Schluss mit dem Mutterfrust!

Mama schimpft immer…: Lois aus «Malcom mittendrin». (Foto: Screenshot)

«Man könnte wirklich nicht meinen, dass du bereits fünf Jahre alt bist!»

«Nun hör auf damit!»

«Komm endlich!»

«Gopferteli!»

Es ist Frühling, die Sonne scheint und die Bäume leuchten in den prächtigsten Farben. Das Hotel ist vollständig auf Familien mit Kleinkindern ausgerichtet und das Angebot vielseitig: Ponyreiten, Bäderlandschaft, Badminton, Klettern, Minigolf, Bowling. Möchte man mal seine Ruhe, kann man die Kleinen in den Kinderclub bringen und sich in der römisch-irischen Therme entspannen. Was will man mehr? Glück und Erholung pur.

Doch nicht die glücklichen Gesichter der Mütter fallen mir auf, sondern deren missmutige Minen. Immer ist mindestens eine am Nörgeln, am Zetern und am Schreien. Wenn nicht mit ihren Kindern, dann mit ihrem Mann.

Die allzeit geduldige Mutter?

Ich frage mich, ob ich auch so eine missmutig aussehende Mutter geworden bin. Manchmal befürchte ich es fast. Es gibt Tage, an denen auch ich von früh bis spät am Zetern bin. Weil die Gläser dauernd vom Tisch fallen, weil die Tomate durch das Restaurant fliegt, weil ich keine lautstarke Krise im Laden haben möchte und weil meine Geduld nach Tausenden von «Neins!» und «Hör auf damit!» irgendwann am Ende ist. Dann werde ich die Mutter, die ich nie sein wollte und die garantiert jede von uns zuweilen ist: die, die das Kind anschreit, ihm droht, es hart anfasst, ins Zimmer stellt und ihm vielleicht zu alldem auch noch irgendetwas Bösartiges an den Kopf wirft. Danach bleibt man zermürbt zurück und gelobt Besserung, denn das nächste Mal will man unbedingt die allzeit geduldige und liebevolle Mutter sein, von der man träumte. Vor dem Kinderhaben.

Fühlt sich so «regretting motherhood» an? Nein. Es geht nicht darum, das Kinderhaben zu bereuen. Muttersein ist ein Extremjob und ein Kind rund um die Uhr liebevoll und geduldig zu begleiten, ist meines Erachtens eine unmögliche Herausforderung. (Ausnahmetalente ausgeschlossen). Eine Aufgabe, bei der es weder Pausen noch Ferien gibt. Da nützt auch der schönste Ort wie dieses Hotel nichts. Ferien mögen helfen, den Kopf durchzulüften und eine Auszeit vom Alltag zu erhalten, aber wirkliche Erholung sieht anders aus.

Vonwegen «regretting motherhood»!

Meine knapp vierjährige Tochter und ich haben diese Auszeit sehr genossen. Zweimal habe ich sie angeschrien und einmal habe ich gedroht abzureisen. Das war, als sie nach einem Tag Reiten, Klettern, Schwimmen und Bowling fand, ich müsse ihr ein hässliches, rosarotes Barbie mit Scooter kaufen, da sie hier bisher noch «nichts Schönes» erlebt habe. Ich weiss, ich hätte es nicht persönlich nehmen und ihr keinen Vortrag über hart erarbeitetes Geld, Privilegien und das Leid anderer Kinder in anderen Erdteilen halten sollen.

Aber wie gesagt: Ich bin auch nur eine ganz normale Mutter. Mindestens zehnmal in diesen Ferien habe ich eine grössere Krise wegen einer Lappalie umschifft, zwanzigmal etwas Unvernünftiges mit einfach formulierten Erklärungen ausgeschlagen, sie dreissigmal zum Lachen gebracht, ihr fünfzigmal gesagt, dass ich sie über alles liebe und sie hundertmal ermutigt, gelobt und liebkost. Genau darauf kommt es doch eigentlich an. Nicht «regretting motherhood» ist das Thema, sondern «admiring motherhood»!

Muttersein ist oft ein Krampf, bei dem wir in einer von zehn Situationen zwar die Geduld verlieren, sie aber in den anderen neun bravourös behalten. Bewundern wir das täglich Geleistete und schrauben wir unsere Ansprüche herunter. Jeder Tag, an dem wir die geduldige, liebevolle Mutter sind, die wir zu sein wünschen, zählt doppelt. Oder dreifach! Nein, zehnfach!! An alle Mütter da draussen: bewundern sollten wir das Muttersein, gopferteli, nicht bedauern.

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