Gerechtigkeit – auch für Männer

Begegnung auf Augenhöhe: Das Gleichstellungsgesetz ist auf alle anwendbar. (Bild: iStock)

In Gleichstellungsbüros arbeiten nur Frauen, nicht wahr? Umso überraschter reagieren Ratsuchende, wenn sie die Hauptnummer der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich wählen und vom männlichen Lernenden für die Bearbeitung ihres Anliegens an einen der zwei weiteren Männer auf der Fachstelle weitergeleitet werden. «Was, schon wieder ein Mann?», hören wir dann immer wieder. Auch wenn das den einen oder die andere überraschen mag – die Zeiten, als nur Frauen auf Gleichstellungsbüros arbeiteten, sind vorbei.

Weshalb sollte der Jurist der Stadtzürcher Fachstelle eine schwangere Frau, die von einer diskriminierenden Kündigung betroffen ist, nicht genauso gut beraten können in Bezug auf ihre Rechte wie eine Frau? Wenn es also beispielsweise darum geht, dass der frischgebackenen Mutter an ihrem ersten Arbeitstag nach dem Mutterschaftsurlaub ihre eigene Nachfolgerin vorgestellt wird, obwohl sie ihre Stelle gar nicht gekündigt hat? Wenn die Rückkehrerin kurzerhand auf eine weniger anspruchsvolle Stelle versetzt wird, weil sie sich nun – so der Arbeitgeber – auf ihre familiären Verpflichtungen konzentrieren müsse (übrigens mitnichten ein Einzelfall).

Gleichstellung ist auch Männersache

Aber Männer sind nicht nur als Mitarbeiter auf Gleichstellungsbüros immer häufiger. Auch als Ratsuchende werden sie zahlreicher. Auch wenn noch immer mehr Frauen bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich Rat suchen: Ein Drittel der Anfragen kommt in Zürich bereits von Männern – gerade in Vereinbarkeitsfragen.

Denn auch Männer müssen sich gegen stereotype Rollenbilder wehren. Beispielsweise wenn es darum geht, den Beschäftigungsgrad infolge Elternschaft zu reduzieren. Oder aber, wenn das kranke Kind zu Hause betreut werden muss. Immer wieder berichten Väter, dass ihnen der Arbeitgeber – obwohl gesetzlich dazu verpflichtet – keinen freien Tag gewähren will, wenn ihr Kind krank ist. Frauensache sei das, der Berufsarbeit fernbleiben und um das Kind kümmern solle sich gefälligst die Kindsmutter… Es könne doch nicht sein, dass dann plötzlich eine ganze MANNschaft ihre kranken Kinder daheim betreuen müsse und niemand mehr zur Arbeit erscheine.

Es geht um Gerechtigkeit

Die Beispiele zeigen: Mit den vorherrschenden Bedingungen haben heute auch Männer zu kämpfen, und zwischen den Bedürfnissen von Männern und den Zielen der Gleichstellung besteht kein Interessenkonflikt. Die Männer sind nicht die Verlierer der Gleichberechtigung – auch wenn das viele anders sehen. Männer brauchen Gleichstellung und Gleichstellung braucht Männer – sowohl als Gleichstellungsexperten wie als Ratsuchende.

Wer hier einen Geschlechterkampf inszeniert à la «Männer für Männer» und «Frauen für Frauen» hat nicht begriffen, worum es geht: Um eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der jede und jeder unabhängig vom Geschlecht zu ihren und seinen Rechten kommen soll. So ist denn auch das Gleichstellungsgesetz bei Diskriminierungen aufgrund der familiären Situation keinesfalls nur auf Frauen anwendbar – nur leider kennen hier die wenigsten ihre Rechte. Es geht also um Gerechtigkeit (nicht nur für Einzelne), um eine Gesellschaft ohne Benachteiligungen (nicht nur auf dem Papier). Und dazu braucht es Frauen und Männer.