Die perfekte Bastelidee für Weihnachten

Kann jeder, mag jeder: Selbst gemachte Pasta. Foto: Pexels

Alle Jahre wieder steht es bevor, dann, wenn die bunten Herbstblätter bereits gefallen sind und die kahlen Bäume wie Mahnmale gegen den Himmel stehen und immer dringlicher zu rufen scheinen: «Weihnachtsbasteln, Weihnachtsbasteln!»

Ich zähle eigentlich nicht zu jenen, die freudig die Fäuste ballen und «Ja – endlich!» rufen. Für letzte Weihnachten meinte ich jedoch, die zündende Idee gefunden zu haben, nachdem ich zuvor jahrelang gut gemeinte Staubfänger gebastelt hatte. Ich war wie viele andere durch die Odyssee von scheinbar originellen Ideen gegangen, fing naiv an mit gebastelten Seifenspendern und in Filz eingewickelten Stiften für Patentanten, die diese mit gespielter Begeisterung entgegennahmen.

Wir bemalten Parkkarten im Holzrahmen und ich bedachte dabei nicht, dass Lehrpersonen davon kaum 23 Stück brauchten, weil nämlich allen Müttern die gleiche Internetseite zur Inspiration diente.

Wohin mit all den kartoffelgestempelten Abwaschtücher?

Erst als ich selber Gotti wurde und in die Rolle der Beschenkten kam, realisierte ich die leise Problematik dieser rührenden Geschenke allmählich: Wohin mit all den netten Dingen? So hingen auch bei uns kartoffelstempelbesetzte Abwaschtücher für eine befristete Zeit des Anstands in der Küche.

Ich entschied: Nur schenken, was innert nützlicher Frist zu 100 Prozent verwertbar ist und keine Verwandten und Freunde nötigt, ihre Inneneinrichtung kindlichen Auswüchsen anzupassen. Etwas Essbares also!

Ich kaufe frischen Pastateig vom Fabriklädeli, der nun in bereits ausgewallten Bahnen von einem Meter Breite auf der Küchenablage liegt. Die Kinder müssen den Teig nur noch mit Herzen- und Sternenförmli ausstechen. Danach die Teigwaren einen Tag trocknen und schön verpacken: fertig! Ich sehe die hübschen Cellophansäckli bereits vor mir, die im Nu und mit wenig Aufwand, ohne Farbkleckse auf dem Parkett und ohne klebrige Leimhände, entstehen würden.

Es fällt, was fallen kann

Alle drei, die 8-Jährige, der 6-Jährige und der 3-Jährige, starten mit Feuereifer, im Hintergrund stimmungsvolle Herbstmusik. Doch der Teig wird schnell hart, die Kinder drücken mit Wucht die Förmli in den Teig. Kratzer im Holztisch! Mein Fluchen konkurriert die Kindermusik. Wir greifen zum Pizzarädli und schneiden nur noch Bahnen. Der Teig wird immer härter. Wir greifen zur Schere. Die Stimmung sinkt, die Älteste schnauzt den Mittleren an: «Schniid schmaleri Bahne!»

Selbst die Kleinen können dekorieren helfen: Pasta als Geschenk. Foto: Nadine Fesseler

Der zu verarbeitende Teigteppich scheint noch immer endlos und die Backtrennpapierbögen, besetzt mit Pastastreifen zum Trocknen, verteilen sich auf dem ganzen Wohnzimmerboden. «Welche sind meine?», schreit der Mittlere und beginnt, die Papiere hektisch zu beschriften. Die drei streiten um Urheberrechte und ich schneide, ritsch, ratsch, entnervt alleine weiter. «Zimetschtern han i gern» geht unter im Gezanke von «…diä gruusige Streife sind sicher nöd vo mir.»

Geschafft! Der ganze Teig verarbeitet – aber Stuben- und Küchenboden bedeckt mit Backpapier. Ab in den Keller damit, zum Trocknen! Die Kinder packen kräftig mit an, doch Murphy’s Law lässt grüssen: Es fällt, was fallen kann. Im Treppenhaus. Im Lift. Auf Füsse. Teigwaren werden gekocht, das tötet alle Keime ab, sage ich meinem schlechten Gewissen. Ich beginne, die Küche zu putzen, es hat überall Mehl.

Weiter gehts mit Kräutersalz

«Wo sind deine Brüder?», frage ich, als meine Tochter wieder auftaucht. «Im Keller geblieben.» «Was machen sie da?» «Sie versuchen, im Dunkeln zwischen den Backtrennpapieren durchzuhüpfen, ohne auf die Pastastreifen zu stehen. Wers schafft, kriegt vom andern drei Sachen aus seiner Schnousibox.»

«Homemade with love – wow!», liest meine Mutter mit einem Lächeln und bestaunt das Säckli mit der zugeschnittenen Pasta, welches sie unterm Christbaum hervorzieht. Ich grinse und denke: Die Entstehungsgeschichten von Weihnachtsgeschenken sind doch wesentlich spannender als der Anblick derselben.

Dieses Jahr machen wir, glaub, Kräutersalz, verpackt in schöne Gläser, da sollte nichts schiefgehen. Oder was sind Ihre selbst erprobten Tipps für essbare Weihnachtsgeschenke?

Pastateig ist sehr schnell gemacht. Bernerinnen und Berner kaufen frischen, bereits ausgewallten Pastateig im Fabrikladen von LamarraMeine Lieblingsseite für Bastelideen und Dekotipps: Zauberpunkt.

Weitere Inspirationsquellen finden Sie hier: Geschenkideen für bastelfaule Eltern, Die 8 besten Basteltipps für Weihnachten und 10 Basteltipps für Weihnachten.

19 Kommentare zu «Die perfekte Bastelidee für Weihnachten»

  • hampi sagt:

    wir haben mit den kindern auch immer gebastelt, als sie klein waren. wir haben versucht, sinnvolle geschenke zu machen. als uns die ideen ausgegangen sind, haben wir vor weihnachten einen backtag gemacht. einen ganzen tag backen, die ganze familie. birnbrot, nusstorte, totenbeindli, weihnachtsguetzli. unsere kinder sind mittlerweile erwachsen, aber der backtag findet immer noch statt. grosseltern, onkel und tanten freuen sich immer, obwohl wir sonst die geschenkli abgeschafft haben.

  • Shelltr sagt:

    Wir (meine Jungs 17, 15, 14) schenken seit Jahren nur noch Geschenke aus der Küche.
    Backmischungen für Früchtebrot, Schoggimuffins oder Nussstängeli. Mischung für Milchreis. Chai-Sirup, Vanillesirup, Eierlikör. Mangochutney und und und…
    Kommt immer sehr gut an und wird geschätzt. Auch ich finde keinen Gefallen an staubfangendem geschenktem Gebastel. Und ich finde es schlimm, wenn ich Freude heucheln muss, weil mein Gottigeschenk ein selbstbeklebtes Vogelhaus ohne Öffnung ist und ich nicht mal einen anständigen Baum habe um es aufzuhängen.

  • Kathrin sagt:

    Meine Tochter hat im letzten Jahr eine Zeichnung gemacht,die wir dann bei der Post als Briefmarken ausgedruckt haben. Ist zwar nicht essbar aber ebenso schnell zu 100% verbraucht und seehr einfach.

  • tststs sagt:

    Also etwas verstehe ich jetzt nicht ganz: Wie kann man davon ausgehen, dass Basteln mit Kindern ohne Spuren (der Verwüstung) abläuft?
    Bin felsenfest davon überzeugt, dass auch mit Kräutersalz in (bemalten??) Gläsern in einem Chaos endet 🙂

  • Adam Riese sagt:

    Nach dem gestrigen Artikel hätte ich mir heute gewünscht, es käme ein Beitrag darüber, wie man möglichst nervenschonend, zeitsparend und stressfrei Weihnachstgeschenke produzieren kann. Oder auch Ansätze, wie man diese umgehen könnte. Doch dieser Text torpediert das gestern Beschriebene und führt dazu, dass es nicht ernst genommen wird. Für mich erscheint es auf jeden Fall äusserst unsensibel, nach dem gestrigen Aufruf nach gesellschaftlicher Hilfe gegen Stress und Überbelastung heute Tipps zu bringen, wie man perfekte Weihnachtsgeschenke bastelt. Da wäre etwas mehr planerische Weitsicht wohl zielführender gewesen. Aber das ist nur meine persönliche, bescheidene Meinung.

    • plop sagt:

      Ja. Vielleicht müsste man die Wahl der zu machenden Geschenke auch einfach mal den Kindern überlassen (sofern sie alt genug dafür sind).

      Eine Zeichnung ist auch was schönes, oder ein Brief an die Gotte oder was auch immer die Kinder ganz alleine und ohne grosse Materialschlacht machen können.

    • Robyn sagt:

      Seit wann muss ein Autor auf einen anderen, von jemand anderem geschriebenen, Artikel mit anderem Thema Bezug nehmen… ?! 😉

      Grossartiger und lustig geschriebener Artikel, bitte mehr davon!

  • Felix Wehrli sagt:

    Vielen Dank für die tolle Idee.
    Ich kann mich erinnern, als Kind meinem Götti und diversen anderen Glücklichen eingelegte Knoblauchzehen verschenkt habe. Wir haben jedes Jahr effizientere Methoden ausprobiert, um die Dinger zu schälen.
    Dass die argwöhnischen Blicke der jeweiligen Partner(innen) beim Geschenkeauspacken weniger mit dem Geschmack der Speise, sondern mehr mit dem Geruch des Partners nach dem Verzehr zu tun hatte, begriff ich erst Jahre später. Die Beschenkten jedoch hatten die Knobli-Lieferung jedes Jahr schon fest eingeplant.

  • Rosa Rettich sagt:

    Ganz ernst gemeinte Frage: Warum müssen Kinder eigentlich Erwachsenen etwas schenken? Für die Eltern ist es ein Stress, die Beschenkten könnten in aller Regel wohl ganz gut verzichten, und ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, inwiefern die Kinder davon profitieren sollen. Dass man jemandem mit einem Geschenk eine Freude machen kann, könnten sie m.E. auch (sinnvoller) lernen, indem sie z.B. eines ihrer Spielzeuge einer Sammelaktion spenden. Oder dann halt, wenn sie etwas grösser sind und mehr oder weniger selbstständig etwas Brauchbares zu Stande bringen. Oder was verspricht man sich sonst von dieser alljährlichen Stress-Bastel-Aktion?

    • Sportpapi sagt:

      Meine Gedanken gehen in eine andere Richtung. Nach meiner Erinnerung haben wir früher tagelang an Geschenken gebastelt, während heute zumindest bei meinen Kindern (und dem Göttikind) ein Nachmittag reicht, und schon der ist eher stressig. Mag sein, dass meine Erinnerung trügt, bzw. dass wir damals einfach schon älter waren.
      Warum das aufwändige Geschenk? Weil die Kinder sich auch grössere (=teurere) Geschenke wünschen, und wir dann jeweils gerne nachfragen, ob sie denn ebenfalls so grosse Geschenke machen würden. Und da gehört halt schon etwas persönlicher Einsatz dazu, wenn noch kein Geld vorhanden ist.

    • Melanie sagt:

      „Warum müssen Kinder eigentlich Erwachsenen etwas schenken?“
      Sie müssen nicht, sie möchten gern. Kinder lieben es Geschenke zu machen! Deshalb!

    • Röschu sagt:

      „Oder was verspricht man sich sonst von dieser alljährlichen Stress-Bastel-Aktion?“ In der Regel wird wohl darüber gar nicht nachgedacht. Es gehört sich halt einfach so und darum macht man gefälligst mit, was natürlich völliger Unsinn ist.
      .
      „Weil die Kinder sich auch grössere (=teurere) Geschenke wünschen, und wir dann jeweils gerne nachfragen, ob sie denn ebenfalls so grosse Geschenke machen würden. Und da gehört halt schon etwas persönlicher Einsatz dazu, wenn noch kein Geld vorhanden ist.“ Irgendwie scheint mir dies eine gefährliche Mischung aus Erpressung und Erziehung zur Kommerzgläubigkeit zu sein?

    • Berna sagt:

      Weil schenken Freude macht?

  • Heinz sagt:

    Dieses Jahr gibt es selbstgemachtes Birchermüesli.
    Vorher im Backofen geröstet mit viel Honig und in schöne Gläser verpackt und dekoriert mit so Gonisfarben

  • Brunhild Steiner sagt:

    Dann wünsch ich allen mal vor allen Dingen eines:
    dass jeder&jede den Mut/Kraft hat die vorgenommene to-do-Liste den existierenden Bedingungen was Ressourcen von Zeit/Energie ua betrifft, anzupassen; und sich weder von schönen Bildern, tollen Texten oder sonstigen Erwartungshaltung-generatoren unter Druck setzt.
    Die richtige Dosis an Stress bringt den nötigen Pfeffer/Abwechslung ins Leben,
    allzuviel jedoch ist ungesund was wir nicht erst seit gestern oder vorvorgestern wissen… .

    Und einen stabilen Magen für die Ess-Geschenkempfänger 😉

  • Berna sagt:

    Die beschriebene Szene erklärt recht gut, warum ich von Kindern Non-Food-Geschenke bevorzuge. 🙂

    • bohrerin sagt:

      Das gute an Teigwaren ist ja, dass sie vor Verzehr in siedendes Wasser kommen. Das reduziert die Keime doch beträchtlich:). Aber Hand aufs Herz, lecken Sie nie den Kuchenteiglöffel ab und benutzen ihn dann wieder? Deshalb gilt auch hier die Devise, was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.