Schluss mit dem Frauenkrieg!

Frauen sollten miteinander statt gegeneinander kämpfen. (Foto: iStock)

Immer wieder flackert ein heftiger Streit auf, wenn es um die Rolle von uns Frauen in der Gesellschaft geht. Erst jüngst hat uns Bettina Weber mit spitzer Feder wieder mal ordentlich den Marsch geblasen: Hausfrauen-Bashing in Reinkultur. Muss das sein?

Webers Text war vermutlich eine Retourkutsche für die gehässigen Bemerkungen, die sich Frauen, die im öffentlichen Leben stehen, gefallen lassen müssen, wenn sie nach vier Monaten Mutterschaftsurlaub Vollzeit an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Viele von uns haben die Freiheit, sich zu entscheiden, wie sie leben möchten: Familie, Kinder, Teilzeitarbeit, Karriere – oder Hausfrau. Natürlich beeinflussen Faktoren wie Ausbildung, Alter, Wohnort, Arbeitgeber, Krippenplätze und besonders die finanzielle Situation der Familie unsere Möglichkeiten und Entscheidung.

Hausfrauen helfen, wo Berufstätige fehlen

Aber ich denke, dass die meisten in der Schweiz lebenden Frauen selbstständig bestimmen können, wie sie ihr Leben gestalten möchten. Ich schreibe aus der Perspektive der «Stay at Home Mom» ohne eigenes Einkommen. Das war nicht immer mein Wunsch. Mit 20 war ich fest davon überzeugt, dass ich keine Kinder haben möchte und dafür eine wissenschaftliche Karriere. Das Leben hat mir andere Möglichkeiten gegeben, und ich habe sie genutzt. Bereue ich es manchmal? Ja. Bereut eine Marathonläuferin manchmal, dass sie an den Start gegangen ist? Sicherlich auch, obwohl es ihre freie Entscheidung war. Am Ziel sind alle Mühen vergessen, und nur die Gewissheit, etwas Grossartiges vollbracht zu haben, bleibt.

Ich lebe mit meinen Kindern und meinem Mann in einer grossen Siedlung in Zürich-Schwamendingen. Hier gibt es keine Mommy Wars. Wir kennen und respektieren uns. Muss die Nachbarin zur Arbeit, hat aber ein krankes Kind zu Hause, kann sie sich auf mich verlassen. Brauche ich die professionelle Hilfe einer berufstätigen Frau, weiss ich, an wen ich mich wenden kann.

Wertschätzung für unbezahlte Arbeit

Nun ist es bei weitem nicht so, dass ich den ganzen Tag das Haus dekoriere oder Einladungen für Kindergeburtstage gestalte. Seit die Kinder grösser sind und nicht mehr jede freie Minute mit lebenserhaltenden Handgriffen besetzt ist, nehme ich wieder aktiv am öffentlichen Leben in unserem Quartier teil. Wir nicht erwerbstätigen Frauen engagieren uns in der Schule, sind im Elternrat oder Quartierverein tätig. Berufsfrauen haben keine Zeit, an einem Wochentag am Vormittag eine Schulklasse auf einen Ausflug zu begleiten oder einen Elternbildungsanlass zu organisieren. In unserer Siedlung erfahre ich viel Wertschätzung für diese unbezahlte Arbeit.

Im Gegenzug respektiere ich jede Working Mom, die fix und fertig von der Arbeit kommt und dann noch ihre Familie versorgt. Ich urteile nicht, wenn im Arbeitsstress einmal ein Znüni vergessen wird, ein Rucksack für den Ausflug nicht gepackt ist. Ich helfe, ohne mir das Maul darüber zu zerreissen. So sollte es sein. Wir alle mögen Brüste und eine Vagina haben und damit als Frau definiert sein. Für welche Rolle in der Gesellschaft wir uns entscheiden, wenn wir den Luxus haben uns entscheiden zu können, müssen wir nicht rechtfertigen. Ich fordere uns alle auf, uns gegenseitig zu unterstützen, zu respektieren und wertzuschätzen.

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