Stillen ist kein Dorfgespräch

Beim Thema Stillen verzichten Mütter gern auf die Meinungen der Gemeinschaft. Foto: Sean Roy (unsplash.com)

 

Es war wieder mal Weltstillwoche. Ja, das gibts. Und sie hatte sogar einen Slogan. Er lautete: «Stillen geht uns alle an.» Die Stillförderung Schweiz schreibt auf ihrer Homepage, der Slogan orientiere sich an der Redewendung «Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen». Man wolle damit die friedliche und integrative Gesellschaft in Bezug auf das Stillen stärken. Es gelte, faire Gesetze zu schaffen und politische Herausforderungen zu meistern. Klingt richtig und wichtig – und trotzdem, dieser Slogan erwischt mich auf dem falschen Fuss.

Denn «Stillen geht uns alle an» klingt in meinen Ohren mehr nach Einmischung und Bevormundung als nach Unterstützung durch die Gemeinschaft. Der moralische Druck, der auf stillenden Müttern in der Schweiz lastet, ist ohnehin schon gross. Ob im Büro, im Restaurant oder auf dem Spielplatz – es gibt überall «Dorfbewohner», die stillende Mütter massregeln oder ihnen ihre Meinung aufdrängen: Ein Kind mehr als zwei Jahre zu stillen, finden sie pervers. Das Neugeborene nur ein paar Wochen zu stillen, ist dann aber doch zu egoistisch, und stillt die Mutter gar nicht, hat sie wohl eine Bindungsstörung (Taschenpsychologen gibt es einige im Mütter-Bewertungs-Dorf Schweiz). Sogar wenn die Mutter der «Norm» entspricht und vier bis sechs Monate voll stillt, kommt der Angriff ganz bestimmt: Stillen in der Öffentlichkeit ist immer noch verpönt, tut sie es trotzdem, dann bitte wenigstens diskret, versteckt und bedeckt. Nein, um meinem Kind die Brust zu geben, brauche ich dieses Dorf nicht!

Einmischgesellschaft Schweiz

Zumal das Stillen lange nicht das Einzige ist, wofür wir Mütter uns in der Schweiz rechtfertigen müssen: Ich muss mich für meine beiden Kaiserschnitte auch Jahre danach noch regelmässig erklären und bekomme dann gleich eine passende Diagnose («vielleicht spricht dein Kind deshalb noch nicht»). Ich muss mich rechtfertigen, wenn ich arbeite («gehts dem Kind denn wirklich gut in der Kita?») oder mein Mann daheim beim Kind bleibt («ist er denn nicht gelangweilt?»). Ja sogar für den Nuggi brauche ich gute Argumente («hui, die Zähne …»). Stehe ich für meine Meinung ein, 16 Wochen Mutterschaftsurlaub seien zu kurz (und Mütter würden auch deshalb oft nur kurz stillen) oder es brauche einen Vaterschaftsurlaub (auch dann wären Mütter zu Hause entlastet und würden vielleicht länger stillen), ernte ich in der Schweiz ein mitleidiges Lächeln und die Frage, wer das denn alles bezahlen solle.

Frauen sind ihr eigener Herr

Frauen wollen und sollen selbstbestimmt leben und ohne moralischen Zeigefinger eines ganzen Dorfes entscheiden, ob und wie lange sie stillen. Er ist gut gemeint, dieser Slogan, ich weiss. Vermutlich zielt er sogar genau auf diese Problematik ab, doch mich hat er aufgeschreckt. Dem Dorf Schweiz traue ich nämlich zu, diesen als Mütter-Diktat zu missbrauchen: «Stillen geht uns alle an» würde so schnell zu «Kaiserschnitt geht uns alle an» oder «Abtreibung geht uns alle an», «Frauen, die arbeiten, gehen uns alle an».

Nein, danke, da bleibe ich lieber bei «Stillen geht nur mich was an» und pfeife auf das Dorf. Schliesslich bin ich eh ein Stadtmensch.

59 Kommentare zu «Stillen ist kein Dorfgespräch»

  • mira sagt:

    Sorry, aber das ist doch einfach Grundschulalter-Herumzickerei. Wer eine dermassen dünne Haut hat, dass er/sie es nicht erträgt, wenn jemand anders mal den Mund aufmacht, der sollte besser auf Kinder verzichten. Und in die Einöde gehen…

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Teilweise komische Ansichten: als stillende Mutter war es mir eigentlich einerlei, ob Mann sehen wollte ob ich stille oder nicht, zumal alles Sehenswerte unter einem Tuch verborgen war. Hätte ich nicht ausser Haus gestillt, wäre ich mit meinem Grossen gar nie aus dem Haus gekommen, da ich bei ihm dauernd am Stillen war.

    Kommentare zu jedem Thema sind eh immer gut. Erst wenn Keiner mehr etwas sagt schrillen die Alarmglocken, weil man sich dann Gedanken darum machen muss, nicht mehr interessant genug zu sein.

  • Murmeli sagt:

    Die Diskussion ist wirklich müssig. Frau sollte sich Still-BHs und Still-Shirts kaufen und damit lässt es sich überall so stillen, dass sich niemand gestört fühlt. Ohne dass man sich komplett ausziehen muss (ist übrigens je nach Temperaturen draussen auch für einen selber angenehmer). Ich stille oft draussen, kann mit der grossen ja nicht dauernd daheim bleiben. Ich habe noch nie eine negative Erfahrung gemacht. Noch nie hat jemand sich gestört gefühlt, jedenfalls hat noch nie jemand etwas gesagt und böse Blicke habe ich auch nicht bemerkt. Aber es gibt viel freudige Kommentare über den kleinen Sonnenschein. Wenn ich ihn hungern lassen würde, gäbe es wohl mehr irritierte Blicke wegen des Geschreis. Was ich einverstanden bin: Mehr Eltern-Urlaub würde helfen, Müttern und Vätern…

  • Michael sagt:

    Es handelt sich hier weniger um eine Einmischgesellschaft sondern eher um den allmächtigen Überbegriff Mode.
    Mode hat nicht nur mit dem klassischen Begriff zu tun, der sich auf die Auswahl von Kleidung bezieht. Modisch ist alles, was alle tun – damit man nicht auffällt. Mal muss jede Frau einen Mini tragen, mal muss der Schlips schmal und aus Leder sein. Dann waren LEE-Jeans Pflicht. Dann waren es Hausgeburten, die antiautoritäre Erziehung, stillen in der Öffentlichkeit. In unser patriarchalischen Welt haben es Frauen immer schwerer, sich durchzusetzten. Aber sie sollten sich nicht andauernd rechtfertigen, warum sie gegen den Strom schwimmen. Sie sollen es einfach machen !

  • andreas sagt:

    @ts…… Ja, klar, ich starre dann ganz genau hin und freue mich riesig darüber, wenn ich möglichst viel davon sehe.

    Aber, was sind eigentlich Gugggewohnheiten, hat das etwas mit Guggen und Fasnacht zu tun, Sie lustiger Jeck?

  • Sportpapi sagt:

    Wenn man der Meinung ist, es brauche ein ganzes Dorf, das erzieht. Dann muss man das halt auch zulassen und akzeptieren, dass es Kommentare gibt.
    Der Trend ist allerdings ein anderer: Man fordert immer mehr vom Staat, und damit auch von der solidarischen Gesellschaft, verwahrt sich gleichzeitig aber gegen jegliche Einflussnahme. Das geht nicht auf.
    Persönlich lebe ich eigentlich ganz gerne in einer „Einmischgesellschaft“.
    Ausserdem liegt es wohl an jedem einzelnen, ob man das Umfeld als grundsätzlich feindlich, als missgünstig und bestimmend erlebt. Oder ob man vielleicht sogar erkennt, dass es die meisten durchaus gut meinen. Vom verpönten öffentlichen Stillen beispielsweise hat meine Frau wohl nicht viel mitbekommen. Aber von Frauen, denen das selber unwohl ist.

  • tststs sagt:

    Achach, wo ist das gute alte Göschene-Airolo geblieben… 😉

  • tststs sagt:

    Oohhhh….mein….Gott….
    Glaubt die Auto rin ernsthaft, dass die Einmischerei/Besserwisserei/Hilfe des ganzen Dorfes damit zu tun hat, dass sie Mutter/Stillerin ist?

    Oder vllt doch eher damit, dass sie ein Mensch ist, und Menschen sich generell gerne in das Leben anderer Menschen einmischen und dies auch völlig ok ist…?

  • Dorothee G. sagt:

    Wie steht es denn mit einem Blick über die Grenzen ? In andern Ländern und Kontinenten ist stillen im öffentlichen Raum kein Problem.Was macht eine Frau in Afrika oder Mittel-/Südamerika,die den ganzen Tag zb auf dem Markt Waren verkauft mit ihrem Säugling ? Was machen Eltern in Ländern Europas – Nachbarländer der Schweiz-mit ihren Kleinkindern ? In deren Ländern es selbstverständlich ist,dass beide Eltern einer Lohnarbeit nachgehen und Kinder mit aller Selbstverständlichkeit mit drei Jahren in den Kindergarten gehen (mit Mittagsbetreung wenn erwünscht).

    • 13 sagt:

      In anderen Ländern und Kontinenten kann sich schlicht niemand leisten eine solche Luxusdiskussion zu führen. Grundsätzlich ist dieser Blick nicht so schlecht, da er so manches ins richtige Licht rückt. Andererseits leben wir nun mal hier, mit dem hiesigen Standard und ich finde es eigentlich legitim, dass auch unsere Probleme oder eher Befindlichkeiten besprochen werden dürfen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @13
        die Frage wäre wohl eher wie das in anderen Ländern empfunden wird, ob sich da Menschen eher schnell „kontrolliert-bewertet-bevormundet“ durch Einmischung eines Dritten fühlen, oder man generell entspannter mit „sozialen“ Feedbacks umgeht, davon ausgeht dass diese kommen werden und es nicht so hoch gewichtet?
        Ich schätz mal, der Mensch ist überall Mensch, und auch über der Grenze gibts wohl mühsame, mühsamere und obermühsame Exemplare, sowie die ganz angenehmen und unkomplizierten.

      • 13 sagt:

        Und empfindliche, empfindlichere und oberempfindliche 😉 Aber ja, Sie haben recht und doch ist es so, dass man, wenn man eh keine Wahl hat, weniger darüber nachdenkt, ob man sich richtig entschieden hat oder ob jemanden die eigene Entscheidung stört.

  • Amanda sagt:

    Mittlerweile bieten viele Apotheken/Drogerien Stillecken an. Vereinzelt auch
    Cafés und Geschäfte, die Umstandsmode und/oder Kinderkleider im Sortiment haben. Wer jeweils wissen möchte, ob- und wo er in der Nähe seines Standortes eine Stillmöglichkeit findet:
    http://www.mamamap.ch
    (Ist auch als Mobile-app verfügbar)

  • Muttis Liebling sagt:

    Der Wunschkaiserschnitt ist eine grobe Verletzung der medizinischen Ethik und sollte zum Entzug der Approbation führen. In einer gewerblichen Medizin, welche auf Erlös und nicht auf Gesundheit zielt, wie in der Schweiz, ist das erst einmal chancenlos. Aber die Ökonomie der jährlichen Kostensteigerung von 3-4% wird das kippen. So gehe ich davon aus, dass der Wunschkaiserschnitt, neben 1000 anderen medizinisch nicht zu rechtfertigenden Prozeduren, verschwindet. Das ist keine private, sondern eine öffentliche Angelegenheit. Das geht uns alle an.

    Analog Stillen und Berufstätigkeit. Das geht uns alle an und da wirken wir nicht individuell, sondern mit politischen Druck ein. Privat sollte nur der Vorgang des Stillens sein. Das dafür absolut.

    • Leon Topodium sagt:

      Beim Thema Kaiserschnitt trifft man schnell auf die selben religiösen Fanatiker wie beim Veganismus, Impfen und der alternativen Medizin. Die Indikation für einen Kaiserschnitt ist selbstverständlich keine öffentliche Angelegenheit, sondern eine private zwischen Patientin und Aerztin/Arzt. Geschützt durch das Patientengeheimnis. Ansonsten könnte man gleich alle medizinischen Behandlungsindikationen öffentlich machen. Mich gehen auch Ihren eventuellen Hypertonus, Hämorrhoiden, Adipostas oder Ihre niktoinbedingte koronare Herzkrankheit nichts an. Das ist halt das solidaritätsprinzip unseres Gesundheitwesens. Falls Sie wirklich Arzt sein sollten, dann würden Sie wissen dass die „Wunschkaiserschnitte“ nicht für den jährlichen Prämienanstieg verantwortlich sein können.

      • Muttis Liebling sagt:

        Der Wunschkaiserschnitt ist per definitionem ein operativer Eingriff ohne medizinische Indikation. Wenn es eine Indikation gibt, auch eine nicht somatische, dann ist es kein Wunschkaiserschnitt.

        Insofern gibt es dabei keine Missverständnisse. Kostenmässig gebe ich Ihnen recht, sowohl die normale Entbindung als auch die Sectio sind nicht kostendeckend vergütet. Wenn ein Spital die Möglichkeit hat, dann schliesst es die Geburtshilfe.

      • Leon Topodium sagt:

        Der reine Wunschkaiserschnitt ist ja selten, und wenn man genau nachfragen würde gibt es auch da Gründe dazu. Die laienhafte Vorstellung von der Yuppie-Frau die am Dienstag einen Kaiserschnitt will weil sie am Freitag einen Shoppingtermin in London hat erscheint zwar irgendwie sexy, hat aber kaum was mit der Realität zu tun. Wie eine Frau entbinden will ist alleine die Sache von ihr und ihrer Aerztin/Arzt. Wieso ausgerechnet hier die Oeffentlichkeit mitreden soll erscheint mir zumindest etwas bizarr. Es gib im übrigen eine ganze Reihe von anderen operativen Eingriffe, die tagtäglich in unseren Spitälern durchgeführt werden und die auch nicht immer eine rein medizinische Indikation haben und trotzdem berechtigt sind. Z.B. viel plastische Eingriffe und einige urologische Operationen.

      • Leon Topodium sagt:

        Zu Ihrem letzten Punkt: jein. Die Erfahrung zumindest bei den öffentlichen Häusern zeigt auch, dass das Schliessen der Geburtsabteilung in der Regel 5 Jahre später das Ende des Spitals bedeutet. Keine Geburtshilfe = keine Anästhesie im Hause etcetc, d.h. irgendwann können auch die anderen Notfälle nicht mehr richtig betreut werden und kein 24h Service mehr geboten werden. In der Folge wandern Aerzte/Patienten ab und so weiter. Umgekehrt heisst das, wenn Sie als Gesundheitspolitiker ein öffentliches Spital schliessen wollen und sich die Hände dabei nicht schmutzig machen wollen, dann schliessen Sie die Geburtsabteilung. 5 bis 10 Jahre später hat sich das „Problem“ mit Garantie selber gelöst.

      • Martin Frey sagt:

        @Leon Topodium
        „Umgekehrt heisst das, wenn Sie als Gesundheitspolitiker ein öffentliches Spital schliessen wollen und sich die Hände dabei nicht schmutzig machen wollen, dann schliessen Sie die Geburtsabteilung.“
        Aber das will niemand. Ein Politiker will ja schliesslich wieder gewählt werden.
        Auch wenn Sie damit natürlich ein Grundproblem unseres Gesundheitswesens ansprechen, die kantonale Spitalplanung. Der Trend geht in die andere Richtung, nämlich einer Art Wettrüsten gerade im ambulanten Spitalbereich, sprich dort, wo seit Jahren überproportionale Wachstumsraten in Sachen Kosten zu verzeichnen sind.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Leon Topodium

        Wenn man die Indikationsstellung für die Sectio als eine intime Absprache zwischen Arzt und Patientin betrachtet, muss man das auf alle Interventionen ausdehnen. Dann gibt es gar keine Indikationskontrolle bis hin zu Herzoperationen und vor allem die um ein Mehrfaches überindizierten orthopädischen Implantate.

  • 13 sagt:

    Ok, wir haben es verstanden: andere Menschen nerven. Sie
    – fragen immer so unangemessene Dinge (Was arbeitest Du? Geht doch niemanden etwas an),
    – befinden sich an Orten, wo sie nicht hingehören (wäääähh, eine andere Mutter im gleichen Zimmer der Wöchnerinnenstation),
    – stellen ständig ein potentielle Gefahr dar, einem auf den Keks zu gehen (Was? Die fliegt mit einem kleinen Baby? Es schläft zwar friedlich, aber wir alle wissen, dass Kinder ganz allgemein eine Zumutung sind)
    – und dann wandern auch jeden Tag Massen neue ein…
    Aber mal im Ernst: Das Dorf wie die Gemeinschaft sind eben als Gemeinschaft gedacht. Man hilft sich aus und sagt auch mal die Meinung. Warum fühlt man sich verpflichtet, sich zu rechtfertigen?

    • christina sagt:

      Bravo! ein Volk von Eigenbrötlern sind wir geworden. aber gell, die vom Staat bereitgestellten Infrastrukturen können nicht genug individuell sein. aber kosten sollen sie bitte nichts.

    • Hotel Papa sagt:

      Habe ähnliches gedacht.

  • Röschu sagt:

    „Ich muss mich für meine beiden Kaiserschnitte auch Jahre danach noch regelmässig erklären…“
    Da stellt sich mir die Frage woher die urteilenden Mitmenschen denn überhaupt wissen, dass sie zwei Kaiserschnitte hatten. Ich meine, das sieht man Ihnen ja wohl kaum an, oder?

    • Soya sagt:

      Woher die das wissen? Das ist ein ständiges Thema unter Müttern, wie wo wann sie geboren haben. Wer einen Kaiserschnitt hatte gilt als irgendwie nicht ganz vollwertig. Alles ums Thema Familie/Kinder scheint zu einem ziemlich unlockeren krampf geworden zu sein, das sieht man immer wieder schön in diesem Blog und seinen Platzhirschen.

  • andreas sagt:

    @Koller: Über Ihren Kommentar, der wohl ironisch klingen sollte aber nur dumm ist, erübrigt sich jedes weitere Wort. Ja, auch mich stören in der Öffentlichkeit stillende Frauen. Erstens finde ich, dass das Stillen etwas sehr Intimes ist, das man dort tut, wo man Ruhe hat und mit dem Baby alleine ist, zweites könnte es womöglich sein, dass nicht alle helle Begeisterung darüber empfinden, in aller Öffentlichkeit eines halbnackten Chabis mit einem Säugling dran gewahr zu werden. Auch diesen Mitmenschen sollte nämlich Rücksicht und Respekt gezollt werden. Und noch etwas: Würden die Muttis nicht ständig ein „Gschiss“ um fast alles vollführen und sich nicht dauernd über soziale Medien mit der halben Welt bis zur Verblödung „austauschen“ wollen, wäre manches auch viel entspannter.

    • 13 sagt:

      Ganz genau. Rücksicht und Respekt. Aber dann bitte für alle. Ich bin für ein striktes Verbot öffentlichen Essens und Trinkens sowie der sofortigen Schliessung sämtlicher Restaurants, Bars und Cafés. Da ich leider nicht in helle Begeisterung verfalle, wenn ich jemanden ein blutiges Steak oder einen Hamburger essen oder ein Bier trinken sehe, und es das oberste Ziel meiner Mitmenschen sein muss, mich in helle Begeisterung zu versetzen, sollten diese Handlungen sofort verboten werden.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @13
        😀
        insbesondere im ÖV, da hab ich stillende Mütter um Welten lieber als Fettspeisenverdrückende Mitfahrende…

    • Brunhild Steiner sagt:

      @andreas

      irgendwelche Vorschläge bezüglich entsprechender Logistik? Wie man das als Stillende hinbekommen soll in Abständen von bis 3h die Ruhe/allein mit Baby zu finden? Nicht alle wollen oder können dann in den eigenen 4 Wänden bleiben, das schaffen übrigens nicht mal die 100%Hausfrauen, in deren Arbeit nämlich Auswärtstätigkeiten eingeschlossen sind … .

      • andreas sagt:

        @Alle: Hier geht es aber nicht um Schliessungen von Restaurants zufolge blutigen Fleisches verzehrenden Individuen und um ebensolche Bus-Mitfahrer etc., hier geht es um das Stillen und um nichts anderes. Und vom Verbieten von irgendetwas habe ich nichts geschrieben, ich habe lediglich meine Meinung gesagt, was mir doch wohl genauso zusteht, wie den andern Kommentarschreibern auch. Punkt.

      • 13 sagt:

        @ Andreas
        Ja, Sie sprachen vom Stillen, was ja das Essen der Baby ist? Habe ich es jetzt verstanden?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @13
        😀
        könnte zu schaffen sein, allerdings bräuchte es da möglicherweise mütterliche Lohnarbeitsprozente, und dann steht man wieder vor dem selben Problem ;-), und die Begleitung eines/verschiedener älteren Kinder zu Anlässen, Terminen und sonstigem ist damit (geht vor allem an andreas) ja noch nicht abgedeckt- sollte man vermutlich ebenfalls outsourcen um niemanden zu irritieren?

    • Papperlapapi sagt:

      @Andreas:
      Mich stört, wenn ich an der Bushaltestelle den Rauch von Nikotinsüchtigen einatmen muss.
      Mich stört, wenn im Zug Jugendliche mit den Alkoholexzessen vom Wochenende bluffen.
      Mich stören die pseudoenglischen Gespräche der Geschäftsherren im Bus.
      Mich stört es, wenn Hunde die Strasse verpissen.
      Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nun mal mit gewissen Störfaktoren verbunden.
      Nicht jeder verhält sich im öffentlichen Raum so, wie ich mir das wünsche.

    • tststs sagt:

      „Erstens finde ich, dass das Stillen etwas sehr Intimes ist“
      Erstens… haben Sie nicht die Deutungshoheit. Ich kann höchstens der Aussage „Stillen WURDE zu etwas Intimem gemacht“ zustimmen.
      „…in aller Öffentlichkeit eines halbnackten Chabis mit einem Säugling dran gewahr zu werden“
      Zweitens: Sie gehen wohl nie in die Badi, oder?
      Drittens: Meist muss man ziemlich genau hinschauen, dass man den „Chabis“ sieht…
      Ihr Beitrag sagt also bedeutend mehr über Ihre „Gugggewohnheiten“ aus als über stillende Mütter…

      • Sportpapi sagt:

        Hm. Andreas hat eigentlich klar und explizit SEINE Meinung gesagt („finde ich“). Und er hat die Option angeführt, dass sich nicht alle Mitmenschen begeistern, was schon erfüllt ist damit, dass er selber das nicht toll findet.
        Obwohl ich Haltungen wie die von Andreas auch nicht toll finde, so ist doch Fairness gegenüber anderen Meinungen angebracht.
        Zuletzt: Sicherlich wird es auch in der Badi bei gewissen Bekleidungen Diskussionen geben (zu viel Stoff oder zu wenig), und barbusige Frauen findet man (leider…) heute kaum mehr vor – nicht zuletzt auch aus sozialem Druck. Aber auch, weil eben gerade viele Frauen ihre Brüste ungern in der Öffentlichkeit zeigen. In jedem Zusammenhang.
        Aber auch da können Sie natürlich widersprechen…

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Und wir haben unsere gesagt. Mich selber amüsiert in diesem Zusammenhang immer wieder das Argument, dass sich nicht alle erfreuen, nicht alle begeistern. Ich kenne keine einzige stillende Frau, die das irgendwie erwartet. Aber auch keine nicht-stillende Person (Mann oder Frau), die in der Öffentlichkeit nur das tun, was andere in helle Begeisterung versetzt. Warum sollte also der Anspruch beim Stillen anders sein? Vielleicht eben doch, weil es um Brüste geht (meine Kinder mochten einfach keinen Chabis) und diese dafür da sind, um die zumeist männlichen Mitbürger zu begeistern?
        Auch ist die Idee, das Frauen ihre Brüste gerne in der Öffentlichkeit zeigen merkwürdig. Die Stillmütter, die ich kenne, tun es aus Notwendigkeit, nicht Lust. Es ist ihnen auch vielleicht egal, aber gerne?

      • 13 sagt:

        Aber Sie haben recht, die Bekleidung von Frauen ist immer ein Diskussionsthema, egal ob zu freizügig (Stillen, Ausschnitt, Minirock) oder zu bedeckt (Burka, Schleier), irgendwie ist es immer falsch…

      • Sportpapi sagt:

        @13: Der Punkt ist, dass Andreas dafür angegriffen wird, dass er seine persönliche Meinung sagt. Das ist nicht ok.
        Ansonsten bin ich schon auch der Meinung, man sollte weniger über die Bekleidung anderer Menschen urteilen und schon gar nicht Vorschriften machen.
        Ich habe mich immer gewundert über den Aufruhr wegen der paar Nacktwanderer im Appenzell… Da ist es tatsächlich etwas schizophren, dass es sowohl einen Aufruhr gibt, wenn jemand zu wenig Kleider an habt, als auch, wenn zu viel.
        Mindestens auf Stufe Gesetzgebung sollte uns das egal sein.

      • 13 sagt:

        @ SP: Der Punkt ist, dass seine Meinung ein Angriff auf stillende Mütter, die auch mal aus dem Haus gehen, ist. Das ist nicht ok.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Auch eine stillende Mutter kann aus dem Haus gehen, ohne dann öffentlich zu stillen. Ist ja auch für viele Mütter ein Bedürfnis, und die schaffen das. Persönlich finde ich ein unkomplizierteres Vorgehen schöner. Gilt aber auch für die meisten anderen Bereiche, die mit Körper und Nacktheit/Intimität zu tun haben. Aber meine Haltung müssen nicht alle teilen, und Toleranz bedeutet nicht, dass man etwas toll finden muss.

    • Barbara Grohé sagt:

      Aber hallo! Ihre Ausdrucksweise „einen halbnackten Chabis mit einem Säugling dran….“ spricht ja nun für sich. Säuglinge haben keine Zeitschaltuhr, kann also mal passieren, dass man unterwegs „füttern“ muss. Also mir ist eine stillende Mutter in der SBahn enschieden sympathischer als diese dummen Dauerschwätzer am Handy oder die Damen/Herren, die meinen sie müssten sich ausgerechnet in der SBahn ihre Döner reinschieben. Mahlzeit!

    • Hans Koller sagt:

      Ich denke nicht das mein Kommentar dumm war, ironisch ja weil ich mich über meine Mitbürger wie die Schreiberin lustig mache. Wir reden hier vom Stillen von Kindern in der Öffentlichkeit und und wir blenden vollkommen aus, das sich bei uns eine Kultur breitmacht die sich verhüllt. Und ich freue mich bereits auf die Zukunft wenn sich die Schreiberin und die andere Kultur sich am Grind nehmen.

  • Papperlapapi sagt:

    Das Spital in dem unser erstes Kind geboren wurde, war ein „stillfreundliches“ (ja sowas gibts) und tatsächlich waren die Pflegefachfrauen dort eine Art Stillpolizei, um nicht zu sagen Stilltaliban: Unser Kind wurde mit einem Nuggi erwischt (von der Neonatologie wo es den 1. Tag war, nota bene): des Teufels! Zimmernachbarin meiner Frau wollte nach 3 Tagen Frust auf Schoppen umsteigen. Da wurden Predigten gehalten und mit der ewigen Verdammnis gedroht (na ja ein bisschen übertreibe ich jetzt…). Ging mir auf den Senkel.
    Das zweite Kind kam in einem Spital ohne Label zur Welt. Es durfte den Nuggi haben, wer nicht Stillen mochte, durfte schöppelen. Ohne moralische Verdammnis zu erfahren.
    Nebenbei: unsere Kinder wurden während des Mutterschaftsurlaubs voll gestillt, danach noch nachts.

    • Papperlapapi sagt:

      und in was sich Leute so alles einmischen, ist manchmal tatsächlich kaum zu glauben: Was sie arbeitet 80%?? und die Kinder??
      Ah du kommst heute erst um 10:30 zur Arbeit, Du hast es schön.
      Ah, ihr schickt die Kinder in die KiTa, ich finde es halt wichtig zu Ihnen eine gute Bindung aufzubauen.

    • mila sagt:

      Sie kennen aber sicher auch den Ausdruck ‚auf Durchzug stellen‘? Kann ich (situativ) nur empfehlen… Dann kann man sich auch stattdessen auf all die schönen Momente konzentrieren, die man mit anderen teilt. Und so wenige sind das meiner Erfahrung nach nicht, an der Kasse, im ÖV, auf dem Spielplatz…

  • mila sagt:

    Natürlich zielt der Slogan auf diese Problematik ab – es soll Verständnis gefördert werden für Mütter, die zum Teil nicht anders können, als auch mal öffentlich zu stillen (ausser, sie wollen sich in der Stillzeit in den heimischen Wänden einschliessen). Da würde man sich (hätte man sich) bisweilen schon wünschen (gewünscht), man würde nicht angestarrt werden wie das achte Weltwunder… unter anderem aus diesen Grund habe ich auch nicht gerne ‚auswärts‘ gestillt, Stillräume bevorzugt bei vorhandener Möglichkeit, und hätte mir letztlich (auch von mir selbst) mehr Selbstverständlichkeit gewünscht. Aber daraus eine ‚feindliche‘ Front zu zimmern, die sich im Grunde immer nur bevormundend einmischen will, das käme mir dann doch irgendwie nicht in den Sinn.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Liebe Stadtmenschin, ich befürchte gründlicher missverstehen konnten Sie diesen Slogan wohl nicht…,
    dass es „uns alle was angeht“ bezieht sich auf das Ermöglichen von Stillgelegenheiten- inklusive entsprechender gesetzlicher Verankerungen im Arbeitsrecht bspw.

    Dorfbewohner welche sich eher unangenehm einmischen finden Sie zu allen Themen, und wohl über alle Zeiten hinweg.
    Ein bisschen enttäuschend undifferenziert das Ganze.

    • Brunhild Steiner sagt:

      PS auch als Stadtmenschin sind Sie übrigens drauf angewiesen dass sich Andere einmischen/sich Gedanken machen/für lebbare, nachhaltige Bedingungen sorgen. Es geht uns tatsächlich ganz Vieles „was an“, weil das Meiste miteinander verknüpft ist, Konsequenzen hat, wir eine Solidargemeinschaft sind.

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