Wer hat den Grössten?

Hunger! Der Appetit steigt, der Bauchumfang auch. Aber nicht wegen des Essens. Foto: iStock

«Waaaas? Du bist jetzt schon im fünften/sechsten/siebten/achten Monat? Das sieht man ja gar nicht!»

Mal ganz abgesehen davon, dass mich die Frage nach meinem aktuellen Schwangerschaftsmonat bereits überfordert – man denkt da ja in Wochen, nicht in Monaten, und diese Wochenangabe befriedigt Nichtschwangere meist überhaupt nicht, was oft gemeinsames Nachrechnen und Stirnrunzeln zur Folge hat –, abgesehen von diesen mathematischen Hürden also sind es vor allem die Kommentare zu meiner Bauchgrösse, die mich immer wieder irritieren.

«Bist du sicher, dass da ein Baby drin ist?» war am Anfang meiner Schwangerschaft eine beliebte Frage, die mich regelmässig aus der Fassung zu bringen vermochte. Gerade im fragilen Anfangsstadium des Schwangerseins fragt man sich das als Frau selbst oft genug, deshalb: nein, keine gute Frage, wirklich nicht.

Ein bisschen später dann, wenn sich der Bauch allmählich zu wölben beginnt, bricht auch die Zeit folgender Kommentare an: «Gut, das könnte jetzt auch einfach eine grosse Portion Pasta sein.»

Nein, der ist kein Kompliment

Könnte sein, ja. Ist es aber nicht. Also bitte verkneifen. Und nein, das Argument, dass das ja auch ein Kompliment für meine «doch noch recht schlanke Figur» sein könnte, zählt erst recht nicht. Ich habe nicht danach gefragt. Und jetzt lasst mich in Ruhe FRESSEN! Die mickrigen Portionen, die in der Mensa ausgeschöpft werden, reichen mir jedenfalls längst nicht mehr. (Oder sie haben nie gereicht, aber das ist ein anderes Thema. Der Mensamann streitet jedenfalls an einem besonders heisshungrigen Mittag ab, dass er Frauen prinzipiell weniger schöpfe als Männern. Ich glaube ihm nicht. Ich poche auf Gleichstellung. Und auf Schwangerschafts-Sonderstellung. Jaja, ich weiss, man muss eigentlich nicht für zwei essen. ABER ICH HABE HUNGER!)

«Meine Schwägerin/Freundin/Nachbarin ist auch im vierten/fünften/sechsten/siebten/achten Monat. Aber das sieht dann ganz anders aus, du! Die kann sich kaum noch bewegen! Wie ein Walfisch!»

Einatmen, ausatmen

Arme Schwägerin/Freundin/Nachbarin. Die hat bestimmt auch genug von bauchbezogenen Kommentaren. Und mich treibt der Bauchvergleich ins Internet, wo ich «Schwangerschaftsbauch, Woche XY» google (oder noch besser: «Pregnant belly, week XY».) Wie hoch der Schwangerschaftsbauchvergleich da im Kurs ist! Es gibt Foren voller besorgter Schwangerer, die ihre Bauchumfänge miteinander vergleichen, um abzuchecken, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Bei der Bildersuche lächeln einem Armeen von Schwangeren mit hochgezogenen oder besonders figurbetonenden Shirts entgegen. Gerne mit Kreidetafel in der Hand, welche die aktuelle Schwangerschaftswoche anzeigt. Im schlimmsten Fall in Kombination mit Pastellfarben. Googeln Sie selbst! Und erfahren Sie am eigenen Leib, in welche Cyber-Abgründe solche Figurkommentare führen können. Zum Teufel mit den Bauchvergleichen!

Bei gestörtem Bauchgefühl in der Schwangerschaft gibt es nichts Besseres als eine Stunde Schwangerschaftsyoga. Wieder mal so richtig bei sich ankommen. Die eigene Mitte finden. Ich liege entspannt auf der Matte, atme ein und aus wie mir geheissen, bis der Blick auf den Bauch rechts von mir fällt. Welche Woche war die noch gleich? Hat sie in der Vorstellungsrunde nicht gesagt, sie sei in Woche XY? Ommmmmm. Ich bin ganz bei mir. Und entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Schwangeren, deren Bauchgrösse ich je kommentiert habe. Seid versichert: Ich habe dafür gebüsst. Namaste.

Lesen Sie zum Thema auch die Postings «Ist das Leben vorbei, wenn man Eltern wird?», «Büroschreck Schwangerschaft» und «Was man Schwangere nie fragen sollte».

25 Kommentare zu «Wer hat den Grössten?»

  • Franka Ebi sagt:

    „Der Mensamann streitet jedenfalls an einem besonders heisshungrigen Mittag ab, dass er Frauen prinzipiell weniger schöpfe als Männern. Ich glaube ihm nicht. Ich poche auf Gleichstellung.“
    .
    Das Problem kenne ich. Wenn ich nicht interveniere, bekomme ich totsicher eine deutlich kleinere Portion als meine männlichen Kollegen. Zum Glück kann man intervenieren, aber es ist trotzdem mühsam, jedes Mal sagen zu müssen, dass man mehr haben möchte.

    • Hotel Papa sagt:

      Glaube ich gern. Kehrseite: Wenn er jedeR gleichviel schöpft, wie den männlichen Kollegen, wird er vermutlich deutlich häufiger korrigiert. Einfach in die andere Richtung…

      • Franka Ebi sagt:

        Wahrscheinlich essen Frauen im Schnitt tatsächlich etwas weniger als Männer. Sie sind im Schnitt ja auch etwas kleiner und brauchen weniger Kalorien. Soweit bin ich ganz bei Ihnen (bzw. bei den Kantinenmitarbeitern). Die Frage ist ja nur: wie gross ist der Unterschied wirklich? Oft lassen die Herren dann nämlich etwas übrig. Und mir reicht es – wenn ich Hunger habe und nicht mehr verlange – tatsächlich nicht.

  • tststs sagt:

    Also, was jetzt?
    Interessiert sich die Autorin für das Thema Bäuche (inkl. Vergleichen) und googelt deshalb wie wild rum?
    Oder hat sie den Themen-Overkill und möchte nicht mehr darauf angesprochen werden?

    Frauen, lernt, den Hormondrachen zu reiten… ansonsten ist die Umwelt schnell einmal verwirrt 🙂 🙂 🙂

  • Lucia sagt:

    Chills…
    Bin auch schwanger. Meine Tochter kommt in rund 8 Wochen zur Welt.
    Mir kam es nie in den Sinn Ranzenvergleich zu machen. Das ist etwa gleich bescheuert wie Körbchengrösse-Vergleich.

    Ich meide genau wegen solchen Smalltalks den Kontakt zu anderen Schwangeren (Geburtsvorbereitungskurse etc.), weil mir Frauen und Schwangere per se auf die Nerven gehen.

    • tststs sagt:

      Ich behaupte jetzt mal: Mit vollen Hosen ist gut zu stinken. Dh sie sind zufrieden mit Ihrem Bauch. Schön, dass dem so ist. Aber haben Sie etwas Empathie übrig, wo es nicht so ist.

      Gute Freundin von mir hat sehr darunter gelitten, dass man ihr die Schwangerschaft nicht ansah (ehrlich, 2 Tage vor Geburt sah sie so aus, wie ich nach einem 2tägigen Weihnachtsschmaus). Und ich kann das total verstehen…

      • Lucia sagt:

        Zufrieden oder nicht zufrieden mit dem Bauch. Er ist so wie er ist. Da kann man nun mal nichts daran ändern. Es lebt sich einfacher, wenn man die Situation einfach akzeptiert wie sie ist,statt sich immer zu konkurrenzieren und mit anderen vergleichen. Das hat in meinen Augen nicht viel mit Empathie gegenüber anderen haben zu tun, sondern vielmehr dass 80% der Frauen Probleme sehen und machen, wo keine sind. Empathie erhält man von mir für Schicksalsschlägen oder
        gravierende Vorkommnisse (Abort etc.). Vom Top-Figürchen, habe ich nun 23 Kg zugenommen. Soll ich jammern und Empathie einsammeln weil ich nicht mehr in meine 38 Jeans passe? Nein. Es ist so wies ist. Ich habe mich für die Schwangerschaft entschieden. Also entscheide ich mich auch für die Nachteile. Sonst lässt man es sein.

      • tststs sagt:

        Natürlich ist meine Freundin (und auch ich) genug klug und erwachsen um zu wissen, dass die Enttäuschung/Traurigkeit von den „falschen“ Erwartungen her rührt.
        Und eben, da kann ich total mit ihr mitfühlen. Wer die Nachricht „schwanger“ erhält, darf IMHO ruhig davon ausgehen, dass sie bald eine Kugel vor sich her trägt, dass man wie eine Schwangere aussieht, dass die anderen es einem ansehen, dass man zärtlich über den Ranzen streichelt in Erwartung des Wesens darunter.
        Um bei Ihren Worten zu bleiben: Sie hat sich dafür entschieden, und es dann nicht bekommen.
        Sie dürfen natürlich sagen: selber schuld. Man darf aber auch Mitgefühl haben.

      • tststs sagt:

        Und einfach damit Sie eine Vorstellung des Ausmasses haben: Es wurde vor nicht allzu vorgehaltener Hand getuschelt, ob sie überhaupt schwanger sei oder das Ganze nur vortäusche!

      • mila sagt:

        So ein ganz kleines bisschen geht es mir wie Lucia – ich habe andere Schwangere zumeist gemieden. Jedoch, an die Autorin: wenn schon der Bauchumfang zu so einem Rundumschlag inspiriert, dann erwarte ich in Kürze…

        Es wird nicht leichter. Ausser, Sie steigen aus diesem (absurden) Hennenrennen aus.

      • tststs sagt:

        Mir ist schon klar, weshalb andere nicht mit dem gleichen Mitgefühl reagieren, sie ist ja schliesslich meine Freundin!
        Und ja, meine Freundin hätte ihre Erwartungen gen Null senken können, dann wäre dies sicher nicht passiert. Aber, come on, wir sind Menschen, wir haben Erwartungen. Dementsprechend werden wir auch ab und zu vom Leben enttäuscht. Das ist ok. Da finde ich Trost die angemessene Reaktion. (Wenn sie jetzt immer noch enttäuschend darüber sprechen würde, würde ich evtl auch von „jammern“ schreiben.)

      • tststs sagt:

        Mich nervt es einfach ein wenig, wenn andere meinen, die Deutungshoheit darüber zu haben, was jetzt genug „gravierend“ ist, damit man ZURECHT enttäuscht/traurig sein darf.

        Es freut mich ja für Lucia, dass sie alles so locker wegstecken kann; es sind aber nicht alle Lucias da draussen (ich bin ja auch öfters mal so ein Emotionen-Rasenmäher und muss mich daran erinnern, dass nicht alle so lockerflockig wie ich sind…)

      • Michael sagt:

        Da kann eine Frau drunter leiden, wenn ihr Schwangerschaftsbauch nicht der Norm entspricht ???? Hat das denn noch kein Schönheitschirug für sich als Gelddruckmaschine entdeckt ? Schnell links und rechts ein paar Wassertanks montiert und fertig ist der genormte Schwangerschaftsbauch. Ehrlich, versteh einer die Frauen.

      • mila sagt:

        Es gibt so etwas wie ‚reframing‘, und ihre Freundin könnte sich einfach sagen: was, ich muss keine 15+ Kilos abnehmen danach… Echt, dafür war ich (zumal) dankbar… Oder würden Sie die Hyper-Kugel vorziehen. Nicht, oder. Etwas Ehrlichkeit mit sich selber kann nicht schaden.

      • tststs sagt:

        @Michael: Wie kann ein Mann darunter leiden, dass seine Haarpracht nicht der Norm entspricht? Und trotzdem ist es eine Multimilliardendollarindustrie!
        Wie gesagt, vieles, was andere leiden lässt, müht mir höchstens ein müdes Lächeln ab; trotzdem kann ich meinem Gegenüber diese Gefühle zugestehen.

        @mila: Natürlich kann und hat sie das… aber Sie wissen doch selber, wie das mit den Gefühlen so ist…ihnen ist mit Vernunft nur schwer beizukommen. Sie hatte ansonsten eine tolle Schwangerschaft, eine gute Geburt und ein tolles Kind, sie weiss das auch alles zu schätzen.

      • tststs sagt:

        Und übrigens betr. Frage „Hyperkugel“. Was mich am Kinderlos-Sein am meisten „duuret“ ist die fehlende körperliche Ehrfahrung, also wie es ist, ein Kind in sich zu tragen/zu fühlen, das veränderte Aussehen, der Kugelbauch…
        Vllt kann ich es deshalb so gut nachvollziehen, weshalb sie sich einen normalen, einfach einen ganz normalen sichtbaren, Babybauch gewünscht hat.

      • mila sagt:

        tststs, klar, frustierende Gefühle sind mir alles andere als fremd… Aber, wenn die Lage gegeben und unveränderlich ist (oder nur unter Anstrengungen veränderbar, die ich nicht bereit bin zu stemmen, Cellulite zB lässt grüssen…), dann tu ich mir keinen Gefallen, wenn ich in besagten Gefühlen ver-harre. Respektive, es ist dann von Vorteil, wenn ich um-denken (re-framen) kann. So ein Quäntchen Flexibilität macht das Leben um Einiges entspannter, erspart einem so manches selbst-gemachte Problem, wo (in der Tat) keins sein müsste.

      • mila sagt:

        Anders ist es vermutlich bei Ihnen, daher will ich Ihnen sicher nicht zu nahe treten. Das man so eine Erfahrung missen mag, unabhängig der Gründe für die Kinderlosigkeit, kann ich nachvollziehen.

    • Lucia sagt:

      @tststs
      „Wer die Nachricht „schwanger“ erhält, darf IMHO ruhig davon ausgehen, dass sie bald eine Kugel vor sich her trägt, dass man wie eine Schwangere aussieht, dass die anderen es einem ansehen, dass man zärtlich über den Ranzen streichelt in Erwartung des Wesens darunter.“
      Da ist der Punkt. Mir ist es völlig Wurscht was andere denken. Ich bin ja für mich schwanger. Ganz egal ob es man mir ansieht oder nicht.
      Ich gehöre halt nicht zu den Frauen, die sich sehnlichst Gratulationen, die volle Aufmerksamkeit, das Mitleid, die Bewunderung, die vollste Rücksicht, das Ansehen, das Streicheln des Bauches von allen Seiten wünschen. Ich bin lediglich schwanger und nicht krank. Auch nicht speziell dadurch. Ansichtssache halt.

      • tststs sagt:

        „Mir ist es völlig Wurscht was andere denken.“
        Schön, Lucia, dass Sie uns allen psychologisch so überlegen sind. Der Durchschnittsmensch ist auf Feedback von Aussen angewiesen.
        „Ich gehöre halt nicht zu den Frauen…“ Meine Freundin übrigens auch nicht…

      • tststs sagt:

        Sorry, für den hässigen Ton.
        Noch ein letzter Versuch:
        Für mich ist das mit folgender Situation vergleichbar. Eine Mutter wünscht sich eine natürliche Geburt, es kommt dann aber -aus welchen Gründen auch immer- zu einem Kaiserschnitt. Natürlich ist die Mutter dankbar, dass sie ein gesundes Kind in den Armen trägt. Natürlich weiss sie, dass sie dankbar sein soll- Aber Traurigkeit, dass sie nicht natürlich gebären konnte ist dennoch da. Können Sie das nachvollziehen?

      • Lucia sagt:

        Erwartungen an Etwas zu haben, das man nicht steuern kann ist naiv. Dinge so hinzunehmen wie sie nun mal sind und das Beste daraus zu machen ist eine Kunst, welche viele nicht beherrschen.
        Die einen wünschen sich eine Schwangerschaft und werden es einfach nicht, die anderen jammern über Babybauchgrösse und suchen krankhaft nach Negativität.
        Verrückte (Frauen) Welt.

      • tststs sagt:

        Jaaaja, Sie werden jetzt sagen, dass der Fehler schon beim „wünschen“ beginnt 🙂

        Aber haben Sie doch ein wenig Mitleid mit (uns) Träumern…
        In diesem Sinne: en schöne Abig und eine weiterhin glückliche Schwangerschaft 🙂

      • Lichtblau sagt:

        „Das wird bestimmt ein Liliputaner“. Gemessen an dieser Bezeichnung für Kleinwüchsige, die heute sicher nicht mehr jeder kennt, kann man sich das Alter der sensiblen Kommentatorin meines Bauches im 6. Monat ausmalen. Nun, ich war auch nicht begeistert, aber ich habe es weggesteckt. Ich gehöre offenbar klar zu den Lucias dieser Welt – aber nachvollziehen kann ich auch andere Befindlichkeiten.

  • Elisabeth Brunner sagt:

    Da war es früher noch einfacher: nach kurzer Zeit der Schwangerschaft trugen wir Frauen weit geschnittene Blusen und Röcke. Damals konnten wir nur Vergleiche beim Schwangerschaftsturnen anstellen. Es gab auch damals schon Frauen, die hatten „nur“ ein kleines Bäuchlein (die Beneidenswerten) und zwei Wochen später war das Baby schon geboren. Heute tragen die zukünftigen Mamis enge T-Shirts, enge Hosen usw, welche die Körperformen extrem betonen. Seid einfach stolz auf den Babybauch! Aber macht keine Vergleiche oder kehrt zur früheren Mode zurück. Eine dreifache Grossmutter

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