Vorlesen lohnt sich – für alle

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Geschichten erzählt zu bekommen, fördert Intelligenz und Empathie. Foto: iStock

Wir tun es jeden Abend: Bücher vorlesen. Es gehört zum festen Ritual vor dem zu Bett gehen, dass wir uns gemeinsam aufs Sofa kuscheln, jedes Kind ein Buch aussuchen darf und erzählt bekommt. Die 8-Jährige verschlingt zwar unterdessen ein Buch nach dem anderen und würde selber nicht mehr zu Bilderbüchern greifen, aber wenn ich vorlese, dürfen es immer noch die Bücher mit den gezeichneten Geschichten sein.

Als ich damals mit dem Vorlesen angefangen habe, habe ich gar nicht gross darüber nachgedacht. Ich tue es gerne und geniesse die Nähe zu meinen Kindern, wenn wir gemeinsam in eine Geschichte eintauchen. Aber es gibt auch für Leute, die nicht so gerne vorlesen, etliche Gründe dafür, es doch zu tun. Denn wem als Kind oft vorgelesen wird, der lernt in der Regel einfacher lesen und schreiben. Zudem vergrössert das Vorlesen den Wortschatz des Kindes, fördert sein Vorstellungsvermögen und seine Konzentrationsfähigkeit. Auch sollen Kinder durch regelmässiges Vorlesen empathischer werden, da sie lernen, sich in andere – in diesem Fall die Figuren in der Geschichte – hineinzuversetzen.

Mit Bilderbüchern über schwierige Themen reden

Man kann Bücher natürlich auch nutzen, um bestimmte Themen anzusprechen. Als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, habe ich meiner Tochter das Buch «Wir sind jetzt vier» geschenkt, in dem das grosse Geschwister damit zu kämpfen hat, dass die Mama plötzlich weniger Zeit für es hat. Auch schwierige Themen wie der Tod lassen sich mit Bilderbüchern gut ansprechen. Oder wichtige Regeln wie diejenige, dass man nicht mit Fremden mitgeht. Denn meist liest man ja nicht nur vor und das wars, sondern die Kinder haben Fragen, Bemerkungen, wollen danach über die Geschichte und ihre Helden reden. Genauso darf und soll ein Bilderbuch aber auch einfach nur lustig sein. Meine Kinder fanden zum Beispiel ein Buch aus der Bibliothek grossartig, in dem es eigentlich nur darum ging, welches Tier das schönste Gaggi macht.

Wer dem Kind lieber ein ganz persönliches Buch erzählen will, selber aber nicht zum Zeichner und Dichter taugt, kann neuerdings ganz einfach zu Hause ein solches erstellen. Auf der Website «Mini Big Books» wählt man aus einer ganzen Palette an Geschichten eine aus und personalisiert diese mit ein paar Fotos und Mausklicks. Das fertige Werk druckt man danach einfach aus, faltet es zum Heft und kann es sogleich vorlesen.

Soll das Buch hochwertiger daherkommen, ist Librio die richtige Adresse. Via Website kann man ebenfalls sein eigenes Bilderbuch gestalten und dabei sogar aus fünf verschiedenen Schweizer Dialekten wählen. Auch hier benennt man die Hauptfigur nach dem eigenen Kind. Diese bekommt allerdings kein Foto-Gesicht, sondern soll dem Kind über diverse Spezifikationen möglichst ähnlich werden: Geschlecht, Augen- und Haarfarbe, Hautton und Frisur können ausgewählt werden. Mit einer persönlichen Widmung vorne im Buch wird das Ganze abgerundet.

Die Lieblinge der Kinder

Ob dem Kind das persönliche Buch besser gefällt, oder es doch lieber Geschichten von anderen Helden hört, ist vermutlich sehr individuell. Meine Kinder mögen aktuell vor allem die Abwechslung, weshalb wir uns alle paar Wochen in der Bibliothek mit neuen Büchern eindecken. Ganz anders früher, da wollten sie manchmal wochenlang immer ein und dasselbe Buch hören. Hier drei ihrer damaligen Lieblinge:

«Der kleine Buh und der grosse Mond»
Der kleine Uhu Buh liebt es, den Mond zu beobachten. Als dieser immer dünner wird, macht er sich grosse Sorgen um ihn. Der Grossvater klärt ihn dann über den Mondzyklus auf und als der Mond tatsächlich zurückkommt, ist Buh überglücklich.
Leider nur noch secondhand erhältlich.

«Wer wohnt denn da?»
Das Buch in Hausform enthält keinerlei Text und fordert die Eltern deshalb etwas heraus beim Erzählen. Aber es gibt so viel zu entdecken, das die Kinder aus ihrem eigenen Alltag kennen, dass das Buch die Kleinen immer wieder neu begeistert.

Der Grüffelo
Ein Klassiker. Meine beiden Kinder hören die Geschichte von der schlauen Maus und dem gruseligen Grüffelo auch heute noch gerne.

Welche Kinderbücher sind bei Ihnen zu Hause speziell gut angekommen?

Lesen Sie zu diesem Thema auch: «Die 7 nervigsten Kinderbuchfiguren», «Die wunderbarsten Kinderbuchfiguren» und «Verkehrte Bilderbuchwelt».

20 Kommentare zu «Vorlesen lohnt sich – für alle»

  • KR sagt:

    Auch wir lesen jeden Abend vor. Aktuell gerade Aesops Fabeln (Kind 1), Jim Knopf (Kind 2) und Pitschi (Kind 3). Otfried Preussler, Astrid Lindgren, Erich Kästner, Lisa Tetzner, Elisabeth Müller, Michael Ende sind alle auch heute noch empfehlenswert und spannend. Unsere lieben zudem die Neukirchener Erzählbibel für Kinder.

  • Fabrice Pellaton sagt:

    Und nicht zu vergessen einer der absoluten Höhepunkte in der Vater-Tochter-Beziehung, als meine 6-jährige nach jahrelangem Vorlesen im grossen Elternbett eines Abends sagte: „Papi, setz dich hin, heute lese ICH DIR eine Geschichte vor…“ Sie hat überhaupt nicht verstanden, warum der Papi plötzlich Pippi in den Augen hatte.

  • Märlitante sagt:

    Ich mache dies auch jeden Abend bei meinem 5 jährigen Sohn. Er hat dadurch schon einen enormen Wortschatz und unterbricht mich auch wenn er etwas nicht versteht, was für mich heisst, dass er sehr aufmerksam zuhört. Ich finde es so wichtig, dass die nächste Generation auch noch die Deutsche Sprache beherrscht . Die SMS und Umgangsprache lernen sie sowieso.
    Empfehlen kann ich:
    Fridolin, Das kleine Gespenst, Pluck mit dem Kranwagen, Räuber Hotzenplotz, Michel, Kinder aus Bullerbü, Die kleine Hexe, Rösslein Hü.

  • Henriette sagt:

    Ich habe meinen Kindern täglich vorgelesen. Sehr gut angekommen sind bei ihnen die Tschipo-Bücher von Franz Hohler. Sowohl die Figuren als auch die Handlung sind ungemein fantasievoll, spannend und auch etwas skurril.

  • Stefan Moser sagt:

    «Madita» von Astrid Lindgren – schwer unterschätzt. Super für Mädchen zwischen 5 und 8 Jahren. Für Jungs «Drei Fragezeichen Kids» – so hat unser neunjähriger Sohn selber mit Bücherlesen angefangen. Jetzt verschlingt er die Harry Potters.

  • Shanelll sagt:

    Meine Tochter ist 16 Monate alt. Bei uns gehört es zum täglichen Einschlafritual ein Bilderbuch zu erzählen (Meistens hat es zu wenig Text zum vorlesen, die Bücher für diese Alter haben meist kaum Text) und sie geniesst es unwahrscheinlich. Auch tagsüber holt sie immer wieder ein Buch und möchte es erzählt bekommen. Der absolute Favorit zur Zeit: „Der Paradiesvogel“ von Markus Pfister.

  • Tom Keller sagt:

    Da kann ich mich nur anschliessen. Lesen, Lesen,Lesen und Geschichten erzählen.
    Wir haben unseren Jungs immer stundenlang Bücher vorgelesen und Abends bin ich vor ihrem Bett gesessen und habe Geschichten erzählt. Ich habe ihnen auch immer technische Sachen vorgelesen. Pingu durften sie bei Oma schauen, ich glaube das hat nicht geschadet. Beide sind sie nun junge Männer, lesen aber immer noch Bücher. Als Eltern kann man nichts besser machen als Vorlesen und Geschichten erzählen. Ich freue mich auf die Grosskinder wenn ich wieder so richtige Fantasie Geschichten erfinden kann.

  • Nathalie sagt:

    Auch ich lese jeden Abend lange vor und wir geniessen das sehr! Bei uns waren alle Astrid Lindgren sehr beliebt (leider sind wir schon durch) besonders Brüder Löwenherz., so ab ca. 8 Jahren je nach Kind mit kleinen Zensuren möglich :)) Dann war der 8 Jährige über den Hobbit sehr begeistert, der kleine Wassermann, der starke Wanja von Ottfried Preussler, momentan sind wir bei Band 6 von Lisa Tetzners Kinder aus Nr. 67, ganz packende Geschichte. Und Momo, hat auch bei mir wieder Kindheitserinnerungen geweckt.

  • Aka Keller sagt:

    Während Jahren hat meine Frau den den zwei Söhnen vor dem zu Bett gehen Geschichten vorgelesen: Pipi Langstrumpf, Räuber Hotzenplotz, etc. während ich die Küche aufräumte. Es hat sich gelohnt, denn später begannen sie selbständig zu lesen. In der Schule wurden sogenannte «Battle of the Books» durchgeführt. Zwei Teams traten gegeneinander an und mussten Auskunft über eine grosse Anzahl Bücher geben. Die Gruppe mit den meisten Punkten gewann. Der jüngere Sohn lass in der 4. Klasse ca 4’000 Seiten. Eines der Bücher war ein Harry Potter; als er später den Film sah war er enttäuscht. Seine Fantasie war besser als Hollywood!

  • Leo Schmidli sagt:

    Kleine Ergänzung: Das Thema „Tod“ ist für Kinder überhaupt nicht kompliziert, sondern für uns Erwachsene. Kleine Kinder gehen ganz sachlich damit um.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Da gebe ich Ihnen recht. Also sagen wirs so: Die Erwachsenen finden so vielleicht leichter den Einstieg ins Thema. Und den Kindern hilft es vermutlich, wenn sie im Buch sehen, dass z. Bsp. andere auch den Grossvater oder das Haustier verlieren.

    • Jänu sagt:

      Kinder bis zu einem gewissen Alter können das Thema gar nicht einordnen. Es macht ihnen im Gegenteil Angst. „Papa, stirbst du und Mama auch einmal?“ „Ja.“ Das Entsetzen ist gross, die Angst davor auch. Für „uns“ Erwachsene ist es dagegen nicht kompliziert. Wir wissen, was uns bevorsteht. Kompliziert ist es nur für die Erwachsenen, die das Thema verdrängen.
      Vorlesen ist etwas vom Besten, was man für seine Kinder tun kann. Kinder, denen vorgelesen wird, sind viel eher Kinder, die später selber Bücher lesen und deren Textverständnis und Sprachschatz viel höher sind, als von Kindern, denen nicht vorgelesen wird.

  • Adriano sagt:

    Mich „tschuderäts“, wenn ich diesen Text lese und mich ans Erzählen zurückerinnere. Das war eine so schöne Zeit und ich würde jetzt noch erzählen, wenn die Kinder nicht schon erwachsen wären. Alle Kinderbücher sind noch vorhanden und ich warte nun, bis ich den Enkelkindern wieder erzählen kann.

  • tina sagt:

    ich habe meinen kindern jeden abend vorgelesen bis sie ca 12 waren :), weil sie das so mochten. zuletzt „in 80tagen um die welt“, davor steam punk geschichten. so mit 8-10 mochten sie cornelia funke. ich kam in den genuss von sehr vielen sehr guten kindergeschichten. meine kinder wollten auch immer hören, was ich gerade so lese.
    ich glaube, zu lesen oder vorgelesen zu bekommen ist darum so gut weil man, anders als beim filme schauen, mit seiner vorstellung in die situation von anderen eintaucht. da man sich die dinge vorstellen muss, muss man auf seine erfahrung zurückgreifen und diese ausbauen. man übt so einfühlungsvermögen und setzt sich gefühlsmässig mit situationen auseinander, in die man noch gar nicht geraten ist (und in vielen fällen ja hoffentlich auch nie wird).

  • Hotel Papa sagt:

    Walter Petri: Ein gelber Omnibus.

    Eine absurde Geschichte über einen Bus, der eine Seereise unternimmt. Hat unsere Tochter so beeindruckt, dass sie die ganze Geschichte mit Requisiten nachgestellt hat.

    • Michael Moser sagt:

      Sie meinen eine die Lokomotive Emma. Leider ist das Buch nicht mehr PC weil der Knabe ein Schwarzer ist.

      • Franz Vontobel sagt:

        Sie glauben tatsächlich, „PC“ bedeute, dass in Geschichten keine schwarzen Figuren vorkommen dürfen..?

        (Und was genau soll „Sie meinen eine die Lokomotive Emma.“ heissen?)

      • Vierauge sagt:

        ich glaube, Herr Vontobel meint die beiden Bände über Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer (Autor: Michael Ende). Das sind auch zwei Klassiker der Literatur, die auch meine Jungs gerne gehört haben. Diese Geschichten sind so menschenfreundlich, dass „PC“ sie nicht auch nur annähernd beschreibt.

      • Jänu sagt:

        Moser, das Gegenteil ist der Fall!: (Habe sogar noch die erste Version in der von China und nicht Mandala). Auch in der letzten Neuauflage blieb das Wort „Neger“ erhalten, es kommt ja nur ein einziges Mal vor und zur schwarzen Hautfarbe heisst es von Tur Tur im Buch: „Herr Knopf, zum Beispiel, hat eine schwarze Haut. … Warum soll man nicht schwarz sein? ….Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft.“

      • Vierauge sagt:

        sorry, ich meinte natürlich
        „…Hotel Papa meint …“

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