Verloren im Hausfrauenalltag

Freiheiten, ade: Kinderbetreuung ohne Subventionen ist in der Schweiz für viele unbezahlbar. (Foto: Getty Images)

Von Zürich nach Berlin – und vor kurzem wieder zurück. Eine vierköpfige Familie. Der Mann hat einen soliden Job, die Frau schlägt sich von Text zu Text als freie Autorin durch und sucht nebenbei nach einem Geldjob, um damit die Kinderbetreuung und vielleicht noch ein paar Zerquetschte fürs Ferienkässeli dazuzuverdienen.

Auf die Frage, wie es der Familie nach dem grossen Umzug geht, antwortet die Frau, also ich, zynisch: «Meine Eingewöhnung als Hausfrau läuft und die Kinder fangen an, neue Freunde zu finden. Also im Grossen und Ganzen gehts uns gut – wäre da nicht mein Frust mit der Kinderbetreuung

Karriere nach Fantasie bugsiert

Denn die Freiheiten, die ich (als Frau) in Berlin hatte, sind weg. Ich komme wieder in meinem alten Leben in der Schweiz an, schätze das Essen, die Natur und die Freundlichkeit der Mitmenschen, bin aber damit konfrontiert, dass meine Woche vom Stundenplan meiner Tochter diktiert wird. Zwei freie Nachmittage mit Schulschluss um 11:55 Uhr. An den restlichen Tagen werden die Kinder um 15:25 Uhr entlassen.

Es sei denn, wir leisten uns die Nachmittagsbetreuung. Aber wieso sollen wir Geld ausgeben, wenn ich doch eh zu Hause bin? Ebä. Dennoch kann ich mich nicht richtig auf dieses Hausfrauending einlassen, geschweige denn daran gewöhnen, dass meine komfortable Lage, die Kinder betreut zu wissen, futsch ist. Meine Ambitionen, eine Frau zu sein, die sich auch über ihren beruflichen Erfolg definiert und nicht nur über die Kinder, werden von routiniertem Aufräumen, Saubermachen, Kleinkindbespassen und Menüsausdenken nach Fantasia bugsiert. Der Schlüssel dazu ging leider auf dem Weg verloren.

Adieu Berlin, auf Nimmerwiedersehen, und du ach so tolle, staatlich finanzierte Ganztages-Kinderbetreuung, die gerade mal ein paar Hundert Euro pro Monat kostet und jeder Familie zusteht. Die Kinder sind täglich bis 16 Uhr und nach Bedarf auch länger betreut. Der Staat hat uns als Eltern und mir als Frau den Rücken freigehalten, damit ich arbeiten gehen konnte und wollte – und nicht musste, wie ganz viele andere. (Und wer jetzt kommentiert, ich soll doch einfach wieder zurück nach Berlin. Nänäi, so einfach ist es nicht.)

Job oder Kinderbetreuung?

Und jetzt? Mhmm. Ich bin hässig und genervt, fühle mich irgendwie veräppelt und weiss, ich bin damit nicht alleine. Viele meiner Freundinnen empfinden das genauso. Das flaue Gefühl im Magen, als wir anfangs ausgerechnet hatten, was uns die Kinderbetreuung ohne Subventionen kosten würde, hat uns fast um den Verstand gebracht. Es ist die Schlange, die sich in den Schwanz beisst. Job oder Kinderbetreuung, was kommt zuerst? Wir entschieden uns zu pokern. Wir buchten drei Kita-Tage in der Hoffnung auf einen baldigen Job und Subventionen. Dazu Mittagshort an den Nachmittagen, an denen Maus Nachmittagsschule hat.

In Berlin hab ich Blut geleckt, was die Kinderbetreuung betrifft. Habe gesehen, wie glücklich meine Kinder in der Kita waren, wie sie sich entwickelt haben. Mir ging es gut, als ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Ja, es war anstrengend, aber ich fühlte mich erwachsen und ernst genommen. Als Frau, als toughes Cookie, die eine Familie, einen Job und einen Blog rockt und ihrem Mann auf gleicher Augenhöhe begegnet.

Allzeit bereit – im Namen der Familie

Um die Wäsche kümmerten wir uns zusammen, während wir abends auf dem Sofa Netflix-Serien schauten. Sauber machten wir nebenbei und das Einkaufen teilten wir uns auf. Es fühlte sich gut an. Ich war wieder back on track. Die Kinder waren glückliche Kinder, weil wir es waren. Keine Diskussionen mehr, was Finanzen oder Putzen betraf. Wir waren viel entspannter und gingen auch öfters auswärts essen, statt abends noch zu kochen.

Und jetzt? Ich blicke auf unseren roten Staubsauger, den ich gar nicht mehr verstauen muss, denn schon bald kommt unser nächster Einsatz. Allzeit bereit im Namen der Familie!

Willkommen zurück in der Schweiz.