, denn schliesslich leben wir in der Wonung mit den 2 Kids, es wird täglich 2x gekocht, wir leben nicht in einem Museum und eine Lebensmittelvergiftung oder sonst was haben wir bis jetzt nicht bekommen. Lustig war der Kommentar meiner Mutter (alles andere als eine Hausfrau und Köchin): ‚das haben sie nicht ernst gemeint, war wohl ein Scherz..´
    Sie hat keine Ahnung. Und ich mag meine Schwiegereltern gut, trotz Putzfimmel :-))

  • Christian Künzi sagt:

    Es ist das Natürlichste dass die Mutter wenn möglich den Säugling stillt, also ernährt. Warum also sollte eine Mutter nicht ihre Kinder weiter ernähren – durch schmackhaftes und gesundes Kochen? Gut Kochen kann man lernen – wenn der Wille da ist. Mir scheint, in Anbetracht der Tatsache, dass täglich Menschen Hunger leiden, das sog. Problem „kann nicht kochen“ ein totales Luxusproblem!

  • Christina sagt:

    Natürlich geht die Welt und die Familie nicht unter, wenn Mama nicht kochen kann oder wenn sie Mühe hat, ihren Haushalt auf die Reihe zu kriegen. Aber ihr Leben wird einfacher und sie macht sich und den anderen auch mehr Freude, wenn sie es kann. Und hat dann erst noch mehr Zeit, sich dem wirklich Wichtigen zuzuwenden.

  • Franziska sagt:

    Oje – das nicht Kochen-Können ist so befreiend, dass man darüber ein Buch schreiben muss, das die andere kaufen sollen? Heute sind die Anforderungen an die Hausfrau sicher andere als bei unseren Müttern. Ist aber auch eine Budgetfrage: Nicht selber kochen, alles so halbfertig kaufen, nicht planen ist teuer. Wer darauf schauen muss, lernt gescheiter einigermassen kochen. Aber knappe Budgets sind bei den Problemchen der oberen Mittelschicht, die hier behandelt werden, kein Thema.Ich kann übrigens schlecht nähen, flicken und stricken. Braucht man heute nicht mehr so dringend wie früher – aber wäre budgetmässig schon besser, ich könnten eine Hose selber kürzen. Macht aber nichts, bin selber in die obere Mittelschicht aufgestiegen… Soll ich aber nun ein Buch schreiben: Kann nicht gut nähen?

    • Brunhild Steiner sagt:

      @Franziska
      😉
      Ging mir ähnlich, hab mich nach Beschluss „Familienplanungsstart auf grün“ zu einem Nähkurs angemeldet damit ich mit Nadel/Faden ein bisschen Richtung „gemeinsam die Friedenspfeife rauchen“ komme. Und wer hätte es gedacht, nachdem die Nähmaschine erst mal im Haushalt war kamen nach und nach Ideen…, plus dass es mir in den „draussen-in-der-Wildnis-unterwegs-Phasen“ wirklich sehr viele Hosenkäufe erspart hat weil ich flicken konnte.

    • Lichtblau sagt:

      Gut kochen können ist – ähnlich, wie sich gut anziehen oder eine Wohnung gut einrichten können – ein Talent und keineswegs eine Heimchen-am-Herd-Tugend. Das ist nicht jedem gegeben.

      Immerhin gibt es fürs Kochen genügend Hilfsmittel – das Internet ist voll von „gelingsicheren“ Rezepten mit frischen Zutaten. Davon machen reihenweise Mütter und Väter Gebrauch und bringen täglich anständige Mahlzeiten auf den Tisch. Das hat durchaus Respekt verdient.

  • Martin Ritter sagt:

    Möge man mich altmodisch nennen, das ist OK, aber ich habe Erwartungen an meine Partnerin. Dabei vertrete ich eine zeitgemässe Linie: die Gleichberechtigung. Meine Partnerin erwartet dass ich nahezu alle Tätigkeiten wahrnehmen kann, ganz gleich ob Lebensunterhalt nach Hause bringen, Kochen, Waschen, Bügeln oder sonstige Tätigkeiten des Alltags. Mehr erwarte ich von meiner Partnerin auch nicht. Eine arbetisscheue Partnerin kann ich nciht brauchen, dann lieber gar keine.

    • Widerspenstige sagt:

      Was heisst hier arbeitsscheue Partnerin, wenn sie mit dem Kochen einfach so ihre liebe Mühe hat, aber das Umfeld wie Partner, Grosseltern etc. das Essen zubereiten? Es gibt Vorlieben innerhalb der Aufgabenteilung in einem Haushalt und diese werden hoffentlich partnerschaftlich aufgeteilt, je nach Situation im Alltag. So ist es spannend und es kehrt nicht zuviel Routine in eine Beziehung, weil jeweils spontan die Aufgabenteilung stattfindet. Bei einem Ausfall wegen Krankheit, Unfall oder Schlimmerem stockt dann nicht der gesamte Haushalt, nur weil die Routine wegfällt. Das nennt man dann Flexibilität im Alltagsleben. Ein rares Gut, ich weiss, aber unerlässlich in der Neuzeit.

  • Röschu sagt:

    Gestriges Thema: Umgang mit den modernen Technologien des 21. Jahrhunderts. -> 10 Kommentare
    Heutiges Thema: Zum x-ten mal rechtfertigt sich eine Frau dafür, nicht ins Rollenmodell der 50er-Jahre zu passen. -> bereits jetzt (16.17 Uhr) über 70 Kommentare.
    .
    Und dann fragen wir uns noch, weshalb es der Gesellschaft nicht gelinge sich von traditionellen Mustern zu lösen. Offenbar fehlt dazu ganz einfach das Interesse…

    • Widerspenstige sagt:

      Röschu, wieso stossen Sie sich daran? Sind Sie keine Mutter?

      Im Übrigen ist kochen und essen elementarer Bestandteil des Alltags, also etwas Konkretes, was man sich zuführt. Wohingegen Technologien des 21. Jh. etwas Abstraktes darstellt. Logische Konsequenz ist die Kommentardichte. Aber gut haben Sie uns Müttern Ihre Meinung mitgeteilt …

      • Röschu sagt:

        @Widerspenstige
        Sie halten es also für normal und angebracht, dass sich im Jahr 2018 eine Mutter dafür rechtfertigen muss, dass sie nicht kochen kann?

  • Bruno Meier sagt:

    Sehr guter Artikel. Es gibt Sachen die viel wichtiger sind als Kochen. Kinder mögen es sowieso gerne einfach. Die Frau und der Mann soll das Modell leben, welches am besten für die Familie stimmt. Frau am Herd ist schon lange vorbei.

  • Anton Frech sagt:

    Schwierig so zu argumentieren. Somit müssten die Kinder der Arbeitslosen die fleissigsten Bienchen werden. Und wenn ich möchte, dass meine Kinder ein ehrliches Leben führen, muss ich… Nee, das ist keine kluge Einstellung. Leider höre ich häufig von Frauen zwischen 35 und 45 was sie alles nicht müssen, sie selbständige emanzipierte Damen sind. Deren Erwartungen an ihre Partner sind allerdings weniger modern: er soll nicht nur gutaussehend, charmandt und gut verdienend sein, sondern auch den Haushalt und die Kindererziehung gern übernehmen wollen. Ich bin immer wieder fassungslos.

  • Klaus Kleber sagt:

    Ich kann gut damit leben, dass manche Mütter nicht kochen können bzw. das jeder von uns gewisse Dinge nich kann bzw. mag. Was mich eher aufregt, sind die häufig anzutreffende Argumentaitonsketten „mein mann kann das eh besser“, „als frau muss ich doch nicht automatisch“, „weil meine mutter“. Das sind für mich reine Ausreden – mag ich nicht mehr hören. Man (häufiger wohl die Frau) versteckt sich hinter irgendwelchen Floskeln, bloss um sich keine Mühe geben zu müssen. So macht man es sich echt einfach.

  • Klaus Kleber sagt:

    Ich kann gut damit leben, dass gewisse Mütter nicht kochen können bzw. das jeder von uns gewisse Dinge nich kann bzw. mag. Was mich eher aufregt, sind die häufig anzutreffende Argumentaitonsketten „mein mann kann das eh besser“, „als frau muss ich doch nich automatisch dies und das“, „weil meine mutter“. Das sind für mich Ausreden. Man (häufiger wohl ie Frau) versteckt sich hinter irgendwelchen Floskeln, bloss um sich keine Mühe geben zu müssen. So macht man es sich echt einfach.

    • kellbidden sagt:

      Und ich bin ganz einfach nur dankbar, dass ich, Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, Leitende Angestellte in einem Informatikbetrieb, einen Mann habe, der ganz wunderbare Gerichte zaubern kann und uns jeden Tag mit seiner Kochkunst verwöhnt. Und nein, ich will nicht kochen – das hat nichts mit Können zu tun 🙂

  • Esther Villa sagt:

    Warum sollte ich, weil ich eine Frau bin, kochen können und lieben ? Dies ist gar nicht der Fall, ich bin eher eine intellektuelle welche viel liest, Ausstellungen besucht, und sich an vielem interessiert. Haushalt lasse ich denen die es gerne machen oder die sich evtl. langweilen.

  • Zet Winter sagt:

    Email von meiner Mutter (76) heute, wortwörtlich: „Ich kann auch nicht den ganzen Tag putzen oder lesen oder kochen da bin ich wills gott nicht der Typ dafür“. Sie war immer eine Rebellin. Und hat gutes Geld verdient 🙂

  • Sportpapi sagt:

    Zwischen „ich kann nicht kochen!“ und „mir fehlt dafür die Begeisterung“ ist es allerdings ein grosser Unterschied.

  • Anna Meier sagt:

    Naja, ich hätte schon mal Mühe damit, jeden Tag etwas essen zu müssen, was nicht besonders gut zubereitet ist. Kochen ist in meinen Augen nichts wahnsinnig schwieriges und lernbar.

    • 13 sagt:

      Und schon sind Sie genau darauf eingefallen, das die Autorin meinte: Mutter kann nicht kochen = jeden Tag schlechtes Essen?
      Dabei steht doch bereits im Text, dass die Kinder 3x pro Woche auswärts essen und der Mann ja kochen kann. Bei der Annahme, er koche nur am Wochenende bedeutet das max. zweimal pro Woche halbwegs gutes Essen.

  • Michael sagt:

    Also mindestens einer von den Eltern sollte kochen können. Am besten ist es der, der die meiste Zeit mit den Kindernverbringen kann. In dem hier am meisten gelebten Familienmodelll ist es nun mal die Mutter. Es dreht sich ja nicht nur um das Kochen an sich, es ist viel mehr. Man kann ein Verständnis für die Erzeugung der verwendeten Lebensmittel vermitteln, wie schwierig Landwirtschaft ist und das für jedes Stück Fleisch ein Tier geschlachtet werden muss. Zudem, so finde ich, wenn man mal die Grundkenntnisse beherrscht, kann ich versuchen, aus Bekannten etwas neues machen. Andere Zutaten verwenden beispielsweise. Das fördert die kreative Ader ungemein.

    • Christoph Schnyder sagt:

      Ja, Kochen ist bereichernd. Aber es muss eigentlich nur der Elternteil sein, der zu Hause ist, wenn die Hauptmahlzeit eingenommen wird. Wenn dies das Abendessen ist, kann es problemlos auch von jemandem gemacht werden, der Vollzeit arbeitet. Also zum Beispiel vom Vater. Und überhaupt, ein Verständnis für Lebensmittel und deren Beziehung zu landwirtschaftlichen Prozessen zu entwickeln ist schön, aber heute ein Nice-to-have. Den Kindern bringt es eh nur dann etwas, wenn sie selbst am Kochprozess mitwirken. Und auch da ist es nicht höchste Priorität. (Wichtiger wäre z.B., wenn ihnen ein Elternteil Inhalte von MINT-Fächer näherbringt.)

  • Katya Shabes sagt:

    Die Kochkunst kann auch von der Grossmutter oder dem Vater gelernt werden. Oder von Freunden in der ersten WG, aus dem Tipptopf oder ueber YouTube…
    Kochen und Haushalten sind halt sehr sichtbare „Qualitaeten“. Aber andere, unsichtbarere sind meines Erachtens viel wichtiger. Lieber klebrig unter dem Tisch als Dauernoergelei, Elternehrgeiz oder ein emotional distanziertes Verhaeltnis zwischen Eltern und Kindern. Aber eben, diese Dinge sieht man nicht so gut. Da ist es viel einfacher, auf die fehlenden Hausfrauentugenden hinzuweisen…

  • Lina Peeterbach sagt:

    Ach ach, immer wieder die gleiche Diskussion, perfekt oder nicht perfekt: wen interessiert’s?! Warum akzeptieren wir nicht endlich, dass es beim Thema Elternschaft genau wie bei allen anderen Aspekten des Lebens verschiedene Wege zum Ziel gibt, und kein einzelner alle anderen in den Schatten stellt? Wenn wir unsere Kinder vor dem Gröbsten Unbill des Lebens zu schützen vermögen, sie anständig und liebevoll behandeln und ihnen einige Grundwerte des Zusammenlebens beibringen, dann sind wir doch schon ganz schön weit. Stillen oder Nicht-Stillen, gut oder schlecht Kochen, Fussballtraining oder Freispiel im Garten – all diese Dinge sind zwar im Einzelfall relevant, entscheiden unter dem Strich doch aber nicht darüber, ob ein Kind glücklich oder unglücklich aufwächst. Das Grosse Ganze zählt!

  • Claudi sagt:

    Es gibt ein paar Dinge, die erwartet man von einem kultivierten Menschen. Kochen gehört dazu.

    • Michael sagt:

      Das sind Ihre ureigenen Parameter, was ausschliesslich Sie von einem kultivierten Menschen erwarten. Keine solche Verallgemeinerungen bitte.

    • 13 sagt:

      Und ich dachte immer, dass spätestens seit Carrie Bradshaw den Backofen als zusätzlichen Stauraum für Schuhe benutzte, sich diese Dinge etwas verschoben haben 😉

  • Tina sagt:

    Hoppla, was ist denn heute für ein Text in den Mamablog geraten? Der liest sich ja fast wie aus den 50er Jahren… Ist es für gewisse Mütter und Väter heute immer noch eine schlagende Erkenntnis, dass sie keinen perfekten Haushalt führen müssen um gute Eltern zu sein? Da scheint mir ja jede Coop-Zeitung und Schweizer Illustrierte schon weiter zu sein mit ihrem Mütter- (und Väter-)bild.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Wie weiter unten beschrieben, ist es ein Auszug aus dem Buch „Mama kann nicht kochen“ (meine Worte, wenn auch nicht von mir geschrieben…). Und ja, es ist fast überall so, dass wir bei dem Thema noch in den 50ern stecken. Ich hoffe sehr, dass es vermehrt Menschen gibt, die so denken wie Sie, Tina 😉

    • Lina Peeterbach sagt:

      🙂 I like!

    • Widerspenstige sagt:

      Richtig, wir sind noch immer fest im Rollenklischee der 1950er-Jahre stecken geblieben, Tina, und die Autorin versucht ziemlich gut, sich davon zu trennen im eigenen Haushalt. Gut so, denn das Umfeld kocht ja für die Familie. Ich erkenne mich wieder mit dem ‚Mama kann nicht kochen‘ – überzeichnet natürlich, denn es gibt ja genügend Convenience Food als Rohmaterial für Notfälle zum Abschmecken nach eigenem Gusto. Wenn der Partner kocht, gibt es meistens genügend Resten für andere Tage und dazu gibt es Kochsendungen bis zum Abwinken. Also bei uns ist niemand verhungert, ganz im Gegenteil 😉

      • Tina sagt:

        Naja, ich habe mich nicht nur am Inhalt sondern auch am Niveau des Textes gestört, z.B. „Muttersein wird meines Erachtens stark überbewertet“. Das ist inhaltlich zwar richtig, klingt aber ähnlich unbedarft wie „ich denke, es gibt auf der Welt nicht nur anständige Menschen“. Da bin ich mir, sorry liebe Autorin, von diesem Blog doch Differenzierteres gewohnt. Aber inhaltlich haben Sie grundsätzlich recht.

  • 13 sagt:

    Ich erkenne mich in dem Text so gut wieder. Was das Kochen anbelangt sowieso. Verhungern würden wir nicht, aber die grosse Liebe, Entspannung, die manche Menschen beim Kochen empfinden, fehlt mir vollkommen. Für mich ist das eher ein notwendiges Übel. Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass mein Mann sehr effektives „Kitchen Gatekeeping“ betreibt und es ohnehin gar nicht mag, wenn ich ihm da reinfunke. Aber dass Erwartungen durchaus runtergeschraubt werden dürfen, finde ich ein wichtiger Punkt. Und Kinder werden auch in etwas weniger perfekten Häusern und gekauftem Geburtstagskuchen gross. Und doch ertappe ich mich dabei, mich zu Hause mit Hausmüttern und beruflich mit Kinderlosen zu vergleichen und logisch kann das nicht aufgehen. Daher schöner Text.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Danke und ja, es geht vielen von uns so. Das muss aufhören! Hauptsache, Familie macht öfter Spass als nicht und keiner muss verhungern.

    • mila sagt:

      Ich frage mich gerade, was denn ein ‚perfektes Haus‘ ist. Wirklich. Auch als Momentan-Hausfrau. Man könnte sich als solche auch das Leben künstlich schwer-machen, mit bestimmten Erwartungshaltungen an ‚perfekte‘ Sauberkeits- und Ernährungsstandards. Oder man kann die Freiheit geniessen, dass man sich, für einmal im Leben, die Zeit wirklich frei einteilen kann, um mit dem Kind (den Kindern) viel unternehmen zu können. Will sagen: das ‚perfekte Haus‘ ist eine Chimäre, der auch ich, in meiner Situation, nicht nachrennen mag. Sie, 13, sollten sie sich auch getrost abschminken… 😉

    • Christoph Schnyder sagt:

      Der Begriff „Kitchen Gatekeeping“ ist gut 🙂

  • Jürgen Fehr sagt:

    Irgendwie kann ich mir garnicht vorstellen das Sie nicht kochen können. Verstehen Sie mich nicht falsch, mir geht es nicht um das Geschlecht oder Rollenverteilung sondern darum, dass man zum Kochen eigentlich nur lesen können muss. Da Sie in der Lage sind einen solchen Blogeintrag zu schreiben, sind Sie auch in der Lage ein Rezept zu lesen und zu verstehen.
    Die landsläufige Bezeichnung kochen zu können ist vielmehr den Alltagsgebrauch der Lebensmittel handhaben zu können, als ein Meister der Kochkunst zu sein und das bekommen Sie, auch wenn Sie es nicht gerne tun, allemal hin. Verkaufen Sie sich also nicht unter Wert.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Danke Herr Fehr. Natürlich kann ich kochen, wie Sie das definieren. Aber nicht gut. Nicht mal mit Rezept. Aber wie gesagt, ist nicht sooo schlimm. Schönen Tag wünsche ich Ihnen!

    • Anneliese Meyer sagt:

      Ja, aber meine Art des Kochens ist wie „malen mit Zahlen“, d.h. dank einfachen Rezepten kriege ich schon irgendwas halbwegs essbares hin. Aber einfach den Kühlschrank aufmachen und mit den vorhanden Lebensmittel schnell etwas köstliches zu zaubern (so aus dem Stegreif) kriege ich nicht hin. 🙁

  • Sportpapi sagt:

    Hm. Wenn ich meiner Frau erkläre, dass ich leider völlig unbegabt bin bei Hausarbeiten, leider Termine nicht im Griff haben kann, dann findet sie das wohl nicht so toll.
    Und wenn ich dann trotzdem auf die Idee käme, ihr Anweisungen zu Familienthemen zu geben, wäre wohl Feuer im Dach.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Mein Mann findet es auch nicht immer toll. Hat aber selber auch nicht immer alles im Griff. Ist ok. We’ll survive…

  • dres sagt:

    Was heisst nicht kochen können? Nur Fertigmenus? Gar nichts Essbares? Oder vielleicht ein bisschen überbescheiden dargestellt? Meine Frau konnte zu Beginn unserer Beziehung auch nicht kochen. Wirklich gar nichts. Heute kocht sie recht gut und gerne, ausser wenn die Kinder rummeckern. Mir hat die Kocherei immer Spass gemacht. Auch ganz einfach für mich alleine. Den Satz „für mich alleine mag ich nicht kochen“ hat es bei mir nie gegeben. Und die Korrelation zwischen schlampiger Haushalt und Selbständigkeit der Kinder stimmt definitiv nicht. Dagegen kann man Kinder motivieren, gewisse Dinge im Haushalt relativ früh zu lernen und gerne zu machen.

    • Lisa sagt:

      Danke, dres, meine Worte. Wenn die Autorin jetzt ihr Geld mit einem Buch verdienen möchte, in der sie das Lob der Büchsenravioli singt, hätte ich den Titel ja noch verstanden. Aber so interpretiere ich das ganze als eines dieser pseudobescheidenen Selbstbeweihräucherungsbücher: schaut, ich bin ein modernes Mami, ich weiss, dass ich nicht perfekt bin und mein Mann kann erst noch kochen!

  • Reto Stadelman sagt:

    Was ist gemeint mit „ich kann nicht kochen“?
    Ein 5 Gang Menu ist nicht Mindestvoraussetzung um von sich behaupten zu können, dass man kochen kann. Ein „Tiptopf Menu“ sollte man aber schon schmackhaft zubereiten können 😉 Leute die das nicht können sind mir geschlechtsunabhängig suspekt 😉

    • tina sagt:

      genau. und tiptopf kann darum jeder, weil das eine tubelisichere gebrauchsanleitung ist. wer das nicht kann, der wollte einfach nicht :).
      handwerk beherrschen ist aber schon hohe kunst, und wer meint, handwerk sei fertigfood – so wie MF unten – der hat offensichtlich eine sehr schlechte meinung, was handwerk ist, und ebenso offensichtlich noch weniger ahnung davon

  • Andreas sagt:

    Jeder Mensch sollte in der Lage sein für sich und allenfalls für seinen noch jungen Nachwuchs angemessen (gesund usw.) zu kochen. Das schliesst auch Frauen ein.

    • Tina sagt:

      :-). Oder aber man arbeitet in einem Betrieb mit Bio-Kantine. Da reicht abends ein Käsebrot. Problematisch wird’s dann nur am Wochenende…

  • Reincarnation of XY sagt:

    Berechtigt ist, dass man dazu steht, dass nicht jede Mutter auch eine gute Hausfrau ist. Nobodys perfect.
    Und da mein Motto ist: lieber etwas Chaos als eine Ordnungsneurose habe ich prinzipiell nichts gegen unvollkommene Menschen.
    Leider verfällt der Text in eine Rechtfertigungsargumentation. Als wäre ihre Art Mutter zu sein, irgendwie sogar noch besser. Das ist sehr störend und unglaubwürdig. Es hört sich an wie die Rechtfertigungen meines Kindes, wenn es anstatt die Hausaufgaben machen lieber Gamen will.

    Auch wenn man nicht perfekt ist, sollte man doch sich verbessern wollen.
    Ihre Kinder werden nur dann von ihrem Chaos profitieren, wenn sie sich Sie zum Anti-Vorbild nehmen. „Nie so wie Mama werden! Wenn nötig mache ich einen Koch- und Organisationskurs“.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Na ja, ein Blog ist ja meist etwas überzeichnet. eine Rechtfertigung soll hier auf keinen Fall stattfinden, mehr ein „Es ist, wie es ist“. Ob ich ein Anti-Vorbild bin, werden wir erst sehen, ich wäre aber nicht das Erste. Oder machen alle immer genau das, was ihre Eltern auch getan haben? Ich glaube nicht. Und nein, meine Kids sind nicht nur wegen meiner Unzuverlässigkeit selbständig. Aber auch.

    • Appelinchen sagt:

      Guter Text, ganz meine Meinung.

      • Lisa sagt:

        @Reincarnation – genau mein Eindruck! Etwa klebrig unter der Tür heisst doch übersetzt: bei mir ist es NUR etwas klebrig unter der Tür!

    • Reincarnation of XY sagt:

      „Es ist wie es ist“ – das ist ok.
      Nur, wenn Sie sagen – „dank meiner Unzuverlässigkeit werden sie Selbstständiger“ – scheint mir dies ein weit verbreiteter Denkfehler. Im Sinne von, eigentlich sind ja, die die es besser machen, die schlechteren.

      Diese Art von Unselbständigkeit, die Sie ins Feld räumen, ergibt sich nur, wenn ein Ordnungsfreak, den Kindern alles hinterherräumt oder wenn das Organisationsgenie ihnen jegliche Verantwortung abnimmt. Das wäre ein ganz anderes Problem: nämlich pädagogisches Ungeschick.

      Zum Anti-Vorbild: Ich kann ja auch nicht sagen, weil ich ein Kettenraucher bin, werden meine Kinder dafür Nichtraucher.
      Es sind solche saloppe Überzeichnungen, welche die Gesellschaft kaum weiterbringen.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    absolut. heute muss frau gar nichts mehr, darf aber alles. ist doch toll. äh ja. als mann frage ich mich schon mal, ob es die moderne…frau generell noch braucht? aber schliesslich macht die gentechnik ja auch grosse fortschritte. wann dann der hund auch kochen kann, wirds eng für manche dame.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Lieber Herr Rittermann

      Muss nichts, darf alles? Dann lade ich Sie gerne mal zu mir nach Hause ein. 2 Wochen lang meine Rolle übernehmen (oder die jeder anderen berufstätigen – oder auch nicht – Mutter, die ich kenne). Und dann reden wir nochmal über dürfen und müssen, einverstanden? Freundliche Grüsse

      • Philipp M. Rittermann sagt:

        werte frau sassine. „mimimi.“ ich muss auch einiges. das muss- und will ich – aber nicht (permanent) manifestieren.

      • Carolina sagt:

        Doch, Rittermann, Sie ‚manifestieren‘ Ihre Vorurteile/negativen Meinungen über alles, was weiblich ist, seit Jahren in allen Blogs des TA. Also auch MeMeMe? Oder doch einfach erlaubte Meinungsäusserung?

    • tina sagt:

      naja, wenn du so argumentierst: wozu braucht es denn deiner meinung nach männer rittermann?

    • tina sagt:

      (oft wird ja in diskussionen dieser art ernsthaft eingebraucht, männer würden den müll runterbringen, glühbirnen wechseln und die steuererklärung machen. hust

  • Julia sagt:

    Das finde ich richtig. Gut analysiert und beschrieben.
    Noch immer sind wir in der Schweiz in Sachen Erziehung wahnsinnig altmodisch.
    Daher gefällt mir der Satz: „sonst hätte ich diesen Mann doch nicht gewollt“ besonders gut.
    Ist doch wahr. Erstaunlich, dass so viele Männer eine Frau finden, die nicht kochen können.
    Ich bin zu perfekt, denke meistens an alles. Meine Kinder sind entsprechend unselbstständig.

  • Martin Frey sagt:

    Eine solche Argumentation finde ich jetzt ein bisschen schwierig. Klar einerseits ist es richtig und unterstützenswert, wenn man zu eigenen Schwächen steht und den Kindern auch diesbezüglich eine gewisse Authentizität vorlebt.
    Andererseits eigene Defizite mit dem Argument entschuldigen zu wollen, dass dafür die Kinder selbständiger sind, tönt doch ein bisschen schwach. Man muss als Eltern auch nicht zwingend Bocuse heissen, wohingegen „nicht so verlässlich“ ein Verdikt aus Kindermunde darstellt und eigentlich im Gegensatz zu Kochkünsten nichts ist, was man mit Verweisen auf Defizite anderer rechtfertigen kann.
    Ganz abgesehen davon: Kochen ist Kulturgut, welches oft von Müttern auf Kinder weitervererbt wird. Es ist sinnlich und bereichernd, es nicht zu können m. E. nur ein Verlust.

    • tina sagt:

      ich kenne keinen, der von seiner mutter kochen lernte. die mütter meines umfelds befanden sich beim kindergrossziehen nämlich gerade in der phase der beutelsuppen. örks.
      ein vorteil des älterwerdens ist, dass man kochen gelernt hat ;-).

      • maia sagt:

        @Tina: Also ich kenne einige – Frauen und Männer – die von er Mutter kochen lernte. Beutelsuppe und Konserven waren zwar z.B. für meine Mutter eine grosse Erleichterung, aber sicher nicht die ausschliessliche Ernährung.

      • Sportpapi sagt:

        Bei uns gab es täglich Beutelsuppe. Als Sparmassnahme. Was hat das aber mit den Kochkünsten der Mütter zu tun?

      • tina sagt:

        maia, nein sicher nicht ausschliessliche ernährung, aber schon unsere mütter (die in deinem umfeld vielleicht nicht) hatten in der husi das tiptopf und danach kam betty bossi, sie haben nicht von ihren müttern kochen gelernt. meine mutter kann echt kochen, aber als wir kinder waren, kochte sie nunmal nicht so gut. ob sie keine lust hatte (weil sie täglich musste vielleicht – da geht es mir nicht anders), oder es erst später wirklich lernte, weiss ich nicht. aber ich glaube schon, die ganzen konserven fanden damals halt viele wirklich supi. ist keine rüge, ist halt einfach so.
        was möchtest du sagen sportpapi?

      • maia sagt:

        @tina: Natürlich hatten die Müttern in der Husi das tiptopf, ich auch (resp. das zürcher Pendant). Aber eben erst in der Husi. Vorher und nachher lernte ich – zwar eher unfreiwillig – viel, wenn ich in der Küche helfen musste. Das eine schliesst ja das andere nicht aus.

      • tina sagt:

        ja aber maia, wenn sie doch auf dem level tiptopf/bettybossi/beutesauce gekocht haben, dann ists auch nicht notwendig in der küche zu helfen, denn man lernt dabei ja nichts, was man nicht jederzeit einfach so durch gebrauchsanleitung ablesen selber machen könnte :). meine güte. zäher brocken dieses thema. ich habe heute übrigens wahnsinnig fein gekocht

      • maia sagt:

        Ersten konnten wir uns das Schulkochbuch nicht auswählen; zweitens ist der Level da z.T. ja nicht schlecht (es hat sehr gute Grundrezepte) und drittens lernt man gewisse Sachen am besten durch üben, üben, üben…..

      • tina sagt:

        maia, ich sage doch nicht, dass tiptopf schlecht sei. ich sage nur: unsere mütter haben halt auf dem level (plus konserven) gekocht. wenn man also mit müttern in der küche steht, die auf diesem level kochen, dann lernt man nunmal nichts, was man nicht einfach so ohne üben selber hinbekommen hätte, wenn man nur dieses kochbuch in die hand nimmt. denn die anleitungen kann jeder, vorausgesetzt, er ist eingermassen motiviert. ich hoffe, ich konnte mich nun verständlich ausdrücken :).
        ich habe selber dieses kochbuch AUF DEM KUECHENTISCH, damit meine söhne es jederzeit in die hand nehmen können. zeigen muss ich ihnen das ja nicht auch noch, es steht da alles! eine lego anleitung ist um welten komplizierter

      • tina sagt:

        ich habe das buch sogar vor kurzer zeit nochmals neu gekauft, weil das alte etwas abelutscht aussah :). vorallem seite 111 😉 und die mit dem marmorkuchen (hauscake).

      • tina sagt:

        ich hätte gern von jemandem kochen gelernt, der sich fürs kochen begeistert. war nicht vorhanden, kein drama, kann man sich ja selber aneignen. manchmal kommt es vor, dass ich mich abendfüllend – während ich mich an einem kleinen bier besaufe – über rezepte austausche 😉 (wir haben mit ca 20 zusammen gewohnt und grauenhaft schlecht gegessen).
        alles was ich hier auszusagen versuchte: in den letzten 70 jahren haben meiner einschätzung nach die meistenin unserer region nicht von ihren eltern kochen gelernt sondern über einfache gebrauchsanleitungen wie eben diese husi-kochbücher einfach mal gekocht. richtig gut kochen kommt dann mit der zeit, wenn man ein feeling entwickelt (vorausgesetzt man ist willens und hat kein antitalent)

    • Clara Mèller sagt:

      Ich konnte mich bei meinen Eltern aber zum Beispiel auch nicht auf Hilfe bei den Deutschaufgaben verlassen. Schlicht, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Die Kinder der Autorin können sich ja nicht in jedem Punkt nicht auf ihre Mutter verlassen, sondern eher in organisatorischen Belangen und in gesunder, spannender Ernährung. Ich denke, emotional ist die Verlässlichkeit schon da … Und es geht glaube ich auch nicht darum, Unzulänglichkeiten zu entschuldigen, sondern damit zu leben und auch die positiven Aspekte davon zu sehen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Die meisten Kulturgüter werden nur von ganz Wenigen gekonnt. Sich schriftlich ausdrücken zu können nimmt diesbezüglich einen Spitzenplatz ein. Kochen dagegen können ganz schön viele.

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      sie bringen es auf den punkt. herr frey. besonders stossend – zu allem auf was frau kein bock hat, gibts auch noch eine legitimation mitgeliefert.

    • Katya Shabes sagt:

      Die Kochkunst kann auch von der Grossmutter oder dem Vater gelernt werden. Oder von Freunden in der ersten WG, aus dem Tipptopf oder ueber YouTube…
      Kochen und Haushalten sind halt sehr sichtbare „Qualitaeten“. Aber andere, unsichtbarere sind meines Erachtens viel wichtiger. Lieber klebrig unter dem Tisch als Dauernoergelei, Elternehrgeiz oder ein emotional distanziertes Verhaeltnis zwischen Eltern und Kindern. Aber eben, diese Dinge sieht man nicht so gut. Da ist es viel einfacher, auf die fehlenden Hausfrauentugenden hinzuweisen…

    • 13 sagt:

      „Kochen ist Kulturgut, welches oft von Müttern auf Kinder weitervererbt wird.“
      Hahaha, da bin ich ja froh, war der Vater meines Mannes ein besserer Koch als meine Mutter und so folgt das bei uns der Männerlinie 😉 Spannend ist ja auch die Aussage: von Müttern auf Kinder…nicht Töchter?
      „Andererseits eigene Defizite mit dem Argument entschuldigen zu wollen, dass dafür die Kinder selbständiger sind, tönt doch ein bisschen schwach.“
      Ich glaube nicht, dass das eine Entschuldigung ist, sondern oft nur die natürliche Folge davon. Ich bin davon überzeugt, dass Kinder weniger „perfekter“ (was auch immer das ist) Eltern selbständiger werden, da sie halt früher Übung bekommen, was nicht heisst, dass das immer nur positiv ist oder dass die anderen es nicht aufholen könnten.

    • Nathalie Sassine sagt:

      Das Augenzwinkern haben Sie offenbar überlesen 😉 Nicht alles so ernst nehmen, Herr Frey. Und Kulturgut kann auch vom Papi übertragen werden, stellen Sie sich vor! Der kann nämlich spitzenmässig kochen!

      • Martin Frey sagt:

        Den Versuch des Augenzwinkerns habe ich schon nicht übelesen. 😉 Mich stört nicht, dass Sie nicht kochen können. Der Mensch und auch jede Mutter ist sehr viel mehr als das. Mich stört eher Ihre Rechtfertigungsargumentation, als würde Ihre imperfekte Art Mutter zu sein, Sie irgendwie besser machen, wie es RoXy weiter oben m. E. besser als ich formuliert hat.
        Und ja, Kulturgut ist geschlechtsunabhängig. Dass Väter genauso gut kochen können ist ebenso unbestritten. Trotzdem läuft es in unzähligen Familien nach wie vor über die Mutter. Obwohl ich unteren jüngeren Paaren teils sogar mehr Männer als Frauen ausmache, die gut und leidenschaftlich kochen können. Was ev. auch damit zu tun hat, dass junge Frauen dieses Feld aufgegeben haben.
        Aber danke, dass Sie mitkommentieren! 🙂

    • Martin Frey sagt:

      @13
      „Spannend ist ja auch die Aussage: von Müttern auf Kinder…nicht Töchter?“
      Natürlich nicht, ich bin ja modern. 🙂 aber da ich nicht zwanghaft politisch korrekt sein möchte, habe ich „Mütter“ geschrieben. Weil es einfach einer verbreiteten Realität entspricht, löbliche Ausnahmen abgesehen.
      Aber ich meine tatsächlich Kinder beiderlei Geschlechts. Ich finde es schade, wenn man sich um Kochkünste foutiert und nur noch vom Home Delivery lebt. Die Idee der Übertragung von Mütter auf Kinder ist ja nicht zwingend die, dass Dreikäsehochs bereits Mehrgänger lernen sollen. Sondern vielmehr das Vermitteln der schönen Seiten des Kochens als Kulturgut durch gemeinsame Vorleben. Der Schritt ist dann viel näher, selber etwas nachzukochen wenn man älter (eben eigentlich selbständiger) wird.

      • 13 sagt:

        Wobei ja bekanntlich die besten Köche ja wieder Männer waren. Aber darauf will ich nicht herumreiten. Ich denke schon, dass man den Kindern das auch mitgeben kann. Meine Mutter hat zum Beispiel, als wir Teenager waren, eingeführt, dass jede von uns einmal pro Woche das Abendessen übernimmt. Dabei lernte ich einiges und doch bin ich weder gut, noch macht es mir Freude. Ganz im Gegensatz übrigens zu meiner Schwester, die eine tolle, hingebungsvolle Köchin ist, viel besser als unsere Mutter. Daher bin ich etwas skeptisch, was das weitergeben anbelangt.
        Meine 4. Klässlerin kann einige einfache Sachen, wie Gemüsesuppe, Wienerli, Spiegelei oder den Backofen bedienen. Eine Liebe ist nicht dabei.
        Der 1. Klässler traut sich nicht alleine, aber hilft praktisch täglich voller Hingabe mit.

      • 13 sagt:

        Natürlich ist Kochen letztlich schlicht notwendig und ich sehe es als meine Aufgabe als Elternteil den Kindern auch das Wichtigste zu zeigen. Aber das Zelebrieren als Kulturgut kann man m.E. nur, wenn man dabei authentisch bleibt. Und wir sind nun mal nicht alle gleich gepolt. Vielleicht ist die Mutter, die höchstens durchschnittlich halbfertige Sachen kocht, ja eine begnadete Klavierspielerin, die jeden Abend mit den Kindern singt. Nun, ist Musik ja auch Kulturgut. Oder sie hat einen wunderschönen 2000 qm grossen Garten. Oder was auch immer. Nie können wir alles gleich mitgeben. Wir können aber den Kindern uns zeigen, wie wir sind und sie entscheiden, ob sie in die Fussstapfen treten oder eigene Wege wählen.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Meine Mutter hat zum Beispiel, als wir Teenager waren, eingeführt, dass jede von uns einmal pro Woche das Abendessen übernimmt.“
        Das nehme ich als Anregung gerne auf, danke für den Input.
        Wobei Ihre Bsp. v.a. eines zeigen: Ohne Vorleben und Vermitteln im Elternhaus hätte wohl weder Ihre Schwester noch Sie je zum Kochen gefunden. Oder nur mit grösseren eigenen Anstrenungen sehr viel später… Ob und wie man das dann zur eigenen Passion macht, steht aber dann auf einem anderen Blatt, und ist ein rein persönlicher Entscheid.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        „Und wir sind nun mal nicht alle gleich gepolt. Vielleicht ist die Mutter, die höchstens durchschnittlich halbfertige Sachen kocht, ja eine begnadete Klavierspielerin, die jeden Abend mit den Kindern singt.“
        Völlig einverstanden, das war ja auch meine Aussage. Nochmals, Mutter oder Vater sein ist sehr viel mehr als Kochen.
        Aber die doch teils verbreitete Haltung, sich selber vorweg für eigene Defizite zu entschuldigen („bin halt so“) und gleichzeitig auf andere zu zeigen, würden wir von unseren Kindern auch nicht einfach so akzeptieren. Sondern wir würden erwarten, dass sie sich zu verbessern suchen, nicht für alles Entschuldigungen und Ausflüchte haben, an ihren Defiziten auch mal arbeiten, und sich gleichzeitig auf ihre Stärken besinnen. Meine ich zumindest. Sie nicht?

      • 13 sagt:

        „Ohne Vorleben und Vermitteln im Elternhaus hätte wohl weder Ihre Schwester noch Sie je zum Kochen gefunden.“
        Ich schätze genau da sprechen wir ein bisschen aneinander vorbei. Es gibt ja in der Schweiz wenige Menschen, die überhaupt nicht kochen. D.h. das Vermitteln, dass es halt dazu gehört, wie mal das Bad zu putzen oder den Abfall rauszustellen. Das wird ja wohl praktisch überall vorgelebt, notfalls im Hort. Meine Aussage war eher, dass es nicht zwingend nötig ist, vorzuleben und mitzugeben, dass es ein wertvolles Kulturgut, etwas ganz Tolles, Entspannendes etc. ist. Ob es jemandem Freude macht oder man es halt macht, weil es sein muss, muss jeder für sich herausfinden. Eben, wie Sie im letzten Satz schreiben. Aber da sind wir uns wohl einig.

      • 13 sagt:

        Sorry: Korrektur…natürlich gibt es viele Menschen, die gar nicht kochen, weil das der Partner oder die Partnerin macht. Ich wollte eher sagen: Es gibt in der Schweiz wohl wenige Kinder, die in einem Haushalt leben, in dem nie gekocht wird.

      • tina sagt:

        genau. es ist wie waschen oder putzen. man kann es sich aneignen und braucht nicht vermittelt zu werden. manche brauchen es nicht zu lernen, weil sie es nicht selber machen.
        ausserdem ist es nun ja wohl selten so, dass jemand immer oder nie gern kocht

    • Michael sagt:

      Kochen ist ein Kulturgut ? Wie soll den das gehen ? Kochen ist mehr oder weniger ein Handwerk oder einen Fähigkeit – wie Autofahren auch. Aber sicherlich kein Kulturgut so wie die Pauluskirche in Bern beispielsweise. In der heutigen Zeit ist es Dank Fertiggerichten und Timern am Backofen absolut nicht mehr notwendig, diese Kunst zu beherrschen.

      • dres sagt:

        Kochen, Küche, Speisen: Dabei handelt es sich definitiv um ein Kulturgut. Und die italienische, thailändische, libanesische oder sogar die schweizerische Küche sind für mich definitiv das bedeutendere Kulturgut als irgendwelche Phallussymbole von Hochgottreligionen…

      • Martin Frey sagt:

        @Michael
        „In der heutigen Zeit ist es Dank Fertiggerichten und Timern am Backofen absolut nicht mehr notwendig, diese Kunst zu beherrschen.“
        Aufgrund Ihrer Aussage muss man schliessen, dass Kochen bei Ihnen wohl nie über maximal den Status Handwerk (aka Zufuhr von Nahrungsbestandteilen) hinausgekommen ist. Das ist auch ok so, so wie bei der Pauluskirche muss die niemand selber auch als wichtig und schön erachten.
        Notabene, wenn alle auf dieselben Gaumenfreuden stehen würden, wären die meist noch unbezahlbarer… 😉

      • Carolina sagt:

        Für mich ist nicht Kochen das Kulturgut, sondern das Essen! Gutes, frisches Essen geniessen und nicht einfach hinunterzuschlingen (was natürlich auch mal sein muss) und vor allem zusammenzusitzen ist für mich und meine Familie extrem wichtig. Wir haben damit sogar schon ein paar andere Familien bekehrt, deren Kinder bei uns zu Besuch waren und den Wunsch nach Hause getragen haben, gemeinsam zu essen – auch wenn es nur ein Take-out, ein Sandwich oder was auch immer ist.

      • Widerspenstige sagt:

        Die Zubereitungsart von Speisen und deren Zutaten ist ein nicht zu unterschätzendes Kulturgut. Nur verstehen wohl alle etwas anderes darunter.

        Interessant wäre noch zu erfahren, welche Nationalgerichte in der Schweiz unentbehrlich sind und dazu gezählt werden wie zB Raclette, Fondue, Hörnli mit Gehacktem, Rösti mit Bratwurst, Kartoffelsalat, Wurst-Käse-Salat ….Café complet als z’Nacht. Diese Gerichte kann ich ohne Mühe auf den Tisch zaubern – wenn es denn gewünscht wäre.

        Bei uns überwiegt aber die thailändische wie auch die italienische Küche und darunter verstehe ich Kochkunst mit reichhaltigen Beilagen und Beigaben. Und das gemeinsame Zubereiten je nach Anlass sowie das regelmässige gemeinsame Essen.

      • Martin Frey sagt:

        @Carolina
        Keine Esskultur ohne Kulinarik, meine ich, das geht Hand in Hand. Die Esskultur wie Sie es beschreiben ist in meinen Augen letztendlich ebenfalls Bestandteil des kulinarischen Kulturguts.

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