Danke, liebe Firmen, so solls sein!

Liebe Leserinnen und Leser, der Kanton Zürich verlieh gestern zum dritten Mal den Prix Balance. Der Preis geht an Unternehmen, die ihren Mitarbeitern familienfreundliche Strukturen bieten. Gabriela Braun wurde bei der Preisvergabe die Ehre als Laudatorin zuteil. Dieser Text ist eine veränderte Fassung ihrer zwei Reden. Die Redaktion.

Gemeinsam erfolgreich: Immer mehr Firmen setzen auf familienfreundliche Strukturen. (Foto: Getty Images)

Vor 16 Jahren beschäftigte ich mich erstmals mit dem Thema «Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben». Ich war schwanger, arbeitete als junge und ehrgeizige Journalistin bei einer Tageszeitung. Und für mich war klar, dass ich dort nach der Geburt weiterarbeiten würde – einfach mit einem etwas kleineren Pensum.

Das aber sah der Chefredaktor anders. Teilzeitarbeit in diesem Job gebe es nicht, sagte er. Erstens seien Muttersein und News-Reporterin nicht vereinbar. Und zweitens würde ich das bestimmt auch nicht wollen. Ich solle erst Mutter werden, sagte er, dann wisse ich schon, was er meine. Netterweise bot er mir ein paar Wochen später doch einen Job an: Er offerierte mir den Posten als Sekretärin – zu 20 Prozent.

Ich lehnte dankend ab.

Erschöpfte Mütter und frustrierte Väter

Seither hat sich glücklicherweise einiges getan. Die Haltung gegenüber berufstätigen Müttern hat sich verbessert. Viele Unternehmen sind offener geworden, was Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten von Eltern angeht.

Aber es gibt auch heute noch viel zu tun. Die Stories zum Thema Vereinbarkeit gehen uns im Mamablog leider nicht aus. Wir Bloggerinnen und Blogger widmen uns solchen Fragen fast wöchentlich. Die Texte stossen auf grosses Interesse und werden heiss diskutiert.

Es geht um Entlassungen nach dem Mutterschutz, Reduktion des bestehenden Pensums und Forderung für einen Vaterschaftsurlaub. Wir schreiben über Kosten und Öffnungszeiten von Krippen. Über erschöpfte Mütter, die unter der Mehrfachbelastung zusammenbrechen. Aber auch über frustrierte Väter, die sich mehr Zeit für die Familie wünschen und sie vom Arbeitgeber nicht bekommen.

Umso mehr freut es mich, hier vor Ihnen stehen zu dürfen und Teil dieses Anlasses zu sein – und zu erfahren, wie weit gewisse Firmen punkto Gleichstellung und Vereinbarkeit sind.

Damit meine ich zum Beispiel die Firma Infras. Ich staunte, als ich bei meiner Vorbereitung las, welche Arbeitsbedingungen Infras ihren Angestellten bietet: Nach dem Mutterschaftsurlaub kann eine Mutter trotz reduziertem Pensum wieder in die gleiche Position einsteigen. Infras bietet flexible Arbeitszeiten und Homeoffice, und sie beteiligt sich an den Kosten der Kinderbetreuung. Die Kündigungsfrist nach einem Elternurlaub liegt bei 6 Monaten. 

Neue Wege und Vorbilder

Auch andere Firmen setzen auf familienfreundliche Strukturen: Deloitte bietet ihren Mitarbeitern unter anderem ein «Welcome Working Parent Program»: Frauen und Männer können in Gruppen und mit Fachpersonen über ihre Wünsche, Pläne und Vorbehalte reden. Es ist ein Coaching-Programm, das den werdenden Eltern – aber auch den Vorgesetzten – zur Klärung von Fragen dient und ihnen eine Gesprächsstrategie vermittelt.

Toll ist, dass Deloitte auch werdende Väter anspricht. Denn auch Väter fragen sich, wie sie die Balance zwischen Job und Familie finden können. Und wir alle wissen: Nur wenn wir die Väter mit einbeziehen, kann die Sache mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für alle funktionieren.

Deloitte und Infras sind zwei von acht Unternehmen, die mit dem Prix Balance 2017 ausgezeichnet werden. Ich wünsche mir, sie alle dienen anderen Firmen als Vorbilder. Auf dass auch andere Betriebe den Mut und die Tatkraft haben, bestehende Rollenbilder zu hinterfragen, aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Der Prix Balance 2017 geht an Liip AG, Sonova, ewp, Stiftung myclimate, das Pflegezentrum Käferberg, Street Church, Deloitte und Infras. Herzliche Gratulation dafür. Den Prix Encouragement erhalten die Pool Architekten. Der Prix d’Honneur geht an Hilti (Schweiz) AG und an das Amt für Hochbauten der Stadt Zürich.