Mutterschaft bereuen? Bitte nicht!

Liebe statt Angst: Der Amerikaner Jordan Romero – hier als 13-Jähriger mit seinen Eltern in Nepal – ist der jüngste Bergsteiger, der auf den sieben höchsten Bergen der sieben Kontinente war. Foto: Narendra Shrestha (EPA, Keystone)

Kürzlich kam mein zweiundzwanzigjähriger Sohn zu mir. Er war sehr betroffen über einen Text einer «regretting mother» – einer Mutter, die ihre Mutterschaft bereut –, den er auf Facebook gelesen hatte. Er sagte: «Mami, was geschieht mit den Kindern, wenn sie das lesen? Es tönt so herzlos!»

Ich habe ihm erklärt, dass diese Mütter endlich über ihre Probleme oder ihre Überforderung sprechen oder schreiben können und so realisieren, dass sie nicht alleine sind mit ihrem Stress oder ihrer Depression. «Aber die Kinder, Mami? Es ist schrecklich, wenn die eigene Mutter so etwas schreibt!» Ich kann ihm keine Antwort geben. Ich erinnere mich aber noch, wie wir uns gestritten hatten, weil ich über unsere Ablösungsprobleme und seinen Auszug von zu Hause geschrieben habe. Er hat es vergessen.

Das Feuer der Liebe ist stärker

Im angesprochenen Fall empfinde ich dasselbe. Jenseits meines Mitgefühls für die Mütter, meines Verständnisses und meines Verstands überkommt es mich bei solchen Artikeln jedes Mal kalt und mir tuts im Herzen weh. Ich möchte den Müttern raten: Geniesst die Zeit mit euren Kinder! Sie ist allzu schnell vorbei. Hegt das Feuer der Liebe in euch! Es wird auch euch wärmen.

Aber natürlich ist auch mir das nicht immer gelungen. Wie gesagt, ich kann die Mütter auch verstehen – bis zu einem gewissen Grad zumindest. Ich bin selbst Mutter von drei Kindern, einem Zwillingspaar, wovon das Mädchen mit einem Downsyndrom geboren ist, und einem drei Jahre älteren Jungen, der nach der Geburt seiner Geschwister einigen Eifersuchtsstress machte. Man kann mir also nicht vorwerfen, ich hätte keine Ahnung vom Muttersein.

Ich habe ein Familienunternehmen gebuckelt mit allem, was dazugehört – auch diversen Haustieren –, und einem Kindesvater, der alles besser wusste, aber nichts besser machte. All dies war so nicht geplant. Das Leben wollte mir wohl diese Aufgaben stellen. Karma?

Wir sind nicht perfekt

Ich habe mich oft alleine gefühlt, auch verzweifelt, am Ende meiner Kräfte. Aber noch viel öfter war ich einfach voller Liebe für diese Kinder und ich hätte mich jederzeit und immer wieder für sie entschieden. Sie haben mein Leben so viel reicher gemacht, wenn auch manchmal ebenso schwierig. Ich war unglaublich bemüht, dass sie es gut haben, besser! Ich wollte sie nicht nur abfertigen, sondern wir sollten die gemeinsame Zeit zusammen auch mal geniessen können. Sie sollten spüren, dass sie geliebt werden, dass sie gut sind, so wie sie sind, und gewollt.

Mein Gott, ja, ich habe auch oft die Nerven verloren, bin aus der Haut gefahren und habe herumgebrüllt, war ungerecht und manchmal wirklich verletzend. Ich habe mich nachträglich mit Schuldgefühlen herumgequält, mit der Sorge, dass ich Schäden verursacht habe, die nicht mehr zu beheben sind. Jeder von uns weiss ja: Wir sind nicht perfekt. Wir machen Fehler, selbst im grössten Bemühen, diese zu vermeiden.

Dann habe ich das Kind in den Arm genommen, mich entschuldigt und habe ihm einfach gesagt, wie sehr ich es liebe. Die Liebe war in jedem Moment grösser.