Die Hausfrau ist tot. Es lebe die Hausfrau

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Hausarbeit? Bleibt in den meisten Fällen Frauenarbeit. Foto: iStock

Die Tendenz ist eindeutig: Die Zahl der Frauen, die sich ausschliesslich um den Haushalt kümmern, geht markant zurück. Das zeigt die Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS). 2016 gaben noch 35 Prozent der Frauen an, hauptsächlich Hausfrau zu sein. Dies sind halb so viele wie noch vor zwanzig Jahren. Demgegenüber geben fast 80 Prozent der 25- bis 64-Jährigen Frauen an, einer bezahlten Arbeit nachzugehen oder auf Stellensuche zu sein. Jene, die eine Stelle haben, arbeiten meist Teilzeit.

Es scheint sich punkto Vereinbarkeit etwas getan zu haben, ist man versucht zu sagen. Flexiblen Arbeitszeitmodellen und mehr Betreuungsangeboten sei Dank. Doch stimmt das tatsächlich? Und wie geht es Müttern und Vätern dabei?

Der Haushalt bleibt an den Frauen hängen

Interessant sind in diesem Zusammenhang zwei Elternstudien, beide erschienen in den letzten Wochen. Die Zeitschriften «Eltern» und «Brigitte» hatten diese in Auftrag gegeben; befragt wurden jeweils 1000 Personen in Deutschland, wobei man die Resultate mehrheitlich auf die Schweiz übertragen kann. Eine der Hauptaussagen der repräsentativen «Eltern»-Studie ist: Kind und Job gleichzeitig zu wollen und beidem gerecht zu werden, empfinden Eltern als immer schwieriger. Gaben vor vier Jahren 42 Prozent an, mit der Vereinbarkeit «überhaupt keine» oder «so gut wie keine» Probleme zu haben, sind es aktuell nur noch 29 Prozent. Die deutsche Professorin Barbara Thiessen erklärt, weshalb: «Die Erwerbsarbeit ist flexibler geworden – aber auf Kosten der Familienzeit.» Mit der Digitalisierung seien die Erwartungen gestiegen, beispielsweise die, am Wochenende erreichbar zu sein.

Hinzu komme aber auch noch der Aspekt der Mehrfachbelastung: Da die Erwerbstätigkeit bei Müttern zugenommen habe, die Väter aber weitgehend bei ihrer Vollzeitbeschäftigung und Haushaltsabstinenz geblieben seien, hätten Mütter grössere Schwierigkeiten, Kind und Beruf miteinander zu vereinbaren. (Lesetipp: «Mutterschaft ist ein Gesundheitsrisiko»)

Denn auch das zeigt die Studie: In den meisten Familien dominiert noch die klassische Rollenverteilung. Die Hausarbeit bleibt in weiten Teilen an den Frauen hängen. Kochen ist zum Beispiel nach wie vor Frauensache: 74 Prozent der Frauen sind für die Mahlzeiten zuständig. Allerdings ist die Wahrnehmung in Bezug auf die Hausarbeit sehr unterschiedlich. «Wir machen den Haushalt abwechselnd, bzw. beide gemeinsam», sagen zum Beispiel 41 Prozent der Männer, aber nur 20 Prozent der Frauen.

Es bleibt Spielraum für Interpretationen. Doch es ist nicht ganz verkehrt, wenn eine Leserin den Artikel «Hausfrau wird zum Auslaufmodell» im «Tages-Anzeiger» letzte Woche folgendermassen kommentiert: Die Annahme, Hausfrau würde zum Auslaufmodell, sei ein grosser Irrtum. «Die meisten Frauen sind immer noch Hausfrauen, nur stemmen sie daneben noch einen Teilzeitjob. Für die Männer hat sich nichts geändert.»

Es scheint, als habe sich primär die Definition gewandelt: Hausfrau mag als Berufsbezeichnung ein Auslaufmodell sein – als Tätigkeit nicht.

Weitere interessante Ergebnisse der Studie sind:

  • Eine Biografie ohne Erwerbstätigkeit kann oder will sich heute kaum noch eine Frau vorstellen.
  • Er arbeitet Vollzeit, sie Teilzeit. Es ist das meist gelebte Modell (44 Prozent) und auch das meist gewünschte (41 Prozent). Nur 8 Prozent der Frauen wollen als Mutter in einen Vollzeitjob zurück.
  • Der Druck auf Familien hat zugenommen. Das sagen 87 Prozent aller Mütter und Väter in Deutschland.
  • «Rabenmutter» gilt nicht mehr berufstätigen Müttern, im Gegenteil: 84 Prozent der Befragten sagen, es werde von ihnen erwartet, ihr Kind möglichst früh in einer Kita abzugeben. Heute entspricht die möglichst frühzeitige Rückkehr an den Arbeitsplatz offenbar der Norm einer «guten» oder «erfolgreichen» Mutter.
  • Allerdings favorisieren nur sehr gut ausgebildete, gut verdienende Frauen nach der Geburt einen frühen Wiedereinstieg in den Job. Die Mehrheit hält es für sinnvoll, zu warten, bis das Kind eineinhalb bis drei Jahre alt ist.
  • 86 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass Familien sich heute eher dem Arbeitsmarkt anpassen müssen als umgekehrt.

Wie erleben Sie selbst die Situation? Schreiben Sie von Ihren Erfahrungen und diskutieren Sie mit.

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