Väter, kämpft mit den Frauen statt gegen sie!

Mamablog

Würden Väter weniger arbeiten, hätten sie mehr Zeit für die Kinder und allen wäre geholfen. Foto: iStock

Der Unmut geschiedener Väter ist gross, war in der «NZZ am Sonntag» zu lesen. Seit 15 Monaten gilt das neue Unterhaltsgesetz. Der Verband Männer.ch klagt nun: Das Gesetz werde diskriminierend umgesetzt. Männer würden nach einer Trennung nach wie vor zu sogenannten Zahlvätern degradiert. Zudem halte das neue Gesetz Mütter davon ab, rasch wieder arbeitstätig zu werden.

Schon wieder müssen Mütter ihren Kopf hinhalten, wenn es um gesellschaftliche Missstände geht! Dieses Mal sollen sie bitte schön nach einer Trennung schnellstmöglich wieder eigenes Geld verdienen, damit sie dem Ex-Mann nicht weiterhin auf der Tasche liegen. Vor allem die sogenannte 10/16-Regel des Bundesgerichts ist dem Verband Männer.ch ein Dorn im Auge: Der Leitfaden, auf den sich die Zürcher Gerichte berufen, hält daran fest, dass für den betreuenden Elternteil eine Erwerbstätigkeit von 50 Prozent erst dann zumutbar ist, wenn das jüngste Kind 10 Jahre alt ist; und Vollzeit, wenn es 16-jährig ist.

«Das ist wahrlich nicht mehr zeitgemäss», lässt sich Nicolas Zogg, Leiter Politik beim Verband Männer.ch, zitieren. «Wir finden, dass hier die Gerichte oder sonst die Politik bald neue Vorgaben machen müssen.» Tatsächlich wird diese Regel schon heute in gewissen Kantonen aufgeweicht: In St. Gallen etwa besteht man schon ab dem 6. Altersjahr des Kindes auf einem Teilzeiterwerb von 35 Prozent. Und manche Kindesschutzbehörden erwarten bereits im 3. Lebensjahr des Kindes die Suche nach einer Arbeit.

Wir arbeiten immer mehr

Was sich mit dem neuen Unterhaltsgesetz geändert hat, ist vor allem der Druck auf die Mütter. Kommt es zur Trennung, wird ihnen heute früher ein Job zugemutet als bis anhin. Und das, obwohl sie nach wie vor hauptsächlich für Kinder und Haushalt zuständig sind. «Der Druck auf die Frauen, eine Arbeit zu suchen, ist gestiegen», sagte eine Kesb-Fachfrau der «NZZ am Sonntag». Und dies, obwohl es in vielen Branchen fast keine Stellen zu den geforderten tiefen Pensen gebe.

Es verwundert, dass der Verband Männer.ch dafür kämpft, dass Eltern von Kleinkindern nach einer Trennung als erstes und möglichst schnell einen Job finden müssen. Denn dies gälte ja auch für Väter, die Obhut und Sorgerecht zugesprochen erhalten. Männer.ch ist allerdings kein Wirtschaftsverband, dem es nur darum geht, Arbeitskräfte für Unternehmen zu rekrutieren. Viel eher müsste es Nicolas Zogg und seinen Männern darum gehen, dass es sowohl Vätern wie auch Müttern gelingt, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen – dies in einer Leistungsgesellschaft, in der wir ohnehin immer mehr und immer länger arbeiten müssen.

Denn das Arbeitspensum sowohl von Frauen wie auch Männern ist heute bereits enorm. Die Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Frauen beläuft sich auf rund 79 Prozent, während 88 Prozent der gleichaltrigen Männer einer Arbeit nachgehen. Die meisten Mütter arbeiten Teilzeit, während neun von zehn Vätern Vollzeit weiterarbeiten. Dafür kümmern sich Frauen hauptsächlich um den Nachwuchs und um den Haushalt – dafür erhalten sie allerdings keinen Lohn. Das Bundesamt für Statistik hat ausgerechnet, dass die Person, die den Haushalt verantwortet, 55 Stunden die Woche arbeitet. Geht sie zusätzlich einer Teilzeit-Erwerbsarbeit nach, erhöht sich die Wochenarbeitszeit auf 68 Stunden.

Ähnlich ergeht es den Vätern, die nebst einer meist üblichen 42-Stunden-Woche vermehrt im Haushalt mitanpacken: Sie kommen auf ein durchschnittliches Pensum von 70 Stunden die Woche. «Zwischen 1997 und 2013 zeigt sich eine Zunahme der zeitlichen Gesamtbelastung für alle Väter und Mütter in Paarhaushalten», hält das Bundesamt für Statistik (BfS) in seiner Auswertung fest.

Das System ändern

Männer.ch geht es augenscheinlich vor allem darum, dass Frauen finanziell so schnell wie möglich nicht mehr von ihren Ex-Männern abhängig sind. Das ist selbstverständlich auch im Interesse der Frauen. Deshalb sollte der Verband seine Perspektive ändern: Statt den Frauen den schwarzen Peter zuzuschieben und ihnen noch mehr Arbeit aufzuhalsen, sollte die Lobbyorganisation dafür kämpfen, dass sich das System ändert.

Konkret geht es um folgende Punkte:

  • Es ist im Interesse der Väter, dafür zu kämpfen, dass Frauen den gleichen Lohn erhalten wie Männer.
  • Es ist im Interesse der Väter, dafür zu kämpfen, dass Haushalt und Kinderbetreuung bezahlt werden.
  • Es ist im Interesse der Väter, dafür zu kämpfen, dass Arbeitsstunden sowohl für Männer wie auch für Frauen sinken.

Nur so können Familien und Beruf einigermassen vereinbart werden. Alles andere führt zu Stress. Und zu vermehrten Trennungen.