Warum Sophie mit 29 ihre Eizellen einfrieren lassen will

Macht «Social Freezing» Frauen frei und unabhängig oder vielmehr zu Egoistinnen? Foto: Chevanon Photography (Pexels)

«Mit 29 kann ich mir endlich leisten, wovon ich Anfang 20 geträumt habe», sagt Sophie. Einen Partner hat sie aktuell nicht, dafür die Freiheit, zu tun und zu lassen, was sie will. «Ich bin grundsätzlich eher ein Beziehungsmensch, doch bin ich gerade sehr zufrieden mit dem Alleinsein, da mein Fokus auf mir und meinen Bedürfnissen liegt.»

Das einzig Nervige am Singleleben seien ihre Familie oder bereits verheiratete Freunde, die immer wieder verständnislos den Kopf schütteln und fragen, wann es denn bei ihr so weit sei und ob sie auch ans Kinderkriegen denke. Sie sei zwar noch verhältnismässig jung, doch mache die biologische Uhr ihretwegen sicherlich keine Pause. Was Sophie besonders an diesen Fragen und Vorwürfen stört, ist, dass nur Frauen damit konfrontiert werden. Erfolgreiche Männer im gleichen Alter müssten sich nie solche Sprüche anhören.

Social Freezing relativiert die biologische Uhr

«Natürlich mache ich mir Gedanken, wenn ich schwangere Freundinnen treffe oder auf den Kindergeburtstag meiner Nichte gehe. Ich bin 29, meine Mutter hatte in diesem Alter schon zwei Kinder», sagt sie. Eine Schwangerschaft ist jedoch nichts, was sie einfach so von heute auf morgen entscheiden könne. Dazu fehlt Sophie zunächst der richtige Partner, ausserdem die Zeit, welche sie momentan in ihre Karriere investiert. «Man kann eben nicht alles auf einmal haben.»

Aus diesem Grund setzt sich Sophie immer mehr mit dem Thema Social Freezing auseinander. Das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen aus nicht medizinischen Gründen ist ethisch und gesellschaftlich betrachtet immer noch ein heikles Thema. In den USA hingegen scheinen solche Eingriffe bereits zum Alltag zu gehören. Spätestens durch die Bekanntmachung von Apple und Facebook, ihren Mitarbeiterinnen das vorsorgliche Einfrieren und die Lagerung von Eizellen finanzieren zu wollen, ist der Begriff in aller Munde.

Je intensiver sich Sophie mit dem Thema beschäftigt, Berichte liest, mit Freunden darüber spricht, desto besser findet sie die Idee: «Durch Social Freezing haben Frauen endlich die Möglichkeit, sich auf ihre Karriere zu konzentrieren, ohne dass die biologische Uhr im Hintergrund Alarm läutet.» Warum sollte sie die Errungenschaften der modernen Reproduktionsmedizin also nicht zu ihren Gunsten nutzen?

Freunde kritisieren «puren Egoismus»

Sophies Überlegung, Eizellen einfrieren zu lassen, stösst nicht nur auf Verständnis. «Meine Eltern sind zwar nicht begeistert über diese eher unorthodoxe Methode des Kinderkriegens, wollen aber gleichzeitig, dass ich glücklich bin, und sehen auch, dass es heutzutage nicht so einfach ist, alles unter einen Hut zu bekommen.»

Es überrascht Sophie nicht, dass einige ihrer bereits verheirateten Freunde mit Kindern gegen ihr Vorhaben sind. Sie sehen darin keineswegs eine Errungenschaft der Emanzipation oder eine zusätzliche Option für berufstätige Frauen, für die eine natürliche Empfängnis aktuell nicht infrage kommt. Den natürlichen Prozess des Kinderkriegens so stark zu beeinflussen und zu planen, sei für sie purer Egoismus. «Dass Social Freezing dazu verhilft, sich auf die Karriere und die Optimierung des eigenen Lebens zu fokussieren, stimmt zwar, doch ist damit nicht alles gesagt. Die positiven Aspekte werden einfach unter den Tisch gekehrt», betont Sophie.

Manchmal habe sie sogar das Gefühl, andere sähen sie als gottverachtendes Monster, weil sie darüber nachdenke, ihre Eizellen einzufrieren.

Der Preis einer beruflichen Karriere

Dass dieses Thema immer noch so stark die Gemüter erregt, kann sie nicht nachvollziehen: «Wenn wir ehrlich sind und von der Prämisse ausgehen, dass Frauen eben nicht nur an den Herd gehören, ist das Leben einer berufstätigen Frau selbst ohne Social Freezing nicht weniger geplant oder von ökonomischen Interessen geprägt.» Fakt ist: Wer Karriere machen will – egal, ob Mann oder Frau –, müsse dranbleiben und könne sich nur in wenigen Ausnahmefällen eine Auszeit leisten. «Ehe ich mich versehe, bin ich Mitte 30 und meine Fruchtbarkeit bereits beeinträchtigt. Ist das die Strafe dafür, dass ich beruflich erfolgreich und unabhängig sein will?»

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