Immer auf die armen Schüler!

Jede Generation hat ihren eigenen schulischen «Rucksack» zu tragen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die letzten Bücher sind eingefasst, die ersten Elternabende überstanden und alle Infozettel zum Schulstart im Ordner abgelegt. Die Stundenpläne wurden wieder mit dem Leben der ganzen Familie kompatibel gemacht, und so weicht das anfängliche Chaos allmählich dem leichten, aber unter Eltern – so scheint es mir – oft thematisierten Unbehagen: Die Kinder heute, sie müssen so viel leisten! Kaum haben sie die Reste der letzten Sommerferien-Glace vom Mund gewischt, stehen schon Primarschüler wieder unter Stress.

Ich wunderte mich also in letzter Zeit mit anderen Eltern, warum schon in der dritten Woche drei Tests nötig sind, wie viel Zeit täglich für die Hausaufgaben benötigt wird und ob der Schulbeginn mittwochs um 7.25 Uhr nicht gar früh sei. Und manchmal, da schwingt in solchen Unterhaltungen leise die Frage mit: War es damals auch schon so?

Anders, aber bestimmt nicht besser

Wir durften doch noch fröhlich Topflappen häkeln und «C-A-F-F-E-E» singen. Rundum unbeschwert und behütet, wie wir waren, weil halt das Umfeld noch nicht so globalisiert oder ver-Lehrplan21-isiert war …!

Nun, Topflappen gehäkelt und politisch unkorrekte Lieder gesungen habe ich zwar. Doch ich kannte auch Lehrer, die Ohrfeigen austeilten, und das ziemlich unbehelligt von den Eltern. Psychomotorik, Schulpsychologie und all dergleichen gab es nicht. Wer nicht mitkam, kam einfach nicht mit. Mobbing? Klar doch. Hiess bloss nicht so, und weil es auch keine Klassenstunde mit dem Schulsozialarbeiter nach sich zog, wurde munter weitergemacht.

Bereits bei meiner Erstklasslehrerin mussten wir jeweils alle aufstehen. Dann gellte sie Rechnungsaufgaben durch den Raum. Wer die richtige Antwort am schnellsten wusste, durfte sich setzen. Als Letzte noch stehen? Ohje. Unvergessen bleibt der Moment, als eine so gebeutelte Kameradin vor versammelter Klasse in die Hose machte.

Angst und Autorität? Wettbewerb?

Die Meinung, dass früher auf Schulkindern weniger Druck lastete, gehört in die Nostalgie-Kiste. Unser Druck damals beruhte einfach mehr auf einem Klima der Autorität und der Angst, während er heute … ja worauf beruht er, der heutige Druck?

Etwa auf der Befürchtung – begründet oder nicht –, dass im globalen Wettbewerb nur besteht, wer bis morgen alle Wasservogelarten auswendig kann. Oder langfristig: Wer es direkt ins Gymi schafft. Mischen sich Eltern deshalb heute mehr ein, während sie es früher wohl zu wenig getan haben? Schaukeln Eltern und Lehrer ihre Erwartungen gemeinsam derart hoch? Oder ist der Druck auf Schulkinder gar nicht so hoch wie oft befürchtet? Fehlt es vielmehr vor lauter Konzentration auf Kompetenzen etwas an Ausdauer für den Erwerb von Wissen?

Es scheint kompliziert. Und seinem Kind den Druck zu entziehen, ob echt oder subjektiv empfunden, ist schwierig. So versuche ich, mindestens meine eigenen Erwartungen zu zügeln, hoffe, dass sich die kindliche Lust am Lernen ob Tests und Frühstunden nicht frühzeitig verabschiedet. Und ich erinnere mich: Jede Generation hat ihren eigenen schulischen «Rucksack» zu tragen. Wie auch den Schulthek. Wo früher Leder und Fell waren, ist heute etwas ergonomisch Geprüftes. Das Gewicht drin: gelegentlich wohl doch stattlich, damals wie heute, wenn auch anders verteilt.

52 Kommentare zu «Immer auf die armen Schüler!»

  • Leslie Richards sagt:

    Ich stimme der Journalistin ebenfalls zu, dass der Druck, der heutzutage auf den Schülern lastet, zwar differenzierter ist, aber nicht weniger. Im Gegenteil kommen durch Internet, Handy, der Digitalisierung und vor allem den Socialen Medien wie facebook, twitter und instagram ganz andere gesellschaftliche und berufliche Herausforderungen auf unsere Kinder zu, die nicht selten an Rufmord oder an Mobbing grenzen. Für Arbeitnehmer in Firmen gibt es ganz klare „Fürsorgepflichten“ des Arbeitgebers (vgl. http://www.mobbing-zentrale.ch oder http://www.anwalt-zuerich.attorney). Doch an wen können sich Schüler wenden, wenn Sie den Druck in der Schule nicht gewachsen sind oder in facebook gemobbt werden? Mobbing unter Schülern ist heute mehr denn je ein dauerndes Thema in den Medien.

  • Sigi K. sagt:

    Die Schule ist auch immer ein Abbild der Gesellschaft und deren Entwicklung. So ist Druck/Leistungsdruck in erster Linie auch ein gesellschaftliches Thema.
    Und noch etwas: Das Gymi ist überhaupt kein Garant für ein erfolgreiches Berufsleben. Es gibt so viele spannende Berufslehren mit ausgebauten Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Schweiz hat viele KMUs. Ein Lob auf das duale Bildungssystem der Schweiz!

  • Lia sagt:

    der Druck besteht darin, dass ein Kind sofort durch 100 Instanzen geschickt wird, wenn es nicht dem Schema X entspricht. Ich als Elternteil will gar nicht, dass meine Kinder ans Gymi kommen, aber sie müssen dem Standard entsprechen, sonst werden gleich die Medis gezückt..

  • Michael sagt:

    Was ich mich ja frage – hat der Lernstoff wirklich so immens zugenommen ? Ich habe ’74 Abi gemacht, meine Töchter ’11. Okay, da liegen 37 Jahre dazwischen, aber meine Kinder hatten in den letzten beiden Klassen kaum Freizeit. Der Stoff in Bio, Chemie und Physik wär ähnlich dem, was ich noch gelernt hatte. Sie hatten den Leistungskurs, ich hatte seinerzeit den naturwissenschaftlichen Zweig gewählt. Bei Mathe bin ich die letzten beiden Jahre ausgestiegen – war eh nicht meine Stärke.
    Wieso dann dieser Stress ??

  • Miranda sagt:

    Nein, weniger leisten musste man damals mit Sicherheit nicht. Dazu kam noch, dass man von den Lehrkörpern zum Teil massiv schikaniert, wenn nicht körperlich gezüchtigt wurde. Man war nur noch nicht so verweichlicht weil die Altvordern noch nicht so durchgeknallt waren, dass sie ihr eigen Fleisch und Blut von allem Anfang an zu weinerlichen Krüppeln (v)erzogen. Müssten die heutigen Schüler dies und jenes aus früheren Schulzeiten durchstehen, hätten sie wenigstens einen Grund, in der Schulpsychiatrie zu landen, wo sie heute wegen jedem noch so winzigen Pickel am Hintern anzutreffen sind. Ja, und noch was, falls das keiner mehr wissen sollte: Damals musste man sogar noch samstagvormittags die Schulbank drücken.

  • tststs sagt:

    Achach, so betrachtet ist doch das ganze Leben ein einziger Druck… oder die Aneinanderreihung von druckvollen Situationen.

    Anforderungen werden nicht einfacher oder verschwinden gar, weil man sie jetzt Druck (und nicht mehr Anfoderungen) nennt…

  • Franziska sagt:

    Primarschule 70-iger Jahre: Ohrfeigen klar doch, Zännihaarreissen auf jeden Fall, mit Massstab auf die Knöddli (so man beim Schönschreiben welche machte) ja gerne, und anschreien immer mal wieder, ganzes Heft zerreissen bei schlechter Schrift und alles in Turnstunde nachholen: Immer mal wieder. Ebenfalls ganz normal: Lautes Vorlesen der Fehlerzahlen beim Diktat und erhaltende Note (damit der Lehrer das ins Büchlein schreiben konnte), ebenfalls lautes Vorlesen zur Kontrolle der Note im Büchlein bei allen anderen Prüfungen. ! Sitzen nach Grösse und Buben und Mädchen streng getrennt: Sowieso. Jürg – Sie haben keine Ahnung!

    • Susi sagt:

      @Franziska: Das war bei uns ähnlich. Mein Primarlehrer der Mittelstufe war ein echter Militärkopf (er musste uns seinen Rang auch immer unter die Nase reiben). Aber irgendwie war es damals „normal“, wie er uns behandelte, kaum jemand von den Eltern muckste auf und auch wir nahmen es einfach hin. Ich erinnere mich, dass ich mal einen blauen Fleck am Oberschenkel hatte, weil er mich zur Strafe gekniffen hatte.
      Dies tönt paradox, aber ich ging trotzdem gerne zur Schule und stellte den Lehrer nie in Frage.

      • Franziska sagt:

        Hallo Susi,
        war nur an Jürg – der die Ohrfeigen bezweifelte. Ich bestätige, dass das damals normal war. Ich ging paradoxerweise doch gern zur Schule und ja, zuhause hätte man nie mucksen dürfen – hätte eh geheissen: Wird schon recht sein, die Strafe. Ich stelle diesen Lehrer im Nachhinein durchaus in Frage: Der hatte doch die Kinder nicht gern! Mir selber ging es dank guten schulischen Leistungen (ausser Schönschreiben, da hatte ich echt zu leiden) gut, aber ich erinnere mich an Mitschüler, die in einer ein weniger freundlicherer und wertschätzenderen Umgebung sicher nicht derart obermiese Schüler (alles Schweizer übrigens) gewesen wären …

      • Susi sagt:

        @Franziska: Diese Antwort könnte von mir selbst geschrieben sein, mir ging es genau gleich, ich hatte nicht viel zu klagen, weil die Leistungen stimmten (ausser Schönschreiben, das kann ich auch heute noch nicht 🙂 ), aber ich stelle diesen Lehrer heute sehr in Frage. Das war ein ständiger Machtmissbrauch, den er betrieb.

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe das ja zum Glück nie erlebt. Aber die Frage ist schon auch: Was war denn schliesslich der Output?
        Oder anders gefragt: Dass die Schülerinnen und Schüler heute den Lehrern auf der Nase herumtanzen und nur mit Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern, Jugendarbeitern und vielen Therapeuten irgendwie gehalten werden können, ist dem Unterricht sicherlich auch nicht dienlich.

      • Divi D. sagt:

        @Sportpapi: Ist es wirklich so, dass so viele Schüler den Lehrern auf der Nase herumtanzen? Sind es nicht eher einzelne, die noch vor ein paar Jahren in einer Kleinklasse gelandet wären und heute auf Biegen und Brechen in den Regelklassen behalten werden (müssen)? In den Klassen meiner Kinder war nur ein einziger Junge, der so schlimm war, dass es nur mit grossem Aufwand bzw. später gar nicht mehr möglich war, normalen Unterricht zu machen. Er landete dann Mitte 4. Klasse in einer Sonderschule. Zu meiner Zeit wäre er ein typisches Kleinklassenkind gewesen. Ich glaube aber nicht, dass das mit den zu wenig strengen Lehrpersonen zu tun hatte, denn gerade in der Mittelstufe war der Lehrer top und hatte eigentlich eine perfekte Mischung aus Strenge und „laufen lassen“.

      • Susi sagt:

        @SP: „Was war denn schliesslich der Output?“
        Ich kann nur von meiner Klasse berichten: Der Unterricht lief sehr ruhig und strukturiert ab, wenn auch mit einer meist eher angespannten Stimmung. Allerdings war ich die einzige Schülerin der Klasse, die dann ans Gymi ging. Diese Bilanz ist eigentlich auch nicht gerade gut, aus den meisten Klassen waren es etwa drei.

      • Sportpapi sagt:

        @Susi: Dann hast du ja für dich die Antwort. In meiner Gemeinde gab es einen berüchtigten Lehrer, den ich selber allerdings nie erlebt hatte. Der hat manche Grenzen überschritten. Aber auch alle seine Realschüler irgendwie in eine Lehre gebracht. Im Gegensatz zu seinen Kollegen. Ich weiss heute noch nicht, was denn nun für die Schüler wichtiger war. Und ob es nur das eine oder das andere gibt.

      • Susi sagt:

        @S.P.: Eigentlich habe ich die Antwort nicht, weil der entspechende Lehrer ja trotz enormen Drucks ausser mir niemanden aus unserer Klasse ins Gymi brachte. Spricht nicht grad für seine Methoden.

      • Sportpapi sagt:

        @Susi: Doch, das ist doch die Antwort. Funktioniert offenbar nicht.

      • Susi sagt:

        @SP: Der Lehrer sagte eben, der Grund für die schlechte Bilanz sei die Unterstufenlehrerin, die zu wenig autoritär mit uns gewesen sei und uns habe verrohen lassen. Bei anderen Klassen habe er mehr Schüler ins Gymi gebracht.
        Keine Ahnung, was stimmt. Ich für meinen Teil war als Kind halt sehr autoritätsgläubig.

    • Peter sagt:

      Hach…Ohrfeigen gabs vom Hausabwart in der Primarschule bis Blut floss (der dann nach Intervention meiner Eltern von der Schule flog). Die Primarschule war in Ordnung und friedlich, dann kam die Oberstufe, mit fliegenden Schlüsselbünden (haarscharf am Kopf vorbei – ein Panzermajor, übrigens), mit Kreide am Nacken anmalen (wieder der Major), Demütigungen und Auslachen (der amtierende Rektor und Gemeindepräsi im Fall – Grossrat auch noch!), auf die Füsse treten und Schulmappen durchwühlen (wieder der Rektor), regelrechte Prügeleien in der Klasse (grossmütiges Übersehen durch den anwesenden Lehrer)…alles Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre. Erinnere mich mit Grausen daran. Bin ich froh, hat es mein Sohn besser

      • Franziska sagt:

        Hallo Sportpapi,
        der leistungsmässige Outpout des Lehrers war vermutlich nicht nur schlecht – alle waren in der Oberstufe durch den unbarmherzigen Drill vielleicht ein wenig voraus. Ans Gymi wurde niemand geschickt, da gingen nur zwei mit Akademikereltern, die sich selber bemühten. Bei mir merkte es dann der Seklehrer. Ich wurde in der Sek dann übrigens nochmals besser, nicht nur wegen des Primarschuldrills, wohl auch Wegfall von sinnlosem Drill (Häuschenzeichnungen ab Wandtafel mit Bewertung! Flicken als halbe Fehler gezählt etc.) zugunsten echter Förderung. Einer meiner damaligen Mitschüler musste wegen Angst auch zum Psychologen wie später erfahren. Vermutlich gibt es einen guten Mittelweg zwischen militärischem Drill und Beliebigkeit.

      • Sportpapi sagt:

        @Franziska: „Vermutlich gibt es einen guten Mittelweg zwischen militärischem Drill und Beliebigkeit.“
        Das liegt vermutlich auf der Hand. Ausserdem braucht nicht jeder Schüler das Gleiche.

  • Anh Toàn sagt:

    Besser war es früher nicht:

    Wäre Schule gut, würden sich die Kinder auf den Schulanfang statt auf den Ferienbeginn freuen.

    • Susi sagt:

      Unsere Tochter freut sich jeweils so sehr auf den Schulbeginn, dass sie fast nicht schlafen kann in der Nacht auf den ersten Schultag nach den Sommerferien.

      • Mina Peter sagt:

        so hoffe ich doch für Ihre Tochter, dass die Freude dann auch bleibt..

      • Anh Toàn sagt:

        @Susi: Ihre Tochter ist vermutlich noch nicht im Teenageralter:

        Mir ging es wie folgt, den meisten meiner Mitschülern ging es ähnlich, in meiner Wahrnehmung ist es auch heute noch so:

        Je länger die Schule besucht wird, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass diese gehasst wird („Hurra, hurra, die Schule brennt!“). Am Anfang gehen die Kinder voller Erwartungen und Neugier dahin, früher oder später, spätestens beim Abi hassen es fast alle. Die, welche es nicht hassen, werden dann Lehrer.

      • Susi sagt:

        @A.T.: Sie schreiben ja auch nicht von Teenagern, sondern von Kindern („Wäre Schule gut, würden sich die Kinder auf den Schulanfang statt auf den Ferienbeginn freuen.“)
        Als Teenager ging ich auch nicht gerne zur Schule. Ich ging auch oft nicht hin. Bin trotzdem Lehrerin geworden. Dass ich nicht gerne zur Schule ging, hatte mit mir zu tun, nicht mit der Schule.

  • Amanda sagt:

    Was ich heute als Nachteil empfinde, ist die Anzahl der Lehrpersonen, die in den Klassen unterrichten. Unsere Erfahrung: Unterstufe 3, Mittelstufe 5, Oberstufe 9, inkl. Turn- und Gesangslehrer. Besonders ungünstig finde ich, wenn sogar einzelne Fächer noch gesplitet- und von zwei verschiedenen Lehrpersonen stundenweise im Jobsharing unterrichtet werden. So erlebt in der 2./3. Oberstufe, Fach Franz. Keine der Lehrpersonen kennt die Schüler wirklich, auch der nominierte Klassenlehrer nicht, der ja eigentlich Bezugs-/Vertrauensperson sein sollte.

  • Mina Peter sagt:

    Früher war sicher nicht alles besser. Wenn auch nicht alles schlechter. Begabte wurden nicht gefördert, Schwache Schüler waren eben schwach. Die Eltern mischten sich sicher weniger ein, was aber nicht immer für alle Kinder von Vorteil war. Heute erlebe ich auch einen grossen Leistungsdruck bereits in der zweiten Klasse, angeheizt von der sehr disziplinierenden Lehrerin und fortgeführt von ehrgeizigen und gebildeten Eltern. Es ist schwierig, sich dem zu entziehen. Gerade wenn man noch nicht genau weiss, wo das Kind steht. Ich erlebe aber auch Mütter in meinem Umfeld, die bewusst Druck rausnehmen. Das erlebe ich als sehr entspannend.

  • Christian sagt:

    Das mit dem mehr Stress finde ich ist Blödsinn. Wenn ich sehe was mein Sohn in der 1. Klasse an „Hausaufgaben“ mitbringt. Die sind in 5-10min erledigt. Sorry das ist kein Stress.
    Was erst in der 3. Woche die erste Prüfung! Ich weiss noch ganz genau, dass jeweils nach der Sommerferien in der ersten Deutschstunde ein Aufsatz fällig war – immer-. Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ etc.
    Ohrfeigen gab es sehr sehr selten. In den 9 Jahre „Schule“ habe ich das 2 mal erlebt. Da wurde der Lehrer, resp. die Lehrerin aber auch von der besagten Person bis zur Weissglut gereizt. Beide haben sich eine Stunde später vor der Klasse entschuldigt. Damit war das Thema gegessen. Keine erzürnten Eltern mit Anwälten etc.

    • Susi sagt:

      @Christian: „Was erst in der 3. Woche die erste Prüfung! Ich weiss noch ganz genau, dass jeweils nach der Sommerferien in der ersten Deutschstunde ein Aufsatz fällig war – immer-. Thema „Mein schönstes Ferienerlebnis“ etc.“

      Für diesen Aufsatz mussten Sie sich dann sicher auch stundenlang vorbereiten und büffeln. Und das in der ersten Woche nach den Ferien. Brutale Welt.

    • Papperlapapi sagt:

      In der 1. Klasse braucht es doch auch noch keinen Stress. Die Tochter ist jetzt in der 5.
      Der Lehrer liess am Elternabend verlauten: Hausaufgaben-Ziel 50 Minuten pro Tag. Ich finde das viel. Auch sprach er von der Ende 6. Klasse anstehenden Selektion (Untergymnasium..). Da spüren die Kinder schon Erwartungen vom Lehrer, zum Teil auch vom Elternhaus.
      Ich bin lange zur Schule gegangen, habe studiert, erwache heute manchmal noch schweissgebadet, weil ich geträumt habe, ich hätte eine wichtige Prüfung verhauen. Ich denke schon, dass unsere Kinder heute oft unter einem erheblichen Druck stehen, wie wir früher auch.
      Ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, weiss ich nicht. Es lebe Pink Floyd (The Wall!)

    • 13 sagt:

      @ Christian
      Die Vorgabe würde ja theoretisch auch lauten 10 Min pro Schuljahr. Ob es eingehalten wird, hängt meistens von Lehrer ab. Meine Tochter hatte meistens über 30 Min und war bei Weitem nicht die Einzige. Kritik wurde mit den Worten „Sie müssen halt im Schulleben ankommen“ zurückgewiesen. Nun ja, wir haben es mitgemacht und doch würde ich mir wünschen, es gäbe kein „Schulleben“ sondern die Schule und das Zuhause würden sich gegenseitig dabei unterstützen, eine anregende Lernatmosphäre für das Kind zu bieten, denn Lernen tun sie an beiden Orten.
      Zu ihrer Ohrfeige: Das gab es bei uns nicht, aber dem Opfer die Schuld zuzuschieben, ist leider ein häufiges Vorgehen von Menschen, die Gewalt anwenden. Traurig dort, wo es offenbar funktioniert.

  • Divi D. sagt:

    Aus meiner Sicht haben sich vor allem 2 Dinge verändert. 1. hatten wir am Samstag 4 – 5 Lektionen Schule. Die wurden mit dem schulfreien Samstag nicht gestrichen, sondern auf die verbleibenden 5 Tage verteilt. Ergibt 1 Lektion mehr pro Tag und erklärt dann die ungeliebte Mittwoch-Morgen-7.35-Uhr-Lektion oder die am Montag von 15.00-16.00. 2. haben sich meine Eltern kaum in mein Lernen eingemischt haben, auch wenn ich da sicher das eine oder andere mehr hätte tun können. Heute ist der Schulstress der Kinder auch durch Eltern gemacht. So wie mir eine Bekannte vor den Sommerferien klagte, dass ihr Sohn einen „Riesenabschiffer“ hatte – eine 4,5. Und dass er jetzt deshalb Extra-Aufgaben machen müsse. Mobbing etc. erlebe ich bei meinen Kindern eher weniger ausgeprägt als bei uns damals.

    • Niklas Meier sagt:

      Wir waren die Letzten die noch am Samstag Schule hatten. Bis dies dann geändert wurde. Die Mehrheit der Schüler war dagegen, unter Anderem auch deshalb weil man lieber am Mittwochnachmittag frei haben wollte als am Samstag.

      • Henriette sagt:

        Den freien Mittwochnachmittag gibt es immer noch, trotz freiem Samstag. Gestrichen wurde der zweite freie Nachmittag. Im Kanton Zürich jedenfalls ist das so.

  • Michael sagt:

    Meine eigene Schulzeit dauerte von 60 – 74 und die meiner Töchter von 97 – 11. Ich hatte verglichen mit meinen Töchtern eine traumhaft lockere Schulzeit. Maximal dauerte ein Schultag von 08:00 – 13:30 und um 14:00 war ich zu Hause. Schularbeiten waren in 2 -3 Stunden erledigt, danach war Freizeit. In der damaligen computerlosen Zeit bolzten wir Fussball, gingen in die Badeanstalt, fuhren mit dem Fahrrad um die Häuser oder lasen spannende Bücher. Später kamen Mädels dazu. Wochenende war immer frei. Mein Abi bekam ich als 5. Bester meiner Klasse.
    Meine Töchter kamen ab der Oberstufe selten vor 16:00 nach Hause und sassen auch oft bis abends an ihren Hausaufgaben. Wenn sie nicht am Wochenende noch zusätzlich lernten, hätten sie den Stoff nicht gepackt. Beim Abi waren sie im vorderen Drittel.

  • 13 sagt:

    Wie heisst es so schön? Mach es so gut, wie Du es kannst. Bis Du es besser weisst. Wenn Du es besser weisst, mach es besser.

    Es spielt letztlich kaum eine Rolle, ob früher alles besser oder schlechter war. Aber wenn heute die grösste Angst vieler Eltern die ist, dass ihre Kinder in der Schule das Gleiche durchmachen müssen, wie sie es durchmachen mussten, dann wäre es falsch, sich an dem Vorbild zu orientieren, sondern es wäre vielmehr zu prüfen, was geändert werden sollte. Die richtigen Weichen sind sicher bereits gelegt, reichen tut das aber noch nicht.

    • Sportpapi sagt:

      „Aber wenn heute die grösste Angst vieler Eltern die ist, dass ihre Kinder in der Schule das Gleiche durchmachen müssen, wie sie es durchmachen mussten.“
      Ist das so? An unsere Klassentreffen vor kurzem hat jedenfalls keine/r negativ auf die Schulzeit (Primar) zurückgeschaut.
      Ich glaube nicht, dass eine Mehrheit die Schule insgesamt negativ erlebt hat.

      • 13 sagt:

        „Ist das so? “
        Das erlebe ich so im Austausch mit anderen Eltern.

        „An unsere Klassentreffen vor kurzem hat jedenfalls keine/r negativ auf die Schulzeit (Primar) zurückgeschaut.“
        Das war Ihr Klassentreffen. Da bei uns keine stattfinden, kann ich das für meine Klasse nicht beantworten. Meine Schulzeit selber war ok, es gäbe jedoch einiges, was besser hätte laufen können (seitens System). Ich würde sie weder idealisieren noch verteufeln.

        „Ich glaube nicht, dass eine Mehrheit die Schule insgesamt negativ erlebt hat.“
        Von Mehrheit habe ich nichts gesagt, sondern von „vielen“.

      • maia sagt:

        @Sportpapi: Schön, dass es bei Ihnen so ist. Bei uns ist es leider so, dass die Organisation eines Treffens immer daran scheiterte, dass kaum jemand an die Zeit erinnert werden möchte….. Ich selber würde nicht an ein Treffen gehen, bei dem der Lehrer auch anwesend ist. – Was nun die Mehrheit ist, weiss ich nicht. – Ich bin übrigens sehr froh, dass wir in den letzten 2 Sekjahren in den Naturwissenschaftlichen Fächern wirklich hervoragende Lehrer hatten.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Die grösste Angst vieler Eltern ist doch eher, dass ihr Kind in der Schule zu wenig gefördert wird, zu wenig lernt. Ich erlebe die heutige Schule (Primar) als gut organisiert, aber nach wie vor nicht wirklich anspruchsvoll für gute Schüler/innen. Ob der Stoff zugenommen hat, weiss ich nicht. Aber definitiv hat das Thema Aufsicht, (Nach-) Erziehung, usw. zugenommen.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ich verstehe gerade gar nicht, was Sie mit dem Link sagen wollen, aber egal. Wenn ich solche Sätze lese: „Die grösste Angst vieler Eltern ist doch eher, dass ihr Kind in der Schule zu wenig gefördert wird, zu wenig lernt.“, dann denke ich wieder einmal, dass wir in zwei komplett verschiedenen Welten leben. Denn auch wenn ich in meinem Umfeld gerade sehr viele Akademiker habe, die sicher noch eher anfällig dafür wären, Druck auszuüben, so ist es praktisch allen viel wichtiger, dass es dem Kind in der schule gut geht, es gerne hingeht und dass seine Individualität gesehen wird, als dass es ins Gymnasium kommt.
        Zuletzt nochmals: Ich schrieb „viele“, weder „die Meisten“ noch die „grösste Angst“, aber wenn, dann wäre Mobbing sicher weiter vorne als ungenügende Leistung.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ja, wir leben offensichtlich in komplett verschiedenen Welten. Was mich wundert, denn eigentlich habe ich regelmässig mit ganz vielen sehr unterschiedlichen Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern in meiner Gemeinde zu tun.

  • Jürg. sagt:

    Mir scheint die Kinder haben weniger Freizeit als früher und der Druck ist in der Gegenwart einiges grösser geworden, nicht nur für die Kinder, auch für die Eltern. Die Chancengleichheit ist kleiner geworden, jedenfalls haben es Kinder ohne unterstützende Eltern (mit englisch und französisch Kompetenzen), heutzutage wesentlich schlechtere Karten als früher.
    Ganz schwach empfinde ich die Argumentation mit dem Klische der Angst und Ohrfeigen, das war vor 50 Jahren schon Vergangenheit.

    • Emanuel sagt:

      Lieber Jürg,
      ich (Jahrgang 1978) kannte das mit Ohrfeigen, geworfenem Schlüsselbund und an den Haaren ziehen sehr wohl noch aus dem Unterricht… Ich persönlich kann mich der Meinung der Autorin anschliessen. Druck ist da, einfach anders. Und das mit der Freizeit, ist das nicht auch etwas was die Eltern steuern können. Das Problem liegt hier aus Meiner Sicht nicht bei der Schule sondern bei den Eltern die ihr Kind nach der Schule noch in dieses und jenes Training, Kurs etc. schicken.

    • Cybot sagt:

      Die wenige Freizeit liegt aber auch oft genug daran, dass in der Freizeit noch alle möglichen Kurse (Musik, Sport, Nachhilfe, etc.) untergebracht werden müssen. Da sind es gerne die Eltern selbst, die den Druck machen. Und nein, Ohrfeigen waren mit Sicherheit nicht schon vor 50 Jahren Vergangenheit, die gab es definitiv auch 1986 noch, wenn auch selten. Und soll ich noch erwähnen, dass wir damals auch am Samstagvormittag Schule hatte? Von wegen mehr Freizeit…

      • Sportpapi sagt:

        Wir hatten in der Sechstagewoche definitiv mehr Freizeit, da insgesamt tendenziell weniger Lektionen.
        Oder was meinen Sie, was die Kinder und Jugendlichen heute am Samstag morgen alles machen?
        Und früher am zusätzlichen freien Nachmittag?

      • Rabe sagt:

        @cybot. Die Sa-Vormittag-Lektionen wurden auf die anderen Tage verteilt. Ergo weniger Zeit an den Tagen, an denen man eh schon weniger Zeit hat. Zudem sind 1 bis 2 Hobbies pro Woche (Sport/ Musik o.ä.) eine tolle Sache. Würde man die erwiesenermassen nicht zielführenden Husi endlich streichen, bliebe viel mehr Zeit und einiger Druck wäre weg. Mindestens Zeitdruck. Ein Schulsystem, das keine Zeit mehr für andere Beschäftigungen zulässt, kann es m. E. nicht sein. Die Schule bekommt sonst einen zu grossen Stellenwert.

      • Nala sagt:

        @Rabe:

        Spannend finde ich, dass anscheinend in der Schule Husi nicht zielführend sei. Ich mache gerade eine Weiterbildung zur Finanzfachfrau. Und Hausaufgaben sind da völlig normal. Soviel Zeit wie die Schule benötigt, benötigt man mindestens nochmals zuhause zur Vor-/Nachbereitung. Wenn das nicht zielführend ist, warum dann auch noch bei Erwachsenen? Und bei mir war es übrigens schon für den Sachbearbeiter sehr zielführend. Jeden Tag gelernt, musste der Stoff nicht 1 Woche vor der Prüfung reingepaukt werden, wie ich das bei Studenten immer wieder erlebe (und die das selber auch so zugeben). Kommt jetzt natürlich noch etwas auf die Hausaufgaben an…

      • Sportpapi sagt:

        @Rabe: Mit Husi meinten Sie Hausaufgaben? Oder die drei Wochen „Husi“?
        Wie auch immer: Wer neben dem Gymnasium keine Zeit mehr hat für Hobbies, ist entweder sehr ambitioniert und zielstrebig. Oder, wahrscheinlicher, am falschen Ort. Die diversen Sportschulen für Talente beginnen jedenfalls erst, wenn bereits über 10 Stunden trainiert wird, neben der regulären Schule.

    • maia sagt:

      @Jürg.: „Ganz schwach empfinde ich die Argumentation mit dem Klische der Angst und Ohrfeigen, das war vor 50 Jahren schon Vergangenheit.“ – Schade, dass meine LehrerInnen davon nichts gewusst haben! und wir wären froh gewesen, wäre es bei Ohrfeigen geblieben.

      • Peter sagt:

        @maia
        Und wie Sie Recht haben. Kann ein Lied davon singen….und das war in den 70ern bis in die 80er

Kommentar

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