Best of: Eine Liebeserklärung an die Treue

Die Festtage geniesst unser Mamablog-Team mit den Familien. Daher publizieren wir ein Highlight des vergangenen Jahres.

Klare Haltung: Treue ist Liebe, Untreue macht jede schöne Geste zur Show. Foto: iStock

Klare Haltung: Treue ist Liebe, Untreue macht jede schöne Geste zur Show. Foto: iStock

Sind und waren Sie immer treu? Schreiben Sie es doch unten in die Kommentare. Keine Sorge, Ihre Frau oder Ihr Mann liest nicht mit. Gemäss Umfragewerten, Medienberichten und Nachbarschaftsgeschwätz scheint es durchaus gebräuchlich zu sein, seinen Partner zu betrügen. Freunde, Kollegen und Familienpolitiker tun es immer mal wieder gerne.

Das gibt einem natürlich zu denken: Ist meine Frau treu? Wird sie es auch immer bleiben? Werde ich ihr immer treu sein?

Ich sage: O ja, ich werde meiner Frau immer treu sein. Es ist mir wichtig, im Sterbebett auf ein Leben frei von Seitensprüngen zurückzublicken. So wichtig, dass ich es gar als eins meiner wenigen Lebensziele bezeichnen würde.

Treue als Lebensziel

Ein Lebensziel ist weit mehr als ein Vorsatz wie «mehr Sport» oder «weniger Kaffee», der maximal den ersten drei Versuchungen standhält. Ein Lebensziel ist etwas, was einen bei wichtigen Entscheidungen leitet. Und wichtig ist es allemal, denn Treue ist Liebe. Untreue wertet die Liebe ab, macht sie zu einem leeren Wort. Wie kann ich behaupten, jemanden zu lieben, wenn ich seine Gefühle aus egoistischen Motiven verletze? Nein, ich will richtig lieben. Nicht nur kurz, zu Beginn einer Beziehung, sondern mein Leben lang.

Ich wäre ein Idiot, würde ich fremdgehen. Weil ich Gefühle verletzte, Prinzipien verriete und mir einen ganzen Sack voller persönlicher Probleme aufhalste. «Kann passieren», «Wir sind alle nur Menschen» und «Jeder macht Fehler» sind da reichlich lahme Rechtfertigungen. Immerhin gehen die Konsequenzen weit über eine Beichte und den eventuellen Verlust der Beziehung hinaus:

  • Warum soll mir jemals wieder jemand vertrauen?
  • Wie kann ich selber jemandem vertrauen? Wie kann ich etwas erwarten, was ich selber nicht zu bieten vermag?
  • Kann ich meinen Kindern noch in die Augen schauen? Jahrelang habe ich sie doch sorgfältig erzogen, ihnen Werte wie Ehrlichkeit und Nächstenliebe vermittelt.

Es kann nur einen Schluss geben: Untreue ist ein schweres persönliches Versagen.

Bin ich etwa prüde?

Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Ist es prüde, seine Versprechen einzuhalten? Ist es prüde, seinen Partner zu respektieren? Ich halte mich durchaus für gesellschaftsliberal: offene Beziehungen oder Polyamorie? Grossartig. Wer sich nicht einschränken lassen will, soll das auch nicht tun müssen. Aber wer seinem Partner Treue schwört, der ist verdammt noch mal treu. Was ist daran so schwer?

Vielleicht schwingt etwas Prüderie tatsächlich mit: weil ich Treue nämlich nicht nur von mir und von meiner Frau fordere, sondern sie von allen erwarte. Erfahre ich, dass eine mir bekannte Person ihren Partner betrogen hat, bin ich enttäuscht und fühle mich gleich mit betrogen.

Es macht mir auch Angst, wenn geschätzte Mitmenschen offenbar ihre Impulse nicht kontrollieren können. Wo ziehen sie die Grenzen? Bei der strafrechtlichen Relevanz? Habe ich nur deshalb noch kein Messer im Rücken, weil darauf Gefängnis steht? Deshalb liebe Freunde: Erzählt mir besser nicht von euren Eskapaden. Ich will das gar nicht wissen.

Treue ist Liebe

Treue ist natürlich nicht das einzig Wichtige in einer Beziehung. Dass man seinen Partner im Alltag gut behandelt, sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Aber Treue legt auch hier die Basis: Was ist ein galanter, liebevoller Partner wert, wenn er lügt und betrügt? Untreue macht jede schöne Geste zur Show.

Sie können meine Moralvorstellungen natürlich gerne kritisieren. Bitte tun Sie das, ich freue mich auf die Diskussion.

Und falls ich jemals doch fremdgehen sollte, tun Sie bitte auch Folgendes:

  1. Halten Sie mir diesen Text unter die Nase.
  2. Falls ich Politiker bin: Wählen Sie mich nicht noch mal.
  3. Kneifen Sie sich ins Bäckchen. Vermutlich haben Sie nur geträumt.

Ich werde es nämlich nicht so weit kommen lassen. Ich werde mich, meine Frau und unsere Beziehung mit all unseren Liebesversprechen nicht auf diese Weise blossstellen. Ich freue mich auf ein Leben voller Treue und Vertrauen. Anders lohnt sich diese «Liebe» doch gar nicht.

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Liebe Leserinnen und Leser, auch unsere Kommentarfreischalter machen mal Pause – und zwar 1. & 2. Januar. Bitte haben Sie Verständnis, dass dann Ihre Blog-Kommentare möglicherweise erst verspätet erscheinen. 

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