Halten Sie Ihre Kinder von öffentlichen Toiletten fern!

Besonders schwierig: Kinder halten sich gern zwischen WC-Brille und dem Porzellanrand fest und scheuern ausserdem mit den Beinen die Vorderseite des Klos. Foto: iStock

Ich bin ja ein ganz gelassener Vater: Der Brecht klettert auf einen Hochspannungsmast? Easy. Er haut beim Einkaufen ab und sortiert ein Gestell neu? Kreativ. Er hat hohes Fieber und rote Flecken auf dem ganzen Körper? Haha, ein Fleck sieht aus wie Australien.

Das stimmt natürlich nicht ganz. Ich durchlebe dieselben emotionalen Höhenflüge und Abgründe wie alle Eltern. Das mit der Gelassenheit funktioniert aber immer besser. Ausser in einem Bereich: der Hygiene.

Normalerweise bin ich in Sachen Reinlichkeit ganz normal. Ich halte unsere Wohnung sauber, ohne zu übertreiben. Vor Bakterien fürchte ich mich nicht. Desinfektionsmittel gehören in Spitäler, nicht in Badezimmer. Ich sage dem Brecht nur selten, er soll sich die Hände waschen. Selbst wenn er im öffentlichen Sandkasten mit Heroinspritzen einen Zaun baut, verbuche ich das unter «härtet ab». Aber menschliche und tierische Ausscheidungen sind mein Kryptonit. Ich ekle mich sehr vor fremdem Gagi und Bisi – knapp unter der Schwelle zur Phobie. Als Auslöser vermute ich schlimme Kindheitserlebnisse mit unserer chronisch inkontinenten Familienkatze.

Das Gruselkabinett

Nun kann ich als erwachsener Mensch den Kontakt mit fremden Fäkalien gut kontrollieren. Ganz im Gegensatz zum Brecht. Stapft er im langen Gras neben dem Trottoir, sehe ich ihn ständig auf einem Hundehaufen ausrutschen. Am schlimmsten sind aber natürlich öffentliche Toiletten.

Manchmal wünsche ich mir den Windelbrecht zurück, den ich auf jeder sauberen Fläche wickeln konnte. Ruft heute die Natur, gibt es nur ein mögliches Ziel: das nächste Wasserklosett – wo Männer sich im Bogenstrahl üben und auch Frauen den direkten Schüsselkontakt meiden. Je grösser die Pipipfütze, desto weiter die Biseldistanz, desto grösser die Pipipfütze. Ein riesiger gelber Teufelskreis. Aber was erkläre ich Ihnen hier öffentliche WCs, Sie waren bestimmt auch schon mal auf einem.

Bei der Benutzung durch Kleinkinder kommen nebst Klobrille und Boden weitere Ekelstellen hinzu: die Lücke zwischen WC-Brille und Porzellanrand, in die der Brecht beim Abstützen seine Finger krallt. Ausserdem die Vorderseite der Schüssel. Selbst auf dem saubersten Klosett klebt dort immer ein angetrocknetes Pipirinnsal. Wenn der Brecht diese Stelle mit seiner Hose oder den nackten Beinen sauber scheuert, stirbt ein Teil von mir.

Operation «Hakle feucht»

In der Praxis läuft ein auswärtiger Klogang des Brechts ähnlich ab wie die Auslandsreise des US-Präsidenten. Sobald der Brecht sein Bedürfnis angekündigt hat, klärt der Sekret-Service die lokalen Begebenheiten ab und erstellt ein Sicherheitsdispositiv. Spezialisten – also ich – landen mit mehreren Packungen Feuchttüchern und bereiten die Lokalität gründlich vor. Danach erst kommt der Präsident und liefert seine Kacke ab. Währenddessen beobachtet der Sekret-Service die Situation. Ich achte auf jede Bewegung und bin jederzeit zum sofortigen Eingreifen bereit.

Ich überlege mir, ein Schulterpolster zum verdeckten Tragen einer Klobürste anzuschaffen. Allerdings beulen die Sprühflasche mit dem Badreiniger und die beiden Reserverollen meinen Anzug schon ziemlich aus. Man will auf Aussenstehende ja auch nicht merkwürdig wirken.

«Danke, Papa, hat sich erledigt»

Das Gute an meinem Vorgehen: Bis ich alles geputzt habe, muss der Brecht meistens gar nicht mehr. Überhaupt kommt es selten vor, dass der Brecht unterwegs Druck verspürt. Seine Speicherkapazitäten sind enorm. Gut so. Ich würde sonst vor Angst gelähmt kaum noch mit dem Kind das Haus verlassen.

Auf meine Fäkalaversion bin ich wahrlich nicht stolz. Aber ich freue mich schon, sie dem Brecht weiterzugeben. Sobald er dann alleine aufs Klo kann, gebe ich ihm die Packung Feuchttücher, zwinkere ihm wissend zu und warte entspannt vor der Tür.

Aber jetzt erzählen Sie mal: Wie halten Sie es mit kleinen Kindern und öffentlichen Toiletten? Gibt es irgendwelche Tricks, die ich noch nicht kenne? Oder sehen Sie es locker, wenn Ihr Kind dezent nach fremdem Bisi riecht?

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