Papa rettet das Klima

Kinder sind unsere grösste Klimabelastung oder die grösste Motivation, etwas daran zu ändern. (Foto: Getty Images)

Vor einer Woche hat hier der vierfache Vater Nils Pickert offenherzig über die ökologischen Konsequenzen seiner Zeugungsfreudigkeit geschrieben. Die CO2-Bilanz des Kinderkriegens wiege weitaus schwerer als alle gut gemeinten Gegenmassnahmen (vegetarisch essen, auf Flüge verzichten, etc.). Bevölkerungskontrolle sei aber zu autoritär. Pickerts Ausweg aus dieser Zwickmühle? «Meinen ökologischen Fussabdruck so klein wie möglich halten.»

Das ist ein Anfang, aber es gibt etwas sehr viel Besseres: Geld verschenken! Dabei teile ich die Diagnose. Dass meine beiden Kinder bisher die grösste Belastung fürs Klima sind, die ich verursacht habe, ist plausibel. Es ist sogar noch schlimmer, als ich zuerst gedacht hatte. Mit jedem Kind schiesse ich ethisch gesehen gleich ein doppeltes Eigentor. Erstens verschlimmere ich damit die Klimakatastrophe, worunter die kommenden Generationen leiden werden, und zweitens füge ich zu diesen kommenden Generationen noch eine weitere leidende Seele dazu.

Das verlangt nach den allerbesten Strategien. Die effektivste Massnahme gegen den Klimawandel kommt aber in Pickerts Artikel gar nicht vor. Es gibt nämlich etwas viel Wirksameres als das Zölibat: Geld dorthin verschenken, wo effektiver Klimaschutz betrieben wird.

Okay, ich weiss, Geld. Aber vielleicht besänftigt ja folgende Rechnung ein wenig den antikapitalistischen Revoluzzer in uns: Ein Kind verursacht jährlich 58,6 Tonnen CO2-Ausstoss. Cool Earth, eine der effektivsten Regenwald-Schutzorganisationen der Welt, spart eine Tonne CO2-Äquivalent für ungefähr 1.30 Franken ein (gemäss diesem unabhängigen Bericht). Das heisst, jede unserer süssen kleinen ökologischen Dreckschleudern können wir für 75 Franken im Jahr vollständig aus unserem Klima-Darlehen tilgen. Das ist eine gute Arbeitsstunde – pro Jahr.

Die Goldmedaille der Welt-Abwracker geht an …

Natürlich ist das nicht die Lösung der Klimakrise. Weltweit gesehen, können sich die meisten Eltern diese Kompensation wohl nicht leisten. Und vielleicht meint der eine oder die andere, wir sollten erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Nur leider bleibt der Dreck, der die Erde erwärmt, nicht vor der eigenen Haustür liegen, sondern fliegt davon und heizt ein paar Tage später den Sudan oder die Arktis auf. Und wer soll das verhindern, wenn nicht der Teil der Weltbevölkerung, der die Mittel dazu hat?

Die grössten Klimasünder sind also gar nicht die Kinder-Produzenten und auch nicht die Vielflieger oder Nicht-Rezyklierer. Die Goldmedaille der Welt-Abwracker geht an alle Gutbetuchten, die sich weigern, einen Teil ihres Geldes zu verschenken.

Dieselbe Überlegung kann man übrigens auf die meisten Probleme dieser Welt anwenden, und ein paar kluge Menschen haben das auch schon viel früher bemerkt als ich. Natürlich ist alles im Detail noch etwas komplizierter, aber wenn wir das mit der Weltrettung noch irgendwie hinkriegen, dann werden alle Geld verschenkenden Mamas und Papas gleich als ethische Doppeltorschützen belohnt: Erstens haben sie die kommende Generation gerettet und zweitens gleich noch gezeugt.